Geschichte Ägyptens
Das Reich der Pharaonen
Die ägyptische Zivilisation gehört zu den ältesten der Welt. Um 3100 v. Chr. vereinigte König Narmer (auch Menes genannt) Ober- und Unterägypten zum ersten Mal — der Beginn einer 3.000 Jahre währenden Hochkultur, die ihresgleichen sucht.
Altes Reich (2686–2181 v. Chr.) — Die Pyramidenzeit
Die Zeit der großen Pyramiden: Pharao Djoser ließ die erste Pyramide (Stufenpyramide von Saqqara) bauen, sein Architekt Imhotep gilt als erster namentlich bekannter Architekt der Geschichte. Unter Cheops (Khufu), Chephren und Mykerinos entstanden die Pyramiden von Gizeh — Bauwerke von einer Präzision, die bis heute Bewunderung hervorruft. Die Gesellschaft war streng hierarchisch: Der Pharao war gleichzeitig König und Gott, darunter eine mächtige Priesterschaft und ein effizienter Beamtenapparat.
Mittleres Reich (2055–1650 v. Chr.) — Die Klassik
Eine Zeit der kulturellen Blüte: Die ägyptische Literatur erreichte ihren Höhepunkt (die „Sinuhe-Erzählung" gilt als ältester Roman der Welt), das Bewässerungssystem im Fayum wurde ausgebaut, Handel bis nach Kreta und Nubien. Hauptstadt war Theben (das heutige Luxor). Die Hyksos — ein semitisches Volk aus dem Osten — eroberten schließlich Unterägypten und beendeten die Epoche.
Neues Reich (1550–1069 v. Chr.) — Die Glanzzeit
Die berühmteste Epoche: Die Pharaonen des Neuen Reiches schufen ein Imperium, das von Nubien bis Syrien reichte. Die größten Namen: Hatschepsut (die Pharaonin, die als Mann regierte), Thutmosis III. (der „Napoleon Ägyptens", größter Feldherr), Echnaton (der Ketzer-Pharao, der den Monotheismus einführte und Amarna erbaute), Tutanchamun (der Kindkönig, dessen Grabschatz die Welt elektrisierte), Ramses II. (der Baumeister, 67 Jahre auf dem Thron, Abu Simbel, Karnak) und Ramses III. (der letzte große Pharao). In dieser Zeit entstanden das Tal der Könige, der Karnak-Tempel und die meisten der heute besuchten Monumente.
Spätzeit, Ptolemäer & Kleopatra
Nach dem Neuen Reich folgten Perioden der Fremdherrschaft: Libyer, Nubier, Perser. 332 v. Chr. eroberte Alexander der Große Ägypten und gründete Alexandria. Nach seinem Tod übernahm sein General Ptolemaios die Herrschaft — die Ptolemäer-Dynastie regierte 300 Jahre und verschmolz griechische und ägyptische Kultur. Kleopatra VII. (69–30 v. Chr.) war die letzte Ptolemäerin — ihre Liaisons mit Caesar und Marcus Antonius und ihr tragischer Selbstmord beendeten die pharaonische Ära endgültig. 30 v. Chr. wurde Ägypten römische Provinz.
Arabische Eroberung & islamisches Ägypten
641 n. Chr. eroberte der arabische Feldherr Amr ibn al-As Ägypten für den Islam — ein Wendepunkt, der das Land für immer veränderte. Die Araber gründeten Fustat (die Vorläuferstadt Kairos) und führten Arabisch als Amtssprache ein. Die Bevölkerung islamisierte sich über Jahrhunderte, die koptische Minderheit blieb aber bestehen.
Fatimiden (969–1171)
Die schiitische Fatimiden-Dynastie gründete al-Qahira (Kairo, „die Siegreiche") als neue Hauptstadt und machte sie zu einer der prächtigsten Städte der Welt. Die al-Azhar-Moschee und -Universität (970) wurde zum geistlichen Zentrum des sunnitischen Islam. Kairo wurde zum Knotenpunkt des Handels zwischen Europa, Afrika und Asien.
Mamluken (1250–1517)
Die Mamluken — ursprünglich türkische und tscherkessische Militärsklaven — rissen die Macht an sich und schufen eine der faszinierendsten Dynastien der Geschichte. Sie stoppten die Mongolen (Schlacht von Ain Jalut, 1260), vertrieben die Kreuzfahrer und bauten Kairo zu einer der größten und prächtigsten Städte der Welt aus. Die Moscheen, Medressen und Mausoleen der Mamlukenzeit — Sultan Hassan, Qalawun, Barquq — gehören zum Beeindruckendsten, was die islamische Architektur hervorgebracht hat.
Osmanen & Mohammed Ali
1517 eroberten die Osmanen Ägypten, das zur Provinz des Reiches wurde. 1798 landete Napoleon Bonaparte in Alexandria — sein Ägyptenfeldzug war militärisch ein Desaster, aber wissenschaftlich ein Triumph: Seine Gelehrten entdeckten den Stein von Rosette, der den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen lieferte. Nach Napoleons Abzug übernahm der albanische Offizier Mohammed Ali (reg. 1805–1849) die Macht und modernisierte Ägypten nach europäischem Vorbild — Armee, Industrie, Bildungssystem. Er gilt als Begründer des modernen Ägypten.
Modernes Ägypten
Britische Herrschaft (1882–1952)
1882 besetzte Großbritannien Ägypten — offiziell, um seine Investitionen im Suezkanal (1869 eröffnet) zu schützen. Ägypten wurde de facto britische Kolonie, obwohl formell unabhängig (ab 1922). Der ägyptische Nationalismus wuchs stetig, angeführt von Figuren wie Saad Zaghloul.
Revolution 1952 & Nasser
Am 23. Juli 1952 stürzte eine Gruppe junger Offiziere (die „Freien Offiziere") unter Gamal Abdel Nasser den König Faruk. Nasser wurde zum Helden der arabischen Welt: Er verstaatlichte den Suezkanal (1956), baute den Assuan-Hochdamm mit sowjetischer Hilfe und propagierte den Panarabismus. Die Niederlage im Sechstagekrieg 1967 gegen Israel war ein Tiefschlag.
Sadat & Camp David
Nassers Nachfolger Anwar Sadat vollzog eine 180-Grad-Wende: Er öffnete Ägypten für westliche Investitionen (Infitah-Politik), schloss 1979 den historischen Frieden mit Israel (Camp David) — den ersten Friedensvertrag zwischen einem arabischen Staat und Israel. Dafür erhielt er den Nobelpreis — und bezahlte mit seinem Leben: 1981 wurde er von islamistischen Extremisten ermordet.
Mubarak & Revolution 2011
Hosni Mubarak regierte 30 Jahre (1981–2011) — eine Ära der Stabilität, aber auch der Stagnation, Korruption und Unterdrückung. Am 25. Januar 2011 begann die ägyptische Revolution: Millionen gingen auf den Tahrir-Platz und erzwangen Mubaraks Rücktritt. Nach einer turbulenten Übergangsphase (Mursi, Muslimbruderschaft) übernahm Feldmarschall Abdel Fattah el-Sisi 2014 die Präsidentschaft und regiert seitdem autoritär, aber mit wirtschaftlicher Modernisierung (neue Hauptstadt, Suezkanal-Erweiterung).
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