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Regionen · Kapitel 6

Nordisland

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RegionenKapitel 6: Nordisland
Regionen · Kapitel 6

Nordisland

Der Norden Islands ist rauer, wilder und weniger besucht als der Süden — und genau das macht ihn so besonders. Die „Hauptstadt des Nordens" Akureyri, der mystische Mývatn-See, die gewaltigen Wasserfälle Goðafoss und Dettifoss und Húsavík, die Walbeobachtungshauptstadt Europas.

Nordisland — Überblick

Nordisland ist das Gegengewicht zum touristischen Süden. Weniger Besucher, rauere Landschaft, aber mindestens genauso spektakulär. Die Region erstreckt sich rund um den Eyjafjörður (Islands längster Fjord, 60 km) und den Mývatn-See — ein geologisches Wunderland.

Anreise: Von Reykjavík über die Ringstraße nach Akureyri sind es 389 km (ca. 5h). Alternativ: Inlandsflug von Reykjavík nach Akureyri (45 Min., ab 67€). Der Norden lässt sich ideal als Teil einer Ringstraßen-Umrundung einplanen oder als eigenständige 3–5-tägige Tour ab Akureyri.

Die Diamond Circle-Route verbindet die Highlights des Nordens: Húsavík → Ásbyrgi → Dettifoss → Mývatn → Goðafoss auf einer rund 250 km langen Schleife. Sie ist Nordislands Antwort auf den Golden Circle und weit weniger überlaufen.

Der Norden hat auch einen klimatischen Unterschied: Es ist trockener als der Süden (der Regen kommt meist von Südwesten), aber im Winter kälter. Dafür: Mehr Sonnenstunden im Sommer und stabileres Wetter. Die Mitternachtssonne ist in Akureyri (65°N) noch dramatischer als in Reykjavík — die Sonne geht im Juni tatsächlich nicht unter.

Akureyri — Hauptstadt des Nordens★★

Islands charmanteste Kleinstadt

Akureyri (Einwohner: 19.000) liegt am Ende des Eyjafjörður, umgeben von schneebedeckten Bergen, und hat den Charme einer nordischen Bilderbuchstadt. Trotz ihrer Größe bietet sie überraschend viel: Gute Restaurants, einen botanischen Garten (der nördlichste der Welt!), eine lebendige Kunstszene und hervorragendes Skigebiet im Winter.

Ein liebenswürdiges Detail: Die Ampeln in Akureyri zeigen ein rotes Herz statt eines roten Kreises — eingeführt 2008 während der Finanzkrise, um die Stimmung zu heben und die Menschen daran zu erinnern, dass alles gut werden wird. Es wurde so beliebt, dass es blieb.

Sehenswürdigkeiten

  • Botanischer Garten (Lystigarður Akureyrar): Der nördlichste botanische Garten der Welt (65°41'N) — und erstaunlich üppig. Über 7.000 Pflanzenarten aus aller Welt, darunter Arten aus der Arktis, dem Himalaya und den Alpen. Geöffnet Juni–September, kostenlos. Das Café im Garten serviert Kuchen und Kaffee in idyllischer Umgebung
  • Akureyrarkirkja: Die 1940 geweihte Kirche wurde von Guðjón Samúelsson entworfen (demselben Architekten wie die Hallgrímskirkja). Die Buntglasfenster stammen von der berühmten englischen Firma Coventry Cathedral Studios — ein Fenster zeigt die Kreuzigung, ein anderes stammt ursprünglich aus der alten Kathedrale von Coventry und überlebte deren Bombardierung im Zweiten Weltkrieg. Von der Treppe (112 Stufen) bietet sich ein schöner Blick über den Fjord
  • Hof Kulturzentrum: Modernes Gebäude am Hafen mit Konzerten, Ausstellungen und der Stadtbibliothek. Der Panoramablick über den Eyjafjörður von der Terrasse ist fantastisch — ein guter Ort, um bei einem Kaffee die Aussicht zu genießen
  • Brynja Eisdiele: Die berühmteste Eisdiele Islands — das Softeis mit Schokoladenüberzug ist Kult! Seit 1939 pilgern Isländer aus dem ganzen Land hierher. Im Sommer Schlange, aber sie geht schnell. Ca. 600 ISK (4€)
  • Weihnachtshaus (Jólahúsið): Ein skurriles, liebevolles ganzjähriges Weihnachtsgeschäft, in dem über 2.000 Weihnachtsartikel, isländische Kerzen, Ornamente und Dekorationen angeboten werden. Die 13 isländischen Weihnachtsmänner (Jólasveinar) werden hier liebevoll erklärt — sie sind keine freundlichen Santa-Klone, sondern schelmische Trollkinder mit Namen wie „Türschläger", „Löffelschlecker" und „Kerzenschnorrer". Auch wenn du normalerweise kein Weihnachtsfan bist — dieses Haus ist ein Erlebnis
  • Nonnahús: Geburtshaus des Kinderbuchautors Jón Sveinsson (1857–1944), der unter dem Pseudonym „Nonni" berühmt wurde. Seine Bücher wurden in 40 Sprachen übersetzt. Das kleine Museum zeigt sein Leben und seine Werke

