Goldener Kreis (Golden Circle)
Der Goldene Kreis — Überblick
Der Goldene Kreis (Golden Circle) ist Islands beliebteste Tagestour und verbindet drei Highlights auf einer rund 300 km langen Rundfahrt ab Reykjavík. Fast jeder Island-Besucher fährt diese Route — und das zu Recht: Auf engstem Raum erlebst du tektonische Geologie, einen aktiven Geysir und einen der mächtigsten Wasserfälle der Insel.
Die Route lässt sich bequem an einem Tag mit dem Mietwagen fahren (5–8 Stunden je nach Stops). Alternativ gibt es unzählige organisierte Bustouren ab Reykjavík (ab ca. 8.000 ISK/53€). Wer mehr Zeit hat, sollte zwei Tage einplanen, um auch die versteckten Highlights mitzunehmen.
Typische Route: Reykjavík → Þingvellir (45 Min.) → Geysir (50 Min.) → Gullfoss (10 Min.) → zurück nach Reykjavík (1,5h).
Erweiterte Route (empfohlen): Reykjavík → Þingvellir (Silfra-Schnorcheln!) → Laugarvatn Fontana → Geysir/Strokkur → Gullfoss → Friðheimar Tomatenhaus → Secret Lagoon in Flúðir → Kerið-Krater → Reykjavík. Plane dafür 10–12 Stunden ein.
Die Geschichte des Golden Circle
Der Name „Golden Circle" wurde erst in den 1990er Jahren von der Tourismusbranche geprägt. Die Route als solche gibt es aber seit Jahrzehnten — die drei Highlights waren schon im 19. Jahrhundert die beliebtesten Ausflugsziele der wenigen Reisenden, die es nach Island verschlug. Heute fahren an Spitzentagen im Sommer über 3.000 Fahrzeuge die Route — ein Grund mehr, früh zu starten oder die weniger bekannten Stops mitzunehmen.
Þingvellir-Nationalpark★★★
Wo die Kontinente auseinanderdriften
Þingvellir (sprich: „Thingwetlir") ist einer der bedeutendsten Orte Islands — geologisch, historisch und spirituell. Hier trifft die Nordamerikanische auf die Eurasische Kontinentalplatte, und die beiden driften jedes Jahr 2 cm auseinander. Das Ergebnis: Ein gewaltiger Grabenbruch mit dramatischen Felsspalten, in denen kristallklares Gletscherwasser schimmert.
Der Grabenbruch ist bis zu 7 km breit und senkt sich pro Jahrzehnt um mehrere Millimeter ab. Die Almannagjá-Schlucht (die „Schlucht aller Männer") ist die westliche Kante der Nordamerikanischen Platte, und wenn du durch sie hindurchgehst, wanderst du buchstäblich zwischen den Kontinenten. Es ist einer der wenigen Orte auf der Erde, an dem man den Mittelatlantischen Rücken an der Oberfläche sehen und berühren kann — normalerweise liegt er tief unter dem Atlantischen Ozean.
UNESCO-Welterbe — Die Geburt der Demokratie
Noch bedeutender ist die Geschichte: Im Jahr 930 n. Chr. gründeten die Wikinger hier das Alþingi — das älteste noch existierende Parlament der Welt. Jeden Sommer versammelten sich die Goden (Häuptlinge) von ganz Island an der Lögberg (Gesetzesfelsen), um Gesetze zu verkünden, Streitigkeiten zu schlichten und Recht zu sprechen. Die Lage war perfekt: Die natürliche Akustik der Felswände verstärkte die Stimme des Gesetzessprechers, sodass hunderte Zuhörer ihn hören konnten.
Hier wurde im Jahr 1000 n. Chr. das Christentum für ganz Island beschlossen — ein Kompromiss, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Der Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði zog sich nach der Legende einen Tag und eine Nacht unter eine Tierhaut zurück, um zu meditieren, bevor er die Entscheidung verkündete. Und hier wurde am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen — in strömendem Regen, aber unter dem Jubel tausender Isländer.
Þingvellir ist seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe — als Zeugnis einer der ältesten parlamentarischen Institutionen der Welt.
