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Regionen · Kapitel 7

Utrecht, Leiden & der Süden

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Regionen · Kapitel 7

Utrecht, Leiden & der Süden

Jenseits der großen Drei (Amsterdam, Rotterdam, Den Haag) warten überraschende Entdeckungen: Utrechts einzigartige Werftkeller-Cafés, die Universitätsstadt Leiden, Goudas Käsetradition, die Strände Zeelands und das kosmopolitische Maastricht im äußersten Süden.

Utrecht★★★

Utrecht ist die viertgrößte Stadt der Niederlande — und für viele Niederländer die schönste. Mittelalterliche Grachten, der höchste Kirchturm des Landes, eine lebendige Studentenszene (85.000 Studierende!) und die einzigartigen Werftkeller direkt am Wasser machen Utrecht zu einem absoluten Geheimtipp.

Highlights

  • Domtoren — Der 112 Meter hohe Domturm ist der höchste Kirchturm der Niederlande — und er steht allein! Das Kirchenschiff zwischen Turm und Chor stürzte 1674 bei einem Tornado ein und wurde nie wieder aufgebaut. 465 Stufen führen zur Aussichtsplattform mit Panoramablick. Führung (70 Min.): 12 €.
  • Werftkeller (Wharves) — Utrechts Alleinstellungsmerkmal: Die Grachten liegen hier zwei Stockwerke tief. Entlang der Oudegracht gibt es auf Wasserebene eine zweite Ebene mit Cafés, Restaurants und Terrassen — die berühmten Werftkeller. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es das. Abends sind die beleuchteten Terrassen am Wasser magisch.
  • Oudegracht — Utrechts Hauptgracht ist 2 km lang und von mittelalterlichen Häusern, Cafés und den einzigartigen Werftkellern gesäumt. Kanalboote ab 15 €.
  • Museum Speelklok — Ein wunderbar exzentrisches Museum für mechanische Musikinstrumente: Spieluhren, automatische Orgeln, singende Vögel, tanzende Puppen. Die Führung (inklusive Live-Demonstration) ist ein Erlebnis für alle Altersgruppen. Eintritt: 16 €.
  • Centraal Museum — Stadtgeschichte, Mode, Design und eine bedeutende Sammlung von Werken des Utrechter Malers Dick Bruna — dem Erfinder von Miffy (Nijntje). Für Miffy-Fans: das separate Nijntje Museum nebenan ist ein Kinderparadies.
  • Trajectum Lumen — Ein nächtlicher Rundgang entlang von Lichtkunstwerken in der Altstadt. Kostenlos, dauert ca. 90 Min. Die Werke wechseln jährlich.

Utrecht liegt 27 Minuten mit dem Zug von Amsterdam entfernt — perfekt als Tagesausflug oder als entspannte Basis für die Erkundung der Niederlande.

Tipp

Utrechts Werftkeller-Restaurants sind die gemütlichsten Esslokale der Niederlande. Reserviere einen Tisch bei „Oudaen" (Brauerei mit eigenem Bier, direkt am Wasser) oder „De Rechtbank" (in einem ehemaligen Gerichtsgebäude). Abends im Sommer: Füße über den Grachtenrand baumeln lassen, Biertje in der Hand — pures Glück.

Leiden — Universitätsstadt★★

Leiden ist die älteste Universitätsstadt der Niederlande (gegründet 1575 von Wilhelm von Oranien als Belohnung für die heldenhafte Verteidigung gegen die Spanier) und die Geburtsstadt Rembrandts. Die Stadt hat den Charme einer kleinen Version von Amsterdam: Grachten, Museen, historische Architektur — aber ohne die Massen.

