Ligurien & Cinque Terre
Cinque Terre★★★
Die Cinque Terre (Fünf Länder) sind fünf bunte Fischerdörfer, die an steilen Klippen über dem Meer kleben und durch Wanderwege, Weinbergterrassen und einen Zug verbunden sind. Seit 1997 UNESCO-Welterbe und Nationalpark, sind sie eines der meistfotografierten Reiseziele Italiens.
Die fünf Dörfer (von Süd nach Nord)
- Riomaggiore ★★★ — Das südlichste und dramatischste Dorf: Pastellfarbene Häuser stürzen den Felsen hinunter bis zum winzigen Hafen. Der Sonnenuntergang vom Castello (Burgruine oberhalb) ist legendär. Guter Ausgangspunkt für Wanderungen.
- Manarola ★★★ — Berühmt für das Postkartenmotiv: bunte Häuser über dem Meer, von der Punta Bonfiglio aus fotografiert (der Fußweg dorthin dauert 5 Minuten und ist der beste Fotospot der Cinque Terre). Die älteste Weinpresse Liguriens steht hier, und der lokale Sciacchetrà (süßer Dessertwein aus an der Sonne getrockneten Trauben) ist eine Rarität.
- Corniglia ★★ — Das einzige Dorf ohne Meerzugang (thront 100 m über dem Meer auf einem Felsvorsprung, 382 Stufen vom Bahnhof). Weniger touristisch, authentischer, mit Panoramaterrassen und guten kleinen Restaurants.
- Vernazza ★★★ — Das malerischste der fünf: ein natürlicher Hafen mit einer Festung, einer Piazza direkt am Wasser und farbigen Häusern, die sich um die Bucht gruppieren. Die Doria-Burg (Aufstieg 2 €) bietet den besten Blick über das Dorf und die Küste.
- Monterosso al Mare ★★ — Das größte und touristischste Dorf mit dem einzigen echten Sandstrand der Cinque Terre (Fegina-Strand). Zwei Teile: die Altstadt (Old Town) und der neuere Strandbereich. Am besten für Familien und Strandtage.
Wandern: Der Sentiero Azzurro
Der Sentiero Azzurro (Blauer Weg) verbindet alle fünf Dörfer auf 12 km. Die gesamte Strecke dauert 5–7 Stunden, man kann aber einzelne Abschnitte wandern und den Rest per Zug fahren:
- Monterosso → Vernazza (3,5 km, 2h) — Der schönste und anspruchsvollste Abschnitt. Atemberaubende Küstenblicke, Weinbergterrassen, steile Auf- und Abstiege.
- Vernazza → Corniglia (4 km, 1,5h) — Mittelschwer, mit Blick zurück auf Vernazza und weit über das offene Meer.
- Corniglia → Manarola (3 km, 1h) — Leicht bis mittelschwer, durch Weinberge und Olivenhaine.
- Manarola → Riomaggiore (Via dell'Amore, 1 km, 20 Min.) — Der berühmte „Liebespfad" war jahrelang wegen Erdrutschen geschlossen und wird schrittweise wiedereröffnet (Stand 2025 teilweise zugänglich). Flach und einfach, mit romantischen Meerblicken.
Cinque Terre Card: 16 € für 1 Tag (inkl. Wanderwege + unbegrenzte Zugfahrten zwischen den 5 Dörfern + WLAN). 29 € für 2 Tage. Am Bahnhof oder online erhältlich.
Tipp
Die Cinque Terre sind von April bis Oktober extrem überlaufen — besonders mittags, wenn die Kreuzfahrtschiffe in La Spezia anlegen. Die beste Strategie: In einem der Dörfer übernachten (dann erlebst du die magischen Morgenstunden und Abende, wenn die Tagestouristen weg sind) und die Wanderung um 7:30 Uhr starten. Oder: Im November kommen, wenn die Dörfer fast leer sind und das Licht besonders schön ist.
Portofino & Santa Margherita Ligure★★
Portofino ist der glamouröseste Hafen der italienischen Riviera: ein winziges Fischerdorf (450 Einwohner) mit pastellfarbenen Häusern um eine perfekte kleine Bucht, umgeben von üppiger Vegetation. Yachten schaukeln im Hafen, die Cafés kosten ein Vermögen, und die Atmosphäre ist ein Mix aus altem Fischerdorf und Jetset-Spielplatz.
