Gesellschaft & Islam
Das Expat-Land
Die erstaunlichste Zahl der VAE: Nur etwa 11% der Bevölkerung sind Emiratis — die restlichen 89% sind Expats aus über 200 Ländern. In Dubai ist die Quote noch extremer: Hier sind geschätzt nur 8% der Einwohner Staatsbürger. Das macht die VAE zum Land mit dem höchsten Ausländeranteil der Welt.
Die größten Expat-Gemeinschaften:
- Inder: ~3,4 Millionen (die größte Gruppe), von IT-Ingenieuren bis zu Bauarbeitern
- Pakistaner: ~1,5 Millionen
- Bangladescher: ~1 Million
- Filipinos: ~700.000
- Westliche Expats: ~500.000 (Briten, Amerikaner, Australier, Deutsche etc.)
Diese Diversität macht die VAE zu einem der kosmopolitischsten Orte der Welt: In Dubai hörst du auf der Straße Hindi, Urdu, Tagalog, Arabisch und Englisch — und findest Restaurants aus praktisch jedem Land der Erde. Die Kehrseite: Das Kafala-System (Sponsor-System für Arbeitsmigranten) und die Arbeitsbedingungen für Geringverdiener — besonders auf dem Bau — stehen international in der Kritik. Die VAE haben in den letzten Jahren Reformen durchgeführt (Mindestlohn, Mittagspause bei Hitze, Lohnschutz), aber die Situation bleibt ein kritisches Thema.
Islam im Alltag
Die VAE sind ein islamisches Land, aber deutlich liberaler als die Nachbarn Saudi-Arabien oder Iran. Trotzdem solltest du die religiösen Regeln kennen und respektieren:
Ramadan
Der heilige Fastenmonat (Daten variieren nach dem Mondkalender, 2026 voraussichtlich ca. 18. Februar – 19. März) verändert das öffentliche Leben grundlegend:
- Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verboten — auch für Nicht-Muslime! Strafe: Verwarnung bis 2.000 AED.
- Restaurants sind tagsüber geschlossen oder hängen Vorhänge vor die Fenster (für Nicht-Fastende).
- Laute Musik ist unangemessen. Clubs und Bars schließen oder haben reduzierte Zeiten.
- Positiv: Die Iftar-Buffets (Fastenbrechen bei Sonnenuntergang) sind ein kulinarisches Erlebnis — viele Hotels bieten opulente Iftar-Dinner an (150–300 AED/37–75 EUR). Die Atmosphäre nach Sonnenuntergang, wenn alle gemeinsam essen und die Stadt zum Leben erwacht, ist besonders.
Freitagsgebet
Freitag ist der heilige Tag im Islam. Die Gebetszeit um die Mittagszeit (ca. 12:00–13:30 Uhr) ist der wichtigste Moment der Woche. Die Metro in Dubai startet freitags erst um 10:00 Uhr. Vermeide Lärm in der Nähe von Moscheen während der Gebetszeiten.
Dresscode
In Dubai und Abu Dhabi ist der Dresscode relativ locker — an Stränden und Pools sind Bikinis und Badehosen normal. In Einkaufszentren, Restaurants und öffentlichen Gebäuden sollten Schultern und Knie bedeckt sein (praktisch: ein leichtes Tuch oder eine lockere Hose dabeihaben). In Sharjah und den nördlichen Emiraten ist konservativere Kleidung erwartet. In Moscheen gelten strenge Regeln: lange Hose/Rock, bedeckte Arme, Frauen mit Kopftuch.
Achtung
Während des Ramadan ist Essen, Trinken (auch Wasser!) und Rauchen in der Öffentlichkeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für ALLE verboten — auch für Touristen und Nicht-Muslime. Verstoß: Verwarnung bis 2.000 AED Strafe. In Hotels und geschlossenen Restaurants ist Essen erlaubt.
