Nordküste & Cap Bon
Tabarka
★★★ Tabarka — Tunesiens Tauchhauptstadt
Das verschlafene Küstenstädtchen ganz im Nordwesten Tunesiens, nur 20 km von der algerischen Grenze entfernt, ist ein Geheimtipp für Naturliebhaber und Taucher. Tabarka ist berühmt für seine Rote Koralle — die Stadt trägt den Beinamen „Korallenküste" (Côte de Corail) — und für die Felsnadeln (Les Aiguilles), bizarre Sandsteinfelsen, die aus dem Meer ragen.
Was zu sehen ist
- Les Aiguilles: Die spektakulären Felsnadeln westlich der Stadt ragen bis zu 25 Meter aus dem Wasser. Am eindrucksvollsten bei Sonnenuntergang. Erreichbar über einen Küstenspaziergang (20 Min. vom Hafen).
- Genuesische Festung: Auf einer vorgelagerten Insel (heute per Damm verbunden) thront eine Festung aus dem 16. Jahrhundert, die einst als Handelsposten für den Korallenhandel diente. Schöner Blick über die Stadt und die Küste.
- Tauchen & Schnorcheln: Tabarka hat die besten Tauchplätze Tunesiens. Die Unterwasserwelt bietet Korallenriffe (ja, echte Korallen im Mittelmeer!), Höhlen, versunkene Felsen und eine reiche Fauna. Mehrere Tauchschulen bieten Kurse ab 35€ pro Tauchgang. Die berühmte Rote Koralle (Corallium rubrum) wächst in 30–80 Metern Tiefe.
- Jazzfestival: Jeden Sommer (Juli) findet das Tabarka Jazz Festival statt — eines der ältesten Jazzfestivals Afrikas, seit 1973. Internationale und tunesische Musiker spielen unter freiem Himmel vor der Kulisse der genuesischen Festung.
- Golfplatz: Der 18-Loch-Golfplatz von Tabarka liegt spektakulär zwischen Bergen und Meer und gehört zu den schönsten in Nordafrika.
Anreise: Louage ab Tunis (3h, 8€), Bus (4h). Nächster Flughafen: Tabarka-Ain Draham (saisonal) oder Tunis-Carthage (170 km). Unterkunft: Hotel Les Mimosas (Mittelklasse, Meerblick), Dar Tabarka (Boutique-Gästehaus).
Tipp
Tabarka ist auch Ausgangspunkt für den Korkeichenwald von Ain Draham — eine 30-minütige Fahrt ins Bergdorf bringt dich in eine Welt, die mehr an die Toskana als an Nordafrika erinnert.
Bizerte
★★ Bizerte — Die nördlichste Stadt Afrikas
Bizerte (Banzart) liegt am nördlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents und hat eine 3.000 Jahre alte Geschichte, die bis zu den Phöniziern zurückreicht. Die Stadt war ein wichtiger Militärhafen — die Franzosen bauten hier ihren größten Marinestützpunkt in Nordafrika, der erst 1963 (zwei Jahre nach der Unabhängigkeit!) geräumt wurde.
Was zu sehen ist
- Alter Hafen (Vieux Port): Der malerische alte Fischereihafen mit seinen bunten Booten, flankiert von der Kasbah und dem Fort Sidi el-Hani. Am Abend eine der stimmungsvollsten Kulissen Tunesiens — Fischrestaurants am Kai, das Wasser spiegelt die Lichter.
- Kasbah & Medina: Die kleine, aber authentische Medina von Bizerte ist kaum touristisch erschlossen. Enge Gassen, weiß getünchte Häuser, die Große Moschee aus dem 17. Jahrhundert. Im Gegensatz zu Tunis oder Sousse wirst du hier nicht von Händlern angesprochen.
- Fort d'Espagne: Die spanische Festung aus dem 16. Jahrhundert thront über der Stadt und bietet einen herrlichen Rundblick über den alten und den neuen Hafen.
- Strand Remel: Einer der besten Stadtstrände Tunesiens — feiner Sand, sauberes Wasser, in fußläufiger Entfernung. Im Sommer beliebt bei tunesischen Familien.
- Cap Blanc (Ras el-Abiad): 15 km nördlich liegt das wirkliche Kap — der nördlichste Punkt Afrikas. Ein Leuchtturm markiert die Stelle. Der Küstenweg dorthin ist spektakulär.
