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Regionen · Kapitel 6

Levada-Wanderungen & Berge

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Regionen · Kapitel 6

Levada-Wanderungen & Berge

Die Levada-Wanderungen sind Madeiras einzigartiges Alleinstellungsmerkmal — jahrhundertealte Bewässerungskanäle, die als Wanderwege durch Lorbeerwälder, Tunnel, Schluchten und an Wasserfällen vorbeiführen. Dazu kommen die Gipfelwanderungen über den Wolken. Hier findest du die besten Routen für jeden Anspruch.

Was sind Levadas?

Levadas (von „levar", portugiesisch für „tragen") sind offene Bewässerungskanäle, die seit dem 16. Jahrhundert das Regenwasser der niederschlagsreichen Nordseite Madeiras auf die trockenere Südseite transportieren. Über 2.500 Kilometer durchziehen diese schmalen Wasserkanäle die gesamte Insel — von den nebelverhangenen Berggipfeln durch dichte Lorbeerwälder, über schwindelerregende Abhänge und durch in den Fels gehauene Tunnel bis hinunter zu den Bananenplantagen und Zuckerrohrfeldern an der Küste.

Das Geniale: Entlang der meisten Levadas führen schmale Wartungswege, die einst für die Levadeiros (Kanalwärter) angelegt wurden und heute als einzigartige Wanderwege dienen. Die Wege sind relativ flach (die Levadas haben ein gleichmäßiges Gefälle von nur 1–2%), sodass du stundenlang auf konstantem Niveau durch die Landschaft wanderst — ohne die steilen Auf- und Abstiege, die Bergwanderungen normalerweise mit sich bringen.

Praktische Tipps für Levada-Wanderungen

  • Schuhe: Feste, rutschfeste Wanderschuhe oder Trail-Running-Schuhe. Die Wege entlang der Levadas sind oft nass, matschig und mit Moos bewachsen — Flip-Flops sind ein Rezept für Desaster.
  • Taschenlampe / Stirnlampe: Pflicht für Levadas mit Tunneln (Caldeirão Verde, 25 Fontes). Manche Tunnel sind 50–200 Meter lang, stockdunkel und niedrig — eine Stirnlampe befreit die Hände.
  • Regenkleidung: In den Bergen und im Norden kann es jederzeit regnen, auch bei Sonnenschein in Funchal. Ein leichter Regenschutz gehört immer in den Rucksack.
  • Höhenangst: Einige Levadas führen an steilen Abhängen entlang, manchmal mit schmalen Wegen und ohne Geländer. Wer unter Höhenangst leidet, sollte sich vorher über die Route informieren.
  • Wasser & Snacks: Mindestens 1 Liter Wasser pro Person, dazu Snacks. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten.

Levada do Caldeirão Verde — Der grüne Kessel★★★

Die Levada do Caldeirão Verde (PR9) ist Madeiras berühmteste und eine der spektakulärsten Levada-Wanderungen — ein Weg durch den tiefsten Lorbeerwald, durch dunkle Tunnel und vorbei an Wasserfällen bis zu einem natürlichen Amphitheater, in dem ein 100 Meter hoher Wasserfall in ein smaragdgrünes Becken stürzt.

Die Route

Start: Queimadas Forestry Park (880 m Höhe, Parkplatz vorhanden)
Länge: 13 km hin und zurück (6,5 km pro Strecke)
Dauer: 4–5 Stunden (hin und zurück)
Schwierigkeit: Mittel — relativ flach, aber Tunnel und schmale Abschnitte
Höhenunterschied: Minimal (der Weg folgt der Levada auf konstantem Niveau)

Der Weg führt zunächst durch dichten Lorbeerwald — moosbedeckte Stämme, Baumfarne, Nebelbänke und eine Stille, die nur vom Plätschern der Levada unterbrochen wird. Nach etwa 3 km erreichst du die Tunnel — vier an der Zahl, der längste etwa 200 Meter. In Gummistiefeln und mit Stirnlampe wattest du durch knöcheltiefes Wasser, während über dir der Fels tropft. Abenteuerlich und unvergesslich.

