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Verstehen · Kapitel 7

Geschichte Großbritanniens

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VerstehenKapitel 7: Geschichte Großbritanniens
Verstehen · Kapitel 7

Geschichte Großbritanniens

Die Geschichte Großbritanniens ist die Geschichte eines kleinen Inselreichs, das die Welt veränderte — im Guten wie im Schlechten. Von den Römern über die Normannen, das Empire bis zum Brexit: Ohne diese Geschichte versteht man weder die britische Mentalität noch die Pubs, die Monarchie oder die Teekultur.

Römer, Angelsachsen & Wikinger (43–1066)

Die Römer kamen 43 n. Chr. unter Kaiser Claudius und blieben fast 400 Jahre. Sie bauten Londinium (London), Aquae Sulis (Bath — die heißen Quellen!), ein Straßennetz, das teilweise noch heute benutzt wird, und den Hadrianswall (122 n. Chr., 118 km quer durch Nordengland, um die „barbarischen" Schotten fernzuhalten). Als die Römer um 410 abzogen, hinterließen sie eine Infrastruktur, die niemand mehr wartete.

In das Machtvakuum drängten die Angeln, Sachsen und Jüten — germanische Stämme, die dem Land seinen Namen gaben: Angle-Land → England. Sie brachten die Grundlage der englischen Sprache mit. Im 9. Jahrhundert kamen die Wikinger (Dänen), die den Osten Englands eroberten (Danelaw). König Alfred der Große (849–899) von Wessex stoppte die Wikinger und legte den Grundstein für ein vereintes England. Er wird als einziger englischer König „der Große" genannt.

Parallel dazu entwickelten sich Wales und Schottland als eigenständige Königreiche mit keltischer Kultur, eigenen Sprachen und erbittertem Widerstand gegen englische Expansion.

Die Normannen & das Mittelalter (1066–1485)

Das Jahr 1066 veränderte England für immer. Wilhelm der Eroberer besiegte König Harold bei der Schlacht von Hastings (berühmt dargestellt auf dem Teppich von Bayeux) und begründete die normannische Herrschaft. Die Normannen brachten Feudalismus, Steinburgen (Tower of London, Windsor Castle) und die französische Sprache — das englische Vokabular verdoppelte sich und enthält bis heute tausende französische Lehnwörter (restaurant, government, parliament).

Das Mittelalter war eine Zeit der Burgen, Kathedralen und Konflikte: Die Magna Carta (1215) beschränkte als erstes Dokument die Macht des Königs und wurde zur Grundlage aller modernen Demokratien. Der Hundertjährige Krieg (1337–1453) gegen Frankreich, die Rosenkriege (1455–1487) zwischen den Häusern Lancaster (rote Rose) und York (weiße Rose), die Pest (1348, tötete ein Drittel der Bevölkerung) — ein Jahrhundert des Chaos, das mit der Tudor-Dynastie endete.

In Schottland kämpften William Wallace (1297, Stirling Bridge) und Robert the Bruce (1314, Bannockburn) für die Unabhängigkeit — erfolgreich. Wales wurde 1282 nach der Eroberung durch Edward I. dem englischen Königreich einverleibt; seine Burgen (Caernarfon, Conwy, Harlech) sind UNESCO-Welterbe.

Empire & Industrielle Revolution (1600–1900)

Das Britische Empire war das größte Reich der Geschichte — auf seinem Höhepunkt umfasste es ein Viertel der Erde und ein Fünftel der Weltbevölkerung. „The Empire on which the sun never sets" war keine Übertreibung: Zu jeder Tages- und Nachtzeit schien irgendwo die Sonne auf britisches Territorium.

Es begann mit Elizabeth I. (1558–1603), die England zur Seemacht machte, die Spanische Armada besiegte und das goldene Zeitalter der Literatur einleitete (Shakespeare!). Im 17./18. Jahrhundert expandierte das Empire nach Nordamerika, Indien, Australien, Afrika und in die Karibik. Der transatlantische Sklavenhandel (12,5 Millionen verschleppte Menschen) war ein fundamentaler Teil des britischen Reichtums — ein Erbe, mit dem Großbritannien bis heute ringt.

Die Industrielle Revolution (ab 1760) startete in England — mit der Dampfmaschine (James Watt, Schottland), der Spinning Jenny (Textilindustrie), Eisenbahnen (George Stephenson) und dem Fabriksystem. Großbritannien wurde die „Werkstatt der Welt", aber die Arbeitsbedingungen waren brutal: Kinderarbeit, 16-Stunden-Tage, Elendsviertel. Manchester, Birmingham und Glasgow wuchsen explosionsartig.

Königin Victoria (1837–1901) gab einer ganzen Epoche ihren Namen. Das viktorianische Zeitalter war die Blüte des Empire: Eisenbahnen umspannten die Welt, die Crystal Palace Exhibition (1851) feierte den britischen Fortschritt, und „britische Werte" (Pünktlichkeit, Ordnung, Understatement) wurden global exportiert — zusammen mit Tee, Cricket und Parlamentarismus.

Weltkriege, Nachkriegszeit & Brexit (1900–heute)

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) dezimierte eine Generation: 700.000 britische Soldaten fielen, die Schlachtfelder der Somme und von Passchendaele brannten sich ins kollektive Gedächtnis. Jedes Dorf in Großbritannien hat ein War Memorial. Am Remembrance Day (11. November, 11:00 Uhr) trägt das ganze Land rote Mohnblumen (Poppies) und hält zwei Minuten Stille.

Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) formte das moderne britische Selbstbild: Der Blitz (deutsche Luftangriffe auf London, 1940–41, 30.000 Tote) und Churchills legendäre Reden („We shall fight on the beaches...") schufen den Mythos des britischen Durchhaltevermögens — „Keep Calm and Carry On" ist mehr als ein Poster. Die Enigma-Entschlüsselung in Bletchley Park (Alan Turing) verkürzte den Krieg um schätzungsweise zwei Jahre.

Nach 1945: Das Empire zerfiel. Indien (1947), afrikanische Kolonien (1960er) und Hongkong (1997) wurden unabhängig. Der National Health Service (NHS) wurde 1948 gegründet — kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, bis heute Großbritanniens heiligste Institution. Die Swinging Sixties (Beatles, Rolling Stones, Mary Quant) und die Punk-Revolution (Sex Pistols, 1976) machten London zur Kulturhauptstadt der Welt.

Der Brexit (23. Juni 2016: 52% stimmten für den EU-Austritt, vollzogen am 31. Januar 2020) war das politische Erdbeben der jüngsten Geschichte. Die Folgen: neue Einreiseregeln für EU-Bürger, Handelsfriktionen, die Nordirland-Grenzfrage und eine gespaltene Gesellschaft. Für Reisende bedeutet der Brexit: Passkontrolle bei der Einreise, keine EU-Roaming-Garantie und Zollfragen bei der Ausreise. Schottland (62% für Remain) diskutiert weiterhin über Unabhängigkeit.

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