Anreise: Louage ab Tunis (1h, 2,50€). Zug ab Tunis (1,5h, 2€). Empfehlung: Tagesausflug ab Tunis oder Stopp auf dem Weg nach Tabarka.
Ain Draham & Kroumirie-Berge
★★ Ain Draham — Tunesiens grünes Herz
Wer hätte gedacht, dass es in Tunesien einen Ort gibt, der an ein europäisches Bergdorf erinnert? Ain Draham liegt auf 800 Metern Höhe in den Kroumirie-Bergen, umgeben von dichten Korkeichenwäldern, und hat im Winter sogar Schnee! Die Luft ist frisch, die Landschaft üppig grün — ein vollkommen anderes Tunesien als die Küstenresorts.
Was zu erleben ist
- Korkeichenwälder: Die Region beherbergt die größten Korkeichenwälder Nordafrikas. Wanderwege führen durch urwüchsige Wälder mit Wildschweinen, Schakalen und über 100 Vogelarten. Der Nationalpark El Feija (30 km südwestlich) schützt die letzten Berberhirsche Nordafrikas.
- Wandern: Mehrere markierte Wanderwege ab Ain Draham, von leichten Spaziergängen (2h) bis zu anspruchsvollen Tagestouren. Die Aussicht über die bewaldeten Hügel bis zum Mittelmeer ist grandios.
- Thermalbäder: Die Region hat mehrere heiße Quellen. Die Thermalquelle von Hammam Bourguiba (20 km südlich) ist bekannt für ihre heilende Wirkung.
- Keramik & Handwerk: Ain Draham ist bekannt für seine Keramik — die Geschäfte entlang der Hauptstraße verkaufen handgefertigte Töpferwaren zu unschlagbaren Preisen.
- Wildschwein-Jagd: Die Region ist Tunesiens Jagdgebiet Nr. 1. Im Winter kommen französische Jäger zur Wildschwein-Jagd. Die Restaurants servieren in der Saison Wildschwein-Ragout — in einem muslimischen Land!
Anreise: Louage ab Tabarka (30 Min., 2€) oder ab Tunis (3h, 7€). Unterkunft: Hotel Les Chênes (gute Mittelklasse), diverse Gästehäuser. Am besten im Frühling (März–Mai) oder Herbst (Sep–Nov) besuchen.
Tipp
Ain Draham ist die perfekte Abwechslung zur Strandhitze. Im Sommer ist es hier 10–15°C kühler als an der Küste. Ideal als Zwischenstopp auf der Route Tabarka → Tunis.
Cap Bon: Hammamet, Nabeul & Kelibia
Die Halbinsel Cap Bon ragt wie ein Finger ins Mittelmeer hinein — Sizilien ist nur 140 km entfernt. Die fruchtbarste Region Tunesiens (Weinberge, Zitrushaine, Jasminfelder) ist gleichzeitig das wichtigste Tourismusgebiet des Landes.
★★★ Hammamet
Tunesiens bekanntester Badeort und Geburtsstätte des tunesischen Tourismus. In den 1920er Jahren entdeckte die europäische Elite den Ort — der rumänische Millionär George Sebastian baute hier seine berühmte Villa (heute Kulturzentrum), Oscar Wilde und Gustave Flaubert waren bereits früher zu Gast.
Hammamet teilt sich in zwei Bereiche:
- Hammamet-Medina: Die charmante, kleine Altstadt am Meer mit Kasbah, Souks und Fischrestaurants. Die Kasbah (Festung, 15. Jh.) bietet von der Mauer einen herrlichen Blick über die Bucht. Weniger hektisch als Sousse oder Tunis.
- Hammamet-Yasmine: Die moderne Touristenzone 10 km südlich mit großen Resorts, Yachthafen (Marina), Wasserpark und einer nachgebauten Medina (kitschig, aber beliebt). Hier sind die großen All-Inclusive-Hotels.
Die Strände von Hammamet gehören zu den schönsten Tunesiens: feiner, goldener Sand, seichtes, warmes Wasser, ideal für Familien.
Anreise: Louage ab Tunis (1h, 3€). Bus (1,5h). Zug nach Bir Bou Regba + Taxi (30 Min.).
