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Regionen · Kapitel 4

Die Fjorde

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RegionenKapitel 4: Die Fjorde
Regionen · Kapitel 4

Die Fjorde

Die norwegischen Fjorde sind das Herzstück des Landes — tiefe, von Gletschern geschnittene Meeresarme, gesäumt von bis zu 1.800 Meter hohen Felswänden, tosenden Wasserfällen und smaragdgrünem Wasser. Zwei davon (Geirangerfjord und Nærøyfjord) sind UNESCO-Welterbe, alle sind atemberaubend. Hier liegen auch die berühmtesten Wanderziele Norwegens: Preikestolen, Trolltunga und Kjeragbolten.

Geirangerfjord (UNESCO)★★★

Der Geirangerfjord ist der Inbegriff eines norwegischen Fjords und seit 2005 UNESCO-Weltnaturerbe. Auf nur 15 Kilometern Länge vereint er alles, was einen Fjord ausmacht: smaragdgrünes Wasser, bis zu 1.500 Meter hohe Felswände, verlassene Bergbauernhöfe auf schmalen Felsvorsprüngen und majestätische Wasserfälle.

Die berühmtesten Wasserfälle sind die Sieben Schwestern (De Syv Søstrene) auf der einen Seite und der Freier (Friaren) auf der gegenüberliegenden — der Legende nach wirbt er mit einer Flasche in der Hand um die sieben Schwestern. Der Brautschleier (Brudesløret) ist der dritte große Wasserfall des Fjords.

Das Dorf Geiranger am Kopfende des Fjords ist winzig (ca. 200 Einwohner), aber im Sommer Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe und Touristen. Von hier führt die spektakuläre Adlerstraße (Ørnesvingen) mit elf Haarnadelkurven hinauf zu einem der besten Aussichtspunkte Norwegens. Die Fährfahrt von Geiranger nach Hellesylt (65 Minuten) ist ein absolutes Muss.

Tipp

Der Geirangerfjord ist im Juli/August von Kreuzfahrtschiffen überlaufen. Komme im Juni oder September für ruhigere Verhältnisse. Die beste Perspektive hat man nicht vom Wasser, sondern von oben: Aussichtspunkt Flydalsjuvet (5 Min. vom Ort) oder die Wanderung zum Storseterfossen (Wasserfall, hinter den man gehen kann). Kajak ist die magischste Art, den Fjord zu erleben.

Nærøyfjord (UNESCO)★★★

Der Nærøyfjord ist ein Seitenarm des Sognefjords und seit 2005 gemeinsam mit dem Geirangerfjord UNESCO-Weltnaturerbe. Mit nur 250 Metern Breite an der engsten Stelle ist er einer der schmalsten schiffbaren Fjorde der Welt — die Felswände scheinen zum Greifen nah.

Der Fjord erstreckt sich über 17 Kilometer von Gudvangen am inneren Ende bis zur Mündung in den Aurlandsfjord. Die elektrische Fähre von The Fjords (ab Flåm oder Gudvangen) gleitet lautlos durch das smaragdgrüne Wasser — ein fast meditatives Erlebnis. In Gudvangen erwartet das Wikingerdorf Njardarheimr mit rekonstruierten Gebäuden und lebendiger Wikinger-Geschichte.

Der Nærøyfjord ist Teil der berühmten Norway in a Nutshell-Route: Flåmsbana (Zug) → Fjordbootfahrt Flåm–Gudvangen → Bus über Stalheimskleiva (haarsträubende Serpentinen) → zurück nach Bergen oder Oslo.

Tipp

Die elektrischen Fjordboote von The Fjords sind lautlos und haben große Panoramafenster — ein völlig anderes Erlebnis als die alten Dieselfähren. Buche die Tour Flåm–Gudvangen (2 Stunden) und kombiniere sie mit der Flåmsbana für den perfekten Tagesausflug.

