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Regionen · Kapitel 5

Bergen & Westküste

Norwegen Reiseführer

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RegionenKapitel 5: Bergen & Westküste
Regionen · Kapitel 5

Bergen & Westküste

Bergen ist die heimliche Hauptstadt Westnorwegens — eine Stadt zwischen sieben Bergen, mit bunten Holzhäusern, einem lebendigen Fischmarkt und dem UNESCO-Welterbe Bryggen. Weiter nördlich warten Stavanger mit seiner Streetart-Szene, das Jugendstil-Juwel Ålesund und die legendäre Atlantikstraße.

Bryggen (UNESCO-Welterbe)★★★

Bryggen, 5003 Bergen
Freigelände: 24/7. Hanseatisches Museum: Mai–Sept 10:00–17:00, Okt–Apr 11:00–15:00.
Bryggen: kostenlos. Museum + Schøtstuene: 120 NOK (11 €).

Bryggen ist das Wahrzeichen Bergens und seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe: Eine Reihe bunter Holzhäuser am Hafen Vågen, die an die Zeit der Hanse erinnern. Von 1360 bis 1754 war Bergen eines der wichtigsten Hansekontore — deutsche Kaufleute aus Lübeck, Hamburg und Bremen dominierten den Handel mit Stockfisch, dem getrockneten Kabeljau, der ganz Europa ernährte.

Die heutigen Gebäude stammen größtenteils aus dem 18. Jahrhundert (nach einem Brand 1702), aber die mittelalterliche Bauweise wurde beibehalten: schmale, spitz zulaufende Giebelhäuser, dahinter enge Gassen und Holzhöfe. In den Hinterhöfen verbergen sich heute Kunsthandwerker-Werkstätten, kleine Galerien, Designshops und Cafés.

Das Hanseatische Museum (Hanseatisk Museum og Schøtstuene) zeigt das karge Leben der Hanseaten: enge Schlafkojen, strenge Regeln, kein Feuer (Brandgefahr!), kein Kontakt zu norwegischen Frauen. Die Schøtstuene (Versammlungsräume) sind die einzigen Gebäude, in denen Feuer erlaubt war.

Tipp

Bryggen ist am schönsten in den frühen Morgenstunden, wenn die Kreuzfahrtgäste noch nicht da sind. Die Hinterhöfe und Durchgänge sind das eigentliche Erlebnis — hier spürt man das Mittelalter. Das Hanseatische Museum wird derzeit renoviert; die Schøtstuene (Finnegården 1A) sind aber geöffnet und mindestens genauso interessant.

Fløibanen & Fløyen★★★

Vetrlidsallmenningen 21, 5014 Bergen
Mo–Fr 7:30–23:00, Sa–So 8:00–23:00 (Sommer bis Mitternacht).
Hin und zurück: 130 NOK (12 €). Einfach: 65 NOK (6 €). Kinder halber Preis.

Die Fløibanen ist Bergens Standseilbahn und das beliebteste Erlebnis der Stadt: In nur 6 Minuten bringt sie Besucher vom Stadtzentrum (Vetrlidsallmenningen) auf den Fløyen (320 m), einen der sieben Berge Bergens. Der Panoramablick über die Stadt, den Hafen Vågen, die Inseln und die umliegenden Berge ist spektakulär.

Oben gibt es ein Restaurant, einen Spielplatz, einen Kletterpark und ein Netz von Wanderwegen durch den Wald. Die Wanderung zum Nachbarberg Ulriken (643 m) dauert 3–4 Stunden und bietet noch bessere Aussichten. Alternativ kann man mit der Ulriksbanen (Seilbahn) auf den Ulriken fahren und die Wanderung in eine Richtung machen.

Tipp

Fahre mit der Fløibanen hoch und wandere zu Fuß zurück (ca. 45 Minuten, gut markiert) — das spart das Rückfahrtticket und der Weg durch den Wald ist schön. Oder: Fløibanen hoch, zum Ulriken wandern (3–4 Std.), mit der Ulriksbanen runter.

