Funchal & Umgebung
Funchal — Altstadt & Hafen
Funchal (von „funcho", portugiesisch für Fenchel — die ersten Siedler fanden hier wilde Fenchelpflanzen) ist Madeiras Hauptstadt und Heimat von über 100.000 Menschen. Die Stadt liegt in einer natürlichen Bucht an der Südküste, geschützt vor den Nordwinden, und erstreckt sich amphitheaterartig die steilen Hänge hinauf — ein Panorama, das besonders nachts, wenn die Lichter der Stadt über die Hügel klettern, atemberaubend ist.
Die Zona Velha (Altstadt) ist das historische Herz: schmale Kopfsteinpflastergassen, bunte Türen (Projekt „Arte Portas Abertas" — lokale Künstler bemalten über 200 Türen), Fischrestaurants, Fado-Bars und die älteste Straße Funchals, die Rua de Santa Maria (1430). Abends verwandelt sich die Zona Velha in ein lebhaftes Viertel mit Livemusik, Poncha-Bars und der besten Restaurantszene der Insel.
Der Hafen und die Avenida do Mar sind die Flaniermeile Funchals: breite Promenaden, Palmen, Blick auf die Kreuzfahrtschiffe und — am östlichen Ende — die Fortaleza de São Tiago (1614), eine gelbe Festung, die heute ein Museum für zeitgenössische Kunst beherbergt. Am westlichen Ende liegt die Marina de Funchal, Ausgangspunkt für Wal- und Delfinbeobachtungstouren.
Weitere Highlights: Die Kathedrale Sé (1514, Mudéjar-Decke aus Zedernholz), das Rathaus mit dem schönen Innenhof, die Praça do Município (schwarz-weißes Pflasterstein-Mosaik) und der Jardim Municipal — ein kleiner tropischer Park mitten in der Stadt. Am Hafen kannst du Wal-Beobachtungstouren buchen (ab 35€, 2–3 Stunden) — Madeiras Gewässer beheimaten über 20 Walarten, darunter Pottwale, Brydewale und verschiedene Delfinarten.
Tipp
Die beste Zeit für die Zona Velha ist der Abend ab 19 Uhr — dann öffnen die Restaurants, die Straßenkünstler spielen, und die bemalten Türen leuchten im warmen Licht. Starte an der Rua de Santa Maria und lass dich treiben. Für Fado-Musik: O Celeiro oder Sabor a Fado.
Mercado dos Lavradores — Funchals Markt
Der Mercado dos Lavradores (Markt der Bauern) ist Madeiras berühmtester Markt und ein Fest für alle Sinne. In einem Art-déco-Gebäude aus den 1940er Jahren — mit azulejoverzierten Wänden und einem offenen Innenhof — bieten Händlerinnen in traditionellen Trachten die exotische Fülle Madeiras an.
Was du hier findest
- Exotische Früchte: Maracuja, Anona (Cherimoya, „die Frucht der Götter"), Pitanga (Surinamkirsche), Tamarillo (Baumtomate), Papaya, Mango, Bananen (Madeiras kleine, süße Bananen sind berühmt) und die bizarre Monstera deliciosa — eine Frucht, die wie ein grüner Maiskolben aussieht und nach Ananas-Banane schmeckt.
- Blumen: Strelitzien (Paradiesvögel), Proteas, Orchideen, Anthuriden — die Blumenabteilung ist ein Farbexplosion. Die Händlerinnen verpacken Strelitzien flugtauglich (5–10€ pro Bund).
- Fisch: Im Untergeschoss liegt die Fischhalle — hier siehst du den Espada (Schwarzen Degenfisch), Madeiras kulinarisches Wahrzeichen: ein tiefschwarzer, schlangenartiger Fisch mit riesigen Augen, der aus 800–1.200 Metern Tiefe geholt wird. Dazu Thunfisch, Schwertfisch, Lapas (Napfschnecken) und frische Garnelen.
- Gewürze & Spezialitäten: Honigkuchen (Bolo de Mel), Knoblauchpaste, getrocknete Kräuter, Madeira-Wein, Poncha-Mischungen, Passionsfrucht-Likör.