Sognefjord — König der Fjorde★★★

Der Sognefjord ist mit 204 Kilometern der längste Fjord Norwegens und mit 1.308 Metern der tiefste — und damit der längste und tiefste Fjord Europas. Er erstreckt sich von der Küste bei Solund bis ins Herz des Jotunheimen-Gebirges und verzweigt sich in zahlreiche Seitenarme, darunter der Nærøyfjord (UNESCO), der Aurlandsfjord (Flåm), der Fjærlandsfjord und der Lustrafjord.

Highlights am Sognefjord

  • Flåm: Endpunkt der Flåmsbana und Ausgangspunkt für Fjordfahrten. Kleines Dorf, aber touristische Infrastruktur.
  • Aurland: Ruhigere Alternative zu Flåm. Der Stegastein-Aussichtspunkt (650 m über dem Fjord, Norwegische Landschaftsroute) ist spektakulär.
  • Balestrand: Historischer Touristenort mit dem legendären Kviknes Hotel (seit 1877). Idyllisch, mit Gallerien und Obstgärten.
  • Urnes Stavkirke: Die älteste erhaltene Stabkirche Norwegens (um 1130), UNESCO-Welterbe. Am Lustrafjord gelegen, erreichbar per Fähre ab Solvorn.
  • Fjærland & Jostedalsbreen: Der Jostedalsbreen ist Europas größter Festlandgletscher. Die Gletscherarme Bøyabreen und Supphellebreen reichen fast bis zum Fjord. Norwegisches Gletschermuseum vor Ort.

Tipp

Die Fähre von Kaupanger nach Gudvangen (2 Stunden) durch den Nærøyfjord ist eine der günstigsten Möglichkeiten, einen UNESCO-Fjord zu erleben — deutlich billiger als die touristischen Fjordboote. Urnes Stavkirke ist ein Umweg wert: Die Schnitzereien im „Urnes-Stil" (verschlungene Tiermotive) sind einzigartig.

Hardangerfjord — Obstgarten Norwegens★★

Der Hardangerfjord ist Norwegens zweitlängster Fjord (179 km) und der „sanfte" unter den großen Fjorden: Anstatt steiler Felswände säumen Obstgärten, Wasserfälle und grüne Hänge seine Ufer. Im Mai verwandeln sich die Kirsch-, Apfel- und Pflaumenbäume in ein weißes und rosa Blütenmeer — der Hardangerfjord in der Blütezeit ist eines der schönsten Naturschauspiele Norwegens.

Highlights

  • Vøringsfossen: Norwegens bekanntester Wasserfall stürzt 182 Meter in die Tiefe. Seit 2020 gibt es eine spektakuläre Aussichtsplattform mit Glasbrüstung und eine Treppe hinunter in die Schlucht (Norwegische Landschaftsroute Hardangervidda).
  • Hardangerbrücke (Hardangerbrua): Mit 1.380 Metern eine der längsten Hängebrücken der Welt — die Überquerung ist ein Erlebnis.
  • Eidfjord: Am inneren Ende des Fjords, Tor zur Hardangervidda-Hochebene. Norwegisches Naturzentrum Hardangervidda.
  • Ulvik und Lofthus: Die Obstgarten-Dörfer. Im Mai zur Blüte, im Sommer zum Probieren (Apfelmost, Kirschwein).
  • Folgefonna-Gletscher: Norwegens drittgrößter Gletscher mit Sommerskigebiet — Skifahren im Juli!

Tipp

Die Obstblüte im Hardangerfjord (Mitte Mai bis Anfang Juni) ist eines der bestgehüteten Geheimnisse Norwegens. Fahre die Strecke Norheimsund–Ulvik–Lofthus–Eidfjord für das volle Panorama. Lokalen Apfelmost (Cider) und Kirschwein probieren — direkt ab Hof.

Lysefjord: Preikestolen & Kjeragbolten★★★

Der Lysefjord bei Stavanger ist mit 42 Kilometern Länge und bis zu 604 Metern Tiefe kürzer als die großen Fjorde, aber er beherbergt zwei der berühmtesten Natursensationen Norwegens: den Preikestolen und den Kjeragbolten.