Am Ende öffnet sich das Tal zu einem natürlichen Amphitheater: Der Caldeirão Verde (Grüner Kessel) ist ein kreisrundes Felsbecken, in das ein 100 Meter hoher Wasserfall stürzt — umgeben von üppigem Grün und Farn. Ein magischer Ort. Wer noch Kraft hat, kann weiter zum Caldeirão do Inferno (Höllenkessel) wandern — 2,5 km zusätzlich, mit noch mehr Tunneln und einem zweiten, ebenso beeindruckenden Wasserfall.

Tipp

Starte früh (vor 9 Uhr), um den Massen zu entgehen — Caldeirão Verde ist Madeiras populärste Wanderung und kann ab Mittag sehr voll werden. Bring wasserdichte Schuhe und Stirnlampe für die Tunnel mit. An Regentagen sind die Wasserfälle am spektakulärsten, aber die Wege auch rutschiger.

Levada das 25 Fontes — 25 Quellen★★★

Die Levada das 25 Fontes (PR6) und die benachbarte Levada do Risco sind ein Doppelpack, der zu Madeiras fotogensten Wanderungen gehört. Beide starten am selben Punkt und führen durch dichten Lorbeerwald zu je einem spektakulären Wasserfall-Finale.

Levada das 25 Fontes

Start: Rabaçal Forestry Park (Parkplatz auf 1.290 m, Shuttlebus oder 2 km Abstieg zum Startpunkt)
Länge: 9,4 km (Rundweg über beide Levadas möglich)
Dauer: 3–4 Stunden
Schwierigkeit: Leicht bis mittel

Der Weg folgt der Levada durch den Lorbeerwald, durch einen kurzen Tunnel und vorbei an moosbewachsenen Felsen bis zu einem atemberaubenden Finale: einem natürlichen Amphitheater, in dem 25 Quellen (Fontes) aus der Felswand sprudeln und einen Wasserfall speisen, der in ein smaragdgrünes Becken fällt. Der Ort hat eine fast mystische Atmosphäre — besonders bei Nebel, wenn der Wasserfall durch die Wolken schimmert.

Levada do Risco

Nur 1 km vom 25-Fontes-Abzweig entfernt: ein 100 Meter hoher, senkrechter Wasserfall, der in eine tiefe Schlucht stürzt. Die Wanderung dorthin ist einfach (20 Minuten vom Abzweig) und beeindruckend. Der Risco-Wasserfall ist besonders nach Regentagen in voller Pracht — eine weiße Säule aus Wasser, die von der Felskante in die Tiefe donnert.

Kombinations-Tipp: Beide Levadas lassen sich perfekt als Rundweg kombinieren: Abstieg zum Rabaçal-Startpunkt, erst Levada do Risco (kurz), dann zurück und weiter zur 25 Fontes, und auf dem Rückweg über die Levada do Risco zurück. Gesamtdauer: 3–4 Stunden.

Pico do Arieiro – Pico Ruivo — Über den Wolken★★★

Die Wanderung vom Pico do Arieiro (1.818 m) zum Pico Ruivo (1.862 m) ist Madeiras Königswanderung — und eine der spektakulärsten Höhenwanderungen ganz Europas. Der Weg führt über schmale Berggrate, durch in den Fels gehauene Tunnel und vorbei an schwindelerregenden Abgründen, während unter dir ein Meer aus Wolken wogt, durch das die Berggipfel wie Inseln ragen.

Die Route

Start: Pico do Arieiro (1.818 m, per Auto erreichbar, Parkplatz)
Ziel: Pico Ruivo (1.862 m, höchster Punkt Madeiras)
Länge: 7 km (eine Strecke) / 14 km hin und zurück
Dauer: 3–4 Stunden (eine Strecke), 5–7 Stunden hin und zurück
Schwierigkeit: Anspruchsvoll — steile Passagen, Tunnel, Trittsicherheit erforderlich
Höhenunterschied: Ca. 500 m Auf-/Abstieg (der Weg hat mehrere Auf- und Abstiege)

Die Wanderung beginnt am Pico do Arieiro, dem dritthöchsten Gipfel Madeiras, den du bequem per Auto erreichst. Von hier siehst du bei klarem Wetter die gesamte Insel, Porto Santo und manchmal sogar die Desertas-Inseln. Der Weg führt zunächst über einen schmalen Grat mit steil abfallenden Flanken auf beiden Seiten — links der Norden mit Nebel und grünen Tälern, rechts der Süden mit Sonne und dem offenen Atlantik.

