Durbar Square & Altstadt★★★
★★★ Kathmandu Durbar Square (UNESCO-Welterbe)
Der Durbar Square (Palastplatz) war über Jahrhunderte das politische und religiöse Zentrum des Königreichs Kathmandu. Der Komplex umfasst den alten Hanuman Dhoka Palast, über 50 Tempel und die lebendige Göttin Kumari, die in einem prächtigen Haus am Platz residiert.
Das Erdbeben von 2015 hat mehrere Tempel zerstört oder schwer beschädigt — darunter den Kasthamandap, den Maju Deval und den Trailokya Mohan Narayan. Der Wiederaufbau dauert an und wird zum Teil von internationalen Organisationen wie der UNESCO und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Trotz der Schäden bleibt die Atmosphäre einzigartig: Sadhu-Asketen, Gemüsehändler, Schulkinder und Touristen teilen sich den Platz mit freilaufenden Hunden und gelegentlichen Kühen.
Der Platz gliedert sich in zwei Hauptbereiche: den äußeren Durbar Square mit dem Kasthamandap und dem Kumari Chowk, und den inneren Durbar Square rund um den Hanuman Dhoka Palast mit dem Taleju-Tempel, dem Jagannath-Tempel und dem neunstöckigen Basantapur-Turm, von dessen Dach man ein fantastisches Panorama über die Altstadt hat.
Eintritt: 1.000 NPR (ca. 6,50€) für Ausländer, gilt für den Tag. Beste Besuchszeit: frühmorgens (7:00–8:00), wenn die ersten Händler aufbauen und das Licht golden über den Platz fällt, oder zum Sonnenuntergang auf den Stufen des Maju-Deval-Tempels.
★★★ Kumari Chowk (Haus der lebenden Göttin)
Das vielleicht faszinierendste kulturelle Phänomen Nepals: Die Kumari ist ein junges Mädchen aus der Newar-Gemeinschaft (genauer: aus der Shakya-Kaste der Gold- und Silberschmiede), das als Inkarnation der Göttin Taleju verehrt wird. Sie wird nach strengen Kriterien ausgewählt: makellose Haut ohne Narben oder Muttermale, perfekte Zähne, die Furchtlosigkeit einer Göttin (sie darf bei einem rituellen Test nicht weinen, wenn Büffelköpfe und maskierte Tänzer sie erschrecken), und ein Horoskop, das mit dem des Königs — heute des Präsidenten — harmoniert.
Die Kumari lebt im Kumari Chowk, einem dreistöckigen Innenhofgebäude aus dem 18. Jahrhundert mit spektakulären geschnitzten Holzbalkonen. Sie verlässt das Haus nur zu bestimmten religiösen Anlässen, getragen auf einer goldenen Sänfte. Ihre Füße dürfen den Boden nicht berühren. Selbst der König musste vor ihr niederknien und ihren Segen empfangen.
Wenn du Glück hast, zeigt sie sich kurz am Fenster des Innenhofs — Fotografieren ist streng verboten. Ihr Blick gilt als Segen. Die Kumari dient bis zur Pubertät (erste Menstruation), danach kehrt sie ins normale Leben zurück. Ehemalige Kumaris berichten oft von Schwierigkeiten bei der Rückkehr — eine Kontroverse, die in Nepal emotional diskutiert wird.
★★★ Kasthamandap
Der Tempel, der Kathmandu seinen Namen gab! Der Legende nach wurde er aus dem Holz eines einzigen Sal-Baums erbaut — vermutlich im 7. Jahrhundert, womit er einer der ältesten Holzbauten Südasiens wäre. Die drei Stockwerke dienten einst als Rasthaus (Sattal) für Pilger auf der Handelsroute zwischen Indien und Tibet.
