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Regionen · Kapitel 6

Moldau & Bukowina

Rumänien Reiseführer

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RegionenKapitel 6: Moldau & Bukowina
Regionen · Kapitel 6

Moldau & Bukowina

Der ruhige Nordosten Rumäniens ist das Land der bemalten Klöster, der Holzkirchen und der lebendigen Bauernkultur. Hier, abseits der touristischen Hauptrouten, findest du ein Rumänien, das sich kaum verändert hat — und das dich mit Kunst, Spiritualität und Gastfreundschaft überwältigt.

Die bemalten Klöster der Bukowina

Die bemalten Klöster der Bukowina gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken der Christenheit — und sind seit 1993 UNESCO-Welterbe. Was sie einzigartig macht: Nicht die Innenräume sind bemalt (das gibt es auch anderswo), sondern die Außenwände. Großflächige Fresken bedecken die Fassaden von oben bis unten — leuchtend in Blau, Rot, Grün und Gold, über 500 Jahre alt und immer noch von erstaunlicher Farbkraft.

Die Klöster wurden im 15. und 16. Jahrhundert unter den moldauischen Fürsten Ștefan cel Mare (Stefan der Große) und seinem Sohn Petru Rareș erbaut. Die Außenfresken dienten als „Bibel für Analphabeten": biblische Szenen, Heiligenleben und das berühmte „Jüngste Gericht" in einer Detailfülle, die den Atem stocken lässt.

Die wichtigsten Klöster

  • Voroneț — Das „Sixtinische Kapelle des Ostens". Berühmt für das einzigartige Voroneț-Blau (albastrul de Voroneț) — ein Farbton, dessen genaue Herstellung bis heute ein Rätsel ist. Das Fresko des „Jüngsten Gerichts" an der Westwand ist das berühmteste Werk moldauischer Kunst. 1488 von Ștefan cel Mare gegründet. Eintritt: 10 RON.
  • Sucevița — Das größte und am besten erhaltene der bemalten Klöster, umgeben von einer mächtigen Wehrmauer. Die Fresken umfassen das gesamte Außenmauerwerk — darunter die berühmte „Himmelsleiter" mit Engeln und Dämonen. Im Innenhof: ein idyllischer Garten. Eintritt: 10 RON.
  • Moldovița — Bekannt für die Darstellung der „Belagerung von Konstantinopel" an der Südwand — ein Meisterwerk der Kriegsmalerei in Kirchenformat. Die Farben sind hier besonders gut erhalten. Eintritt: 10 RON.
  • Humor — Das kleinste der UNESCO-Klöster, aber mit besonders fein gearbeiteten Fresken. Das dominierende Rot gibt den Darstellungen eine intensive, fast dramatische Wirkung. Eintritt: 10 RON.
  • Arbore — Eigentlich eine Friedhofskirche, keine Klosterkirche. Die Fresken sind teilweise verblasst, aber die Anlage hat einen besonderen, melancholischen Charme. UNESCO-Welterbe.

Plane 2–3 Tage für die Klöster-Route. Ausgangspunkte: Suceava oder Gura Humorului. Am besten mit Mietwagen — die Klöster liegen verstreut in hügeliger Landschaft, und der Weg zwischen ihnen ist ebenso schön wie das Ziel.

Tipp

Die bemalten Klöster sind am schönsten im Morgenlicht (die Fresken leuchten in der Sonne) und in der Nebensaison (Mai oder September). Im Sommer kann es voll werden. Fotografieren ist erlaubt, aber kein Blitz. Knie und Schultern bedecken — es sind aktive Klöster.

Maramureș — Das lebendige Museum

Maramureș (sprich: „Mara-Muresch") im äußersten Norden Rumäniens ist Europas letztes lebendiges mittelalterliches Dorf. Hier ist die bäuerliche Kultur kein Museum, sondern Alltag: Pferdekarren auf den Straßen, Heuernte von Hand, Frauen in Tracht, geschnitzte Holztore von monumentaler Schönheit und Holzkirchen mit nadelspitzen Türmen, die in den Himmel ragen.