Whale Watching ab Akureyri

Weniger bekannt als Húsavík, aber ebenfalls exzellent: Vom Hafen in Akureyri starten Walbeobachtungstouren in den Eyjafjörður. Die Fjord-Lage bietet ruhigere See als in Húsavík, und die Sichtungsquote liegt bei über 95% im Sommer. Hauptsächlich Buckelwale, die im geschützten Fjord fressen. Anbieter: Elding und Ambassador, ab 12.000 ISK (80€).

Skigebiet Hlíðarfjall

Nur 10 Minuten von Akureyri: Das beste Skigebiet Islands mit 23 Pisten (bis 1.000m Höhe), Liftanlage und oft besserem Schnee als in den Alpen. Saison: November–Mai (manchmal bis Juni!). Tagespass: ca. 6.900 ISK (46€). Im Frühling kombinierst du Skifahren bei Mitternachtssonne mit Walbeobachtung am nächsten Morgen — wo sonst geht das?

Tipp

Akureyri ist die perfekte Basis für Ausflüge zum Mývatn (1h), nach Húsavík (1h) und zu Goðafoss (30 Min.). Plane mindestens 2 Nächte hier ein. Der Inlandsflug von Reykjavík (45 Min.) spart 5 Stunden Fahrt und kostet ab 67€ — oft günstiger als gedacht. Die Restaurants RUB23 (kreative Küche) und Strikið (Panoramablick über den Fjord) sind die besten Adressen zum Essen.

Mývatn — See der Mücken★★★

Mývatn Nature Baths: 12:00–22:00 (ganzjährig). Krafla/Námaskarð: 24h, ganzjährig
See und Geothermalfelder: kostenlos. Mývatn Nature Baths: 5.900 ISK (39€)

Ein geologisches Wunderland

Der Mývatn („Mückensee") und seine Umgebung sind das geologisch aktivste Gebiet Islands — ein Freilichtmuseum für Vulkanismus, das seinesgleichen sucht. Auf kleinstem Raum findest du hier Pseudokrater, Lavaformationen, dampfende Fumarolen, Schlammtöpfe und ein Thermalbad, das es mit der Blauen Lagune aufnimmt.

Der See selbst ist mit 37 km² Fläche der viertgrößte See Islands und überraschend flach (maximal 4,5 m). Er entstand bei einem Lavaausbruch vor etwa 2.300 Jahren und liegt in einer Zone extremer vulkanischer Aktivität — die Krafla-Feuer (1975–1984, neun Ausbrüche in neun Jahren) sind in lebendiger Erinnerung.

Mývatn ist auch ein Paradies für Ornithologen: Über 115 Vogelarten leben hier, darunter 15 Entenarten — mehr Entenarten als an jedem anderen Ort der Erde. Der See wurde unter den Ramsar-Konvention als international bedeutendes Feuchtgebiet geschützt.

Die Highlights im Uhrzeigersinn

Skútustaðagígar (Pseudokrater)

Am Südufer des Sees. Diese kraterförmigen Hügel sehen aus wie Vulkankrater, sind aber keine echten Vulkane. Sie entstanden vor ca. 2.300 Jahren, als glühende Lava über einen sumpfigen See floss: Das eingeschlossene Wasser verdampfte explosionsartig und sprengte die darüberliegende Lava nach oben, wobei diese Kraterformen entstanden. Ein gut markierter Rundweg (30 Min.) führt zwischen den grün bewachsenen Pseudokratern hindurch und bietet wunderbare Ausblicke über den See.

