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Regionen · Kapitel 5

Cagliari & der Süden

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Cagliari & der Süden

Sardiniens Hauptstadt Cagliari überrascht mit mediterranem Charme, einer Altstadt auf dem Hügel, Flamingo-Lagunen und einem der längsten Stadtstrände Europas. Im Hinterland wartet das UNESCO-Welterbe Su Nuraxi, und die wilde Costa del Sud bietet einsame Buchten jenseits des Massentourismus.

Cagliari — Die strahlende Hauptstadt

Cagliari (sardisch: Casteddu) ist eine Stadt, die man erst auf den zweiten Blick versteht — und dann nicht mehr loslässt. Die Hauptstadt Sardiniens (150.000 Einwohner) erstreckt sich über sieben Hügel am Golf von Cagliari und verbindet 3.000 Jahre Geschichte mit einem modernen, lebendigen Stadtleben, das sich wohltuend von der touristischen Monokultur anderer Mittelmeer-Hauptstädte unterscheidet.

Das Herzstück ist das Castello-Viertel (auch Casteddu 'e Susu, „obere Festung") — die mittelalterliche Oberstadt, umgeben von pisanischen Festungsmauern aus dem 13. Jahrhundert. Hier thront die Cattedrale di Santa Maria (13. Jh., romanisch-pisanisch, mit einer prächtigen Barockfassade), flankiert von den beiden Türmen Torre di San Pancrazio und Torre dell'Elefante. Von der Bastione di Saint Remy — einer monumentalen Terrasse auf den alten Stadtmauern — bietet sich ein atemberaubendes Panorama über die Stadt, den Hafen, die Lagunen und die Berge im Hinterland.

Unterhalb des Castello erstreckt sich die Marina, das ehemalige Fischerviertel, heute mit kleinen Restaurants, Weinbars und dem lebhaften Mercato di San Benedetto — dem größten überdachten Markt Italiens nach der Florentiner Halle. Auf zwei Stockwerken finden sich Fisch, Fleisch, Käse, Obst und sardische Spezialitäten in einer Fülle und Frische, die das Herz jedes Foodies höherschlagen lässt. Im Stadtviertel Stampace liegen die frühchristliche Nekropole von Tuvixeddu (die größte phönizische Nekropole des Mittelmeerraums) und gemütliche Trattorien abseits der Touristenpfade.

Cagliaris Überraschung: die Flamingos. In der Lagune von Molentargius, direkt am Stadtrand, leben ganzjährig tausende rosa Flamingos — ein surreales Bild vor der Stadtkulisse. Die Lagune ist ein Natura-2000-Schutzgebiet und per Fahrrad oder zu Fuß umrundbar. Und dann ist da noch die Spiaggia del Poetto: acht Kilometer feiner Sandstrand, direkt an der Stadt, mit Blick auf den markanten Felsen Sella del Diavolo (Teufelssattel). Im Sommer pulsiert hier das Strandleben bis spät in die Nacht.

Tipp

Der schönste Zeitpunkt für Cagliari: Sonnenuntergang auf der Bastione di Saint Remy mit einem Aperitivo in der Hand. Die Panorama-Terrasse wird zur goldenen Stunde zum magischsten Aussichtspunkt Sardiniens. Danach runter in die Marina zum Abendessen.

Su Nuraxi — UNESCO-Welterbe★★★

Die Nuraghe Su Nuraxi in Barumini ist Sardiniens wichtigstes archäologisches Monument und seit 1997 UNESCO-Welterbe. Der gewaltige Turmkomplex aus der Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) ist die besterhaltene und imposanteste der über 7.000 Nuraghen auf der Insel — und eines der faszinierendsten Rätsel der europäischen Vorgeschichte.

Die Anlage besteht aus einem zentralen Turm (ursprünglich über 18 Meter hoch, heute noch 14,1 m) und vier Ecktürmen, verbunden durch massive Basaltmauern. Um den Zentralkomplex erstreckt sich ein Dorf aus Dutzenden runder Hütten — hier lebte eine Gemeinschaft von mehreren hundert Menschen. Die Bauweise ist verblüffend: Tonnenschwere Basaltblöcke wurden ohne Mörtel, nur durch präzise Steinmetzkunst, zu Kraggewölben geschichtet, die 3.500 Jahre überdauert haben. Die nuraghische Zivilisation hatte keine Schrift, keinen bekannten Namen und hinterließ keine schriftlichen Aufzeichnungen — ihre Architektur spricht für sich.

Der Besuch ist nur mit geführter Tour möglich (alle 30 Min., ca. 45 Min., auch auf Englisch). Die Guides sind hervorragend und bringen die Steine zum Sprechen. Das benachbarte Centro Giovanni Lilliu ergänzt den Besuch mit einem modernen Museum, das die nuraghische Kultur anschaulich erklärt — von den berühmten Bronzetti (kleine Bronzefiguren von Kriegern, Priestern und Tieren) bis zu den Handelsbeziehungen mit Phöniziern und Mykenern.