Die Holzkirchen von Maramureș

Acht der Holzkirchen sind UNESCO-Welterbe — Meisterwerke der Zimmermannskunst, erbaut im 17. und 18. Jahrhundert, komplett aus Holz, ohne einen einzigen Nagel. Die höchsten Kirchturm-Spitzen erreichen über 50 Meter. Innen: naive Malereien mit biblischen Szenen, entstanden unter dem Einfluss der gotischen und barocken Kunst, aber in einem unverwechselbar volkstümlichen Stil. Die wichtigsten: Bârsana, Budești, Desești, Ieud und Șurdești (mit dem höchsten Holzturm: 54 m).

Die Holztore von Maramureș

Die geschnitzten Eingangstore (porți maramureșene) sind ein Markenzeichen der Region: Massive Eichenholztore mit aufwendigen Schnitzereien — Seilmuster, Sonnenräder, Lebensbäume, Vögel. Jedes Tor erzählt etwas über den Besitzer: den Beruf, den Status, die Wünsche. Die eindrucksvollsten Tore stehen in Breb, Vadu Izei und Oncești.

Der Fröhliche Friedhof von Săpânța

Der Cimitirul Vesel (Fröhliche Friedhof) ist weltweit einzigartig: Statt trauernder Grabsteine stehen hier über 800 bunt bemalte Holzkreuze mit humorvollen, ironischen und manchmal derben Versen über das Leben und den Tod des Verstorbenen. Gegründet vom Holzschnitzer Stan Ioan Pătraș, der 1935 begann, die Kreuze zu gestalten. Ein Ort, der Trauer in Kunst verwandelt und das Leben feiert. Eintritt: 10 RON.

Dörfer und Alltag

Die Dörfer Breb, Botiza und Ieud sind die authentischsten: Pferdekarren, Schafherden, Obstbrennereien und Pensionen, in denen die Gastfamilie abends mit dir am Tisch sitzt und Țuică schenkt. Maramureș erlebt man nicht in Museen, sondern bei den Menschen. Plane mindestens 2–3 Tage, am besten mit Übernachtung in einer Dorf-Pension.

Iași & die Moldau-Region

Iași (sprich: „Jasch") ist die kulturelle Hauptstadt Rumäniens und die größte Stadt der Moldau-Region. Mit der ältesten Universität des Landes (1860), prächtigen Kirchen und einer lebendigen Studentenszene ist Iași eine Stadt mit intellektuellem Flair und weitaus weniger Touristen als Brașov oder Sibiu.

Sehenswürdigkeiten in Iași

  • Kulturpalast (Palatul Culturii) — Ein neogotisches Monumentalgebäude (1925) am Piața Unirii, das vier Museen unter einem Dach vereint: Geschichte, Kunst, Ethnographie und Wissenschaft. Die Fassade ist beeindruckend, die Innenräume pompös. Eintritt: 25 RON (Kombiticket).
  • Kloster der Drei Hierarchen (Mănăstirea Trei Ierarhi) — Die Fassade dieser Kirche (1639) ist ein Meisterwerk der Steinmetzkunst: komplett mit geometrischen Mustern überzogen, von orientalischer Feinheit. Weltweit einzigartig. Kostenfrei.
  • Copou-Park & Eminescu-Linde — Der älteste öffentliche Park Rumäniens. Unter der berühmten Linde schrieb Mihai Eminescu, Rumäniens Nationaldichter, seine Gedichte. Ein ruhiger Ort inmitten der Studentenstadt.
  • Metropolitankathedrale — Die größte orthodoxe Kirche Rumäniens (1886) mit der Reliquie der Heiligen Parascheva, zu der jedes Jahr im Oktober Hunderttausende Pilger strömen.

Die Moldau-Region

Die historische Moldau (Moldova) — nicht zu verwechseln mit der Republik Moldau (Moldawien) — ist Rumäniens ruhigster, am wenigsten besuchter Landesteil. Sanfte Hügel, Weinberge (die Weinregion Cotnari produziert exzellenten Grasa-Weißwein), Klöster und eine Landschaft, die an die Toskana erinnert — ohne die Touristen. Von Iași aus erreicht man die Bukowina-Klöster in 2–3 Stunden Fahrt nach Westen.

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