Highlights

  • Museum De Lakenhal — Frisch renoviertes Stadtmuseum mit Werken von Lucas van Leyden, Rembrandt und Jan Steen. Das Gebäude selbst (1640) ist ein Juwel der Goldenen-Zeitalter-Architektur.
  • Hortus Botanicus — Einer der ältesten botanischen Gärten Europas (1590), wo die ersten Tulpen auf niederländischem Boden gepflanzt wurden. Der Garten liegt malerisch an der Witte Singel-Gracht. Eintritt: 8 €.
  • Pieterskerk — Gotische Kirche, in der die Pilgerväter (Pilgrim Fathers) vor ihrer Reise nach Amerika in der Gemeinde aktiv waren. Leiden war das letzte europäische Zuhause der Mayflower-Pilger.
  • Rijksmuseum van Oudheden — Das nationale Archäologiemuseum mit einer beeindruckenden ägyptischen Sammlung, darunter ein ganzer Tempel (Taffeh-Tempel, Geschenk Ägyptens an die Niederlande). Eintritt: 15 €.
  • Muurgedichten — Über 100 Gedichte aus aller Welt sind an Hauswänden in der ganzen Stadt aufgemalt: von Shakespeare bis Neruda, von Haiku bis persische Poesie. Ein kostenloses Open-Air-Literaturmuseum.
  • Burcht van Leiden — Die mittelalterliche Rundburg auf einem künstlichen Hügel bietet den besten Panoramablick über die Stadt. Kostenlos.

Leiden liegt 35 Minuten mit dem Zug von Amsterdam entfernt und ist die perfekte Basis für den Keukenhof (15 Min. mit dem Bus).

Gouda★★

Gouda — ja, die Stadt heißt wirklich so, und ja, der Käse kommt von hier. Aber Gouda ist weit mehr als nur Käse: Die kleine Stadt (70.000 Einwohner) zwischen Rotterdam und Utrecht hat einen der schönsten Marktplätze der Niederlande, bedeutende Kirchenfenster und eine überraschend lebendige Atmosphäre.

Highlights

  • Käsemarkt — Von April bis August jeden Donnerstag (10–13 Uhr) auf dem Marktplatz. Gouda-Käse in allen Reifestufen (jong, belegen, oud, overjarig), Käseträger in Tracht, Verkostungen. Weniger touristisch als Alkmaar und dafür authentischer.
  • Rathaus (Stadhuis) — Das gotische Rathaus (1450) ist eines der ältesten der Niederlande. Die Fassade mit den Steinfiguren ist bemerkenswert, das Glockenspiel spielt mehrmals täglich.
  • Sint-Janskerk — Die längste Kirche der Niederlande (123 m) besitzt die berühmten Goudse Glazen: 72 Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert, die in ihrer Farbenpracht und Größe europaweit einzigartig sind. Ein kunsthistorisches Highlight ersten Ranges.
  • Stroopwafel-Bäckerei — Die Stroopwafel wurde in Gouda erfunden! Im Kamphuisen Syroopwafelfabriek kann man die Herstellung beobachten und frische, warme Stroopwafels probieren — ein Unterschied wie Tag und Nacht zu den verpackten aus dem Supermarkt.
  • Museum Gouda — Im ehemaligen Hospital „Catharina Gasthuis" (1542): Stadtgeschichte, religiöse Kunst und eine hervorragende Sammlung von Goudschen Pijpen (Tonpfeifen). Eintritt: 11 €.

Zu Weihnachten: Gouda bij Kaarslicht (Gouda bei Kerzenlicht) am zweiten Dienstag im Dezember — der gesamte Marktplatz wird mit tausenden Kerzen beleuchtet. Magisch.

Zeeland — Strände & Deltawerke★★

Zeeland ist die südwestlichste Provinz der Niederlande — ein Flickenteppich aus Inseln, Halbinseln und Dämmen zwischen Nordsee und den Flussmündungen von Rhein, Maas und Schelde. Zeeland hat die meisten Sonnenstunden der Niederlande, die breitesten Strände und eine faszinierende Geschichte des Kampfes gegen das Wasser.