Fischmarkt Bergen★★

Torget, 5014 Bergen
Außenmarkt: Mai–Okt 7:00–23:00. Innenmarkt: ganzjährig 8:00–23:00 (Winter kürzer).
Fischsuppe: 130–180 NOK (12–16 €). Garnelentüte: 100–150 NOK (9–13 €).

Der Fischmarkt (Fisketorget) am Hafen Vågen ist seit dem 13. Jahrhundert Bergens kulinarisches Herz. Heute gibt es zwei Bereiche: den Außenmarkt (Mai–Oktober) mit Ständen unter freiem Himmel und den ganzjährigen Mathallen-Innenmarkt (Fisketorget Innendørs).

Angeboten werden frische Garnelen (reker), Königskrabbe, Lachs, Walfleisch, Stockfisch, Rentier-Trockenfleisch und Fischsuppe (fiskesuppe). Die Preise sind touristisch (eine Portion Königskrabbe ab 250 NOK / 22 €), aber die Qualität ist exzellent. Für ein authentischeres (und günstigeres) Erlebnis gehen Einheimische zum Mathallen Bergen im Stadtteil Strandgaten.

Tipp

Der Fischmarkt ist touristisch und teuer. Die beste Fischsuppe Bergens gibt es angeblich bei Søstrene Hagelin (Strandgaten) oder Enhjørningen (Bryggen). Wer Garnelen will: Im Hafen direkt von den Garnelenfischern kaufen (wenn sie da sind) — die frischesten und günstigsten.

Stavanger★★

Stavanger ist Norwegens „Ölhauptstadt" — der Reichtum der Nordsee-Ölfelder hat die Stadt wohlhabend und kosmopolitisch gemacht. Aber Stavanger hat weit mehr zu bieten als Ölplattformen:

Gamle Stavanger (Altstadt)

Europas größte zusammenhängende Holzhaussiedlung: 173 weiße Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, akkurat restauriert, mit blühenden Gärten und Kopfsteinpflastergassen. Ein Spaziergang wie in einem Bilderbuch.

Streetart & Nuart

Stavanger ist eine der Streetart-Hauptstädte Europas. Das Nuart Festival (September) bringt jedes Jahr internationale Künstler in die Stadt, die Häuserwände in großformatige Kunstwerke verwandeln. Geführte Streetart-Touren gibt es ganzjährig.

Norwegisches Ölmuseum

Die Geschichte des norwegischen Ölabenteuers: wie ein kleines Land durch einen Glücksfund im Meer zu einem der reichsten der Welt wurde. Interaktive Ausstellung, simulierter Hubschrauberflug zur Plattform. Erstaunlich fesselnd.

Ausgangspunkt Preikestolen

Stavanger ist der wichtigste Ausgangspunkt für den Preikestolen — per Fähre und Bus in 1–1,5 Stunden erreichbar.

Ålesund — Jugendstil am Meer★★

Ålesund ist die wohl schönste Kleinstadt Norwegens — und das verdankt sie einer Katastrophe. Am 23. Januar 1904 zerstörte ein Großbrand die gesamte Innenstadt aus Holz. Der Wiederaufbau in nur drei Jahren brachte eine einzigartige Sammlung von Jugendstil-Architektur (Art Nouveau): Türmchen, Erker, geschwungene Fassaden, Blumenmotive und Drachenköpfe — eine fantastische Mischung aus europäischem Jugendstil und norwegischer Nationalromantik.

Highlights

  • Aksla-Aussichtspunkt: 418 Stufen (oder Auto) hinauf zum Fjellstua — der Blick über die Stadt auf ihren Inseln, die Sunnmøre-Alpen und das Meer ist einer der schönsten in Norwegen.
  • Jugendstilzentrum (Art Nouveau Centre): Museum in der ehemaligen Svane-Apotheke. Erzählt die Geschichte des Brandes und des Wiederaufbaus. Audioguide auf Deutsch.
  • Atlanterhavsparken (Atlantikpark): Eines der größten Salzwasseraquarien Nordeuropas. Fütterung der Pinguine und Seehunde, Tauchbecken.
  • Runde: Die Vogelinsel Runde (1 Stunde Fahrt) beherbergt im Sommer 500.000 Seevögel, darunter Tausende Papageientaucher (Lunde). Norwegens Vogelparadies.