Silfra-Spalte — Tauchen zwischen den Kontinenten
Das Highlight für Abenteurer: In der Silfra-Spalte kannst du im kristallklaren Gletscherwasser zwischen den Kontinentalplatten schnorcheln oder tauchen. Die Sichtweite beträgt bis zu 100 Meter — das klarste Wasser der Welt. Das Wasser stammt vom Langjökull-Gletscher und sickert über 30–100 Jahre durch poröses Lavagestein, wobei es auf natürliche Weise gefiltert wird.
Das Wasser ist ganzjährig 2–4°C kalt (Trockenanzug inklusive!). Der Tauchgang führt durch vier Bereiche: Silfra Big Crack (die enge Spalte, in der du beide Kontinentalplatten gleichzeitig berühren kannst), Silfra Hall (breiter, mit Unterwasserblick), Silfra Cathedral (bis zu 63m tief, das Licht bricht türkis durch das Wasser) und Silfra Lagoon (flach und ruhig, hier endet die Tour).
Schnorcheln: Ab 19.990 ISK (133€), keine Erfahrung nötig, 2–3h Tour inkl. Einweisung. Tauchen: Ab 33.990 ISK (227€), PADI Open Water oder äquivalent erforderlich, Trockentauch-Erfahrung empfohlen. Vorab buchen — Slots sind begrenzt!
Wanderungen
Mehrere markierte Wege führen durch den Park:
- Almannagjá-Schlucht: Der Hauptweg vom Besucherzentrum durch die Spalte — 30 Min., flach, spektakulär. Die Felswände ragen bis zu 40 Meter auf
- Öxarárfoss: Ein hübscher Wasserfall, 15 Min. vom Hauptweg. Im Winter bilden sich beeindruckende Eiszapfen
- Lögberg (Gesetzesfelsen): Der historische Versammlungsort des Alþingi — eine Tafel markiert die Stelle. Stell dich hierhin und stell dir vor, wie vor 1.000 Jahren hunderte Wikinger hier zusammenkamen
- Silfra-Uferweg: Vom Parkplatz P5 entlang der Silfra-Spalte — du kannst von oben in das kristallklare Wasser blicken und die Taucher beobachten
- Þingvallavatn-Uferweg: Entlang des größten Sees Islands (84 km²), der in der Grabenspalte liegt. Ruhig und wenig besucht
Flora & Fauna
Þingvellir liegt in einem Birkenwald — einer der letzten natürlichen Wälder Islands (die Wikinger rodeten den Rest für Schiffe und Häuser). Im Herbst (September) verfärben sich die Birken in Gold und Rot — ein seltener Anblick in Island. Im Þingvallavatn lebt die Arktische Saibling in vier verschiedenen Formen — ein biologisches Phänomen, das Evolutionsbiologen aus der ganzen Welt anzieht.
Tipp
Komme so früh wie möglich (vor 9 Uhr) oder am späten Nachmittag — zwischen 10 und 15 Uhr überfluten Touristenbusse den Park. Der Parkplatz P1 (am Besucherzentrum) ist näher an der Almannagjá-Schlucht, P5 näher an Silfra. Für Silfra-Schnorcheln: Buche IMMER den frühsten Slot des Tages — weniger Gruppen im Wasser und das Morgenlicht im klaren Wasser ist magisch.
Geysir & Strokkur★★★
Das Geothermalgebiet Haukadalur
Das Wort „Geysir" kommt tatsächlich aus dem Isländischen — der Große Geysir im Haukadalur-Tal ist der Namensgeber aller Geysire der Welt. Er brach erstmals im 13. Jahrhundert aus und schleuderte Wasser bis zu 70 Meter hoch. Die Ausbrüche waren über Jahrhunderte ein Wunder, das Reisende aus ganz Europa anzog. Heute ist er weitgehend inaktiv (letzte größere Eruption: 2000) — nur ab und zu blubbert er melancholisch vor sich hin.
Die Geologie dahinter
Wie funktioniert ein Geysir? Tief unter der Oberfläche erhitzt vulkanisches Magma das Grundwasser. Das heiße Wasser steigt durch einen engen Kanal nach oben. Am Grund ist der Druck so hoch, dass das Wasser trotz Temperaturen über 100°C nicht kocht. Wenn der Druck einen kritischen Punkt erreicht, schießt das überhitzte Wasser explosionsartig nach oben — eine Dampfexplosion, die bei Strokkur alle 5–10 Minuten auftritt. Das Phänomen ist weltweit selten: Von geschätzten 1.000 Geysiren auf der Erde sind nur wenige hundert regelmäßig aktiv.
