Sinis-Halbinsel, Tharros & Is Arutas★★
Die Sinis-Halbinsel westlich von Oristano ist eines von Sardiniens bestgehüteten Geheimnissen: eine flache, windgepeitschte Landschaft aus Dünen, Lagunen und Reisfeldern, die an die Camargue erinnert. Hier treffen Archäologie, Natur und geologische Wunder aufeinander — und die Touristenmassen bleiben fern.
Tharros ist eine der faszinierendsten Ausgrabungsstätten Sardiniens: Die phönizisch-römische Stadt (8. Jh. v. Chr.–11. Jh. n. Chr.) liegt auf einer schmalen Landzunge mit Blick auf das Meer zu beiden Seiten. Die Überreste umfassen phönizische Tempelanlagen, römische Thermen mit Mosaiken, Straßen, Zisternen und Säulen — alles vor der Kulisse des tiefblauen Meers und des spanischen Wachturms Torre di San Giovanni auf dem Hügel darüber. Bei Sonnenuntergang, wenn die Steine golden leuchten und das Meer silbern glitzert, ist Tharros einer der stimmungsvollsten archäologischen Orte des Mittelmeers.
Die Spiaggia di Is Arutas ist ein geologisches Wunder: Statt Sand besteht der Strand aus winzigen Quarzkörnern in Weiß, Rosa, Grün und Bernstein — glatt geschliffen, leuchtend und einzigartig in Europa. Das Wasser ist kristallklar und die Bucht von windschiefen Felsen gerahmt. Achtung: Das Mitnehmen der Quarzkörner ist streng verboten (bis zu 3.000€ Strafe!) — die Bestände haben durch Souvenirsammler bereits gelitten. In der Nähe liegt die Spiaggia di Maimoni mit ähnlichem Quarzstrand, aber noch weniger besucht.
Die Stagno di Cabras (Lagune von Cabras) ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete Sardiniens: Flamingos, Seidenreiher und Hunderte Zugvogelarten rasten hier. Das Städtchen Cabras beherbergt das Museo Civico mit den sensationellen Giganten von Mont'e Prama — überlebensgroße Sandsteinfiguren (2,5 m hoch) aus dem 9.–8. Jahrhundert v. Chr., die 1974 zufällig entdeckt wurden und die ältesten großformatigen Steinskulpturen des Mittelmeerraums darstellen. Die restaurierten Krieger, Bogenschützen und Boxer sind ein archäologischer Sensationsfund und allein die Reise nach Cabras wert.