Kolonialzeit & Unabhängigkeit
Spanische Kolonialherrschaft (1534–1822)
Im Dezember 1534 gründete Sebastián de Benalcázar die Stadt San Francisco de Quito auf den Ruinen der Inka-Stadt. Ecuador wurde Teil des Vizekönigreichs Peru, später des Vizekönigreichs Neugranada (mit Bogotá als Hauptstadt). Die Kolonialzeit brachte:
- Die Encomienda — System der Zwangsarbeit, das die indigene Bevölkerung zur Sklaverei verdammte. Millionen starben an eingeschleppten Krankheiten (Pocken, Masern) und Überarbeitung.
- Missionierung — Franziskaner, Dominikaner und Jesuiten bauten die prächtigen Kirchen, die heute Quitos Altstadt ausmachen. Die „Quiteña-Schule" der religiösen Kunst wurde weltberühmt.
- Die Geodäsie-Expedition (1736–1744) — Eine französische Expedition unter Charles-Marie de La Condamine kam nach Quito, um am Äquator die Form der Erde zu vermessen. Diese Expedition gab dem Land seinen Namen: „Ecuador" = Äquator.
Unabhängigkeit (1822)
Am 24. Mai 1822 besiegte Antonio José de Sucre, Marschall Simón Bolívars, die spanischen Truppen in der Schlacht am Pichincha — auf den Hängen des Vulkans direkt über Quito. Ecuador wurde Teil von Bolívars „Gran Colombia" (zusammen mit Kolumbien, Venezuela und Panama). Als Gran Colombia 1830 zerbrach, wurde Ecuador am 13. Mai 1830 eine unabhängige Republik.
Turbulente Republik
Ecuadors Geschichte seit der Unabhängigkeit ist von politischer Instabilität geprägt: Über 80 Regierungen in weniger als 200 Jahren, zahlreiche Putsche und eine tiefe Kluft zwischen der konservativen Sierra (Quito) und der liberalen Costa (Guayaquil). 1941 verlor Ecuador im Krieg gegen Peru einen großen Teil seines Amazonas-Gebiets — ein nationales Trauma, das erst 1998 endgültig beigelegt wurde.
Der Ölboom ab den 1970er Jahren transformierte die Wirtschaft, brachte aber auch Umweltzerstörung im Amazonas (Texaco/Chevron-Skandal) und eine wachsende Abhängigkeit von den Ölpreisen. Im Jahr 2000 dollasierte Präsident Jamil Mahuad die Wirtschaft — nach einer katastrophalen Bankenkrise ersetzte der US-Dollar die Landeswährung Sucre. Diese Entscheidung stabilisierte die Wirtschaft langfristig, führte aber kurzfristig zu massiven Protesten und dem Sturz Mahuads.