Kunst & Architektur
Römische Bauwerke
Die Römer hinterließen in Kroatien einige der besterhaltenen antiken Bauwerke des Mittelmeerraums:
Amphitheater Pula (1. Jh. n. Chr.)
Das sechstgrößte erhaltene römische Amphitheater der Welt — und das einzige, dessen äußere Mauer mit allen drei Stockwerken noch komplett steht. Im Sommer Open-Air-Konzerte und Filmfestival.
Diokletianpalast Split (295-305 n. Chr.)
Weniger ein „Palast", mehr eine ummauerte Kleinstadt: 215 × 180 Meter, gebaut als Alterssitz für Kaiser Diokletian. Einzigartig in der Welt ist, dass der Palast nie verlassen wurde — seit 1.700 Jahren wird hier ununterbrochen gelebt. Das Peristyl (der zentrale Platz) ist eine der atmosphärischsten Stätten der Antike.
Weitere römische Stätten
- Salona (Solin) — Einst 60.000-Einwohner-Stadt, Hauptstadt der Provinz Dalmatia. Amphitheater, Therme, frühchristliche Basilika. Geburtsort Diokletians.
- Augustus-Tempel (Pula) — Einer der besterhaltenen Augustustempel außerhalb Roms
- Stari Grad-Ebene (Hvar) — Griechisch-römisches Landvermessungssystem, UNESCO-Welterbe
Romanik & Gotik
Das Mittelalter hinterließ in den dalmatinischen Küstenstädten einige der bedeutendsten sakralen Bauwerke der Region:
Kathedrale des Hl. Jakob, Šibenik (15.-16. Jh.)
UNESCO-Welterbe und ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur: Die gesamte Kathedrale wurde aus Stein gebaut — ohne Ziegel, ohne Holz, ohne Mörtel. Die 74 Porträtköpfe an der Außenfassade zeigen Bürger von Šibenik (ein Who's Who des 15. Jahrhunderts). Architekten: Juraj Dalmatinac und Nikola Firentinac.
Kathedrale von Trogir
Das romanisch-gotische Radovan-Portal (1240) am Westeingang ist eines der bedeutendsten Skulpturenwerke des kroatischen Mittelalters: Adam und Eva auf Löwen, umgeben von Monatsallegorien und Jagdszenen.
Euphrasius-Basilika Poreč (6. Jh.)
Frühbyzantinisches Meisterwerk mit goldenen Mosaiken, die zu den besterhaltenen außerhalb von Ravenna gehören. UNESCO-Welterbe.
Venezianischer Einfluss
400 Jahre venezianische Herrschaft (15.-18. Jh.) prägten die Architektur der dalmatinischen und istrischen Küstenstädte nachhaltig. Der Markuslöwe (Symbol Venedigs) ziert Stadttore, Loggen und Paläste von Zadar bis Korčula.
Typisch venezianisch
- Loggia — Offene Bogenhallen als Versammlungs- und Handelsort (Trogir, Hvar, Korčula)
- Campanile — Freistehende Glockentürme (Rab hat vier nebeneinander!)
- Palazzi — Gotische und Renaissance-Paläste entlang der Uferpromenaden
- Zisternen — Unterirdische Wasserspeicher (besonders auf Inseln lebenswichtig)
Die venezianischsten Orte
- Rovinj: Das „kroatische Venedig" — pastellfarbene Häuser, die sich wie ein Amphitheater um den Hafen drängen. Die Kirche St. Euphemia auf dem Hügel ist nach dem Campanile von San Marco modelliert.
- Korčula: Die Altstadt im Fischgrätenmuster wurde so angelegt, dass der Wind im Sommer durch die Gassen zieht und die Winterwinde blockiert werden.
- Hvar: Der Hauptplatz (Pjaca) mit der Renaissance-Loggia, dem Arsenal und dem ältesten öffentlichen Theater Europas (1612).
Barock bis Moderne
Barock in Dubrovnik
Das verheerende Erdbeben von 1667 zerstörte Dubrovnik fast vollständig. Die Stadt wurde im einheitlichen Barockstil wiederaufgebaut — deshalb wirkt die Altstadt so harmonisch. Die Jesuitenkirche (Modell: Il Gesù in Rom), die Kathedrale und der Rektorenpalast sind die Hauptwerke.
K.u.k.-Architektur in Zagreb
Die Unterstadt (Donji Grad) wurde im 19. Jahrhundert nach Wiener Vorbild angelegt: breite Boulevards, Prachtbauten im Historismus, das berühmte Grüne Hufeisen (Lenucis Hufeisen) — eine U-förmige Anordnung von Parks und repräsentativen Gebäuden. Das Kroatische Nationaltheater (1895, entworfen von den Wiener Architekten Helmer und Fellner) ist ein Hauptwerk des Neobarock.
Ivan Meštrović (1883-1962)
Kroatiens berühmtester Bildhauer und einer der bedeutendsten des 20. Jahrhunderts. Seine monumentalen Werke sind überall: der Grgur Ninski (Bischof Gregor) in Split (den großen Zeh zu berühren bringt Glück!), das Meštrović-Atelier in Zagreb, die Galerie Meštrović und das Kaštel in Split. Sein Stil verbindet Auguste Rodin mit expressionistischer Kraft.
Sozialistischer Modernismus
Jugoslawische Architektur ist eine eigene Kategorie: Brutalismus mit einer gewissen Eleganz. In Zagreb: das Museum für zeitgenössische Kunst (2009, Igor Franić), die wuchtigen Wohnblocks in Novi Zagreb. In der ganzen Region: Spomeniks — abstrakte Partisanendenkmäler aus den 1960er-70ern, die heute als Instagram-Hotspots wiederentdeckt werden (Petrova Gora, Podgarić).
Naive Kunst — Hlebine-Schule
Eine einzigartig kroatische Kunstrichtung: In den 1930ern begannen Bauern im Dorf Hlebine (bei Koprivnica, nördlich von Zagreb) unter Anleitung des Künstlers Krsto Hegedušić zu malen. Die Hinterglas-Malerei mit idyllischen Dorfszenen, Winterlandschaften und folkloristischen Motiven wurde weltberühmt. Ivan Generalić ist der bekannteste Vertreter. Das Kroatische Museum für Naive Kunst in Zagreb hat die beste Sammlung.
Tipp
Das Meštrović-Atelier in Zagreb (Mletačka 8) ist ein verstecktes Juwel — das ehemalige Wohnhaus des Bildhauers mit Originalwerken im intimen Ambiente. Nur wenige Besucher, fantastisch. 5€ Eintritt.
War dieses Kapitel hilfreich?