Praktisches: Geöffnet Mo–Fr 7:00–20:00, Sa 7:00–14:00, Sonntag geschlossen. Die beste Zeit ist morgens zwischen 8 und 10 Uhr — dann ist die Auswahl am größten und die Atmosphäre am lebendigsten. Achtung: Die Händlerinnen bieten gerne Kostproben an, aber frage vorher nach dem Preis, bevor du kaufst — bei manchen Ständen sind die Preise für Touristen deutlich höher als für Einheimische.
Achtung
Lass dich nicht überrumpeln: Manche Fruchthändlerinnen schneiden dir großzügig Kostproben ab und erwarten dann, dass du eine große Tüte kaufst — zu teils überhöhten Preisen. Frage immer vorher nach dem Kilopreis. Im oberen Stockwerk und in den Seitenstraßen sind die Preise deutlich günstiger als im Erdgeschoss.
Monte — Korbschlitten & tropische Gärten
Monte liegt 600 Meter über Funchal auf einem bewaldeten Hügel und ist per Teleférico (Seilbahn, 12,50€ einfach, 18€ hin/rück, 15 Minuten) erreichbar — die Fahrt über die Stadt mit ihren Terrassengärten und roten Dächern ist bereits ein Highlight. Oben angekommen, erwarten dich zwei Attraktionen, die untrennbar mit Madeira verbunden sind.
Korbschlittenfahrt (Carreiros do Monte)
Madeiras verrückteste Tradition seit 1850: Zwei Carreiros (Schlittenlenker) in traditioneller weißer Tracht und Strohhut steuern einen Rattanschlitten (Carro de Cesto) die steile, 2 km lange Straße von Monte nach Livramento hinunter — mit bis zu 48 km/h, gelenkt nur durch ihre Gummisohlen und Seile. Die Fahrt dauert 10 Minuten und kostet 30€ für 2 Personen (25€ für 1 Person). Einst Transportmittel, heute Touristenattraktion — aber eine, die echten Spaß macht und Adrenalin freisetzt.
Jardim Tropical Monte Palace
Einer der schönsten Gärten der Welt: 70.000 m² tropischer Pracht auf dem ehemaligen Hotelgelände des Monte Palace. Exotische Pflanzen aus allen Kontinenten, japanische Gärten mit Koi-Teichen, afrikanische Skulpturen, portugiesische Azulejo-Kacheln aus dem 15. bis 20. Jahrhundert, Mineralien-Museum und ein Panoramablick über ganz Funchal. Eintritt: 15€, und er ist jeden Cent wert. Plane mindestens 1,5 Stunden ein.
Die Kirche Nossa Senhora do Monte am Hauptplatz beherbergt das Grab von Kaiser Karl I. von Österreich, dem letzten Kaiser der Habsburger Monarchie, der 1922 im Exil auf Madeira starb. Vor der Kirche beginnen die Korbschlittenfahrten — und hier hast du einen herrlichen Blick über Funchal und den Hafen.
Botanische Gärten & Cabo Girão
Madeira ist ein einziger botanischer Garten — die subtropische Lage, die vulkanische Erde und die Bewässerung durch die Levadas schaffen Bedingungen, unter denen Pflanzen aus aller Welt gedeihen. Funchal und Umgebung haben einige der schönsten Gärten Europas.
Jardim Botânico da Madeira
Der Botanische Garten (gegründet 1960) liegt auf einer Terrasse oberhalb von Funchal und beherbergt über 2.500 Pflanzenarten aus aller Welt: tropische Bäume, Sukkulenten, Orchideen, Bromelien, Heilpflanzen und — das Highlight — die Terrassenbeete mit geometrisch angelegten Blumenrabatten in leuchtenden Farben, die wie ein lebendes Gemälde wirken. Eintritt: 6€. Per Seilbahn erreichbar (Teleférico do Jardim Botânico, 5€ ab Funchal-Zentrum).
Cabo Girão
20 Kilometer westlich von Funchal erhebt sich Cabo Girão — die zweithöchste Meeresklippe Europas (580 m) und eine der höchsten der Welt. Seit 2012 ragt eine gläserne Aussichtsplattform (Skywalk) über den Abgrund: Du stehst auf transparentem Glas, und unter deinen Füßen stürzt die Felswand 580 Meter senkrecht ins Meer ab. Darunter erkennst du die Fajãs — schmale Terrassen am Fuß der Klippe, die per Seilbahn von oben bewirtschaftet werden (Weinreben und Bananen!).
