Tenganan — Bali-Aga-Dorf★★
Tenganan Pegringsingan ist eines der letzten Bali-Aga-Dörfer — Siedlungen der „ursprünglichen Balinesen", die ihre vorhindhuistische Kultur über Jahrhunderte bewahrt haben, als der Rest der Insel unter den Einfluss des javanischen Majapahit-Reichs geriet. Das Dorf liegt nur 5 km von Padangbai entfernt, ist aber eine Zeitreise um Jahrhunderte.
Tenganan ist streng autark und endogam organisiert: Die rund 600 Einwohner dürfen nur untereinander heiraten, Land darf nicht verkauft werden, und Entscheidungen trifft der Dorfrat nach uralten Regeln (awig-awig). Wer einen Außenstehenden heiratet, verliert das Recht, im Dorf zu leben.
Das Dorf ist berühmt für zwei einzigartige Handwerkskünste:
Geringsing: Die einzige Doppel-Ikat-Weberei der Welt (neben einigen wenigen in Japan und Indien). Beide Fadensysteme — Kette und Schuss — werden vor dem Weben separat gefärbt und so aufeinander abgestimmt, dass beim Verweben das Muster entsteht. Ein einziger Stoff kann mehrere Jahre Herstellungszeit erfordern. Geringsing-Tücher gelten als magisch und werden bei Zeremonien als Schutz getragen.
Lontar-Palmblatt-Malerei: Auf getrockneten Palmblättern werden mit Bambusnadeln feinste Muster und mythologische Szenen eingeritzt und mit Nussfarbstoff geschwärzt — eine Technik, die es nur in Tenganan gibt.
Jedes Jahr im Juni oder Juli findet das Mekare-Kare-Fest statt: Ein ritueller Kampf, bei dem junge Männer sich mit Pandanus-Blättern (die wie Rasierklingen schneiden) gegenseitig die Rücken aufritzen — ein Blutritual zu Ehren des Kriegsgottes Indra. Faszinierend und nichts für schwache Nerven.
💡 Tipp
Der Eintritt ist eine Spende (Spendenbox am Eingang, 20.000-50.000 IDR angemessen). Besuche die Werkstätten im hinteren Teil des Dorfes — die Frauen, die Geringsing weben, erklären gern ihre Arbeit. Ein kleines Geringsing-Tuch kostet ab 300.000 IDR, ein großes kann mehrere Millionen kosten.