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Regionen · Kapitel 7

Der Osten (Oriente)

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Der Osten (Oriente)

Kubas wilder Osten ist das Herz der afro-kubanischen Kultur, der Geburtsort der Revolution und Heimat der besten Musik. Santiago de Cuba, Baracoa, die Sierra Maestra — hier erlebt man das authentischste Kuba.

Santiago de Cuba★★★

Santiago de Cuba (510.000 Einwohner) ist Kubas „zweite Hauptstadt" und das genaue Gegenteil von Havanna: heißer, lauter, afro-karibischer, musikalischer und weniger touristisch. Gegründet 1515, war Santiago bis 1556 Kubas Hauptstadt und ist bis heute das kulturelle und musikalische Herz der Insel.

Die Stadt liegt amphitheaterartig an einer tiefen Bucht, umgeben von der Sierra Maestra — die Straßen sind steil, das Klima tropisch-schwül (3–5°C wärmer als Havanna). Hier spürt man den afrikanischen Einfluss stärker als irgendwo sonst auf Kuba: In der Musik (Son, Trova, Tumba francesa), in der Religion (Santería ist allgegenwärtig), im Essen und im Straßenleben.

Sehenswürdigkeiten

★★★ Parque Céspedes — Santiagos Hauptplatz ist Kubas lebendigster: die Kathedrale (1528), das Museo de Ambiente Histórico Cubano im ältesten Haus Kubas (Casa de Diego Velázquez, 1522, 2 €), das Rathaus, von dessen Balkon Fidel Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkündete. Unter den Bäumen sitzen Dominospieler, Musiker und Schulkinder.

★★★ Casa de la Trova — Das Mutterhaus des Son Cubano. Seit 1968 spielen hier jeden Tag und jede Nacht Musiker — teilweise dieselben seit Jahrzehnten. In diesem kleinen Raum mit Fotos an den Wänden sitzt man zwischen 80-jährigen Maestros und jungen Tänzern. Es ist Kubas authentischster Musikort — kein Touristenprogramm, sondern gelebte Tradition. Eintritt 1–3 €, nachmittags ruhiger, abends lebhaft.

★★ Castillo del Morro (San Pedro de la Roca) — Die UNESCO-Welterbe-Festung (1638) thront auf einem Felsvorsprung am Eingang der Bucht, 10 km südwestlich der Stadt. Drei Ebenen Befestigungsanlagen mit Kanonen, Kasematten und einem Piraterie-Museum. Der Blick über die Bucht und die Sierra Maestra ist atemberaubend — besonders bei Sonnenuntergang. Eintritt 5 €. Per Taxi (8–10 €) oder organisierte Tour.

★★ Cementerio Santa Ifigenia — Kubas wichtigster Friedhof. Hier liegt José Martí (Nationalheld, in einem imposanten Mausoleum) und Fidel Castro (seit 2016, in einem schlichten Felsbrocken begraben — sein Wunsch). Die tägliche Wachablösung am Martí-Grab (alle 30 Min.) ist eine feierliche Zeremonie. Eintritt 3 €.

★★ Cuartel Moncada — Am 26. Juli 1953 griff Fidel Castro mit 160 Rebellen die Moncada-Kaserne an — der Startschuss der Revolution (wenn auch militärisch ein Desaster). Heute ein Schulkomplex und Museum mit den Einschusslöchern in der Fassade. Die Ausstellung dokumentiert den Angriff und die Geschichte der Revolution. Eintritt 2 €.

Tipp

Plane Santiago de Cuba für den Juli — dann findet der berühmte Karneval statt (der größte der Karibik nach Trinidad & Tobago). Auch die Fiesta del Fuego (Festival del Caribe) im Juli ist ein kulturelles Feuerwerk. Unterkünfte weit vorher buchen!

Baracoa — Kubas Geheimtipp★★★

Baracoa ist Kubas abgelegenster und magischster Ort — ein verschlafenes Städtchen am äußersten Ostende der Insel, umgeben von Regenwald, Kakao-Plantagen und wilden Flüssen. Gegründet 1511, ist es die älteste Stadt Kubas und war Jahrhunderte lang nur per Boot erreichbar. Erst 1965 baute die Revolution die La Farola — eine spektakuläre Bergstraße, die sich in Serpentinen durch die Sierra del Purial windet und Baracoa mit dem Rest Kubas verbindet.