Beim Erdbeben am 25. April 2015 wurde der Kasthamandap komplett zerstört — nur ein Trümmerhaufen blieb. Die archäologische Untersuchung der Ruinen brachte jedoch eine Sensation: Unter dem Fundament fanden Forscher Münzen aus dem 7. Jahrhundert, die die Datierung des Tempels bestätigen. Der Wiederaufbau nach traditionellen Methoden — ohne Nägel, nur mit Holzverbindungen — wurde 2024 abgeschlossen. Der neue Kasthamandap ist ein Symbol nepalesischer Resilienz und handwerklicher Meisterschaft.
★★★ Hanuman Dhoka Palast
Der ehemalige Königspalast erstreckt sich über zehn Innenhöfe und beherbergt heute das Tribhuvan Museum (Leben und Besitztümer von König Tribhuvan, der 1951 die Rana-Diktatur stürzte) und das Mahendra Museum. Der Palast wurde im 17. Jahrhundert von König Pratap Malla erweitert, der auch den berühmten Hanuman (Affengott) am Eingangstor errichten ließ — eine rote, mit Senfölpaste beschmierte Steinfigur unter einem Sonnenschirm, die den Palast beschützen soll.
Besonders sehenswert: der Nasal Chowk (Innenhof, in dem die Krönung nepalesischer Könige stattfand), der Basantapur-Turm (9 Stockwerke, spektakulärer Blick) und die erotischen Holzschnitzereien an den Tempelstreben, die nach hinduistischem Glauben den Blitzgott Indra abschrecken sollen.
Hanuman Dhoka Museum: 250 NPR extra. Di–Sa 10:30–16:00, So bis 14:00. Montag geschlossen.
★★ Taleju-Tempel
Der höchste Tempel des Durbar Square (36 m) — geweiht der Schutzgöttin der Malla-Könige. Nur Hindus dürfen hinein, und auch nur einmal im Jahr während des Dashain-Festivals, wenn die Tore für alle geöffnet werden und Tausende in langen Schlangen anstehen. Von außen dennoch beeindruckend: Die vergoldete Dachspitze und die massiven Backsteinmauern zeugen von der Macht der Malla-Dynastie.
★★ Asan Tol & Indra Chowk
Vom Durbar Square führen die historischen Handelsgassen nach Norden: Asan Tol ist der älteste und geschäftigste Marktplatz Kathmandus — ein Rausch aus Gewürzen, Gemüse, Blumengirlanden und Menschenmassen. Hier kaufen Einheimische ihren täglichen Bedarf: Berge von Kurkuma, Chili, Ingwer, Koriander, frischem Obst und religiösen Opfergaben. Der winzige Annapurna-Tempel mitten im Getümmel ist einer der meistbesuchten in ganz Kathmandu — Händler bringen hier morgens ihre ersten Einnahmen als Opfer dar.
Indra Chowk beherbergt den Akash Bhairav-Tempel (den „Himmels-Bhairav", eine furchterregende Manifestation Shivas) und ist berühmt für seine Perlen-, Pashmina- und Wollhändler. Hier beginnt auch die Makhan Tol, die historische Handelsstraße, die einst die Seidenstraße mit Indien verband.
★★ Jagannath-Tempel
Der Jagannath-Tempel am Durbar Square ist berühmt für seine erotischen Holzschnitzereien an den Dachstreben — explizite Darstellungen sexueller Szenen, die Besucher regelmäßig überraschen. Diese Schnitzereien finden sich an vielen nepalesischen Tempeln und haben verschiedene Interpretationen: Sie sollen den keuschen Blitzgott Indra abschrecken (der den Tempel sonst mit einem Blitz treffen könnte), sie symbolisieren die Vereinigung von Gegensätzen oder sie dienen schlicht als Fruchtbarkeitssymbole.
★ Kumari-Sichtung: Wann und wie?
Die Kumari zeigt sich nicht planmäßig, aber die besten Chancen bestehen um 16:00 Uhr, wenn sie manchmal kurz am geschnitzten Fenster des Innenhofs erscheint. Während des Indra-Jatra-Festivals (September) wird sie auf einem prachtvollen Streitwagen durch die Straßen Kathmandus gezogen — das einzige Mal, dass die Öffentlichkeit sie aus der Nähe sehen kann.