Unterwegs passierst du mehrere Tunnel (Taschenlampe nötig!), steile Treppen, die in den Fels gehauen wurden, und den Zwischengipfel Pico das Torres. Der letzte Aufstieg zum Pico Ruivo belohnt mit dem ultimativen 360-Grad-Panorama Madeiras: die gesamte Insel liegt unter dir, umgeben vom endlosen Atlantik.

Alternative: Wer die Wanderung nicht hin und zurück machen will, kann den Pico Ruivo auch von Achada do Teixeira aus erreichen (2,8 km, 45 Minuten, einfach). Von dort ist es ein leichter Spazierweg zum Gipfel. Wer zwei Autos hat oder einen Transfer organisiert, kann die Wanderung als Einwegstrecke Pico do Arieiro → Pico Ruivo → Achada do Teixeira gehen.

Tipp

Der Sonnenaufgang am Pico do Arieiro ist eines der magischsten Erlebnisse Madeiras — fahre vor Sonnenaufgang hoch (im Sommer gegen 5:30, im Winter gegen 7:00) und stehe auf dem Gipfel, wenn die Sonne über dem Wolkenmeer aufgeht. Danach starte die Wanderung zum Pico Ruivo im perfekten Morgenlicht. Warme Kleidung mitnehmen — auf 1.800 m kann es selbst im Sommer kalt und windig sein!

Achtung

Die Wanderung erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Einige Passagen sind schmal, steil und nicht gesichert. Bei Nebel, Regen oder starkem Wind kann die Route gefährlich sein — die Wege werden rutschig und die Orientierung schwierig. Prüfe die Wetterbedingungen vorher (webcams am Pico do Arieiro) und starte nicht bei schlechtem Wetter.

Weitere Levada-Wanderungen

Neben den Klassikern hat Madeira Dutzende weitere Levada-Wanderungen für jeden Geschmack und jedes Fitnesslevel. Hier eine Auswahl der besten:

Leichte Wanderungen (1–2 Stunden)

  • Vereda dos Balcões (PR11): Nur 1,5 km, 30 Minuten — ein einfacher Spazierweg zum Aussichtspunkt Balcões mit Panoramablick ins Ribeira da Metade-Tal und auf die höchsten Gipfel. Perfekt für Einsteiger.
  • Levada do Furado (PR10): 11 km, 3–4 Stunden — eine einfache, schattige Levada durch Lorbeerwald zwischen Ribeiro Frio und Portela. Weniger spektakulär als Caldeirão Verde, aber ruhiger und leichter.

Mittlere Wanderungen (3–5 Stunden)

  • Levada da Serra do Faial (PR12): Eine der ruhigsten und unterschätztesten Levadas — 10 km durch üppigen Wald mit wenig anderen Wanderern. Ideal für Naturliebhaber, die Stille suchen.
  • Levada Nova & Levada do Moinho: Im Süden, ab Ponta do Sol — eine sonnige Levada durch Bananenplantagen und Terrassenfelder mit Blick auf den Atlantik. Ganz anderer Charakter als die nebligen Nordlevadas.
  • Vereda da Ponta de São Lourenço (PR8): 8 km — keine Levada, sondern ein Küstenwanderweg an Madeiras Ostspitze. Dramatische Felsklippen, trockene Vegetation (ganz anders als der Rest der Insel) und fantastische Ausblicke auf die Desertas-Inseln. Einer der schönsten Wanderwege Madeiras.

Anspruchsvolle Wanderungen (5–8 Stunden)

  • Levada do Caldeirão do Inferno: Verlängerung der Caldeirão-Verde-Wanderung — zusätzliche 5 km durch noch wilderes Terrain mit mehr Tunneln und einem zweiten gewaltigen Wasserfall. Nur für erfahrene Wanderer.
  • Caminho Real da Encumeada: 15 km von Boca da Encumeada nach Curral das Freiras, dem „Nonnental" — eine historische Wegstrecke durch dramatische Berglandschaft. Curral das Freiras liegt in einem tiefen Vulkankrater und war einst so abgelegen, dass Nonnen hier vor Piraten Zuflucht suchten.

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