Costa Smeralda & Gallura
Costa Smeralda — Das smaragdgrüne Paradies
Die Costa Smeralda (Smaragdküste) verdankt ihren Namen dem unfassbar grünen Farbton ihres Wassers — eine Folge des Granit-Untergrunds und der weißen Sandböden, die das Sonnenlicht in allen Schattierungen von Türkis bis Smaragd reflektieren. Der knapp 20 Kilometer lange Küstenabschnitt zwischen dem Golf von Cugnana und der Bucht von Arzachena wurde in den 1960er-Jahren von Prinz Karim Aga Khan als Luxusdestination erschlossen und ist seitdem Synonym für mediterranen Glamour.
Was die Costa Smeralda von anderen Jetset-Zielen unterscheidet: Hier wurde bewusst auf Betonburgen verzichtet. Eine strenge Bauordnung schreibt vor, dass sich Hotels und Villen in die Landschaft einfügen müssen — niedrige Gebäude, erdige Farben, Naturstein und Macchia-Vegetation. Das Ergebnis ist ein Küstenstreifen, der trotz des Luxus erstaunlich natürlich wirkt. Die Granitfelsen, von Wind und Wasser zu bizarren Skulpturen geformt, bilden die Kulisse für einige der schönsten Buchten des Mittelmeers.
Porto Cervo ist das Herz der Costa Smeralda: Ein Designerdorf mit exklusiven Boutiquen (Gucci, Prada, Dolce & Gabbana), der berühmten Piazzetta, dem Yachthafen voller Superyachten und Restaurants, in denen eine Flasche Wasser gern 10€ kostet. Im August flaniert hier die internationale Prominenz — aber außerhalb der Hochsaison ist Porto Cervo überraschend entspannt und fast menschenleer. Der benachbarte Porto Rotondo ist etwas zurückhaltender, aber nicht weniger elegant.
Die besten Strände der Costa Smeralda sind Spiaggia del Principe (der „Prinzenstrand" — feiner weißer Sand, kristallklares Wasser, von Wacholder umrahmt), Liscia Ruja (der längste Strand der Costa Smeralda, ideal für Familien), Romazzino (vor dem gleichnamigen Luxushotel, aber öffentlich zugänglich), und Capriccioli (eine Doppelbucht mit Postkarten-Panorama). Alle Strände sind frei zugänglich — nur Liegen und Schirme kosten (20–40€ pro Set in der Hochsaison).
Tipp
Die Costa Smeralda ist im August irrsinnig teuer und voll. Im Juni oder September sind die Strände genauso schön, das Wasser warm genug und die Preise 40–60% niedriger. Wer nur die Strände will, braucht kein 500€-Hotel — einfach in Arzachena oder Olbia übernachten und mit dem Auto an die Buchten fahren.
La Maddalena — Der Traumarchipel★★★
Der Archipel von La Maddalena ist Sardiniens Kronjuwel — sieben Hauptinseln und über 60 Inselchen mit dem klarsten Wasser des gesamten Mittelmeers. Seit 1994 als Nationalpark geschützt, ist das Archipel ein Paradies aus Granitfelsen, weißem Sand, Macchia und Wasser in Farbtönen, die kein Foto adäquat wiedergeben kann. Giuseppe Garibaldi, Italiens Nationalheld, verbrachte seine letzten 26 Lebensjahre auf Caprera — sein Haus ist heute Museum.
La Maddalena (die Hauptinsel) ist die einzige dauerhaft bewohnte Insel des Archipels und per Fähre ab Palau in 20 Minuten erreichbar (alle 15–30 Min., 5€ pro Person, 15€ mit Auto). Das gleichnamige Städtchen hat einen hübschen Hafen, pastellfarbene Gassen und gute Fischrestaurants. Von hier starten die Bootstouren zu den unbewohnten Inseln.
Caprera ist über einen Damm mit La Maddalena verbunden und bietet die schönsten Strände des Archipels: Cala Coticcio (die „Tahiti Sardiniens" — zwei winzige Buchten mit unwirklich türkisem Wasser, erreichbar per Wanderung oder Boot, Zugang limitiert auf 60 Personen/Tag) und Cala Napoletana (etwas zugänglicher, aber nicht weniger spektakulär). Caprera beherbergt außerdem das Garibaldi-Museum — das Wohnhaus des italienischen Freiheitskämpfers mit Originaleinrichtung und seinem Grab unter einer schlichten Granitsäule.
Budelli beherbergt die legendäre Spiaggia Rosa (Rosa Strand) — benannt nach dem rosa schimmernden Sand, verursacht durch zerriebene Korallen und Muschelschalen. Seit 1994 ist das Betreten des Strandes verboten (Naturschutz), aber von der Boje aus betrachtet oder vom Boot bleibt er atemberaubend. Spargi hat den wohl schönsten Strand des Archipels — Cala Corsara: vier Buchten mit weißem Sand und Wasser in jedem denkbaren Blauton. Nur per Bootscharter erreichbar.
