Rethymno
Rethymno (Ρέθυμνο) ist Kretas charmanteste Kleinstadt — kleiner als Chania, weniger touristisch als Heraklion, und mit einer Altstadt, die venezianische und osmanische Architektur so harmonisch vereint wie nirgendwo sonst auf Kreta. Dazu ein 12 km langer Sandstrand direkt an der Stadt, eine lebhafte Studentenszene (Universität Kreta) und eine Fortezza-Festung, von der man bei klarem Wetter die Südküste sieht.
Rethymno ist der perfekte Kompromiss: schön genug zum Verlieben, entspannt genug zum Bleiben, und strategisch günstig gelegen zwischen West- und Ost-Kreta. Von hier erreichst du Arkadi (25 km), Preveli (35 km), Plakias (40 km) und die Amari-Ebene — alles Tagesausflüge.
Plane mindestens 2 Nächte ein, besser 3–4 mit der Umgebung.
Altstadt & Fortezza
Rethymnos Altstadt ist ein wunderbares Durcheinander der Epochen. In einer einzigen Gasse stößt du auf ein venezianisches Portal, einen osmanischen Holzbalkon, ein griechisch-orthodoxes Kirchlein und eine umfunktionierte Moschee. Anders als Chania (das poliert und touristisch wirken kann) hat Rethymno eine raue, lebendige Authentizität: Wäsche hängt über den Gassen, Katzen schlafen in Türschwellen, ältere Herren spielen Tavli (Backgammon) in Kafenia.
★★ Fortezza
Die massive venezianische Festung (1573–1580) thront auf dem Hügel Paleokastro über der Stadt — die größte venezianische Festung auf Kreta. Erbaut als Reaktion auf osmanische Piratenüberfälle, konnte sie 1646 trotzdem nicht verhindern, dass die Osmanen Rethymno eroberten (sie brauten nur 23 Tage). Im Inneren: die Ibrahim-Han-Moschee (im Festungskern, heute restauriert), Überreste venezianischer Gebäude, ein kleines Theater, und ein grandioser Rundumblick.
Eintritt: 4€. Täglich 8–20 Uhr (Sommer), 8:30–15:30 (Winter).
Rimondi-Brunnen
Der venezianische Brunnen von 1626 im Herzen der Altstadt — drei Löwenköpfe speien Wasser in einen halbrunden Trog. Rundherum Cafés und Bars, abends das Zentrum des Nachtlebens.
Neratze-Moschee (Odeon)
Ehemalige venezianische Kirche Santa Maria, von den Osmanen zur Moschee umgebaut, mit dem einzigen erhaltenen Minarett Rethymnos. Heute als Konzertsaal (Odeon) genutzt. Die Wendeltreppe im Minarett kann bestiegen werden (fragen!).
Sandstrand Rethymno
Der 12 km lange Sandstrand östlich der Altstadt ist Rethymnos Trumpf: breiter, flacher Sand direkt an der Stadt, mit Liegen, Bars und Wassersport. Weniger eindrucksvoll als Balos oder Elafonisi, aber unschlagbar bequem. Im Mai und Juni nisten hier Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) — in der Dämmerung kann man mit Glück die Eierablage beobachten. Abgesperrte Nester respektieren!
Kloster Arkadi★★
23 km südöstlich von Rethymno liegt das Nationalheiligtum Kretas — und der Ort, der den kretischen Freiheitskampf symbolisiert wie kein anderer. Das Kloster Arkadi (Μονή Αρκαδίου), gegründet im 5. Jahrhundert, ist architektonisch bemerkenswert: Die Renaissance-Fassade der Klosterkirche (1587) mit ihren korinthischen Säulen und dem geschnitzten Giebel ist das meistabgebildete Bauwerk Kretas.
Aber Arkadi ist mehr als Architektur. Am 8. November 1866 verschanzten sich hier etwa 960 Kreter (davon 700 Frauen und Kinder) während eines Aufstands gegen die osmanische Besatzung. Als 15.000 osmanische Soldaten die Mauern durchbrachen, sprengten sich die Verteidiger mit dem Pulvermagazin selbst in die Luft — lieber Tod als Unterwerfung. Die Explosion tötete Hunderte auf beiden Seiten.
Dieses Ereignis schockierte Europa und lenkte internationale Aufmerksamkeit auf den kretischen Freiheitskampf. Victor Hugo und Giuseppe Garibaldi sprachen sich öffentlich für Kreta aus. Im Kloster gibt es ein Museum mit Reliquien, Waffen und persönlichen Gegenständen der Verteidiger. Vor dem Kloster steht eine zypressen-umstandene Gedenkstätte mit den Gebeinen der Gefallenen.
Ein Besuch ist emotional und lehrreich — und hilft zu verstehen, warum die Kreter so stolz und unabhängig sind.
Eintritt: 3€. Täglich 9–19 Uhr (Sommer), 9–16 Uhr (Winter). Museum im Preis enthalten.
💡 Tipp
Arkadi lässt sich perfekt mit einem Ausflug ins Amari-Tal verbinden — eine der schönsten Landschaften Kretas: grüne Täler, byzantinische Kirchlein, traditionelle Dörfer (Thronos, Amari). Mittagessen in der Taverne Aravanes in Thronos.
Plakias & Preveli-Strand★★★
Plakias (40 km südlich von Rethymno) ist ein entspanntes Küstendorf an einer wunderschönen Bucht — der perfekte Ort für alle, die Ruhe statt Massentourismus suchen. Langer Kiesstrand, ein paar Tavernen, ein kleiner Supermarkt, fertig. Das Meer ist hier wilder als an der Nordküste (manchmal Wellen), das Wasser noch klarer. In den Felsen westlich des Hauptstrands liegt der FKK-Strand Damnoni.
★★★ Preveli-Strand (Preveli Palm Beach)
Einer der magischsten Orte Kretas — und ein Naturwunder. Der Fluss Megalopotamos mündet hier ins Meer und hat über Jahrtausende einen natürlichen Palmenwald geschaffen: Hunderte von Phoenix-theophrasti-Palmen (eine endemische kretische Art) säumen das Flussufer, das in einem kleinen Sandstrand endet. Schwimme im Fluss zwischen Palmen, unter Felsen hindurch — es fühlt sich an wie ein tropisches Paradies, mitten in Europa.
Direkt oberhalb des Strands liegt das Kloster Preveli, das im Zweiten Weltkrieg alliierten Soldaten half, von der Südküste zu fliehen. Kleines Museum, schöne Aussicht.
Anreise: Auto bis zum Parkplatz (4€), dann 15 Min. über einen steilen Pfad mit Stufen hinunter (und wieder hoch!). Oder Boot ab Plakias (ca. 15€ return, nur im Sommer, 30 Min.).
Saison: Mai–Oktober. Im Hochsommer voll, aber nie so extrem wie Balos/Elafonisi. Kein organisierter Strand — kein Liegen-Verleih, keine Bar. Wasser und Snacks mitnehmen!
💡 Tipp
Das Boot ab Plakias ist die entspanntere Variante (kein steiler Abstieg). Aber mit dem Auto bist du flexibler. Kombination: Vormittags Preveli-Strand, nachmittags Plakias-Strand, abends Fisch-Essen in der Taverne Tasomanolis in Plakias (Fisch des Tages, direkt am Meer, ca. 12–18€).