Das moderne Kanada (1867–heute)
Kanadas Weg zur vollständigen Unabhängigkeit war typisch kanadisch: kein Krieg, keine Revolution, sondern ein langsamer, höflicher Prozess. 1931 erhielt Kanada mit dem Statut von Westminster die faktische Unabhängigkeit. Erst 1965 bekam das Land seine eigene Flagge (das Ahornblatt — nach hitziger Debatte!). Und erst 1982 wurde die Verfassung vollständig „patriiert" — bis dahin brauchte Kanada theoretisch die Zustimmung des britischen Parlaments für Verfassungsänderungen.
Die großen Themen des modernen Kanadas:
- Zweisprachigkeit: 1969 wurde der Official Languages Act verabschiedet — Englisch und Französisch sind seitdem gleichberechtigte Amtssprachen auf Bundesebene. Die Spannungen zwischen dem frankophonen Québec und dem anglophonen Rest-Kanada führten 1980 und 1995 zu Referenden über die Unabhängigkeit Québecs — 1995 scheiterte die Abspaltung mit nur 50,6 % zu 49,4 %. Eines der knappsten Ergebnisse der Geschichte.
- Multikulturalismus: 1971 wurde Kanada das erste Land der Welt, das Multikulturalismus zur offiziellen Regierungspolitik machte. Heute sind über 20 % der Bevölkerung im Ausland geboren — Toronto ist die multikulturellste Stadt der Welt.
- Aufarbeitung der Kolonialgeschichte: Die Residential Schools — ein System von Internaten, in dem indigene Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt und „assimiliert" wurden (1883–1996!) — sind Kanadas dunklestes Kapitel. Die Truth and Reconciliation Commission (2015) dokumentierte die Misshandlungen und nannte das System einen „kulturellen Genozid". Die Entdeckung von Kindergräbern bei ehemaligen Residential Schools seit 2021 hat das Land zutiefst erschüttert.