Tipp
Buche eine ganztägige Bootstour ab La Maddalena oder Palau (35–60€) — die Boote steuern 3–5 Inseln an, du schnorchelst im kristallklaren Wasser und isst an Bord. Oder miete ein Gommone (Schlauchboot, ab 80€/Tag ohne Bootsschein für unter 40 PS) und erkunde die Buchten auf eigene Faust.
Olbia — Tor zum Nordosten
Olbia ist Sardiniens Tor zum Nordosten — mit dem internationalen Flughafen Costa Smeralda (OLB) und dem wichtigsten Fährhafen der Insel ist es der Ankunftsort für die meisten Besucher der Gallura-Region. Die Stadt selbst wird oft nur als Durchgangsstation genutzt, aber das ist ein Fehler: Olbia hat einen charmanten historischen Kern mit der romanischen Basilika San Simplicio (11. Jahrhundert, die älteste Kirche Sardiniens), einer lebhaften Fußgängerzone (Corso Umberto) und einem neuen Hafenviertel mit Restaurants und Bars.
In der Umgebung von Olbia liegen einige Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen sollte: Das Gigantengrab Coddu Ecchju (10 km südwestlich) ist eines der beeindruckendsten Megalithgräber Sardiniens — eine 4 Meter hohe Stele markiert den Eingang zu einem 10 Meter langen Korridor-Grab aus der Bronzezeit. Die Nuraghe Riu Mulinu liegt malerisch in der Macchia und gibt einen ersten Vorgeschmack auf Sardiniens mysteriöse Bronzezeit-Kultur.
Nördlich von Olbia bietet die Gallura-Region eine faszinierende Landschaft aus Korkeichenwäldern (Sardinien produziert 80% des italienischen Korks), bizarren Granitformationen und dem ausgezeichneten Vermentino di Gallura DOCG — dem einzigen DOCG-Wein Sardiniens. Ein Besuch bei einem Weingut (z.B. Cantina Gallura in Tempio Pausania) ist ein kulinarisches Highlight. Tempio Pausania selbst, die „Hauptstadt" der Gallura auf 560 m Höhe, überrascht mit einem kühlen, grünen Bergklima und einer gepflegten Altstadt aus Granit.
Santa Teresa Gallura & Palau
Santa Teresa Gallura thront an der Nordspitze Sardiniens, nur 12 Kilometer von Korsika entfernt — bei klarem Wetter sieht man die Nachbarinsel zum Greifen nah. Das lebhafte Küstenstädtchen hat einen hübschen zentralen Platz (Piazza Vittorio Emanuele), eine Fußgängerzone mit Boutiquen und Eisdielen, und den spektakulären Stadtstrand Rena Bianca direkt unterhalb des Zentrums: feiner weißer Sand, türkises Wasser und Blick auf Korsika — einer der besten Stadtstrände Europas.
Östlich von Santa Teresa liegt das Capo Testa — eine Halbinsel, die wie eine Skulpturenlandschaft wirkt: Riesige Granitblöcke, von Wind und Meer zu surrealen Formen geschliffen, bilden die Kulisse für versteckte Buchten wie die Cala Spinosa und die Valle della Luna (Mondtal), in der seit den 1960er-Jahren eine kleine Hippie-Gemeinschaft lebt. Die Wanderung über die Felsen des Capo Testa bei Sonnenuntergang, mit dem Blick auf Korsika und die Bocche di Bonifacio, gehört zu den unvergesslichen Momenten einer Sardinien-Reise.
Palau, 25 Kilometer östlich, ist der Fähranlegestellen-Ort zum La Maddalena-Archipel und ein angenehmes Küstenstädtchen mit gutem Fischrestaurant-Angebot. Das Wahrzeichen ist der Bärenfelsen (Roccia dell'Orso) — ein von der Witterung geformter Granitfelsen auf einem Hügel, der tatsächlich wie ein Bär aussieht. Der kurze Aufstieg (20 Minuten) belohnt mit einem 360-Grad-Panorama über den Archipel, die Küste und die Berge der Gallura. Bei Palau liegt auch der wunderschöne Strand Porto Pollo — eines der besten Kite- und Windsurf-Reviere Sardiniens dank des konstanten Mistral-Winds.
Tipp
Von Santa Teresa Gallura fahren Fähren nach Bonifacio auf Korsika (1 Stunde, ab 15€ pro Person) — ein fantastischer Tagesausflug in die dramatische Festungsstadt auf den Kreidefelsen. Früh buchen in der Hochsaison!
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