Kolonialzeit bis heute
Sprungbrett nach Amerika (15.–18. Jahrhundert)
Nach der Eroberung wurde Gran Canaria zum strategischen Zwischenstopp auf dem Weg in die Neue Welt. Christoph Kolumbus machte 1492 in Las Palmas Station, um Schiffe zu reparieren und Vorräte aufzunehmen, bevor er Amerika entdeckte (sein Aufenthalt ist im Casa de Colón dokumentiert). In den folgenden Jahrhunderten wurde Las Palmas zu einem der wichtigsten Häfen des Atlantiks — ein Knotenpunkt für den Handel zwischen Europa, Afrika und Amerika.
Zucker, Wein & Cochineal
Gran Canarias Wirtschaft durchlief mehrere Zyklen:
- Zucker (15.–16. Jh.): Zuckerrohrplantagen brachten enormen Reichtum — die prächtigen Kolonialhäuser in Vegueta stammen aus dieser Zeit.
- Wein (16.–18. Jh.): Kanarische Weine (besonders der „Canary Sack") waren in England legendär — Shakespeare erwähnt sie in seinen Werken.
- Cochineal (19. Jh.): Schildläuse auf Kaktusfeigen lieferten den begehrten roten Farbstoff Karmin. Als synthetische Farben aufkamen, brach die Wirtschaft ein.
- Bananen (ab 1880): Der Bananenexport nach Europa wurde zur Lebensader der Inseln — und ist es teilweise noch heute.
Tourismus & Moderne
Der Tourismus begann in den 1960er Jahren, als skandinavische und deutsche Reiseveranstalter den Süden Gran Canarias als Winterdestination entdeckten. Maspalomas und Playa del Inglés wurden aus dem Nichts hochgezogen — die Bettenburglandschaft, die heute den Süden prägt, entstand in dieser Zeit. Seit den 1990ern setzt Gran Canaria verstärkt auf nachhaltigen Tourismus, Kultur und Natur: Die UNESCO-Anerkennung der heiligen Berge (2019) und die Ausweisung von 46% der Inselfläche als Biosphärenreservat sind wichtige Meilensteine.
Heute hat Gran Canaria ca. 870.000 Einwohner und empfängt jährlich über 4 Millionen Touristen. Die Insel genießt als Teil der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln weitgehende Selbstverwaltung innerhalb Spaniens — mit eigenem Parlament, Steuerrecht (IGIC statt IVA) und starkem Regionalbewusstsein.