Tipp

Ålesund ist der ideale Ausgangspunkt für die <strong>Geiranger–Trollstigen Norwegische Landschaftsroute</strong>. Plane einen halben Tag für die Stadt und einen ganzen Tag für die Fahrt über Trollstigen nach Geiranger (oder umgekehrt). Der Blick vom Aksla bei Sonnenuntergang ist unvergesslich.

Atlantikstraße (Atlanterhavsveien)★★★

Die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) ist eine der spektakulärsten Straßen der Welt: 8,3 Kilometer, acht Brücken, die sich wie eine Schlange über kleine Inseln und Schären winden, mit dem offenen Atlantik auf beiden Seiten. Bei Sturm peitschen die Wellen über die Straße — ein Erlebnis, das unter die Haut geht.

Die berühmteste der acht Brücken ist die Storseisundbrua — eine dramatisch geschwungene Brücke, die aus bestimmten Blickwinkeln ins Nichts zu führen scheint. Sie ist eines der meistfotografierten Motive Norwegens.

Die Straße liegt an der Norwegischen Landschaftsroute zwischen Bud (bei Molde) und Kårvåg (bei Kristiansund). Sie lässt sich in 20 Minuten durchfahren, aber plane mindestens 1–2 Stunden für Fotostopps ein. Unterwegs gibt es Parkplätze, Aussichtspunkte und im Sommer Möglichkeiten zum Angeln direkt von den Brücken.

Tipp

Die Atlantikstraße ist bei Sturm am spektakulärsten — die Wellen brechen über die Brücken und das Fahren wird zum Abenteuer. Im Sommer bei Windstille ist sie ruhig und friedlich, aber weniger dramatisch. Die beste Tageszeit: frühmorgens oder bei Sonnenuntergang für das Licht.

Essen & Trinken an der Westküste

Westnorwegen ist Fisch-Land. Die Küche ist von Meer und Fjord geprägt — frischer als hier wird Fisch nirgendwo serviert.

Was du probieren musst

  • Fiskesuppe: Cremige Fischsuppe mit Lachs, Kabeljau und Garnelen — Norwegens Wohlfühlgericht. In Bergen an jeder Ecke.
  • Smalahove: Schafskopf — die berüchtigte westnorwegische Spezialität. Nichts für schwache Nerven, aber eine Tradition (im November).
  • Fårikål: Lammfleisch mit Kohl — Norwegens Nationalgericht. Herzhaft und perfekt für kalte Tage.
  • Raspeballer: Kartoffelknödel mit Fleisch — westnorwegisches Soulfood.
  • Bergener Fischkuchen (Fiskekaker): Frisch vom Markt, mit Remoulade auf Brot.

Wo essen in Bergen

  • Enhjørningen (Das Einhorn): Gehobenes Fischrestaurant in einem Bryggen-Gebäude. Stockfisch-Menü. Teuer, aber einzigartige Atmosphäre.
  • Colonialen: Bergens bestes Restaurant (Michelin-empfohlen). Norwegische Zutaten, kreative Küche.
  • Pingvinen: Traditionelles norwegisches Essen in gemütlicher Kneipenatmosphäre. Fårikål, Kjøttkaker, Fiskesuppe. Sehr beliebt.
  • Mathallen Bergen: Food Court mit lokalen Spezialitäten — günstiger als der Fischmarkt.

Tipp

Bergen wird als „Regenhauptstadt Norwegens" bezeichnet (über 200 Regentage/Jahr). Aber: Ein Regentag in Bergen hat seinen eigenen Charme — die Holzhäuser glänzen, der Regen trommelt auf die Pflastersteine, und ein heißer Kaffee oder eine Fiskesuppe schmeckt doppelt so gut. Immer Regenjacke dabeihaben!

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