Essen & Trinken
Die rumänische Küche
Rumänisches Essen ist Seelenfutter im besten Sinne: deftig, großzügig portioniert und von einer bäuerlichen Tradition geprägt, die sich über Jahrhunderte kaum verändert hat. Die Basis bilden Fleisch (Schwein, Huhn, Lamm), Maismehl, Käse, Sauerkraut, Bohnen und viel Sauerrahm (smântână). Die Küche ist nicht leicht — aber sie ist ehrlich, und nach einem Tag Wandern in den Karpaten ist sie genau richtig.
Nationalgerichte
- Mici (Mititei) — Das inoffizielle Nationalgericht: gegrillte Hackfleischröllchen aus Rind, Schwein und Lamm mit Knoblauch, Kreuzkümmel und Thymian. Überall erhältlich — von der Straßengrille bis zum Restaurant. Mit Senf und Brot serviert. 5 Stück für 3–5€. Kein Rumänien-Besuch ohne Mici.
- Sarmale — Krautwickel aus fermentiertem Kohl (oder Weinblättern), gefüllt mit Reis und Hackfleisch, stundenlang geschmort und mit Sauerrahm serviert. Das Festessen-Gericht, zu Weihnachten und an Feiertagen in jedem Haushalt. Jede Familie hat ihr eigenes, „bestes" Rezept.
- Ciorbă — Rumänische Suppen sind sauer — gewürzt mit Borș (fermentierter Weizenkleie-Saft) oder Essig. Ciorbă de burtă (Kuttelsuppe mit Sauerrahm und Knoblauch) ist das berühmteste Beispiel — nichts für Zartbesaitete, aber ein Geschmackserlebnis. Ciorbă de legume (Gemüsesuppe) ist die mildere Alternative.
- Mămăligă — Rumänischer Maisbrei, das „Brot der Armen" und die Beilage schlechthin. Fest, goldgelb und vielseitig: als Beilage zu Sarmale, mit Käse und Sauerrahm überbacken (Mămăligă cu brânză și smântână) oder gebraten als Snack. In Transsilvanien: mit Schafskäse und Spiegelei (Bulz ciobănesc).
- Papanași — Das beliebteste rumänische Dessert: frittierte Topfenknödel (Quarkbällchen) mit Sauerrahm und Marmelade (meist Blaubeer- oder Kirschkonfitüre). Süß, warm, sündig gut. In jedem guten Restaurant auf der Karte.
- Cozonac — Süßer Hefezopf mit Walnuss-, Kakao- oder Turkish-Delight-Füllung. Zu Weihnachten und Ostern in jedem Haushalt gebacken. Die Qualität variiert — der beste Cozonac ist der selbstgemachte bei der Pensionswirtin.
Regionale Spezialitäten
- Transsilvanien: Bulz (Mămăligă mit Schafskäse im Ofen), Kürtőskalács (Baumkuchen, ungarischer Einfluss), sächsische Kartoffelsuppe.
- Moldau/Bukowina: Plăcintă (gefüllte Teigtaschen mit Käse, Kürbis oder Kartoffeln), Tochitura moldovenească (Fleischragout mit Mămăligă).
- Donaudelta: Fischborsch (Ciorbă de pește), gegrillter Zander, Stör-Kaviar (selten, teuer, legal).
- Walachei: Drob de miel (Lammhackbraten, zu Ostern), Zacuscă (Auberginen-Paprika-Aufstrich für den Winter).
Trinken & Țuică
Țuică — Rumäniens flüssige Seele
Țuică (sprich: „Zuika") ist Pflaumenschnaps und Rumäniens Nationalgetränk. In jedem Dorf wird er selbst gebrannt (50–60% Vol.), und bei jedem Anlass wird er ausgeschenkt — zur Begrüßung, zum Essen, zum Abschied, bei Freude und bei Trauer. In der Maramureș heißt er Horincă und wird aus Äpfeln oder Birnen gebrannt. Die edle Variante ist Pălincă — doppelt destilliert und glasklar.
Trinkritual: Ein „Noroc!" (Prost!) gehört dazu, dann ein Schluck (kein Nippen!). Im Dorf wird Țuică vor dem Essen getrunken — als Aperitif und zum „Aufwärmen des Magens". Nicht ablehnen — das gilt als unhöflich. Aber: Selbstgebrannter kann sehr stark sein. Vorsichtig dosieren.
Wein
Rumänien ist ein unterschätztes Weinland mit einer 6.000 Jahre alten Weinbautradition. Die wichtigsten Weinregionen:
- Dealu Mare — Südlich der Karpaten, Rumäniens Bordeaux. Exzellenter Fetească Neagră (autochtone rote Rebsorte), Cabernet Sauvignon und Merlot.
- Drăgășani — In der Walachei. Bekannt für Cramposie (Weißwein) und das hervorragende Weingut Avincis.
- Cotnari — In der Moldau. Berühmt für Grasă de Cotnari, einen goldenen Dessertwein, der mit Tokaji Aszú verglichen wird.
- Recaș — Im Banat (Westen). Moderne Weingüter mit internationalem Standard.
Rumänischer Wein ist hervorragend und spottbillig: Eine gute Flasche im Supermarkt kostet 3–8€, im Restaurant 10–20€. Besonders empfehlenswert: die autochtonen Rebsorten Fetească Neagră (rot, vollmundig), Fetească Albă (weiß, frisch) und Tămâioasă Românească (Muskateller-artig, aromatisch).
Bier
Rumänien hat eine solide Bierkultur: Ursus, Timișoreana und Ciucaș sind die bekanntesten Marken — alle trinkbar, alle günstig (1–3€ im Restaurant, 0,60–1€ im Supermarkt). In den letzten Jahren ist eine kleine, aber feine Craft-Beer-Szene entstanden, besonders in Bukarest, Cluj-Napoca und Brașov.
Kaffee
Rumänen trinken viel und guten Kaffee. Die Café-Kultur boomt, besonders in den Universitätsstädten. Ein Espresso oder Cappuccino kostet 1,50–3€ — und ist oft hervorragend. In Dörfern wird noch türkischer Kaffee (cafea turcească) getrunken: fein gemahlen, in einem Ibrik aufgekocht, mit Zucker und dem Satz in der Tasse. Nicht umrühren!
War dieses Kapitel hilfreich?