Preikestolen (Kanzelstein)

Die 25 × 25 Meter große Felsplattform ragt 604 Meter senkrecht über den Lysefjord — eine der ikonischsten Aussichten der Welt. Die Wanderung vom Parkplatz am Preikestolen Fjellstue dauert ca. 2 Stunden pro Weg (3,8 km, 330 Höhenmeter). Der Weg ist gut markiert, aber felsig und bei Nässe rutschig. Oben angekommen: der absolute Wow-Moment. Es gibt kein Geländer — nur den Abgrund.

Kjeragbolten

Der Kjeragbolten ist ein 5 Kubikmeter großer Felsbrocken, der in einer Felsspalte 984 Meter über dem Lysefjord eingeklemmt ist. Man kann darauf stehen — wenn man die Nerven hat. Die Wanderung ist deutlich anspruchsvoller als zum Preikestolen: 5–6 Stunden hin und zurück, mit steilen Aufstiegen und Kettenstellen. Nur bei trockenem Wetter und von Juni bis Oktober.

Fjordboot

Der Lysefjord lässt sich auch vom Wasser erkunden: Lysefjord-Kreuzfahrten ab Stavanger (3 Stunden, ab 550 NOK / 50 €) fahren unter dem Preikestolen vorbei. Man blickt 604 Meter nach oben zu den winzigen Figuren auf der Kanzel.

Tipp

Die Übernachtung in der Preikestolen Fjellstue (direkt am Trailhead) ermöglicht einen Start um 6 Uhr morgens — fast allein auf dem Preikestolen. Der Sonnenaufgang über dem Lysefjord ist magisch. Alternativ: Preikestolen BaseCamp hat Glamping-Zelte.

Achtung

Preikestolen im Sommer ist extrem beliebt — bis zu 300.000 Besucher pro Saison. Starte vor 7 Uhr morgens oder komme nachmittags ab 16 Uhr. Im Winter ist die Wanderung möglich, aber nur mit Erfahrung und richtiger Ausrüstung (Spikes, Stirnlampe). Kjeragbolten niemals bei Nässe oder Nebel versuchen — Lebensgefahr!

Trolltunga — Die Trollzunge★★★

Trolltunga (Trollzunge) ist der wohl meistfotografierte Felsvorsprung der Welt: Eine waagerechte Felsplatte, die wie eine Zunge 700 Meter über dem Ringedalsvatnet-See herausragt. Das Instagram-Foto, auf dem man auf der Spitze sitzt, die Beine über dem Abgrund baumeln lässt — das ist Trolltunga.

Die Wanderung

Die Wanderung zur Trolltunga ist eine der härtesten Tageswanderungen Norwegens:

  • Strecke: 27 km hin und zurück (ab dem oberen Parkplatz, P2)
  • Höhenmeter: 800 m Aufstieg
  • Dauer: 8–12 Stunden (je nach Fitness)
  • Saison: Mitte Juni bis Mitte September (ohne Guide). Oktober–Mai nur mit zertifiziertem Guide
  • Start: Vom oberen Parkplatz P2 (Shuttlebus ab Tyssedal/Odda, 200 NOK)

Der Weg führt über felsiges Hochgebirgsgelände, an Seen und Schneefeldern vorbei. Die letzten 2 Kilometer sind flach — und dann steht man plötzlich vor dem berühmten Felsvorsprung. Die Wartezeit für das Foto kann im Hochsommer 30–60 Minuten betragen.

Tipp

Wer die Wanderung in Ruhe genießen will: Im Sommer stehen Glamping-Zelte und eine DNT-Hütte (Trolltunga Camping) am oberen Parkplatz. Übernachte dort und starte in der Morgendämmerung — du hast Trolltunga fast für dich allein. Alternativ gibt es geführte Zelttouren mit Übernachtung direkt an der Trolltunga.

Achtung

Trolltunga ist KEINE leichte Wanderung. Jedes Jahr müssen Dutzende unerfahrene Wanderer gerettet werden. Starte spätestens um 8 Uhr morgens, nimm mindestens 2 Liter Wasser, warme Kleidung, Regenausrüstung und ausreichend Verpflegung mit. Das Wetter kann sich in Minuten ändern. Bei Regen oder Nebel abbrechen — der Felsvorsprung ist bei Nässe lebensgefährlich.

