Innere Stadt
Stephansdom
Der Stephansdom (Steffl, wie die Wiener sagen) ist Wiens Wahrzeichen und eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Europas. Seit dem 12. Jahrhundert steht er im Herzen der Stadt — das heutige Gebäude stammt großteils aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der Südturm ragt 136,4 Meter in den Himmel und war jahrhundertelang das höchste Bauwerk Österreichs.
Was gibt es zu sehen?
- Südturm (Alter Steffl): 343 Stufen — eine enge Wendeltreppe, die sich nach oben immer weiter verengt. Die Belohnung: ein 360°-Panorama über Wien — Ringstraße, Prater, Donau, Wienerwald. An klaren Tagen sieht man die Alpen. Eintritt: 6€.
- Nordturm (Pummerin): Per Aufzug erreichbar — hier hängt die Pummerin, Österreichs größte Glocke (21 Tonnen). Sie läutet nur zu besonderen Anlässen — Silvester, Staatsereignisse. Eintritt: 6€.
- Das Dach: 250.000 farbig glasierte Ziegel bilden das charakteristische Muster — den Doppeladler und das Wiener Stadtwappen. Am besten sichtbar von den umliegenden Dachterrassen.
- Katakomben: Unter dem Dom erstrecken sich die Katakomben mit den Gebeinen von 11.000 Wienern und den Eingeweiden der Habsburger Kaiser (die Herzen liegen in der Augustinerkirche, die Körper in der Kapuzinergruft — die Habsburger verteilten ihre sterblichen Überreste gerne). Führung: 6,50€, alle 15–30 Min.
- Innenraum: Das gotische Kirchenschiff mit dem Wiener Neustädter Altar (1447), der barocken Kanzel und dem Grabmal Kaiser Friedrichs III. Eintritt ins Kirchenschiff: kostenlos.
Tipp
Die beste Zeit für den Stephansdom ist morgens (9–10 Uhr) — wenige Touristen, schönes Licht durch die Fenster. Den Südturm abends besteigen, wenn die Stadt im Abendlicht leuchtet. Die Katakomben sind faszinierend, aber nichts für Klaustrophobe.
Hofburg & Ringstraße
Die Hofburg
Die Hofburg war 600 Jahre lang Residenz der Habsburger — vom 13. Jahrhundert bis zum Ende der Monarchie 1918. Heute beherbergt sie den Amtssitz des Bundespräsidenten, die Spanische Hofreitschule, die Österreichische Nationalbibliothek und mehrere Museen. Der Komplex ist riesig: 18 Trakte, 2.600 Räume, 240.000 m².
- Kaiserappartements & Sisi Museum: Die Privatgemächer von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (Sisi). Das Sisi-Museum erzählt ihre Geschichte jenseits des Kitsch-Klischees — eine intelligente, rastlose Frau, die am Hof verzweifelte. Eintritt: 18€ (Kombiticket mit Silberkammer).
- Spanische Hofreitschule: Seit 450 Jahren werden hier Lipizzaner-Hengste in der barocken Winterreitschule trainiert. Die Morgenarbeit (Training, 55 Min., ab 15€) ist günstiger und persönlicher als die Galavorstellung (ab 31€). Ein einzigartiges Erlebnis.
- Österreichische Nationalbibliothek (Prunksaal): Einer der schönsten Bibliothekssäle der Welt — 80 Meter lang, barocke Deckenfresken, 200.000 historische Bücher. 10€ Eintritt, jeder Cent lohnt sich.
Die Ringstraße
Der Ring ist Wiens berühmtester Boulevard — 5,3 km lang, 1857 von Kaiser Franz Joseph auf dem Gelände der abgetragenen Stadtbefestigung angelegt. An ihm reihen sich die wichtigsten Monumentalbauten wie Perlen an einer Kette:
- Wiener Staatsoper — 1869 eröffnet, Heimat von Mahler, Strauss und Karajan. Stehplätze ab 4€!
- Parlament — Neoklassizismus mit Pallas-Athene-Brunnen.
- Rathaus — Neugotik, im Dezember Weihnachtsmarkt, im Sommer Open-Air-Kino.
- Burgtheater — Die bedeutendste deutschsprachige Bühne.
- Universität Wien — Gegründet 1365, eine der ältesten der Welt.
Den Ring kann man mit der Straßenbahnlinie 1 und 2 umrunden — eine günstige Sightseeing-Tour für 2,40€ (Einzelticket).
Belvedere & Albertina
Oberes Belvedere
Das Obere Belvedere ist ein barockes Lustschloss des Prinzen Eugen von Savoyen — und Heimat von Österreichs berühmtestem Gemälde: Gustav Klimts „Der Kuss" (1907/08). Das Bild hängt in einem eigenen Raum und zieht täglich Tausende Besucher an: Gold, Erotik, Jugendstil — ein Meisterwerk, das live noch beeindruckender ist als auf jeder Reproduktion.
Die Sammlung umfasst außerdem Werke von Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Claude Monet und die größte Klimt-Sammlung der Welt. Der Blick vom Garten auf die Stadt ist ein Postkartenmotiv. Eintritt: 18,50€.
Albertina
Die Albertina in der Südostecke der Hofburg beherbergt eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt: über eine Million Druckgrafiken und 65.000 Zeichnungen — darunter Dürers „Feldhase" und „Betende Hände", Klimts Zeichnungen, Schieles Akte und eine herausragende Sammlung der Klassischen Moderne (Monet, Renoir, Cézanne, Picasso). Die Albertina Modern am Karlsplatz zeigt zeitgenössische Kunst. Eintritt: 18,90€.
Kapuzinergruft (Kaisergruft)
In der unscheinbaren Kapuzinerkirche am Neuen Markt ruhen 149 Habsburger in 12 Grufträumen — darunter Maria Theresia (in einem prunkvollen Doppelsarkophag mit Franz Stephan), Franz Joseph und Sisi. Die letzte Bestattung: 2011 (Zita von Bourbon-Parma). Ein düsterer, faszinierender Ort. Eintritt: 8,50€.
Graben, Kohlmarkt & Flanieren
Wiens Innere Stadt ist ein Paradies zum Flanieren — barocke Fassaden, Jugendstil-Details, versteckte Innenhöfe und das Gefühl, durch ein lebendiges Architekturmuseum zu gehen.
Die schönsten Straßen
- Graben: Wiens prächtigste Fußgängerzone — die Pestsäule (1679), Jugendstilfassaden und Luxusgeschäfte. Hier flaniert Wien seit dem Mittelalter.
- Kohlmarkt: Vom Graben zur Hofburg — Wiens eleganteste Meile mit der Konditorei Demel (die andere Sachertorte) und der Parfümerie Loden-Plankl. Am Ende: der Blick durch das Michaelertor in die Hofburg.
- Kärntner Straße: Vom Stephansdom zur Staatsoper — Wiens Einkaufsstraße Nr. 1. Touristisch, aber die Architektur lohnt den Blick nach oben.
Versteckte Juwelen
- Judenplatz: Das Holocaust-Mahnmal (Rachel Whiteread, 2000) — eine umgedrehte Bibliothek aus Beton. Daneben: das Museum am Judenplatz mit Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge.
- Griechenbeisl: Wiens ältestes Restaurant (seit 1447) — Beethoven, Schubert, Mark Twain und viele andere aßen hier. Die Decke des „Augustiner-Stüberls" ist mit Unterschriften berühmter Gäste bedeckt.
- Mozarthaus Vienna: Die einzige erhaltene Wiener Wohnung Mozarts — hier komponierte er „Die Hochzeit des Figaro". Domgasse 5, Eintritt: 12€.
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