Dimmuborgir (Dunkle Burgen)

Am Ostufer des Sees: Ein surreales Labyrinth aus Lavasäulen, Bögen und Höhlen, das wie eine von Riesen erbaute Ruinenstadt aussieht. Die Formationen entstanden vor ca. 2.300 Jahren, als ein Lavasee über einem wasserreichen Gebiet lag: Der Dampf schoss durch die Lava nach oben und hinterließ beim Erstarren diese bizarren Säulen und Tunnel.

Laut Legende leben hier die 13 isländischen Weihnachtsmänner (Jólasveinar) — schelmische Trollkinder, die in den 13 Nächten vor Weihnachten einzeln ins Tal hinabsteigen und Schabernack treiben. Ihre Namen verraten ihren Charakter: Stekkjastaur (Schafstall-Pfähler), Giljagaur (Graben-Gaffer), Stúfur (Stumpi), Þvörusleikir (Löffelschlecker), Pottasleikir (Topfschlecker), Askasleikir (Schüsselschlecker), Hurðaskellir (Türschläger), Skyrgámur (Skyr-Gierig), Bjúgnakrækir (Würstchen-Stibitzer), Gluggagægir (Fenstergucker), Gáttaþefur (Türschnüffler), Ketkrókur (Fleischhaken) und Kertasníkir (Kerzenschnorrer).

Mehrere Wanderwege (30–60 Min.): Der Kirchenweg (Kirkjuhringur, 30 Min.) führt zur natürlichen Lava-Kathedrale „Kirkjan" — ein Bogen, der wie das Kirchenschiff einer gotischen Kathedrale aussieht.

Grjótagjá — Die Game-of-Thrones-Höhle

Eine kleine Lavahöhle mit einer heißen Quelle im Inneren — bekannt als Drehort für Game of Thrones (die romantische Szene zwischen Jon Snow und Ygritte in Staffel 3). Die Höhle liegt in einer Felsspalte der Krafla-Riftzone, und das türkisfarbene Wasser leuchtete früher magisch in der Dunkelheit der Höhle.

Baden leider verboten! Bis in die 1970er Jahre war Grjótagjá ein beliebter Badeort, aber die Krafla-Feuer (1975–1984) erhitzten das Wasser auf über 50°C — zu heiß zum Baden. Seitdem hat es sich auf ca. 43–46°C abgekühlt, aber das Baden bleibt aus Sicherheitsgründen verboten. Man kann aber die Höhle betreten und das leuchtende Wasser bewundern — der Anblick ist magisch, besonders wenn Sonnenstrahlen durch die Risse in der Decke fallen.

Námaskarð / Hverir — Der Mars auf Erden

Ein außerirdisch wirkendes Geothermalfeld am Fuß des Námafjall-Berges (482 m), direkt an der Ringstraße östlich des Mývatn. Die Landschaft ist so unwirklich, dass die NASA hier tatsächlich Marsrover getestet hat. Was du siehst:

  • Schlammtöpfe (Solfataren): Graubrauner, kochender Schlamm blubbert und spritzt in regelmäßigen Intervallen nach oben — wie ein Topf Suppe auf dem Herd
  • Fumarolen: Zischende Dampfsäulen, die mit Druck aus Rissen im Boden schießen — sie erreichen Temperaturen von über 200°C
  • Schwefelablagerungen: Leuchtend gelbe, orange und weiße Kristalle überziehen die Felsen wie außerirdischer Frost
  • Der Geruch: Intensiver Schwefelwasserstoff (H₂S) — „faule Eier" auf Steroiden. Du gewöhnst dich daran, aber die ersten Minuten sind heftig

Ein Rundweg (20–30 Min.) führt durch das Gebiet. Kostenlos und ganzjährig zugänglich. Der Boden ist an manchen Stellen heiß genug, um Schuhsohlen zu schmelzen — halte dich an die markierten Wege!