Aktivitäten an den Fjorden

Die Fjorde sind nicht nur zum Anschauen da — sie sind ein Outdoor-Paradies:

Kajak

Die stillen Fjorde per Kajak zu erkunden ist eines der intensivsten Naturerlebnisse Norwegens. Die Felswände spiegeln sich im glatten Wasser, Wasserfälle donnern herab, und die Stille ist überwältigend. Geführte Touren gibt es am Geirangerfjord (ab 700 NOK / 63 €), Nærøyfjord (ab 890 NOK / 80 €), Hardangerfjord und Lysefjord.

Fjord-Safari per RIB-Boot

Wer es schneller mag: RIB-Boot-Safaris rasen mit 40 Knoten durch die Fjorde, vorbei an Seehunden, Adlern und Wasserfällen. Die Gischt sprüht, die Berge fliegen vorbei — Adrenalin pur. Ab Flåm, Geiranger, Stavanger (ab 800 NOK / 72 €).

Gletscherwanderungen

Am Jostedalsbreen (Europas größter Festlandgletscher) und am Folgefonna werden geführte Gletscherwanderungen angeboten. Mit Steigeisen und Eispickel über blaues Eis — nur mit Guide möglich (ab 700 NOK / 63 €).

Angeln

In den Fjorden und Flüssen Norwegens ist das Angeln ein Volkssport. Im Salzwasser (Fjord, Meer) ist Angeln ohne Lizenz erlaubt — nur für Süßwasser braucht man eine Genehmigung. Lachsangeln in den Fjordflüssen ist legendär (aber teuer: 500–2.000 NOK / 45–180 € pro Tag).

Canyoning & Via Ferrata

In Eidfjord (Hardangerfjord) und Åndalsnes (Romsdal) gibt es Via Ferratas (Klettersteige) und Canyoning-Touren durch Schluchten und Wasserfälle. Für Adrenalin-Junkies die perfekte Ergänzung zum Wandern.

Tipp

Kajak auf dem Nærøyfjord bei Sonnenuntergang ist das magischste Fjord-Erlebnis. Buche eine Abendtour (verfügbar im Sommer, wenn die Sonne erst um 22–23 Uhr untergeht). Die Stille auf dem spiegelglatten Wasser, umrahmt von 1.000-Meter-Wänden, ist unbeschreiblich.

Übernachten an den Fjorden

Die Fjordregion bietet eine große Bandbreite an Unterkünften — von der einfachen Campinghütte bis zum Designhotel:

Unterkünfte nach Budget

TypPreis/NachtCharakter
Camping (Zelt)200–350 NOK (18–30 €)Allemannsretten: Wild campen legal! Campingplätze an fast jedem Fjord.
Hytte (einfache Hütte)500–900 NOK (45–80 €)Typisch norwegisch: kleine Holzhütte mit Küche, oft am Wasser.
Rorbu (Fischerhütte)800–1.800 NOK (72–160 €)Traditionelle Fischerhütten, besonders auf den Lofoten. Charmant, rustikal.
Fjord-Hotel1.200–3.000 NOK (110–270 €)Hotels mit Fjordblick — Balestrand, Flåm, Geiranger, Ulvik.
Design-Hotel / Boutique2.000–5.000 NOK (180–450 €)Architektonische Perlen: Juvet Landscape Hotel, Flåm Marina, Nærøyfjorden Hotell.

Tipp

Das <strong>Juvet Landscape Hotel</strong> bei Åndalsnes ist eines der spektakulärsten Hotels Norwegens: minimalistische Glaskuben in der Natur, bekannt aus dem Film „Ex Machina". Buche Monate im Voraus. Wer günstiger übernachten will: Die DNT-Hütten (Den Norske Turistforening) bieten einfache, saubere Bergunterkünfte ab 350 NOK (30 €) für Mitglieder.

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