★★ Nabeul
Die Hauptstadt von Cap Bon, nur 10 km nördlich von Hammamet, ist bekannt für drei Dinge: Keramik, Orangenblütenwasser und den größten Freitagsmarkt Tunesiens.
- Keramik-Werkstätten: Nabeul ist Tunesiens Keramik-Hauptstadt. Entlang der Avenue Habib Bourguiba reihen sich Geschäfte mit handbemalter Keramik — von Tellern über Fliesen bis zu Vasen. In den Werkstätten am Stadtrand kann man den Töpfern bei der Arbeit zusehen.
- Freitagsmarkt: Der wöchentliche Souk von Nabeul ist ein Spektakel. Tausende kommen, um frisches Obst, Gewürze, Keramik, Kleidung und Haushaltswaren zu kaufen. Authentisch, laut, bunt — und touristenfrei.
- Orangenblütenfest (April): Nabeul feiert seine Orangenblüte mit einem Fest voller Blumenwagen, Musik und Tanz. Das destillierte Orangenblütenwasser (Eau de fleur d'oranger) ist in der tunesischen Küche und Kosmetik allgegenwärtig.
- Archäologisches Museum: Klein, aber fein — mit Funden aus der punischen Stadt Neapolis, die unter dem heutigen Nabeul liegt.
Anreise: Louage ab Hammamet (15 Min., 1€). Louage ab Tunis (1,5h, 3€).
★★ Kelibia
Die Festungsstadt an der Ostküste von Cap Bon ist ein unterschätzter Geheimtipp. Die gewaltige byzantinische Festung (6. Jh., auf punischen Fundamenten) thront 150 Meter über dem Meer und bietet den vielleicht schönsten Küstenblick Tunesiens — bei klarer Sicht bis nach Sizilien.
- Festung von Kelibia: Die am besten erhaltene byzantinische Festung Tunesiens. Die Mauern stammen aus verschiedenen Epochen — punisch, römisch, byzantinisch, arabisch. Oben: Panoramablick, der den Atem raubt.
- Strand von Mansourah: 2 km nördlich liegt einer der schönsten Strände Tunesiens — eine geschwungene Sandbucht mit kristallklarem Wasser, die selbst im Hochsommer nicht überlaufen ist.
- Fischerei: Kelibia ist Tunesiens wichtigster Fischerhafen. Am Hafen gibt es exzellente Fischrestaurants, in denen der Fang des Tages direkt auf den Grill kommt.
- Muscat-Wein: Die Region produziert den berühmten Muscat de Kelibia — einen süßen, aromatischen Weißwein, der zu den besten tunesischen Weinen gehört.
Anreise: Louage ab Nabeul (45 Min., 2€) oder ab Tunis (2h, 4€).
★ El Haouaria
An der Nordspitze von Cap Bon liegt das kleine Dorf El Haouaria, bekannt für zwei ungewöhnliche Attraktionen:
- Römische Steinbrüche (Ghar el-Kebir): Riesige unterirdische Höhlen, aus denen die Römer (und vor ihnen die Karthager) den Sandstein für den Bau von Karthago brachen. Die Höhlen reichen 100 Meter tief in den Felsen — ein beeindruckendes Erlebnis.
- Falkenjagd: El Haouaria pflegt eine uralte Tradition der Falknerei. Jeden Juni findet ein Falknereiefestival statt, bei dem Greifvögel vorgeführt werden. Die Zugvögel, die Cap Bon auf dem Weg nach Sizilien überqueren, machen die Region zu einem Paradies für Vogelbeobachter.
Stadtrundgang
Cap-Bon-Rundfahrt
Einmal um die Halbinsel: Hammamet, Nabeul, Kelibia, El Haouaria und zurück. Perfekt als Tagesausflug ab Hammamet oder Tunis.
Hammamet Medina
Start am Morgen: Frühstück in der Medina, Kasbah mit Meerblick.
1hNabeul Keramik-Viertel
Stopp in den Keramik-Werkstätten. Wenn Freitag: den großen Souk nicht verpassen!
1hKelibia Festung
Die byzantinische Festung besichtigen, danach Fischessen am Hafen.
2hEl Haouaria Steinbrüche
Die römischen Untergrund-Steinbrüche erkunden. Taschenlampe mitnehmen!
1hStrand von Mansourah
Nachmittags-Badestopp an einem der schönsten Strände Tunesiens.
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