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Verstehen · Kapitel 9

Geschichte der Philippinen

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VerstehenKapitel 9: Geschichte der Philippinen
Verstehen · Kapitel 9

Geschichte der Philippinen

Von den ersten Siedlern über 333 Jahre spanische Herrschaft, eine amerikanische Kolonie, japanische Besatzung bis zur Marcos-Diktatur und People Power Revolution — die Geschichte der Philippinen ist ein Drama aus Unterdrückung, Widerstand und bemerkenswerter Resilienz.

Prä-hispanische Philippinen

Lange bevor die Europäer kamen, waren die Philippinen alles andere als ein „unentdecktes" Land. Austronesische Seefahrer besiedelten die Inseln vor über 30.000 Jahren — der „Tabon Man" auf Palawan ist der älteste Fund menschlicher Überreste in den Philippinen.

Die vorkoloniale Gesellschaft war in Barangays organisiert — autonome Gemeinschaften von 30 bis 100 Familien, geführt von einem Datu (Häuptling). Es gab Handelsbeziehungen mit China, Japan, Indien, Arabien und dem Königreich Srivijaya. Das Laguna Copperplate Inscription (900 n. Chr.) — die älteste schriftliche Aufzeichnung der Philippinen — belegt regen Handel und ein komplexes Rechtssystem.

Die Philippinen hatten ein eigenes Schriftsystem (Baybayin), eine differenzierte Sozialstruktur (Adel, Freie, Schuldknechte), ausgeprägte Tätowierkunst (die Visayas-Krieger waren als „Pintados" — die Bemalten — berühmt) und einen reichen Schatz an mündlicher Literatur und Mythologie. Der Islam kam im 14. Jahrhundert über Händler aus Borneo auf die südlichen Inseln — das Sultanat von Sulu (1457) war ein mächtiges muslimisches Reich, dessen Vermächtnis bis heute auf Mindanao spürbar ist.

Magellan & 333 Jahre Spanien (1521–1898)

Am 16. März 1521 erreichte der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan (im Dienst der spanischen Krone) die Philippinen — die erste dokumentierte europäische Berührung mit dem Archipel. Er landete auf Homonhon, freundete sich mit dem Herrscher von Cebu (Rajah Humabon) an und taufte ihn und seine Königin — und überreichte ihr die Figur des Santo Niño, die bis heute in der Basilika in Cebu verehrt wird.

Doch Magellans Geschichte endete abrupt: Am 27. April 1521 wurde er in der Schlacht von Mactan von Lapulapu, dem Häuptling der Insel Mactan, getötet. Lapulapu gilt heute als erster philippinischer Freiheitsheld — seine Statue steht in Mactan, Cebu. Ironischerweise stehen die Denkmäler für Magellan und Lapulapu nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

1565 kamen die Spanier zurück und blieben 333 Jahre. Sie gründeten Manila als Kolonialhautstadt, christianisierten die Inseln (über 80 % der Filipinos sind heute katholisch) und errichteten ein System der Unterdrückung: Zwangsarbeit, Landenteignung und die Macht der Mönchsorden. Der Manila-Acapulco-Galeone-Handel (1565–1815) machte Manila zu einem globalen Handelsknotenpunkt — chinesische Seide und Porzellan gingen nach Mexiko, mexikanisches Silber kam zurück.

Das Ende kam durch die philippinische Revolution (1896), angeführt von Andrés Bonifacio (Gründer des Katipunan-Geheimbundes) und Emilio Aguinaldo. Der intellektuelle Funke kam von José Rizal, dessen Romane „Noli Me Tangere" und „El Filibusterismo" die Missstände der Kolonialherrschaft anprangerten. Rizals Hinrichtung am 30. Dezember 1896 wurde zum Katalysator der Revolution.

USA, Japan & Unabhängigkeit

1898 besiegten die USA Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg und „kauften" die Philippinen für 20 Millionen Dollar im Vertrag von Paris — ohne die Filipinos zu fragen, die gerade ihre Unabhängigkeit erkämpft hatten. Am 12. Juni 1898 hatte Emilio Aguinaldo die Erste Philippinische Republik ausgerufen — die erste Republik Asiens. Doch die Amerikaner erkannten sie nicht an.

Der Philippinisch-Amerikanische Krieg (1899–1902) war brutal: Schätzungsweise 200.000–1.000.000 philippinische Zivilisten starben, viele durch Konzentrationslager und die „Scorched Earth"-Politik. Ein dunkles Kapitel, das in den USA kaum bekannt ist.

Die amerikanische Kolonialzeit (1898–1946) brachte aber auch tiefgreifende Veränderungen: ein öffentliches Bildungssystem (Englisch wurde zur Unterrichtssprache — deshalb sprechen Filipinos heute fließend Englisch), demokratische Strukturen, moderne Infrastruktur und Baseball als Nationalsport.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner die Philippinen (1942–1945). Die Schlacht um Manila (Februar 1945) war eine der zerstörerischsten Stadtschlachten des Krieges: Über 100.000 Zivilisten starben, Intramuros wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der Bataan Death March (1942), bei dem 60.000–80.000 Kriegsgefangene 100 km durch tropische Hitze marschieren mussten, ist eines der schlimmsten Kriegsverbrechen des Pazifikkrieges.

Am 4. Juli 1946 erhielten die Philippinen ihre vollständige Unabhängigkeit von den USA.

Marcos-Diktatur & People Power

Ferdinand Marcos wurde 1965 zum Präsidenten gewählt und erklärte 1972 das Kriegsrecht — der Beginn einer 21 Jahre währenden Diktatur, die das Land in seinen Grundfesten erschütterte. Marcos und seine Frau Imelda (berüchtigt für ihre 3.000 Paar Schuhe) plünderten systematisch die Staatskasse — geschätzte 5–10 Milliarden Dollar verschwanden auf Schweizer Bankkonten. Politische Gegner wurden eingesperrt, gefoltert oder ermordet. Über 3.000 Menschen wurden getötet, 35.000 gefoltert, 70.000 inhaftiert.

Der Wendepunkt kam am 21. August 1983, als Oppositionsführer Benigno „Ninoy" Aquino Jr. bei seiner Rückkehr aus dem Exil am Manila International Airport erschossen wurde — wahrscheinlich auf Marcos' Befehl. Der Flughafen trägt heute seinen Namen.

Die People Power Revolution (EDSA Revolution) vom 22.–25. Februar 1986 war eine der ersten friedlichen Massenrevolutionen der Geschichte: Über zwei Millionen Menschen versammelten sich auf der Epifanio de los Santos Avenue (EDSA) in Manila — Nonnen standen vor Panzern, Soldaten verweigerten den Schießbefehl, und nach vier Tagen floh die Familie Marcos ins Exil nach Hawaii. Corazon „Cory" Aquino, Witwe des ermordeten Ninoy, wurde die erste Frau an der Spitze einer asiatischen Demokratie.

Die People Power Revolution inspirierte friedliche Umstürze weltweit — vom Fall der Berliner Mauer bis zum Arabischen Frühling. Sie bleibt der stolzeste Moment der modernen philippinischen Geschichte.

Tipp

Das Ayala Museum in Makati hat eine hervorragende Diorama-Ausstellung zur philippinischen Geschichte — 60 handgefertigte Dioramen erzählen die Geschichte von der Vorkolonialzeit bis zur People Power Revolution. Eintritt: 475 PHP.

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