Diese Isolation hat Baracoa einen ganz eigenen Charakter bewahrt: Die Küche ist anders (Kokosnuss, Kakao und Banane statt Reis und Bohnen), die Musik ist anders (Son changüí, Kiribá und Nengón statt Salsa), die Landschaft ist anders (Regenwald statt Tabakfelder). Baracoa fühlt sich an wie ein anderes Land — es ist das Kuba vor dem Kuba.

Sehenswürdigkeiten

  • El Yunque: Der tafelförmige Berg (575 m), den Kolumbus als Orientierungspunkt nutzte. Halbtages-Wanderung (3–4 Std., Guide Pflicht, 15 €) durch dichten Regenwald mit endemischen Pflanzen, Leguanen und Schnecken (die berühmte Polymita-Schnecke). Vom Gipfel: fantastischer Blick über Baracoa und die Küste.
  • Río Toa: Kubas wasserreichster Fluss. Bootstouren (10 €) durch tropische Vegetation, Schwimmen in natürlichen Pools, Besuch einer Kakao-Farm.
  • Playa Maguana: Der schönste Strand der Region, 22 km nordwestlich. Feiner Sand, ruhiges Wasser, menschenleer unter der Woche. Per Taxi (10 €) oder Fahrrad (2 Std., hügelig).
  • Museo Matachín: Stadtmuseum in einer spanischen Festung an der Hafeneinfahrt. Dokumentiert die Geschichte der Taíno-Ureinwohner und die Isolation Baracoas. 3 €.
  • Parque Nacional Alejandro de Humboldt: UNESCO-Weltnaturerbe (seit 2001), 40 km nordwestlich. Einer der biologisch vielfältigsten Orte der Karibik: endemische Vögel, Frösche, Fledermäuse, Orchideen. Geführte Wanderungen ab 15 € (Pflicht). Halber Tag.

Kulinarische Besonderheiten

Baracoa ist Kubas Kakao-Hauptstadt: Die Region produziert den besten Kakao der Karibik. Unbedingt probieren: Cucurucho (Kokosnuss-Kokos-Fudge in Palmblatt gewickelt), Chorote (heißer Kakao mit Kokosmilch, Zucker und Gewürzen, wird wie ein Smoothie getrunken) und Bacán (grüne Banane mit Fleischfüllung, in Bananenblatt gegart).

Tipp

Plane mindestens 2–3 Nächte in Baracoa — die lange Anreise (4,5 Std. von Santiago über La Farola) lohnt sich nur, wenn man Zeit hat. Die Casas Particulares sind ausgezeichnet und die Casa-Küche ist die beste Kubas — Kakao- und Kokosnuss-Gerichte, die es sonst nirgends gibt.

Achtung

Die Straße La Farola (von Guantánamo nach Baracoa) ist eng, kurvig und bei Regen rutschig. Nur bei Tageslicht fahren! Bei schlechtem Wetter kann die Straße gesperrt sein.

Sierra Maestra★★

Die Sierra Maestra ist Kubas höchstes und geschichtsträchtigstes Gebirge — eine 250 km lange Kette entlang der Südküste mit dem Pico Turquino (1.974 m), Kubas höchstem Berg. Hier versteckte sich Fidel Castro von 1956 bis 1959 mit seinen Guerilleros und führte von hier aus die Revolution.

Trekking zum Pico Turquino

Die zweitägige Wanderung zum Gipfel ist Kubas anspruchsvollstes Trekking — und eines der eindrucksvollsten. Der Trail startet bei Las Cuevas (Südküste) oder Santo Domingo (Nordseite) und führt durch dichten Regenwald, vorbei an Orchideen und Farnen, über wolkenverhangene Grate zum Gipfel mit Kubas zweitgrößter José-Martí-Büste.

  • Dauer: 2 Tage (1 Nacht im Berglager Aguada de Joaquín)
  • Schwierigkeit: Anspruchsvoll — steile Auf- und Abstiege, 1.500 Höhenmeter, oft schlammig
  • Guide: Pflicht! Nur über die Nationalparkverwaltung buchbar (Büro in Bayamo oder Santo Domingo). 80–120 € pro Person inkl. Guide, Permit und Unterkunft
  • Beste Zeit: November–April (Trockenzeit). In der Regenzeit oft gesperrt

Comandancia de la Plata

Fidel Castros Guerilla-Hauptquartier in der Sierra Maestra kann als Tageswanderung von Santo Domingo besucht werden (5 Std. hin und zurück). Die Holzhütten — Fidels Schlafzimmer, das Feldhospital von Che, die Radio Rebelde Station — stehen noch so, wie sie in den 1950ern waren. Ein faszinierender Ort für Geschichte-Interessierte. Guide obligatorisch (30 € pro Person).