Barumini selbst ist ein verschlafenes Dorf in der Marmilla-Hügellandschaft, ca. 60 km nördlich von Cagliari. In der Umgebung liegen weitere Nuraghen (Nuraghe Arrubiu bei Orroli — die größte der Insel mit 5 Türmen) und das faszinierende Giara di Gesturi: eine Hochebene aus Basalt, auf der die letzten wilden Pferde Sardiniens (Cavallini della Giara) in Freiheit leben. Im Frühling ist die Giara ein Blütenmeer mit temporären Seen — ein magischer Ort.

Costa del Sud & Chia

Die Costa del Sud (Südküste) ist Sardiniens Gegenpol zur Costa Smeralda: Statt Glamour und Yachten findest du hier wilde, einsame Buchten, türkises Wasser, duftende Macchia und eine Handvoll kleiner Badeorte, die sich ihren Charme bewahrt haben. Die Küste zwischen Chia und Teulada gehört zu den schönsten und ursprünglichsten Abschnitten der gesamten Insel.

Chia ist der Star der Südküste: Mehrere Buchten mit pudrigem weißem Sand, kristallklarem Wasser und den Überresten eines spanischen Wachturms (Torre di Chia) auf einer Landzunge bilden eine Postkartenkulisse. Die Spiaggia Su Giudeu ist der bekannteste Strand — eine vorgelagerte Sandinsel, zu der man bei Ebbe hinüberwaten kann. Dahinter liegt eine Lagune, in der Flamingos nisten. Die Cala Cipolla daneben ist kleiner und intimer, umrahmt von Wacholder und Pinien.

Weiter westlich wird die Küste wilder: Tuerredda ist eine halbmondförmige Bucht mit unwirklich türkisem Wasser, die oft als einer der schönsten Strände Italiens gelistet wird. Die vorgelagerte Isola di Tuerredda ist per Kanu oder Schwimmend erreichbar. Ab hier wird die Küstenstraße SP71 zur Panoramaroute: Sie schlängelt sich durch Macchia und Pinienwald, vorbei an einsamen Buchten und Militärgebieten (Capo Teulada — gesperrt, aber die Strände davor sind zugänglich), bis nach Sant'Anna Arresi.

Östlich von Cagliari lockt die Costa Rei mit einem zehn Kilometer langen Sandstrand und der fotogenen Felsnadel Scoglio di Peppino. Die Küste hier ist familienfreundlicher und weniger wild als der Südwesten, aber das Wasser ist genauso klar und die Strände weitläufig genug, um auch im Sommer ein ruhiges Plätzchen zu finden.

Tipp

Chia und die Costa del Sud sind ideal als Basis für einen entspannten Strandurlaub mit Tagesausflügen nach Cagliari (45 Min.), Nora (30 Min.) und Su Nuraxi (1,5 Std.). Im Mai und September hat man die Strände fast für sich allein.

Nora & Sant'Antioco

Nora, 35 km südwestlich von Cagliari, ist die älteste Stadt Sardiniens — gegründet von den Phöniziern im 8. Jahrhundert v. Chr. und später von Karthagern und Römern ausgebaut. Die Ausgrabungsstätte liegt spektakulär auf einer Landzunge, die auf drei Seiten vom Meer umgeben ist. Die Überreste umfassen ein römisches Theater (das einzige auf Sardinien, noch heute für Aufführungen genutzt), Mosaike, Thermen, einen Tempel und Teile des phönizischen Tofet (Heiligtum). Vor Nora wurde die berühmte Stele von Nora gefunden — die älteste phönizische Inschrift im westlichen Mittelmeer, die erstmals den Namen „Sardinien" (SRDN) erwähnt.

Die Lagune von Nora (Laguna di Nora) ist ein Umweltbildungszentrum, das geführte Kayak-Touren, Schnorchelerlebnisse und Führungen durch das Feuchtgebiet mit Flamingos, Kormoranen und Seidenreihern anbietet — ideal für Familien. Der Strand von Nora direkt neben der Ausgrabung ist klein, aber malerisch, mit Blick auf die Ruinen und den normannischen Turm.

Sant'Antioco, die viertgrößte Insel Italiens, ist über eine römische Brücke mit dem sardischen Festland verbunden — die älteste noch befahrene Brücke des Mittelmeerraums. Die gleichnamige Stadt hat einen atmosphärischen Hafen, die frühchristliche Basilika mit Katakomben (5.–6. Jh.) und das faszinierende Museo Etnografico, das die traditionelle Lebensweise der Fischer und Weber dokumentiert. Im Süden der Insel liegt die Spiaggia di Cala Lunga — ein traumhafter Strand mit feinem Sand und türkisem Wasser, überraschend ruhig selbst im August.

Die benachbarte Isola di San Pietro (erreichbar per Fähre ab Calasetta, 30 Min., 5€) ist ein kulinarischer Geheimtipp: Die Bewohner stammen von ligurischen Korallenfischern aus Tabarka (Tunesien) ab und sprechen einen eigenen Dialekt (Tabarchino). In Carloforte, dem einzigen Ort der Insel, dreht sich alles um den Thunfischfang — die Mattanza (ritueller Thunfischfang) findet jeden Mai/Juni statt, und der frische Tonno di Carloforte ist eine Delikatesse. Dazu kommen wilde Küstenlandschaften, einsame Buchten und eine Atmosphäre, die eher an ein ligurisches Fischerdorf als an Sardinien erinnert.

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