Highlights

  • Deltawerke — Das größte Hochwasserschutzsystem der Welt, erbaut als Reaktion auf die verheerende Flutkatastrophe von 1953 (1.836 Tote). Die Oosterscheldekering (3,5 km lang, 65 Pfeiler) ist eines der modernen Weltwunder der Ingenieurskunst. Im Deltapark Neeltje Jans kann man die Anlage besichtigen und die Geschichte interaktiv erleben (21 €).
  • Domburg — Das älteste Seebad der Niederlande (seit 1834), wo Mondrian seine berühmten Meeresbilder malte. Breiter Strand, Dünen, charmantes Ortszentrum mit Boutiquen und Restaurants.
  • Vlissingen — Hafenstadt an der Westerschelde mit grandioser Strandpromenade (Boulevard). Man sieht die riesigen Containerschiffe vorbeifahren — der Hafen von Antwerpen liegt um die Ecke.
  • Middelburg — Zeelands Hauptstadt mit prächtigem Rathaus (UNESCO-Kandidat), gotischer Abtei und lebendigem Donnerstags-Markt. Klein, aber fein.
  • Veere — Ein winziges, perfekt erhaltenes Städtchen mit Hafen, das im 16. Jahrhundert einer der reichsten Orte der Niederlande war (Wollhandel mit Schottland). Heute ein Segelparadies.

Zeeland ist per Zug ab Rotterdam in ca. 1 Stunde erreichbar (Zug nach Vlissingen über Middelburg). Mit dem Auto: über die A58. Ideal für einen 2–3-tägigen Strandurlaub oder als Zwischenstopp auf dem Weg nach Belgien.

Maastricht — Südlichster Charme★★

Maastricht ist die am wenigsten niederländische Stadt der Niederlande — und gerade deshalb so faszinierend. Eingeklemmt zwischen Belgien und Deutschland, im äußersten Süden der Provinz Limburg, hat Maastricht eine burgundische Lebensart, die mehr an Lüttich oder Aachen erinnert als an Amsterdam.

Highlights

  • Vrijthof — Der schönste Platz der Stadt, flankiert von der romanischen Sint-Servaasbasiliek (älteste Kirche der Niederlande, gegründet um 560) und der gotischen Sint-Janskerk. Umgeben von Terrassencafés — der perfekte Ort für einen Nachmittag mit Vlaai (Limburgischer Obstkuchen) und Kaffee.
  • Boekhandel Dominicanen — Eine gotische Dominikanerkirche aus dem 13. Jahrhundert, die in eine Buchhandlung umgewandelt wurde. Regelmäßig zur „schönsten Buchhandlung der Welt" gewählt — und das ist keine Übertreibung. Das Gewölbe, die Fresken, die Bücherregale in den ehemaligen Kapellen: atemberaubend.
  • Sint Pietersberg — Der Hügel am Stadtrand birgt ein 250 km langes Tunnelsystem (Grotten), das über Jahrhunderte durch Mergelabbau entstanden ist. Geführte Touren (auch mit Gruseleffekt) zeigen Kohleschriften, Fledermäuse und den Raum, in dem Rembrandts Nachtwache im Zweiten Weltkrieg versteckt wurde. Ab 8,50 €.
  • Wyck-Viertel — Das charmante Viertel zwischen Bahnhof und Maas: Concept Stores, Feinkostläden, Kunstgalerien und das Bonnefantenmuseum (moderne Kunst in einem auffälligen Bau von Aldo Rossi).
  • Dreiländereck — Am Drielandenpunt auf dem Vaalserberg treffen Niederlande, Belgien und Deutschland aufeinander. Der höchste Punkt der Niederlande (322 m) — ja, das ist alles. Trotzdem: Foto wert.

Maastricht ist per Zug ab Amsterdam in 2,5 Stunden erreichbar. Für eine Rundreise: Rotterdam – Zeeland – Maastricht – Aachen ist eine spannende Südroute.

Tipp

Maastricht ist berühmt für seine „Burgundische Lebenslust": gut essen, lange Terrassen-Nachmittage, Limburgischer Wein (ja, es gibt niederländischen Wein — und er ist nicht schlecht!). Das kulinarische Niveau ist hoch — probiere „Zuurvlees" (Sauerbraten, limburgische Art) mit Fritten.

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