Sardische Identität heute
Die Sarden sind Italiener — aber zuerst Sarden. Die Insel hat eine Autonomiestatut (seit 1948), eine eigene Sprache (Sardisch, mit vier Hauptdialekten, offiziell als Minderheitensprache anerkannt) und ein Selbstverständnis, das geprägt ist von Jahrtausenden der Eigenständigkeit und des Widerstands gegen Fremdherrschaft. Das lateinische Wort „Barbaria" (Barbarenland — Ursprung des Namens „Barbagia") bezeichnete die Bergregionen, die nie vollständig romanisiert wurden. Die Sarden trugen den Namen mit Stolz.
Sprache
Sardisch (Limba Sarda) ist keine italienische Mundart, sondern eine eigenständige romanische Sprache — die dem Latein am nächsten stehende lebende Sprache weltweit. In der Barbagia und im Landesinneren wird Sardisch im Alltag gesprochen, auf Dorffesten gesungen und in Schulen unterrichtet. In Alghero lebt das Algheresisch (ein katalanischer Dialekt) fort, und auf der Isola di San Pietro spricht man Tabarchino (ligurisch). Sardisch zu hören — es klingt überraschend anders als Italienisch — gehört zu den bereichernden Erfahrungen einer Sardinien-Reise.
Feste und Traditionen
Sardiniens Feste sind keine Folklore für Touristen, sondern lebendige Tradition. Die wichtigsten:
- Sant'Efisio (1. Mai, Cagliari) — Viertägige Prozession mit Trachten, Ochsenkarren und tausenden Teilnehmern, die den Heiligen 40 km von Cagliari nach Nora und zurück begleiten.
- Sartiglia (Karneval, Oristano) — Reiterspiele aus der spanischen Ära: Maskierte Reiter im Galopp versuchen, einen Stern mit dem Schwert aufzuspießen.
- Mamuthones (Januar/Karneval, Mamoiada) — Archaischer Maskentanz mit 30-Kilo-Glocken, dessen Ursprünge in vorchristlicher Zeit liegen.
- Cavalcata Sarda (Mai, Sassari) — Großer Trachtenumzug mit Reitern, Tanzgruppen und Trachten aus allen Regionen Sardiniens.
- Sagre — Dorffeste zu Ehren lokaler Produkte: Wein (Jerzu), Artischocken (Masainas), Käse (Fonni), Thunfisch (Carloforte). Von Juni bis Oktober fast jedes Wochenende irgendwo auf der Insel.