Pashupatinath★★★
★★★ Pashupatinath — Nepals heiligstes Hindu-Heiligtum (UNESCO-Welterbe)
Am Ufer des Bagmati-Flusses liegt Nepals heiligster Hindu-Tempel — geweiht dem Gott Shiva als „Herr aller Lebewesen" (Pashupati). Der Tempelkomplex aus dem 5. Jahrhundert ist das hinduistische Pendant zu Varanasi in Indien und ein Ort, an dem Leben und Tod unmittelbar nebeneinander existieren.
Die Verbrennungsghats
An den Verbrennungsghats am Flussufer finden täglich offene Leichenverbrennungen statt — ein Ritual, das für Hindus der natürliche Übergang ins nächste Leben ist. Der Leichnam wird in weiße Tücher gewickelt, auf einen Holzscheiterhaufen gelegt und vom ältesten Sohn entzündet. Die Asche wird anschließend in den Bagmati gestreut, der in den Ganges fließt. Der gesamte Prozess dauert 3–4 Stunden.
Es gibt zwei Hauptgruppen von Ghats: Die Arya Ghats (obere Ghats) sind den königlichen Familien und hohen Kasten vorbehalten. Die Surya Ghats (untere Ghats) stehen allen Hindus offen. Von der gegenüberliegenden Flussseite (Ostseite) kann man respektvoll zusehen. Es ist eine der eindringlichsten Erfahrungen, die Nepal zu bieten hat: kein Spektakel, sondern stille, alltägliche Spiritualität.
Der Tempelkomplex
Den Haupttempel mit seiner zweistöckigen goldenen Pagode und dem silbernen Nandi-Stier (Shivas Reittier) dürfen nur Hindus betreten. Aber der weitläufige Komplex mit seinen Dutzenden kleineren Tempeln, den Lingam-Schreinen, den Sadhu-Asketen und den Affen, die über die Tempel turnen, ist frei zugänglich und lohnt mindestens 2 Stunden. Sehenswert sind besonders:
- Die Sadhu-Asketen: Am Westufer sitzen bunt bemalte Sadhus (hinduistische Wandermönche und Asketen) — manche in Meditation versunken, manche posieren bereitwillig für Fotos (gegen Trinkgeld, 50–200 NPR). Die Ash-Sadhus (Aghori) mit ihrem grau-weißen Körperbemalung und den verfilzten Haaren sind besonders fotogen, aber auch kontrovers: Manche sind echte Asketen, andere sind „Berufssadhus", die hauptsächlich von Touristenfotos leben
- Kailash-Schreine (Ostseite): Hinter der Brücke liegt ein Wald aus Hunderten kleiner Shiva-Lingam-Kapellen aus dem 1.–15. Jahrhundert — moosbewachsen, von Baumwurzeln überwuchert, mystisch und still. Einer der atmosphärischsten Orte in ganz Kathmandu
- Gorakhnath-Tempel: Auf dem Hügel über den Ghats, mit Blick über den gesamten Komplex
- Hirschgehege: Auf der Ostseite leben Axis-Hirsche in einem kleinen Park — sie sind Shiva heilig (der Gott wird oft mit Hirschhaut dargestellt)
- Sleshmantak-Wald: Der Wald am Ostufer beherbergt weitere Schreine und bietet einen ruhigen Spaziergang abseits der Ghats
Die Aarti-Zeremonie
Am Abend (ca. 18:00–19:00, Zeitpunkt variiert) findet an den Ghats eine Aarti-Zeremonie statt — eine rituelle Lichtzeremonie mit brennenden Öllampen, Glocken, Gesängen und Blumenopfern. Deutlich kleiner als die berühmte Ganga Aarti in Varanasi, aber intimer und authentischer.
Eintritt: 1.000 NPR (ca. 6,50€). Täglich 4:00–21:00. Am eindrucksvollsten frühmorgens (6:00–7:00, wenn die ersten Verbrennungen beginnen und der Morgennebel über dem Fluss liegt) oder am späten Nachmittag (16:00–18:00 für die Aarti). Von Thamel: 20 Min. per Taxi (300–500 NPR) oder 1,5 km Fußweg von Boudhanath.
💡 Tipp
Fotografiere die Verbrennungszeremonien mit Respekt oder gar nicht. Es sind echte Trauerfeiern, keine Touristenattraktion. Frage im Zweifelsfall die Angehörigen. Und: Die bunt bemalten Sadhus, die für Fotos posieren, erwarten ein Trinkgeld (50–200 NPR). Vereinbare den Betrag VOR dem Foto, um Diskussionen zu vermeiden.