Strokkur — der Star
Der eigentliche Star ist der Nachbar des Geysir: Der Strokkur („die Buttermaschine") bricht alle 5–10 Minuten zuverlässig aus und schießt eine Fontäne aus kochendem Wasser 15–30 Meter in die Höhe. Der Moment ist jedes Mal magisch: Die Wasseroberfläche in der Öffnung beginnt zu pulsieren, wölbt sich zu einer türkisfarbenen Blase — und dann explodiert die Fontäne mit einem gewaltigen Zischen in den Himmel. Der beste Moment für Fotos ist genau der Sekundenbruchteil, in dem die Blase sich bildet — türkis und perfekt rund.
Foto-Tipp: Stelle dich auf die Südseite (die dem Parkplatz abgewandte Seite) — dort stehen weniger Menschen, und du hast die Berge im Hintergrund. Serienaufnahme aktivieren, wenn die Blase sich wölbt. Oder: Video drehen und das beste Einzelbild extrahieren.
Das Geothermalgebiet erkunden
Rund um die Geysire erstreckt sich ein dampfendes Geothermalfeld mit blubbernden Schlammtöpfen, heißen Quellen in allen Farben (türkis, orange, braun) und schwefelgelben Ablagerungen. Ein Rundweg (20–30 Min.) führt an allen Highlights vorbei:
- Blesi: Zwei direkt nebeneinanderliegende heiße Quellen — eine milchig-türkis (die Kieselsäure reflektiert das Licht), die andere klar und dampfend
- Litli Geysir: Ein kleiner, sanft blubbernder Geysir mit einer wunderschönen türkisen Farbe
- Smiður: Eine tiefblaue, brodelnde Quelle in einem natürlichen Becken
- Konungshver: Die „Königsquelle", eine der heißesten und farbenprächtigsten im Gebiet
Der Geruch nach Schwefel (faule Eier) gehört dazu — er entsteht durch Schwefelwasserstoff (H₂S), der aus dem Erdinneren aufsteigt.
Am Eingang gibt es ein Besucherzentrum mit Café, Restaurant und Souvenirladen. Das Café bietet überraschend gute Suppen und Sandwiches. Das Geysir Center gegenüber bietet eine kleine Ausstellung über Geothermie und einen gehobenen Shop mit isländischem Design.
Achtung
Das Wasser in und um die heißen Quellen ist KOCHEND HEISS (80–100°C)! Halte dich an die markierten Wege und Absperrungen. Stecke niemals Hände oder Füße in die Quellen — schwere Verbrennungen! Kinder an der Hand halten. Der Wind kann den heißen Sprühnebel des Strokkur in deine Richtung treiben — positioniere dich windabwärts!
Gullfoss — Der Goldene Wasserfall★★★
Islands spektakulärster Wasserfall
Der Gullfoss („Goldener Wasserfall") ist einer der mächtigsten und schönsten Wasserfälle Europas. Der Gletscherfluss Hvítá (der vom Langjökull-Gletscher gespeist wird) stürzt in zwei Stufen (11 + 21 Meter = insgesamt 32 Meter) in eine 70 Meter tiefe und 2,5 km lange Schlucht — und das mit einer Wucht, die den Boden unter den Füßen vibrieren lässt. Im Sommer schießen durchschnittlich 140 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Kante (im Frühsommer bei Schneeschmelze bis zu 2.000 m³/s!).
Bei Sonnenschein bilden sich Regenbögen im Sprühnebel — manchmal sogar doppelte — und im Winter verwandelt sich die Umgebung in eine unwirkliche Eisskulptur, wenn der Sprühnebel an den Felsen gefriert.
Was den Gullfoss einzigartig macht: Durch die gewinkelte Schlucht scheint das Wasser ins Nichts zu verschwinden. Die Schlucht verläuft im rechten Winkel zum Fluss, sodass man erst beim Näherkommen den gewaltigen Abgrund sieht. Aus der Ferne wirkt es, als würde der Fluss einfach enden.