Der Eintritt zum Cabo Girão ist kostenlos, Parkplätze vorhanden. Morgens ist die Sicht am besten (nachmittags oft Wolken). Der Blick reicht bei klarem Wetter bis nach Funchal im Osten und zum Leuchtturm von Ponta do Pargo im Westen. Nicht für Menschen mit extremer Höhenangst geeignet — der Glasboden ist nichts für schwache Nerven!
Kombinations-Tipp: Auf dem Weg nach Cabo Girão lohnt sich ein Halt in Câmara de Lobos — einem malerischen Fischerdorf, das Winston Churchill so liebte, dass er es mehrfach malte. Bunte Fischerboote, ein winziger Hafen und die besten Poncha-Bars der Insel. Von hier starten auch Wanderungen entlang der Küste.
Tipp
Verbinde Monte, den Botanischen Garten und Cabo Girão zu einem Halbtagesausflug: Seilbahn nach Monte, Korbschlittenfahrt, zweite Seilbahn zum Jardim Botânico, dann mit dem Auto weiter nach Câmara de Lobos (Poncha-Pause) und Cabo Girão. Zurück in Funchal zum Abendessen.
Madeira-Wein — Flüssiges Gold
Der Madeira-Wein (Vinho da Madeira) ist einer der langlebigsten und faszinierendsten Weine der Welt — ein Likörwein, der durch ein einzigartiges Erhitzungsverfahren (Estufagem) seine unverwechselbaren Aromen entwickelt und quasi ewig haltbar ist. Flaschen aus dem 18. Jahrhundert sind noch heute trinkbar — und kosten ein Vermögen.
Die Geschichte
Die Legende besagt, dass Madeira-Wein zufällig entdeckt wurde: Im 17. Jahrhundert wurden Fässer mit Inselwein als Ballast auf Schiffen nach Ostindien transportiert. Die doppelte Äquatorüberquerung — mit extremer Hitze in den Schiffsbäuchen — verwandelte den einfachen Wein in ein komplexes, aromatisches Getränk, das den Reichen Europas und Amerikas mundete. Heute wird die Hitzebehandlung in den Kellern von Funchal nachgeahmt.
Die vier Stile
- Sercial: Der trockenste Madeira — hell, frisch, mit Noten von Mandeln und Zitrus. Perfekt als Aperitif.
- Verdelho: Halbtrocken, bernsteinfarben, mit Aromen von Honig, Rauch und Trockenfrüchten. Vielseitig zu Essen.
- Boal (Bual): Halbsüß, dunkel, mit Karamell, Kaffee und Rosinenaromen. Hervorragend zu Käse oder Desserts.
- Malvasia (Malmsey): Der süßeste und reichste Madeira — dunkel, dickflüssig, mit Aromen von Schokolade, Datteln und gerösteten Nüssen. Ein Meditationswein.
Die besten Weinkeller in Funchal
- Blandy's Wine Lodge: Die berühmteste Kellerei, seit 1811 in der Familie. Die Tour (ab 12€) führt durch historische Lagerhäuser mit Fässern aus dem 19. Jahrhundert. Verkostung inklusive.
- Pereira d'Oliveira: Noch authentischer und weniger touristisch als Blandy's. Hier kannst du Weine aus den 1850er Jahren probieren (zu entsprechenden Preisen). Die älteste unabhängige Kellerei Madeiras.
- Henriques & Henriques: In Câmara de Lobos, etwas außerhalb Funchals. Bekannt für exzellente Qualität und faire Preise.
Tipp
Eine Madeira-Wein-Verkostung gehört zum Pflichtprogramm. Blandy's ist der Klassiker (30–45 Minuten, ab 12€), aber für Weinkenner ist Pereira d'Oliveira das intimere Erlebnis — persönlichere Führung und Zugang zu Raritäten. Kaufe eine Flasche Verdelho oder Boal als Mitbringsel — guter Madeira-Wein beginnt ab 15€ und wird mit den Jahren nur besser.
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