Osmanisches Reich (1299–1922)
Das Osmanische Reich — von einem kleinen Fürstentum in Nordwestanatolien zum Weltreich, das sich von Wien bis Jemen, von Algerien bis zum Kaspischen Meer erstreckte — war über 600 Jahre eine der mächtigsten Dynastien der Geschichte.
Osman I. (1299) gründete das Fürstentum, das seinen Namen tragen sollte. Mehmed II. „Fatih" (der Eroberer) nahm 1453 Konstantinopel ein — das Ereignis, das das Mittelalter beendete und eine neue Ära einläutete. Die Stadt wurde in İstanbul umbenannt und zur Hauptstadt des expandierenden Reichs.
Das Goldene Zeitalter unter Süleyman dem Prächtigen (1520–1566) sah die größte Ausdehnung des Reichs: Belagerung Wiens (1529), Kontrolle über die heiligen Stätten des Islam, bahnbrechende Rechtsreformen und eine kulturelle Blüte mit dem Architekten Mimar Sinan (Süleymaniye-Moschee, Selimiye-Moschee — Meisterwerke der islamischen Architektur).
Der langsame Niedergang ab dem 17. Jahrhundert — militärische Niederlagen, wirtschaftlicher Verfall, nationalistische Bewegungen auf dem Balkan — führte dazu, dass das Reich als „Kranker Mann am Bosporus" bezeichnet wurde. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Osmanische Reich an der Seite der Mittelmächte und verlor. Die Gallipoli-Kampagne (1915) — ein blutiger, letztlich gescheiterter alliierter Angriff auf die Dardanellen — wurde zur Gründungslegende der modernen Türkei. Dort tat sich der junge Offizier Mustafa Kemal hervor.