Gesellschaft & Religion
Die jordanische Gesellschaft
Jordanien ist ein Vielvölkerstaat: Neben den Ost-Jordaniern (Beduinen und Landbevölkerung) leben hier Millionen Palästinenser (seit 1948/1967, mittlerweile Jordaniens Bevölkerungsmehrheit), über eine Million syrische Flüchtlinge (seit 2011), sowie kleinere Gemeinschaften von Irakern, Tschetschenen, Tscherkessen und Armeniern.
Diese Vielfalt führt zu einer erstaunlich toleranten und kosmopolitischen Gesellschaft — jedenfalls in den Städten. Amman gehört zu den offensten und liberalsten Hauptstädten der arabischen Welt: Frauen arbeiten in allen Berufen, Alkohol ist frei erhältlich, und das Nachtleben pulsiert am Wochenende (Donnerstag/Freitag).
Gleichzeitig ist die Gesellschaft konservativ in der Grundstruktur: Die Familie (Hamula) ist die wichtigste soziale Einheit, arrangierte Ehen sind noch üblich (wenn auch abnehmend), und die Stammeszugehörigkeit spielt besonders auf dem Land eine große Rolle.
Religion
Jordanien ist zu ca. 95% muslimisch (sunnitisch) und zu ca. 4% christlich (verschiedene orthodoxe und katholische Konfessionen). Die haschemitische Königsfamilie versteht sich als Hüterin der heiligen Stätten in Jerusalem (Al-Aqsa-Moschee und Felsendom) und des Grabes Johannes des Täufers.
Der Islam in Jordanien ist moderat: Alkohol ist erlaubt, die Religionsfreiheit wird gewährt (christliche Kirchen und Klöster sind geschützt), und der König vertritt einen Dialog der Religionen (Amman Message, 2004). Gleichzeitig ist der Islam im öffentlichen Leben präsent: Der Gebetsruf ertönt fünfmal täglich, freitags sind die Moscheen voll, und der Ramadan wird von der großen Mehrheit eingehalten.
Für Reisende bedeutet das: Respektiere die religiösen Gepflogenheiten, kleide dich in religiösen Stätten angemessen, und sei im Ramadan sensibel — aber du wirst nirgends auf Intoleranz treffen.