Sehenswert: Die Kirche San Giorgio mit Blick über den Hafen, das Castello Brown (7 €, Garten und Panorama) und der Fußweg zum Faro (Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel, 30 Min.) — einer der romantischsten Spaziergänge Liguriens.
Budget-Realität: Ein Cappuccino am Hafen kostet 7–10 €, ein einfaches Mittagessen 40–60 € pro Person. Die Alternative: In Santa Margherita Ligure übernachten (10 Min. mit dem Bus, halb so teuer, ebenso charmant) und Portofino als Halbtagesausflug besuchen. Oder: Per Boot von Santa Margherita (5 €, 15 Min.) — die schönste Anreise.
Santa Margherita Ligure ★★
Die „kleine Schwester" von Portofino ist die bessere Wahl zum Übernachten: Eine elegante Riviera-Stadt mit Uferpromenade, gutem Stadtstrand, authentischen Restaurants und Hotels, die ein Drittel von Portofinos Preisen verlangen. Von hier starten Boote und Wanderwege nach Portofino und San Fruttuoso.
San Fruttuoso ★★
Eine Abtei aus dem 10. Jahrhundert in einer abgelegenen Bucht, nur per Boot oder Wanderweg erreichbar. Unter Wasser: die berühmte Statue Cristo degli Abissi (Christus der Tiefe), 17 m tief — perfekt zum Schnorcheln bei klarem Wasser.
Genua (Genova)★★
Genua ist Italiens am meisten unterschätzte Großstadt. Die einstige Seerepublik, Heimat von Christoph Kolumbus und Rivale Venedigs, hat den größten mittelalterlichen Stadtkern Europas: Ein Labyrinth aus Gassen (Caruggi), in denen sich Paläste, Kirchen, Delikatessenläden und gelegentliche Schmuddel-Ecken mischen. Genua ist nicht poliert — es ist rau, authentisch und faszinierend.
Palazzi dei Rolli ★★★
Genuas UNESCO-Welterbe: 42 Renaissance- und Barockpaläste der Adelsgeschlechter, die ab dem 16. Jahrhundert als offizielle Quartiere für Staatsgäste dienten. Die prächtigsten: Palazzo Rosso (Gemälde von Van Dyck, Dürer, Veronese), Palazzo Bianco (Caravaggio, Rubens) und Palazzo Doria-Tursi (Paganinis Geige!). Alle drei an der Via Garibaldi, Kombi-Ticket 9 €. Zweimal im Jahr (Rolli Days im Mai und Oktober) öffnen viele der normalerweise privaten Paläste ihre Türen.
Porto Antico ★★
Der alte Hafen wurde von Renzo Piano (Genuas berühmtestem Sohn) umgestaltet: Das Acquario di Genova (27 €, das größte Aquarium Europas) ist das Top-Familienziel, der Bigo (Aussichtsaufzug, 5 €) bietet Hafenpanorama, und die Altstadt beginnt direkt hinter dem Hafen.
Kulinarik: Pesto alla Genovese
Genua ist die Heimat des Pesto — und hier schmeckt es hundertmal besser als überall sonst. Das Original: Basilikum aus Prà (ein Genueser Vorort mit dem aromatischsten Basilikum), Pinienkerne, Knoblauch, Pecorino + Parmigiano, ligurisches Olivenöl, grobes Meersalz. Im Mörser gestampft (nicht im Mixer!). Dazu: Trofie (kurze, gedrehte Pasta) oder Trenette (ligurische Linguine), serviert mit Kartoffelstücken und grünen Bohnen. Probiere auch die Focaccia di Recco (hauchdünner Teig mit geschmolzenem Stracchino-Käse) — eine der genialsten Erfindungen der ligurischen Küche.
Tipp
Genua ist der perfekte Zwischenstopp auf dem Weg zu den Cinque Terre (Zug 1,5h) oder nach Portofino (30 Min. mit dem Zug nach Santa Margherita). Plane 1–2 Tage ein — die Altstadt, die Paläste und das Essen sind es mehr als wert.
Riviera di Ponente
Die Riviera di Ponente (Westliche Riviera) zwischen Genua und der französischen Grenze ist sanfter und familienfreundlicher als die wilde Ostküste. Lange Sandstrände, mildes Klima (Blumenriviera!), historische Küstenstädte.
Albenga ★★
Überraschend gut erhaltene mittelalterliche Altstadt mit Backsteintürmen und einer frühchristlichen Taufkapelle (5. Jh.). Die Ebene rund um Albenga ist Liguriens Gemüsegarten — Artischocken, Tomaten, Basilikum.
