Modernes Rom
Risorgimento & Hauptstadt (1861–1871)
Bis 1870 war Rom Hauptstadt des Kirchenstaats — ein Flickenteppich in Mittelitalien unter der weltlichen Herrschaft der Päpste. Die italienische Einigung (Risorgimento) unter Garibaldi und Cavour machte 1861 das Königreich Italien — aber erst 1870 eroberten italienische Truppen Rom. Am 20. September 1870 wurde die Porta Pia durchbrochen, der Papst zog sich in den Vatikan zurück (wo er bis heute „gefangen" ist), und Rom wurde Hauptstadt des vereinten Italiens.
Faschismus (1922–1943)
Mussolini marschierte 1922 auf Rom und machte die Stadt zum Schauplatz faschistischer Großmannssucht. Er ließ die Via dei Fori Imperiali quer durch die antiken Ruinen brechen (dabei zerstörte er mehr als er freilegte), baute das EUR-Viertel (ein surreal-monumentales Stadtviertel südlich des Zentrums) und versuchte, Roms imperiale Größe wiederzubeleben — mit katastrophalen Folgen. Nach der alliierten Invasion 1943 erklärte Rom sich zur „offenen Stadt" und blieb weitgehend unbeschädigt — ein Segen, der vielen europäischen Städten nicht vergönnt war.
La Dolce Vita & Gegenwart
Die 1950er und 1960er Jahre waren Roms filmische Blütezeit: Fellinis „La Dolce Vita" (1960) zeigte eine Stadt zwischen Dekadenz und Melancholie, Audrey Hepburn fuhr auf der Vespa durch „Ein Herz und eine Krone" (1953), und die Via Veneto wurde zum Hotspot der internationalen Bohème. Heute ist Rom eine Stadt der Kontraste: antike Ruinen neben Graffiti, päpstliche Pracht neben Verkehrschaos, Hochkultur neben la buona vita — und genau das macht ihren unwiderstehlichen Charme aus.