Geschichte Zyperns
Antike: Aphrodite, Kupfer & Könige
Zypern ist eine der ältesten besiedelten Inseln der Welt. Die jungsteinzeitliche Siedlung Choirokoitia (UNESCO-Welterbe) südlich von Larnaka datiert auf ca. 7000 v. Chr. — eine der ältesten Siedlungen im gesamten Mittelmeerraum.
Der Name „Zypern" leitet sich wahrscheinlich vom griechischen Wort für Kupfer (kypros) ab. Die Insel war in der Bronzezeit (3. Jahrtausend v. Chr.) einer der wichtigsten Kupferproduzenten der antiken Welt — das Metall wurde bis nach Ägypten und Mesopotamien exportiert. Der Reichtum der Kupferminen machte Zypern zu einem begehrten Handelszentrum.
Im 1. Jahrtausend v. Chr. existierten auf Zypern zehn unabhängige Stadtkönigreicheque (Salamis, Paphos, Kourion, Amathous u. a.), die sich wechselnden Großmächten unterordneten: den Assyrern, den Ägyptern und schließlich den Persern.
Mit Alexander dem Großen (333 v. Chr.) wurde Zypern Teil der hellenistischen Welt. Das ptolemäische Ägypten beherrschte die Insel, bevor sie 58 v. Chr. von den Römern annektiert wurde. Unter Rom blühte Zypern auf: Paphos wurde Hauptstadt der Provinz, prächtige Mosaiken und Theater entstanden. Der Apostel Paulus besuchte die Insel 45 n. Chr. und bekehrte den römischen Prokonsul Sergius Paulus — Zypern gilt damit als das erste christlich regierte Land der Welt.
Aphrodite — Zyperns göttliches Erbe
Zypern ist untrennbar mit Aphrodite verbunden, der griechischen Göttin der Liebe und Schönheit. Die antiken Griechen glaubten, sie sei dem Meeresschaum bei Petra tou Romiou entstiegen. In Alt-Paphos (Kouklia) stand eines der berühmtesten Heiligtümer der antiken Welt — der Aphrodite-Tempel, zu dem Pilger aus dem gesamten Mittelmeerraum strömten. Die Ruinen sind heute bescheiden, aber die mythische Kraft des Ortes ist spürbar.
Kreuzritter, Venezianer & Osmanen
Nach der Teilung des Römischen Reiches (395 n. Chr.) gehörte Zypern zum Byzantinischen Reich — fast 800 Jahre lang. Die prächtigen Mosaiken in der Panagia Kanakaria und die Scheunendachkirchen im Troodos stammen aus dieser Ära.
Die Kreuzfahrer-Ära (1191–1489)
1191 eroberte der englische König Richard Löwenherz Zypern auf dem Weg ins Heilige Land. Er heiratete hier seine Braut Berengaria von Navarra (in der Burg von Limassol), verkaufte die Insel aber schnell an den Templerorden, der sie wiederum an den abgesetzten König von Jerusalem, Guy de Lusignan, weiterverkaufte.
Die Lusignans regierten Zypern fast 300 Jahre (1192–1489) und verwandelten die Insel in ein fränkisches Königreich mit gotischen Kathedralen (Nikosia, Famagusta), Burgen (St. Hilarion, Kantara, Buffavento) und dem Kloster Bellapais. Diese Ära prägte das Gesicht Nordzyperns.
Venezianische Herrschaft (1489–1571)
Die letzte Lusignan-Königin, Caterina Cornaro, trat Zypern 1489 an die Republik Venedig ab. Die Venezianer bauten die gewaltigen Stadtmauern von Nikosia (die sternförmigen Festungsmauern stehen bis heute) und Famagusta. Doch trotz dieser Befestigungen fiel die Insel 1570/71 an die Osmanen nach einer blutigen Belagerung Famagustas.
Osmanische Herrschaft (1571–1878)
Die Osmanen regierten Zypern über 300 Jahre. Sie wandelten Kirchen in Moscheen um (Selimiye in Nikosia, Lala Mustafa Pascha in Famagusta), brachten türkische Siedler auf die Insel und bauten Karawansereien (Büyük Han) und Hammams. Die griechisch-orthodoxe Kirche erhielt eine gewisse Autonomie — der Erzbischof wurde zum Ethnarch (Volksführer) der griechischen Zyprer.
Britische Kolonialzeit & Teilung
Britische Kolonialherrschaft (1878–1960)
Das Osmanische Reich trat Zypern 1878 an Großbritannien ab (formell annektiert 1914). Die Briten hinterließen tiefe Spuren: Linksverkehr (bis heute!), das Rechtssystem, die Verwaltungssprache Englisch und die Typ-G-Steckdosen. Die britischen Militärbasen Akrotiri und Dhekelia existieren bis heute als souveränes britisches Territorium — mitten auf der Insel.
Unabhängigkeit & die Zypernfrage (1960–1974)
Am 16. August 1960 wurde Zypern unabhängig. Erster Präsident: Erzbischof Makarios III. Doch die junge Republik war von Anfang an instabil. Die griechisch-zyprische Mehrheit (80%) strebte die Enosis (Vereinigung mit Griechenland) an, die türkisch-zyprische Minderheit (18%) fürchtete um ihre Rechte.
1963 brachen interkommunale Unruhen aus. Türkisch-zyprische Enklaven wurden belagert, UN-Friedenstruppen wurden entsandt. Die Green Line in Nikosia entstand. Ein Jahrzehnt Spannungen folgte.
Die Teilung 1974
Am 15. Juli 1974 putschte die griechische Militärjunta gegen Makarios, um die Enosis zu erzwingen. Fünf Tage später, am 20. Juli 1974, marschierte die türkische Armee ein — offiziell zum Schutz der türkisch-zyprischen Minderheit. In zwei Phasen besetzten türkische Truppen 37% der Insel.
Die Folgen waren katastrophal: 200.000 griechische Zyprer aus dem Norden und 50.000 türkische Zyprer aus dem Süden wurden vertrieben. Varosha in Famagusta wurde zur Geisterstadt. Der Flughafen Nikosia wurde zur UN-Pufferzone. Familien wurden getrennt, Kulturerbe zerstört oder geplündert.
Seit 1983 nennt sich der Norden „Türkische Republik Nordzypern" (TRNC) — international nur von der Türkei anerkannt. Der Annan-Plan zur Wiedervereinigung scheiterte 2004 an einem Referendum (die griechischen Zyprer stimmten dagegen, die türkischen dafür). Die Teilung besteht bis heute.
Zypern heute
Die Republik Zypern trat 2004 der EU bei (formal für die gesamte Insel, de facto nur der Süden). Seit 2008 wird mit dem Euro bezahlt. Seit 2003 sind die Grenzübergänge offen — Zyprer und Touristen können frei hin und her. Die Wiedervereinigungsgespräche stocken, aber der Alltag an der Green Line ist erstaunlich normal geworden. Manche Zyprer beider Seiten arbeiten, kaufen ein oder essen auf der jeweils anderen Seite.
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