Zwei Aussichtspunkte
- Obere Plattform: Vom oberen Parkplatz, 5 Min. Fußweg. Überblick über beide Stufen von oben. Am besten für Fotos mit den Bergen im Hintergrund. Ganzjährig zugänglich
- Untere Plattform: Vom unteren Parkplatz (nur Sommer), Treppe hinunter. Du stehst fast auf Augenhöhe mit dem Wasser und spürst den Sprühnebel auf der Haut — die Gewalt der Wassermassen ist hier überwältigend. Spektakulärer, aber du wirst nass! Im Winter oft vereist und gesperrt
Die Geschichte der Sigríður Tómasdóttir
Anfang des 20. Jahrhunderts wollten britische Investoren den Gullfoss für ein Wasserkraftwerk nutzen. Sie pachteten den Wasserfall vom Landbesitzer Tómas Tómasson. Dessen Tochter Sigríður Tómasdóttir war entsetzt und kämpfte jahrelang gegen das Projekt. Sie drohte, sich in den Wasserfall zu stürzen, wanderte barfuß nach Reykjavík (120 km!), um Anwälte zu konsultieren, und schrieb Bittbriefe an die Regierung. Ihr Anwalt Sveinn Björnsson — der spätere erste Präsident Islands — gewann den Fall schließlich vor Gericht.
Sigríður gilt als Islands erste Umweltschützerin. Eine Gedenktafel am Wasserfall und eine Bronzereliefplatte am oberen Aussichtspunkt ehren sie. Ohne ihren Kampf wäre der Gullfoss heute ein Stausee.
Der Hvítá-Fluss
Oberhalb des Gullfoss bietet der Hvítá-Fluss Rafting-Touren (Klasse 2–3, für Anfänger geeignet) und im Winter Schneemobiltouren auf dem Langjökull-Gletscher, von dem der Fluss stammt. Eine Rafting-Tour (3–4h, ab 13.990 ISK/93€) ist ein fantastisches Ergänzungserlebnis zum Golden Circle.
Tipp
Bringe wasserdichte Kleidung mit! Der Sprühnebel am unteren Aussichtspunkt durchnässt alles. Im Winter kann der Weg zum unteren Aussichtspunkt vereist und gesperrt sein. Bei Sonnenschein: Kamera bereithalten für die Regenbogen! Der beste Zeitpunkt für Regenbogenfotos ist am Vormittag, wenn die Sonne von Osten auf den Wasserfall scheint.
Friðheimar — Das Tomatenparadies★★
Tomaten am Polarkreis
Zwischen Geysir und Gullfoss liegt eines der überraschendsten Erlebnisse des Golden Circle: Friðheimar, ein Gewächshaus, in dem dank Geothermie das ganze Jahr über Tomaten gezüchtet werden — direkt unter dem Polarkreis.
Die Familie Björnsson betreibt seit 1946 eine Farm hier, und seit den 1990er Jahren wachsen in beheizten Gewächshäusern jährlich rund 370 Tonnen Tomaten. Die Pflanzen wachsen in isländischer Bimsstein-Erde, werden von europäischen Hummeln bestäubt (extra importiert!) und mit geothermalem Warmwasser und künstlichem Licht versorgt. Im Winter, wenn draußen Dunkelheit herrscht, leuchten die Gewächshäuser orange — ein surrealer Anblick in der kargen Landschaft.
Im angeschlossenen Restaurant serviert die Familie ein einfaches, aber wunderbares Menü: Tomatensuppe (die beste, die du je essen wirst — unbegrenzt Refill!), frisch gebackenes Brot, Tomatensalat und einen Tomaten-Cocktail (mit oder ohne Wodka). Alles aus eigener Ernte. Im Gewächshaus sitzend, umgeben von grünen Tomatenpflanzen, während draußen Island vorbeiziehen — ein einzigartiges Erlebnis.
Dazu gibt es eine Pferdeshow (im Sommer): Islandpferde demonstrieren ihre fünf Gangarten, inklusive des berühmten Tölt. Die Show dauert ca. 30 Minuten und ist im Eintrittspreis enthalten.
Tipp
Reserviere einen Tisch im Restaurant — besonders im Sommer sind die Plätze schnell vergeben. Die Tomatensuppe ist so gut, dass du mehrmals nachfüllen wirst. Und kaufe im kleinen Laden eine Flasche des hauseigenen Tomatenketchups oder der Tomatensauce als Souvenir — die sind unglaublich.