Krafla — Vulkanzone & Víti-Krater

Der Krafla-Vulkan (818 m) nordöstlich des Mývatn ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Die letzte Eruptionsserie — die Krafla-Feuer (Mývatn-Feuer) — dauerte von 1975 bis 1984 mit neun einzelnen Ausbrüchen. Lavafontänen schossen bis zu 100 Meter in die Höhe, und Lavaströme bedrohten das Krafla-Geothermalkraftwerk (das trotzdem weiter betrieben wurde — isländische Gelassenheit!).

Das Highlight ist der Víti-Krater (isländisch für „Hölle"): Ein 320 Meter breiter Explosionskrater, der bei einem Ausbruch 1724 entstand und heute mit einem leuchtend milchig-grünen See gefüllt ist. Die Farbe variiert je nach Sonnenlicht und Jahreszeit von türkis bis smaragdgrün. Ein Wanderweg führt um den Kraterrand (20 Min.).

Auf dem Weg zum Krafla-Gipfel passierst du das Leirhnjúkur-Lavafeld — ein noch dampfendes, nur wenige Jahrzehnte altes Lavafeld mit bizarren Formen, heißen Quellen und einer Mars-ähnlichen Atmosphäre. Die Wanderung durch das Lavafeld (4 km, 1–1,5h) ist surreal: An manchen Stellen spürst du die Wärme durch die Schuhsohlen.

Mývatn Nature Baths

Das Naturbad Mývatn (Jarðböðin við Mývatn) ist die nordisländische Antwort auf die Blaue Lagune — nur ohne den Massentourismus und mit mehr Authentizität. Das milchig-blaue, mineralreiche Wasser (36–40°C) liegt in einem dampfenden Lavafeld mit Blick über den See und die umliegenden Berge.

Das Wasser enthält natürliche Mineralien und Schwefel, die wohltuend für die Haut sind. Es gibt zwei Becken (unterschiedliche Temperaturen), ein Dampfbad in einer natürlichen Höhle und eine Terrasse mit Getränkeservice.

Eintritt: 5.900 ISK (39€) — deutlich günstiger als die Blaue Lagune. Im Winter: Die Kombination aus heißem Wasser, Dampf und Nordlichtern über dem See ist eines der unvergesslichsten Erlebnisse auf Island.

Achtung

Der Name „Mückensee" kommt nicht von ungefähr! Von Juni bis August können die Mücken (kleine, nicht stechende Gnitzen) in Schwärmen auftreten. Ein Moskitonetz für den Kopf (in Akureyri kaufen, ca. 1.500 ISK) und insektenabweisende Kleidung helfen. Die Mücken sind lästig, aber harmlos — sie stechen nicht. An windigen Tagen verschwinden sie komplett.

Goðafoss — Wasserfall der Götter★★★

Eintritt und Parken kostenlos

Wo Island christlich wurde

Der Goðafoss („Wasserfall der Götter") ist einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Wasserfälle Islands. Der Fluss Skjálfandafljót stürzt hier in einem 30 Meter breiten Halbkreis 12 Meter in die Tiefe — die Form erinnert an ein Hufeisen, und das tosende Wasser bildet bei Sonnenschein permanente Regenbögen.

Die Geschichte dahinter

Der Name stammt aus dem Jahr 1000 n. Chr.: Als das Alþingi in Þingvellir beschloss, dass Island christlich werden solle, stand der Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði vor einem Dilemma. Er war selbst Heide und Gode (Priester) des alten Glaubens. Nach seiner berühmten Meditation unter einer Tierhaut verkündete er die Entscheidung für das Christentum — ein Kompromiss: Privat durfte man weiterhin die alten Götter verehren, aber öffentlich galt das Christentum.

Auf seinem Weg nach Hause soll Þorgeir an diesem Wasserfall angehalten und seine heidnischen Götterstatuen in die Fluten geworfen haben — ein symbolischer Bruch mit der alten Religion, der den Wasserfall zum „Wasserfall der Götter" machte. Ob es wirklich so geschah, ist historisch umstritten (die Saga-Quellen sind uneindeutig), aber die Geschichte macht den Goðafoss zur spirituellen Geburtsstätte des christlichen Islands.