Achtung

Die Sierra Maestra ist nur mit offiziellem Guide zugänglich — Individualwandern ist verboten. Buche mindestens 2 Tage vorher beim Nationalpark-Büro in Santo Domingo oder über ein Reisebüro. Die Plätze sind begrenzt.

Camagüey★★

Camagüey (325.000 Einwohner) ist Kubas drittgrößte Stadt und die ungewöhnlichste: Ihr UNESCO-geschütztes Altstadtlabyrinth (seit 2008) wurde absichtlich verwirrend angelegt — die verschlungenen, kreuz und quer verlaufenden Gassen sollten Piraten und Eindringlinge in die Irre führen. Im Gegensatz zu den schachbrettartigen Kolonialstädten ist Camagüey ein Gewirr, in dem man sich herrlich verlieren kann.

Das Wahrzeichen der Stadt sind die Tinajas — riesige Tonkrüge (bis 2 m hoch), die seit der Kolonialzeit zur Regenwasserspeicherung dienen und überall in der Stadt stehen: in Innenhöfen, vor Kirchen, auf Plätzen. Eine Legende besagt, dass jeder, der aus einem Tinajón trinkt, für immer nach Camagüey zurückkehrt.

Sehenswürdigkeiten

  • Plaza de los Trabajadores: Der Hauptplatz mit der Iglesia de la Merced (1748), deren Inneres mit aufwendigen Fresken und einem silbernen Altarschmuck beeindruckt. Das Geburtshaus des Nationaldichters Ignacio Agramonte ist ein Museum (2 €).
  • Plaza del Carmen: Der charmanteste Platz mit lebensgroßen Bronzestatuen von Alltagsmenschen: ein Mann liest Zeitung, eine Frau schiebt einen Kinderwagen, ein Pärchen flüstert. Perfektes Fotomotiv.
  • Plaza San Juan de Dios: Kubas besterhaltener Kolonialplatz — die gelbe Barockkirche und das ehemalige Hospital (1728, heute Kulturzentrum) bilden ein malerisches Ensemble.
  • Calle República: Die lange Fußgängerzone mit Geschäften, Cafés und Straßenmusikern. Kubas lebendigste Einkaufsstraße.

Praktisches

Camagüey liegt auf halbem Weg zwischen Trinidad und Santiago (je ca. 4–5 Std. per Bus). Ideal als Zwischenstopp auf der Ost-Route. Ein halber bis ganzer Tag reicht für die Altstadt. Übernachtung in einer der hervorragenden Casas (20–30 €), die oft in wunderschönen Kolonialhäusern mit Innenhof und Tinajón liegen.

Tipp

Lass dich bewusst im Labyrinth der Altstadt verlieren — das ist der Sinn! Die schönsten Entdeckungen macht man, wenn man einfach durch die Gassen streift. Halte Ausschau nach den Tinajas-Tonkrügen in den Innenhöfen.

Holguín

Holguín (350.000 Einwohner) ist die „Stadt der Parks" und der wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Osten Kubas. Die Stadt selbst ist nicht das Hauptreiseziel — aber sie hat den zweitgrößten internationalen Flughafen (Frank País, HOG) und dient als Tor zu den Stränden von Guardalavaca und Playa Pesquero (60 km nördlich).

Wer einen Tag in Holguín verbringt, sollte die Loma de la Cruz besteigen — 458 Stufen führen zum Gipfel eines Hügels mit dem Kreuz der Stadt und einem fantastischen Panorama. Der Aufstieg ist bei Hitze anstrengend (morgens oder am späten Nachmittag). Oben gibt es eine kleine Bar.

Die Plaza Calixto García ist der Hauptplatz mit neoklassizistischen Gebäuden und dem Museo Provincial (kleine Sammlung mit dem berühmten „Hacha de Holguín" — einer polierten Steinaxt der Taíno). Die Cervecería Bucanero am Stadtrand produziert Kubas beliebtestes Bier und bietet gelegentlich Führungen an.

Holguín ist keine Stadt, in der man lange bleiben muss — aber ein netter halber Tag auf dem Weg von oder zu den Stränden oder als Umsteigestation mit Flughafennähe.

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