Alkoholregeln
Alkohol ist in den VAE legal, aber streng reguliert — und das System ist für Neuankömmlinge verwirrend:
Wo darf man Alkohol trinken?
- In lizenzierten Hotels, Restaurants, Bars und Clubs: Ja, ohne Einschränkung. Das ist der Normalfall für Touristen. Bier, Wein, Cocktails — alles verfügbar, aber teuer (Bier 40–70 AED/10–17 EUR, Cocktail 60–100 AED/15–25 EUR).
- In Privatwohnungen: Ja, mit einer persönlichen Alkohollizenz (seit 2024 für Touristen vereinfacht über die App „Barcode").
- In der Öffentlichkeit: Absolut verboten. Kein Alkoholkonsum auf der Straße, am Strand (außer in lizenzierten Beach Clubs), in Parks oder im Auto. Strafe: Geldbuße bis Gefängnis.
- In Sharjah: Alkohol ist im gesamten Emirat verboten — auch in Hotels.
Wo kann man Alkohol kaufen?
- Duty-Free am Flughafen: Bei der Ankunft maximal 4 Liter Spirituosen oder 2 Kartons Bier (24 Dosen). Die günstigste Option!
- Lizenzierte Shops: African + Eastern (A+E) und Maritime & Mercantile International (MMI) sind die großen Ketten. Seit 2024 benötigst du die „Barcode"-App (kostenlose Registrierung) zum Kauf.
Alkohol und Fahren
Null Toleranz: 0,0 Promille. Kein Glas Wein, kein Bier. Keine Ausnahme. Die Strafe: Geldbuße, Führerscheinentzug, Gefängnis, im schlimmsten Fall Deportation. Uber/Taxi sind die einzige Option nach dem Trinken.
Achtung
Öffentliche Trunkenheit ist eine Straftat in den VAE — auch wenn du nur aus einer Bar kommst und auf ein Taxi wartest. Verhalte dich diskret und ordentlich. Im schlimmsten Fall drohen Festnahme und Deportation.
Dos & Don'ts
Die VAE sind ein tolerantes, aber regelbasiertes Land. Als Tourist wirst du selten Probleme bekommen, wenn du Respekt zeigst — aber einige Regeln sind anders als in Europa:
✅ Dos
- Grüße mit „As-salamu alaikum" (Friede sei mit dir) — es wird immer geschätzt
- Zeige Respekt vor der emiratischen Kultur und dem Islam
- Kleide dich in Malls und öffentlichen Gebäuden angemessen (Schultern + Knie bedeckt)
- Frage um Erlaubnis, bevor du Einheimische (besonders Frauen) fotografierst
- Nimm das rechte Hand zum Essen, Grüßen und Geben — die linke gilt als unrein
- Zeige Fußsohlen nicht in Richtung anderer Personen (gilt als unhöflich)
- Akzeptiere angebotenen arabischen Kaffee und Datteln — Ablehnung kann als unhöflich gelten
❌ Don'ts
- Keine öffentliche Zuneigung: Händchenhalten wird toleriert, Küssen und Umarmen in der Öffentlichkeit nicht. Strafe: Geldbuße bis Deportation.
- Kein Fluchen: Anstößige Gesten oder Beleidigungen (auch im Straßenverkehr!) können zu Festnahme führen.
- Kein Fotografieren von Regierungsgebäuden, Militäranlagen oder Palästen
- Keine Drogen: Absolute Null-Toleranz. Besitz auch kleinster Mengen (selbst Rückstände im Blut) kann zu Jahren Gefängnis führen. Cannabis-Reste an Schuhen vom letzten Amsterdam-Trip? Theoretisch strafbar.
- Keine Kritik am Herrscherhaus oder an der Regierung — weder in Person noch in sozialen Medien
- Kein uneheliches Zusammenleben: Seit 2022 offiziell entkriminalisiert, aber kulturell weiterhin sensibel
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