Aussichtspunkte

  • Ostseite: Vom Parkplatz an der Ringstraße, 5 Min. Fußweg. Frontalblick auf den Wasserfall. Am beliebtesten — und am vollsten. Die Plattform bietet den klassischen Foto-Blick auf den Halbkreis
  • Westseite: Vom zweiten Parkplatz (Zufahrt über eine Schotterstraße), 5 Min. Fußweg. Seitenansicht, weniger Touristen, dramatischer Blick in die Schlucht. Hier kannst du näher ans Wasser — und an klaren Tagen in die Tiefe der türkisfarbenen Pools unter dem Wasserfall sehen

Der Goðafoss liegt direkt an der Ringstraße, 30 Min. östlich von Akureyri — der perfekte Stop auf dem Weg zum Mývatn.

Im Winter

Im Winter verwandelt sich der Goðafoss in eine Eisskulptur: Die Ränder frieren ein, Eiszapfen hängen von den Klippen, und der Wasserfall rauscht zwischen Eisformationen hindurch. Die Kombination aus weißem Eis und türkisem Wasser ist atemberaubend — und im Winter hast du den Wasserfall oft für dich allein. Vorsicht: Die Wege können vereist sein.

Dettifoss — Europas mächtigster Wasserfall★★★

Eintritt und Parken kostenlos

Rohe Naturgewalt

Der Dettifoss ist der mächtigste Wasserfall Europas — gemessen am Wasservolumen. Durchschnittlich 500 Kubikmeter pro Sekunde des graubraunen, gletschergespeisten Wassers des Jökulsá á Fjöllum donnern hier 44 Meter in die Tiefe und 100 Meter in die Breite. Die Kraft ist so gewaltig, dass die Erde unter den Füßen vibriert, die Gischt hunderte Meter weit spritzt und an windstillen Tagen eine permanente Wolke über dem Canyon hängt.

Im Frühsommer bei Schneeschmelze steigt die Durchflussmenge auf bis zu 1.500 m³/s — die dreifache Normalmenge. Der Boden bebt dann buchstäblich, und die Gischt ist so dicht, dass du den Wasserfall kaum sehen kannst.

Nicht umsonst wählte Regisseur Ridley Scott den Dettifoss als Eröffnungsszene für „Prometheus" (2012) — der Wasserfall verkörpert die rohe, unkontrollierbare Kraft der Natur wie kein anderer Ort auf der Erde. In der Szene opfert sich ein außerirdischer „Ingenieur" am Wasserfall und sät damit die Saat des Lebens auf der Erde.

Der Jökulsárgljúfur-Canyon

Der Dettifoss ist Teil des Jökulsárgljúfur-Canyons — einer 25 km langen, bis zu 100 Meter tiefen Schlucht, die der Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum über Jahrtausende in den Basaltfels gegraben hat. Im selben Canyon liegen noch zwei weitere beeindruckende Wasserfälle:

  • Selfoss: 2 km flussaufwärts vom Dettifoss. 11 Meter hoch, aber 100 Meter breit — eine breite, fächerförmige Kaskade, die eleganter und fotografisch mindestens so eindrucksvoll ist wie der Dettifoss selbst. Vom Westseiten-Parkplatz erreichbar (20 Min. Fußweg)
  • Hafragilsfoss: 2 km flussabwärts vom Dettifoss. 27 Meter tief in einer engen, wildromantischen Schlucht. Weniger besucht und schwerer zugänglich, aber spektakulär für Fotografen

Zwei Zugänge

  • Ostseite (Route 864): Schotterstraße, rauer (30 km, ca. 30 Min. von der Ringstraße). Aber der Aussichtspunkt ist näher am Wasserfall und dramatischer — du stehst fast auf Augenhöhe mit der Kante und spürst die Vibrationen. 2WD möglich bei Vorsicht, aber langsam fahren!
  • Westseite (Route 862): Asphaltiert, bequemer (24 km von der Ringstraße). Aussichtspunkt etwas weiter weg, aber mit Zugang zu Selfoss und einem besser ausgebauten Wanderweg. Parkplatz und WC vorhanden

Vom Parkplatz sind es jeweils ca. 15–20 Minuten Fußweg zum Wasserfall. Es gibt kaum Geländer am Rand — Vorsicht auf dem rutschigen Fels!

Achtung

Am Dettifoss gibt es kaum Absperrungen! Die Felsen am Rand sind nass, rutschig und der Abgrund ist tödlich — 44 Meter Freifallhöhe. Halte einen sicheren Abstand zur Kante, besonders bei Sprühnebel (der die Felsen zusätzlich rutschig macht). Jedes Jahr gibt es Beinahe-Unfälle von Touristen, die für ein Selfie zu nah an den Rand gehen. Ein Sturz wäre unweigerlich tödlich.