Secret Lagoon & Kerið-Krater★★
Secret Lagoon (Gamla Laugin)
Die Secret Lagoon in Flúðir ist Islands ältestes Thermalbad (gebaut 1891, wiedereröffnet 2014) und eine wunderbare Alternative zur überfüllten Blauen Lagune. Das natürliche Becken (25 Meter lang) wird von heißen Quellen gespeist (38–40°C) und liegt inmitten dampfender Felder mit einem kleinen Geysir (Litli Geysir), der alle paar Minuten plätschert.
Die Atmosphäre ist entspannter und authentischer als in der Blauen Lagune: Holzstege führen um das natürliche Becken, Dampf steigt in die Luft, und im Winter kannst du mit etwas Glück Nordlichter über dem warmen Wasser beobachten. Das Wasser ist nicht milchig wie in der Blauen Lagune, sondern klar und leicht grünlich — es enthält natürliche Mineralien und Silika.
Eintritt: 3.500 ISK (23€) — deutlich günstiger als die Blaue Lagune. Perfekter Stop auf dem Rückweg vom Golden Circle. Handtücher können vor Ort gemietet werden (1.000 ISK).
Laugarvatn Fontana
Zwischen Þingvellir und Geysir liegt Laugarvatn Fontana — ein modernes Geothermal-Spa am Ufer des Laugarvatn-Sees. Die Besonderheit: Du kannst zwischen den heißen Mineralbädern und dem natürlichen See hin- und herwechseln (der See hat im Sommer erfrischende 10–15°C). Eine Dampfhöhle (natürlicher Dampf aus dem Erdinneren) und eine Demonstration des traditionellen Rúgbrauð-Backens (Roggenbrot, das 24 Stunden in der heißen Erde gebacken wird) sind einzigartig.
Kerið-Krater
Der Kerið ist ein rund 3.000 Jahre alter Vulkankrater, der mit einem leuchtend türkisfarbenen See gefüllt ist. Die Kraterringe aus rotem und schwarzem Vulkangestein bilden einen dramatischen Kontrast zum aquamarinen Wasser — besonders bei Sonnenlicht. Der Krater ist 55 Meter tief, 270 Meter breit und 170 Meter lang.
Geologisch ist der Kerið ungewöhnlich: Die meisten Vulkankrater entstehen durch Explosionen, aber der Kerið kollabierte nach innen, als die Magmakammer sich leerte — ähnlich einer eingedrückten Getränkedose. Der Wasserstand im Krater schwankt mit dem Grundwasserspiegel, nicht mit dem Regen.
Ein Rundweg (15 Min., 900 Meter) führt um den Kraterrand und bietet Blicke aus verschiedenen Winkeln. Eine steile Treppe führt hinunter zum See — dort unten stehst du inmitten der rot-schwarzen Kraterwände und blickst auf das türkise Wasser. Gelegentlich werden im Sommer Konzerte im Krater veranstaltet — die Akustik ist außergewöhnlich.
Der Kerið liegt direkt an der Straße 35, nur 15 km nördlich von Selfoss — ein einfacher Stopp auf dem Rückweg vom Golden Circle nach Reykjavík.
Tipp
Besuche den Kerið am späten Nachmittag — dann steht die Sonne tief und beleuchtet die roten Kraterwände besonders dramatisch. Bei bewölktem Himmel ist das Türkis des Sees weniger intensiv. Die Secret Lagoon ist am Abend am stimmungsvollsten — weniger Besucher, Dampf im Dunkeln, und im Winter Nordlichter über dem warmen Wasser.
