Singaraja — Historische Hauptstadt★★
Singaraja war bis 1953 die Hauptstadt Balis — eine Hafenstadt, die unter den Niederländern zum administrativen Zentrum der Insel wurde und eine faszinierende Mischung aus balinesischer, chinesischer, arabischer und europäischer Architektur bewahrt hat. Heute ist Singaraja mit 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Balis, wird aber von Touristen fast vollständig ignoriert. Genau das macht sie so interessant.
★★ Altstadt & Kolonialarchitektur
Die ehemalige Hafenpromenade und die angrenzenden Gassen beherbergen noch immer Dutzende niederländische Kolonialbauten aus dem 19. Jahrhundert — verfallende Villen mit Säulengängen, ein ehemaliges königliches Palais und das alte Hafenmeistergebäude. Dazwischen stehen chinesische Tempel (Ling Gwan Kiong am alten Hafen ist der schönste) und ein arabisches Viertel mit einer Moschee aus dem 15. Jahrhundert. Ein Spaziergang durch die Altstadt (1–2 Std.) offenbart Schicht um Schicht Geschichte.
★★ Gedong Kirtya — Lontar-Bibliothek
Eine weltweit einzigartige Bibliothek mit über 3.000 Lontar-Manuskripten — handgeschriebene Texte auf getrockneten Palmblättern, die Jahrhunderte balinesischer Literatur, Medizin, Astronomie und Religion bewahren. Gegründet 1928 unter niederländischer Verwaltung, ist Gedong Kirtya heute ein lebendiges Archiv, in dem Gelehrte die Texte studieren und Besucher die fragilen Manuskripte (hinter Glas) bewundern können. Eintritt frei.
Montag–Freitag 8–15 Uhr. Jl. Veteran, Singaraja.
★★ Pura Agung Jagatnatha
Singarajas größter Stadttempel, geweiht dem obersten Gott Sang Hyang Widhi Wasa. Die Anlage ist weniger spektakulär als die großen Tempel Südbalis, aber dafür authentisch — du erlebst hier echte Zeremonien ohne touristische Inszenierung. Besonders an Vollmond und Neumond finden aufwendige Rituale statt, zu denen hunderte Gläubige in traditioneller Kleidung erscheinen.
Eintritt: freiwillige Spende. Sarong erforderlich (Verleih am Eingang).
★ Pasar Anyar — Zentralmarkt
Singarajas geschäftiger Hauptmarkt ist ein sinnliches Erlebnis: Berge von tropischen Früchten (Mangostan, Rambutan, Salak), frischer Fisch aus der Balisee, handgemachte Süßigkeiten aus Klebreis (Jaja Bali), Gewürze und Alltagswaren. Hier kaufst du zu echten lokalen Preisen — keine Touristenaufschläge, keine Verhandlungsspiele. Am lebendigsten morgens zwischen 6 und 9 Uhr.
Essen in Singaraja
Singaraja hat seine eigene kulinarische Tradition, die sich von Südbali unterscheidet:
- Siobak — Chinesisch-balinesisches Schweinefleisch, knusprig gebraten und mit süß-scharfer Sauce serviert. Am besten bei „Warung Siobak Candra" (Jl. Erlangga, 25.000 IDR)
- Nasi Jinggo — Winzige Reisportionen in Bananenblättern, das „Fast Food" Nordbalis (5.000 IDR / ~0,30€ pro Stück!). Abends an Straßenständen überall erhältlich
- Tipat Cantok — Reiskuchen mit Erdnusssoße und Gemüse, eine Spezialität der Region (15.000 IDR)
💡 Tipp
Singaraja ist kein Ort, an den man eigens reist — aber wenn du auf dem Weg nach Lovina oder zum Sekumpul-Wasserfall bist, lohnt ein 2–3-stündiger Stopp in der Altstadt. Starte am alten Hafen, gehe über den Markt, besuche den chinesischen Tempel und die Lontar-Bibliothek. Du erlebst ein Bali, das in keinem Reiseführer steht.