Die Geburt einer Caldera
Santorin, wie wir es heute kennen, ist das Ergebnis einer der gewaltigsten Naturkatastrophen der Menschheitsgeschichte. Vor dem großen Ausbruch war Santorin eine runde, bergige Insel namens Strongyli (die Runde) — ein blühendes Handelszentrum der minoischen Zivilisation mit der wohlhabenden Stadt Akrotiri an der Südküste.
Der Minoische Ausbruch (ca. 1600 v. Chr.)
Dann kam die Katastrophe. Der Minoische Ausbruch (auch Theraischer Ausbruch genannt) war einer der stärksten Vulkanausbrüche der letzten 10.000 Jahre — eingestuft als VEI 7 (Volcanic Explosivity Index), vergleichbar mit dem Ausbruch des Tambora 1815, der das „Jahr ohne Sommer" verursachte. Der Ausbruch geschah in vier Phasen:
- Phase 1: Bimssteinregen — eine Wolke aus Bims und Asche schoss bis zu 36 km in die Stratosphäre und bedeckte die Insel mit bis zu 5 Metern Bims.
- Phase 2: Pyroklastische Ströme — glühende Lawinen aus Gas, Asche und Gestein rasten mit bis zu 200 km/h die Hänge hinunter und über das Meer.
- Phase 3: Der Zusammenbruch — die entleerte Magmakammer kollabierte, und das Zentrum der Insel stürzte in sich zusammen. Das Meer strömte in den Krater und erzeugte gewaltige Tsunamis, die bis nach Kreta, Ägypten und möglicherweise ans Festland Griechenlands rollten.
- Phase 4: Was blieb, war die heutige sichelförmige Insel — der Rand des kollabierten Vulkans, die Caldera.
Die Folgen waren global: Der Ascheregen verdunkelte den Himmel, Missernten folgten, und die minoische Zivilisation auf Kreta — die erste Hochkultur Europas — wurde so geschwächt, dass sie kurz darauf von den Mykenern übernommen wurde. Der Ausbruch könnte auch die biblischen Plagen Ägyptens und den Mythos von Atlantis (von Platon überliefert) inspiriert haben — eine untergegangene Hochkultur auf einer Insel, die im Meer versank.