Húsavík — Walhauptstadt Europas★★★

Walbeobachtung: April–November (Hauptsaison Juni–August). Walmuseum: 10:00–18:00 (Sommer), 10:00–16:00 (Winter)
Walbeobachtung: ab 11.990 ISK (80€). Walmuseum: 2.500 ISK (17€)

Die beste Walbeobachtung Islands

Húsavík (Einwohner: 2.300) am Skjálfandi-Fjord ist die Walbeobachtungshauptstadt Europas — und nach dem Film „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga" (2020, mit Will Ferrell und Rachel McAdams) auch international bekannt. Die Chancen auf Walsichtungen liegen bei 97–99% im Sommer, und die Vielfalt ist einzigartig:

  • Buckelwale: Die Stars, regelmäßig mit spektakulären Sprüngen (Breaching) und Schwanzflossen-Shows. Von Mai bis Oktober fast garantiert
  • Minkwale: Kleiner (7–10m), aber häufig und neugierig. Kommen manchmal ans Boot
  • Blauwale: Die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben (bis 33m, 150 Tonnen)! Húsavík ist einer der besten Orte weltweit, um sie zu sehen — besonders von Juni bis August, wenn sie in den nährstoffreichen Gewässern vor Nordisland fressen
  • Weißschnauzendelfine: In großen Gruppen, spielfreudig, springen neben dem Boot
  • Zwergwale, Finnwale, Schweinswale: Gelegentlich gesichtet

Anbieter

  • North Sailing: Der Pionier und umweltbewussteste Anbieter. Traditionelle Segelschiffe aus Eichenholz, restaurierte ehemalige Fischerboote. 3h-Tour ab 12.490 ISK (83€). Ein Teil der Flotte fährt mit elektrischem Antrieb (CO₂-neutral!) und setzt Segel, wenn der Wind stimmt. Atmosphärisch und stimmungsvoll — ein ganz anderes Erlebnis als auf einem modernen Motorboot
  • Gentle Giants: Große und kleine Boote, auch RIB-Speedboote für Nahaufnahmen und Adrenalinkicks. Ab 11.990 ISK (80€). Die RIB-Tour (1,5h, ab 17.990 ISK/120€) bringt dich dichter an die Wale heran — du spürst die Gischt, wenn ein Buckelwal neben dir auftaucht

Húsavík Whale Museum (Hvalasafnið á Húsavík)

Das Walmuseum am Hafen ist eines der besten seiner Art weltweit — mit lebensgroßen Skeletten von Blauwal (25m!), Pottwal, Narwal, Orca und über einem Dutzend weiterer Arten, die von der Decke hängen. Die Ausstellung erklärt Walbiologie, Kommunikation (du kannst Walgesänge hören!), die Geschichte des Walfangs und den modernen Walschutz. Interaktive Stationen und ein Kinderprogramm machen es auch für Familien zum Erlebnis.

Die Stadt

Húsavík selbst ist ein hübsches kleines Fischerdorf mit bunten Häusern, einer pittoresken Holzkirche (1907) und einer lebendigen Gastronomieszene für seine Größe. Das Gamli Baukur am Hafen serviert exzellenten Fisch (die Fish & Chips sind legendary), und das Salka Restaurant bietet gehobene Küche mit Hafenblick. Für Eurovision-Fans: Im Exploration Museum gibt es eine kleine Ausstellung zum Film.

Tipp

Buche die früheste Tour des Tages (oft 9 Uhr) — das Meer ist morgens ruhiger, und die Wale sind aktiver. Ziehe dich warm an (auch im Sommer!): Die Boote stellen Overalls bereit, aber unter einer Fleecejacke friert man nach 2 Stunden trotzdem. Nimm Seekrankheitstabletten 30 Min. vor Abfahrt, falls du empfindlich bist. Und: Die Blauwale sind am besten im Juli zu sehen — wenn du Glück hast, siehst du das größte Tier der Erdgeschichte.

