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Verstehen · Kapitel 11

Geschichte Italiens

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VerstehenKapitel 11: Geschichte Italiens
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Geschichte Italiens

Von den Etruskern über das Römische Reich, die Renaissance und die Einigung bis zum modernen Staat — Italiens Geschichte ist die Geschichte Europas. Kein anderes Land hat die westliche Zivilisation so geprägt.

Antike: Etrusker & Römisches Reich

Italiens Geschichte beginnt lange vor Rom: Die Etrusker (9.–1. Jh. v. Chr.) schufen in Mittelitalien eine hochentwickelte Zivilisation mit Städten, Kunst und Religion, die die Römer stark beeinflusste. Ihre Nekropolen (Cerveteri, Tarquinia — beide UNESCO) mit farbenfrohen Grabfresken gehören zu den faszinierendsten Zeugnissen der Antike.

Der Legende nach wurde Rom 753 v. Chr. von Romulus gegründet. Aus einem kleinen Stadtstaat am Tiber wurde innerhalb von Jahrhunderten das größte Reich der Antike: Auf seinem Höhepunkt (117 n. Chr.) erstreckte sich das Imperium Romanum von Britannien bis Mesopotamien, von Germanien bis Nordafrika. Die Römer brachten Straßen, Aquädukte, Recht und Verwaltung — Grundlagen, auf denen Europa bis heute steht.

Die Teilung des Reiches (395 n. Chr.) und der Fall Westroms (476 n. Chr.) markierten das Ende der Antike. Was blieb: das Christentum (seit Konstantin 313 n. Chr. toleriert, ab Theodosius 380 n. Chr. Staatsreligion), Latein als Grundlage der romanischen Sprachen und ein architektonisches Erbe, das noch heute staunen lässt.

Mittelalter: Stadtstaaten & Handelsmächte

Nach dem Fall Roms zerfiel Italien in ein Mosaik aus Herrschaften: Langobarden im Norden (daher „Lombardei"), Byzantiner im Süden und Osten (Ravenna mit seinen sensationellen Mosaiken), Araber auf Sizilien (827–1091) und der Kirchenstaat in der Mitte. Ab dem 11. Jahrhundert begannen die Stadtstaaten aufzublühen: Venedig, Genua, Pisa und Amalfi als Seerepubliken; Florenz, Mailand und Siena als Handels- und Finanzzentren.

Die Rivalität zwischen Guelfen (Papstanhänger) und Ghibellinen (Kaiseranhänger) prägte Jahrhunderte italienischer Politik. In Süditalien herrschten die Normannen (ab 1059), dann die Staufer — Kaiser Friedrich II. (1194–1250), der „Stupor Mundi" (Staunen der Welt), regierte von Palermo aus und vereinte arabische, byzantinische und westliche Kultur.

Renaissance (14.–16. Jahrhundert)

Die Renaissance — die „Wiedergeburt" der antiken Kunst und Wissenschaft — begann in Florenz und ist Italiens größter Beitrag zur Menschheitsgeschichte. Angetrieben durch den Reichtum der Kaufmannsfamilien (allen voran die Medici) und den Wettbewerb der Stadtstaaten, entstand eine Explosion von Kreativität, die die Welt für immer veränderte.

Kunst: Giotto, Brunelleschi, Donatello, Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Tizian — innerhalb von 200 Jahren schufen italienische Künstler einen Großteil der Meisterwerke, die wir heute als Höhepunkte der westlichen Kunst betrachten.

Wissenschaft: Galileo Galilei revolutionierte die Astronomie, Leonardo war Ingenieur und Erfinder, Machiavelli begründete die moderne Politikwissenschaft, Kolumbus (aus Genua) entdeckte Amerika.

Architektur: Brunelleschis Kuppel in Florenz (1436) war eine Ingenieurleistung, die alles Dagewesene übertraf. Palladio in Vicenza definierte eine Architektursprache, die bis heute die westliche Baukunst prägt (das Weiße Haus, das Kapitol und unzählige Herrenhäuser weltweit sind von Palladio inspiriert).

Einigung & Moderne

Nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft (Spanier, Österreicher, Franzosen unter Napoleon) begann im 19. Jahrhundert das Risorgimento — die nationale Einigungsbewegung. Giuseppe Garibaldi, Giuseppe Mazzini und Camillo Cavour waren die treibenden Kräfte. 1861 wurde das Königreich Italien ausgerufen, 1870 kam Rom als letzte Stadt hinzu (Ende des Kirchenstaats).

Das 20. Jahrhundert brachte den Faschismus unter Benito Mussolini (1922–1943), den Zweiten Weltkrieg mit deutscher Besatzung und Partisanenkampf, die Ausrufung der Republik (1946) und das Wirtschaftswunder (Miracolo Economico) der 1950er/60er: Vespa, Fiat 500, Fellini, Dolce Vita. Heute ist Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone — politisch turbulent, kulturell unerschöpflich und wirtschaftlich zwischen Norden und Süden gespalten.

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