Finale Ligure ★★
Zwei Orte in einem: das mittelalterliche Finalborgo (einer der schönsten Borghi Italiens) oben auf dem Hügel und das Strandbad Finale Marina unten am Meer. Dazu: Europas bestes Mountainbike-Terrain (der Finale Ligure Trail Center ist legendär in der MTB-Szene).
Sanremo ★
Die „Stadt der Blumen" ist bekannt für das Festival della Canzone Italiana (im Februar — Italiens Eurovision-Vorentscheid), das Casino und die Belle-Époque-Architektur. Die Pista Ciclabile (Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, 24 km am Meer entlang) ist einer der schönsten Radwege Liguriens.
Ligurische Küche
Die ligurische Küche ist eine der leichtesten und aromatischsten Italiens — mediterran, gemüsebetont, mit viel Olivenöl und Kräutern.
Klassiker
- Pesto alla Genovese — Das Original (siehe Genua-Abschnitt). Nur mit Trofie oder Trenette essen, niemals mit Spaghetti.
- Focaccia — Liguriens Brot der Brotarten: dick, ölig, mit grobem Salz. In Genua heißt die Variante mit Zwiebeln „Focaccia di Recco" (hauchdünner Teig mit Käse). Perfekt als Frühstück oder Snack zwischendurch.
- Farinata — Kichererbsen-Fladenbrot aus dem Holzofen, knusprig, leicht pikant. Ein typischer Streetfood-Snack (2–3 €). Am besten bei Antico Forno della Casana in Genua.
- Pansoti con salsa di noci — Gefüllte Pasta (mit Kräutern und Ricotta) in Walnusssauce. Cremig, nussig, himmlisch.
- Trofie al Pesto — DIE ligurische Kombination: handgerollte, gedrehte Pasta mit Kartoffeln, grünen Bohnen und frischem Pesto.
- Fritto misto di pesce — Gemischte frittierte Meeresfrüchte (Calamari, Garnelen, Sardellen), leicht und knusprig in den besten Lokalen.
- Cima alla Genovese — Kalbsbrust, gefüllt mit Gemüse, Eiern und Kräutern, kalt aufgeschnitten. Ein traditionelles Festtagsessen.
Wein
Liguriens Weine sind rar und oft nur lokal erhältlich: Vermentino und Pigato (Weißweine, mineralisch-frisch), Rossese di Dolceacqua (Rotwein, leicht und duftig), und der seltene Sciacchetrà aus den Cinque Terre (süßer Passito-Wein, 25–50 € pro Flasche).
Praktische Tipps Ligurien
Fortbewegung
Ligurien ist perfekt für Zugreisen: Die Bahnlinie folgt der gesamten Küste von Genua über die Cinque Terre bis La Spezia und weiter nach Pisa/Florenz. Züge fahren alle 15–30 Minuten. Für die Cinque Terre: Cinque Terre Card (16 €/Tag) für unbegrenzte Zugfahrten + Wanderwege. Ein Mietwagen ist in den Cinque Terre nutzlos (keine Straßen zwischen den Dörfern!) und an der Riviera eher hinderlich (Parkplatz-Mangel).
Beste Reisezeit
April–Juni und September–Oktober. Juli/August ist heiß (30–35°C), überfüllt (besonders Cinque Terre und Portofino) und teuer. November kann regnerisch sein (Liguriens Flüche: die Alluvioni, Überschwemmungen durch heftige Herbstregen), aber die Cinque Terre sind atmosphärisch leer und die Farben intensiv.
Übernachten
In den Cinque Terre selbst: Zimmer und Ferienwohnungen ab 80–150 €/Nacht (Hochsaison ab 150–250 €). Budget-Alternativen: La Spezia (Bahnknotenpunkt, deutlich günstiger, 10 Min. Zug zu den Cinque Terre), Levanto (nördlich, eigener schöner Strand, 4 Min. Zug nach Monterosso), Riomaggiore und Corniglia (etwas günstiger als Vernazza und Manarola).
Achtung
Die Wanderwege der Cinque Terre sind seit 2024 an Spitzentagen limitiert: Die Cinque Terre Card (16 €, online buchbar) ist Pflicht für den Sentiero Azzurro. Bei Starkregen werden die Wege gesperrt — Erdrutsche sind ein reales Risiko. Festes Schuhwerk ist Pflicht (keine Flipflops auf den Wanderwegen, Bußgeld bis 2.500 €!).
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