Siglufjörður — Das Heringsparadies★★

Heringsmuseum: 10:00–18:00 (Jun–Aug), 13:00–17:00 (Schultersaison)
Museum: 2.500 ISK (17€)

Islands charmantestes Fischerdorf

Siglufjörður (Einwohner: 1.300) liegt in einem abgeschiedenen Fjord an der Nordspitze der Tröllaskagi-Halbinsel und ist eines der charmantesten und geschichtsträchtigsten Dörfer Islands. In den 1940er und 1950er Jahren war Siglufjörður die Heringshauptstadt des Nordatlantiks — bis zu 10.000 saisonale Arbeiter strömten in den winzigen Ort, um den „Silber des Meeres" zu verarbeiten.

Heringsmuseum (Síldarminjasafnið)

Das preisgekrönte Heringsmuseum (European Museum of the Year Award 2015) erzählt die faszinierende Geschichte des isländischen Heringsbooms in drei historischen Gebäuden am Hafen:

  • Róaldsbrakki: Ein original restauriertes Mädchenwohnheim, in dem die jungen Frauen untergebracht waren, die den Hering von Hand einsalzten (die „Heringsmädchen" — síldarkerlingar). Die Arbeit war brutal: 14-Stunden-Schichten bei Kälte und Nässe, die Hände rissig von Salz und Fischblut
  • Grjóteyri: Eine restaurierte Heringsfabrik mit funktionierenden Maschinen, Salzbottichen und dem authentischen Geruch von Fisch und Salz
  • Boathouse: Originalschiffe und Fischereigerätschaften

Das Museum ist erstaunlich lebendig gestaltet — ehemalige Heringsarbeiter erzählen manchmal persönlich ihre Geschichten. Der Heringsabend (Sommer, Mittwochs) mit Musik, Tanz und Verkostung von eingelegtem Hering ist ein besonderes Erlebnis.

Die Tröllaskagi-Halbinsel

Die Fahrt von Akureyri nach Siglufjörður über die Tröllaskagi-Halbinsel (Route 76/82) gehört zu den schönsten Strecken Islands: Dramatische Berge, tiefe Fjorde, enge Tunnel und unberührte Natur. Unterwegs lohnen Stops in Dalvík (Wander- und Ski-Ort) und Ólafsfjörður (winziges Fischerdorf mit Naturschönheit).

Tipp

Siglufjörður ist eines der besten Ziele für einen Tagesausflug von Akureyri (1h) — oder als Stopp auf dem Weg nach Hofsós, wo der Infinity-Pool mit Fjordblick auf dich wartet (Sundlaug Hofsós, ca. 1.000 ISK/7€). Die Kombination Museum + Hofsós-Pool + Bergpanorama ist ein perfekter Tag.

Ásbyrgi-Schlucht★★

Eintritt und Parken kostenlos

Hufabdruck von Odins Pferd

Die Ásbyrgi-Schlucht ist eine der beeindruckendsten geologischen Formationen Islands — eine hufeisenförmige Schlucht, 3,5 km lang und 1 km breit, mit bis zu 100 Meter hohen senkrechten Felswänden. In der Mitte teilt ein Felsplateau namens Eyjan (die „Insel") die Schlucht in zwei Hälften.

Mythologie vs. Geologie

Die nordische Legende besagt, dass Sleipnir — das achtbeinige Pferd des Gottes Odin — seinen Huf hier aufsetzte und den gewaltigen Abdruck hinterließ. Wenn man von oben auf die Schlucht blickt, ist die hufeisenförmige Form tatsächlich verblüffend klar — kein Wunder, dass die Wikinger hier eine göttliche Erklärung sahen.

Die geologische Erklärung ist fast ebenso spektakulär: Gewaltige Gletscherfluten (Jökulhlaup) am Ende der letzten Eiszeit (vor etwa 8.000–10.000 Jahren) schnitten die Schlucht in den Basaltfels. Die Fluten — ausgelöst durch subglaziale Vulkanausbrüche unter dem Vatnajökull — waren so gewaltig, dass sie innerhalb weniger Tage diese massive Schlucht schufen. Ein zweites Ereignis vor ca. 3.000 Jahren erweiterte die Schlucht auf ihre heutige Form.