Praktische Tipps Golden Circle
Selbst fahren vs. organisierte Tour
| Option | Preis (pro Person) | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Mietwagen | Anteilig 30–50€ (Mietwagen) + Benzin | Flexibel, eigenes Tempo, Geheimtipps anfahren, Friðheimar/Secret Lagoon/Kerið einbauen | Navigation, Parkplatzsuche, kein Guide |
| Bustour (Standard) | Ab 8.000 ISK (53€) | Kein Stress, Guide erzählt Geschichten, Abholung am Hotel | Festes Programm, wenig Zeit an jedem Stop, große Gruppen (40+ Personen) |
| Minibus-Tour | Ab 15.000 ISK (100€) | Kleine Gruppen (12–19), mehr Zeit, persönlicher Guide | Teurer, immer noch festes Programm |
| Privattour | Ab 80.000 ISK (533€) für 1–3 Personen | Komplett individuell, Super-Jeep, versteckte Spots | Teuer, lohnt sich nur für Gruppen |
Die optimale Reihenfolge
Die meisten Touristenbusse fahren die Route Þingvellir → Geysir → Gullfoss. Wenn du mit dem Mietwagen unterwegs bist, fahre die Route andersherum (Gullfoss → Geysir → Þingvellir) — dann bist du den Bussen immer einen Schritt voraus und hast weniger Menschenmassen an den Highlights.
Noch besser: Starte vor 8 Uhr morgens in Reykjavík. Die ersten Busse kommen frühestens gegen 10 Uhr an den Stops an. Zwischen 8 und 10 Uhr hast du Þingvellir fast für dich allein — magisch!
Übernachten statt Tagesausflug
Wer mehr Zeit hat, sollte eine Nacht in der Golden-Circle-Region einplanen. Empfohlene Unterkünfte:
- Selfoss: Die „Hauptstadt des Südens" mit Supermärkten, Restaurants und Hotels. Guter Ausgangspunkt für Golden Circle und Südküste. Hotel Selfoss (gehoben) oder Gesthús Selfoss (Budget)
- Flúðir: Kleines Dorf neben der Secret Lagoon. Icelandair Hotel Flúðir oder das gemütliche Syðra Langholt Guesthouse
- Laugarvatn: Am gleichnamigen See zwischen Þingvellir und Geysir. Das Laugarvatn Fontana Hotel kombiniert Spa und Unterkunft
- Camping: Þingvellir-Nationalpark hat einen hervorragenden Campingplatz (reservieren!). Am Geysir gibt es ebenfalls einen Campingplatz direkt neben dem Geothermalfeld
Essen unterwegs
- Friðheimar: Die berühmte Tomatensuppe (unbegrenzt Refill!) — der beste Lunch-Stop auf der Route. Reservierung empfohlen!
- Geysir Bistro: Am Geysir-Besucherzentrum, solide Suppen und Sandwiches. Teuer, aber die einzige Option am Geysir
- Gullfoss Café: Überraschend gute traditionelle Lammsuppe und Kuchen. Sitzt direkt am Wasserfall, mit Blick auf die Schlucht
- Efstidalur II: Bauernhofrestaurant zwischen Þingvellir und Geysir mit eigenem Eis (die Kühe sind nebenan sichtbar). Burger, Pizza und das beste Eis auf der Route
- Selbstversorger: Kaufe in Selfoss (Bónus-Supermarkt) Proviant ein. An den Highlights gibt es nur teure Cafés
Wetter & beste Jahreszeit
Der Golden Circle ist ganzjährig befahrbar — die Route verläuft auf asphaltierten Straßen. Im Winter können einzelne Abschnitte bei Schneesturm vorübergehend gesperrt sein (road.is checken!). Die beste Jahreszeit:
- Sommer (Jun–Aug): Lange Tage, alles grün, alle Wege offen. Aber: Menschenmassen, besonders an Wochenenden
- Herbst (Sep–Okt): Goldene Birken in Þingvellir, weniger Touristen, erste Nordlicht-Chancen. Perfekter Kompromiss!
- Winter (Nov–Mär): Þingvellir im Schnee ist magisch, Gullfoss halb vereist spektakulär, und du hast die Spots fast für dich allein. Aber: Kurze Tage (4–5h Licht), rutschige Wege, und die untere Gullfoss-Plattform ist oft gesperrt
- Frühling (Apr–Mai): Schneeschmelze macht den Gullfoss besonders mächtig (höchster Wasserstand!). Wege können matschig sein
Tipp
Der Golden Circle lässt sich perfekt mit dem ersten Tag der Südküsten-Route kombinieren: Fahre den Golden Circle und übernachte in Selfoss oder Hella — am nächsten Tag geht es weiter Richtung Seljalandsfoss und Skógafoss. So sparst du einen Tag und eine Rückfahrt nach Reykjavík.
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