Ásbyrgi gilt in der isländischen Folklore auch als Hauptstadt der Huldufólk (verstecktes Volk/Elfen). Viele Isländer berichten von einer besonderen Energie an diesem Ort — und der Birkenwald auf dem Grund der Schlucht hat tatsächlich eine fast mystische Atmosphäre.

Natur in der Schlucht

Der Boden der Schlucht ist mit einem üppigen Birkenwald bedeckt — ein seltener Anblick im kargen Island, wo die Wikinger fast alle Bäume rodeten. Die geschützte Lage zwischen den hohen Felswänden schafft ein Mikroklima, das deutlich wärmer und windstiller ist als die Umgebung. Die Akustik ist erstaunlich: Vögel singen, Wind rauscht durch die Bäume, und die Felswände werfen jeden Ton zurück. Ein Ort der Stille und Kraft.

Wanderungen

  • Botnstjörn-See: Am Ende der Schlucht, 30 Min. Fußweg. Stiller See mit Felswänden — meditativ ruhig. Die Felsen spiegeln sich im Wasser
  • Eyjan-Felsplateau: Besteigung über eine steile Treppe. Panoramablick über die gesamte Schlucht und den Birkenwald
  • Klappir-Weg: Vom Besucherzentrum durch die östliche Hälfte der Schlucht (2 km, 45 Min.)

Tipp

Ásbyrgi liegt am nördlichen Ende des Jökulsárgljúfur-Canyons, der bis zum Dettifoss reicht. Wenn du den Diamond Circle fährst, besuche Ásbyrgi als erstes und arbeite dich dann südlich zum Dettifoss vor. Das Campinggelände in Ásbyrgi (im Birkenwald!) ist eines der atmosphärischsten auf Island.

Diamond Circle — Route & Tipps

Nordislands große Rundfahrt

Der Diamond Circle ist Nordislands Antwort auf den Golden Circle — eine rund 250 km lange Rundfahrt ab Akureyri oder Húsavík, die die wichtigsten Highlights des Nordens verbindet. Der Name wurde in Anlehnung an den Golden Circle gewählt, aber die Route ist weit weniger überlaufen und bietet eine wilder, rauere Naturerfahrung.

Die Route (empfohlene Reihenfolge)

StoppHighlightZeitbedarf
1. HúsavíkWalbeobachtung (morgens!), Walmuseum3–4h
2. ÁsbyrgiHufeisenförmige Schlucht, Birkenwald1–2h
3. DettifossEuropas mächtigster Wasserfall1–2h
4. SelfossBreiter Wasserfall, 2 km vom Dettifoss30 Min.
5. MývatnPseudokrater, Dimmuborgir, Grjótagjá, Námaskarð3–5h
6. Krafla/VítiVulkankrater mit grünem See1h
7. Mývatn Nature BathsHeißes Bad zum Entspannen (abends!)2h
8. GoðafossWasserfall der Götter30 Min.

Zeitbedarf: Mindestens 2 volle Tage, ideal 3 Tage. Als Tagesausflug nur möglich, wenn du auf die Walbeobachtung und die Hälfte der Mývatn-Highlights verzichtest.

Praktische Tipps Nordisland

  • Übernachten: Akureyri hat die meisten Optionen. Direkt am Mývatn: Hotel Laxá (gehoben, ab 200€), Dimmuborgir Guesthouse (Mittelklasse, ab 120€), Hlíð Campingplatz (20€). In Húsavík: Fosshotel Húsavík (ab 150€)
  • Essen: RUB23 in Akureyri (kreative internationale Küche), Strikið in Akureyri (Panoramablick), Gamli Baukur in Húsavík (Fish & Chips), Vogafjós Cowshed Café am Mývatn (du isst neben den Kühen — ernsthaft, die Kühe stehen hinter einer Glaswand während du frühstückst)
  • Hofsós Pool: 30 Minuten westlich von Akureyri liegt der vielleicht schönste Schwimmpool Islands: Ein Infinity-Pool mit Blick über den Skagafjörður-Fjord auf die Berge am anderen Ufer. Eintritt: ca. 1.000 ISK (7€). Absoluter Geheimtipp!
  • Wetter: Der Norden ist trockener als der Süden, aber im Winter kälter. Schneefall von Oktober bis April möglich. Die Bergpässe (z.B. Öxnadalur) können bei Schnee gefährlich sein — road.is checken!

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