Südnorwegen & Fjells
Kristiansand & die Südküste★★
Kristiansand (ca. 115.000 Einwohner) ist die fünftgrößte Stadt Norwegens und das Tor zum Süden. Die Stadt ist bekannt für ihren Quadratur-Grundriss (Schachbrettmuster, angelegt von Christian IV. 1641), den Stadtstrand Bystranda und die Holzhaussiedlung Posebyen — Nordeuropas größte zusammenhängende Siedlung weißer Holzhäuser.
Highlights
- Dyreparken (Kristiansand Dyrepark): Norwegens beliebtester Freizeitpark — Zoo mit skandinavischen Tieren (Elche, Wölfe, Luchse), Vergnügungspark und das Kardemomme By (Kardemomme-Stadt, nach dem Kinderbuch von Thorbjørn Egner). Perfekt für Familien. Tageskarte: 559 NOK (49 €).
- Fiskebrygga: Die Fischerhäuser am Hafen — heute Restaurants, Bars und der beste Ort für frischen Fisch und Garnelen.
- Sørlandskysten (Südküste): Die Küste zwischen Kristiansand und Stavanger ist Norwegens Sommerparadies: weiße Holzhäuser, Schärengärten, kleine Häfen, warmes (relativ!) Wasser. Orte wie Mandal (Norwegens südlichste Stadt, 800 m Sandstrand Sjøsanden), Grimstad (Ibsens Jugendstadt, charmant) und Risør (das „weiße Juwel am Skagerrak") sind Geheimtipps.
- Lindesnes Fyr: Norwegens südlichster Punkt — der Leuchtturm (seit 1656, der älteste Norwegens) markiert das Gegenstück zum Nordkap. 2.518 km liegen zwischen beiden. In der Nähe: das Unterwasserrestaurant Under — Europas erstes, spektakuläre Architektur, 18-Gänge-Menü ab 2.850 NOK (248 €).
Tipp
Kristiansand ist der perfekte Startpunkt für eine Südnorwegen-Rundreise: Fähre von Hirtshals (Dänemark) nach Kristiansand (3,5 Stunden, Fjord Line/Color Line, ab 60 € pro Person). Von hier nach Norden ins Setesdal oder nach Westen an der Küste entlang nach Stavanger.
Setesdal — Lebendige Tradition★★
Das Setesdal ist eines der traditionsreichsten Täler Norwegens: Hier hat sich die alte bäuerliche Kultur am besten erhalten. Das Tal erstreckt sich von Kristiansand nach Norden, entlang des Flusses Otra, durch immer wildere Landschaft bis hinauf zur Hochebene.
Was das Setesdal besonders macht
- Silberschmiedekunst: Die Setesdaler Silberfiligranarbeit (Sølvsmedkunst) ist UNESCO-immaterielles Kulturerbe. In Valle und Bykle gibt es Werkstätten, in denen noch nach traditionellen Methoden gearbeitet wird.
- Trachten (Bunad): Die Setesdaler Tracht gehört zu den ältesten und prächtigsten Norwegens — besonders die Männertracht mit den weißen Hemden und bestickten Westen. Im Sommer werden sie bei Festen und Gottesdiensten getragen.
- Setesdalsmuseet (Valle): Freilichtmuseum mit historischen Höfen aus dem 17.–19. Jahrhundert. Handwerksvorführungen im Sommer.
- Mineralpark Evje: Eines der mineralreichsten Gebiete Nordeuropas — Schürfen und Sammeln für die ganze Familie. Der Pegmatit des Setesdals ist unter Geologen weltberühmt.
- Brokke–Suleskarvegen: Dramatische Gebirgsstraße (nur Sommer) von Bykle über die Hochebene nach Sirdal — eine der wildesten und einsamsten Straßen Südnorwegens. Rentiere, Bergseen, absolute Stille.
Jotunheimen — Heimat der Riesen★★★
Der Jotunheimen Nationalpark ist das Dach Skandinaviens: Hier liegen die beiden höchsten Berge Nordeuropas — Galdhøpiggen (2.469 m) und Glittertind (2.465 m) — sowie über 250 Gipfel über 2.000 Meter. „Jotunheimen" bedeutet „Heimat der Riesen" (aus der nordischen Mythologie), und die Landschaft ist tatsächlich gigantisch: Gletscher, Gipfel, tiefe Täler und kristallklare Seen.
Die großen Wanderungen
- Besseggen: Norwegens berühmteste Tageswanderung — ein schmaler Grat zwischen dem smaragdgrünen Gjende-See und dem blauschwarzen Bessvatnet. 14 km, 6–8 Stunden, moderate Schwierigkeit. Die Schmalstelle ist nur 2 Meter breit, mit steilem Abfall auf beiden Seiten — spektakulär, aber nicht für Höhenangst-Geplagte. Boot über den Gjende-See zum Startpunkt (Memurubu).
- Galdhøpiggen: Der höchste Berg Norwegens lässt sich auf verschiedenen Wegen besteigen. Die Route von Spiterstulen (4–5 Stunden hin und zurück, Gletscherüberquerung — nur mit Guide) oder die einfachere Route von Juvasshytta (2–3 Stunden, ohne Gletscher).
- Hurrungane: Die „Alpen Norwegens" — wilde, steile Gipfel für erfahrene Bergsteiger. Store Skagastølstind (2.405 m) ist Norwegens drittgrößter und technisch anspruchsvollster Gipfel.
DNT-Hütten
Der Den Norske Turistforening (DNT) — Norwegens Wanderverein — betreibt im Jotunheimen ein Netz von bewirtschafteten und unbewirtschafteten Hütten. Die bekanntesten: Gjendesheim, Memurubu, Fondsbu, Leirvassbu, Spiterstulen. Bewirtschaftete Hütten bieten warme Mahlzeiten, Bettlager und eine gemütliche Atmosphäre. Übernachtung ab 350 NOK (30 €) für Mitglieder, 550 NOK (50 €) für Nichtmitglieder.
Tipp
Die Besseggen-Wanderung ist Norwegens populärste — im Juli/August starten bis zu 400 Wanderer täglich. Starte so früh wie möglich (erstes Boot über den Gjende um 7:30) oder komme im September. DNT-Mitgliedschaft (Jahresbeitrag 780 NOK / 70 €) lohnt sich ab 2 Hüttenübernachtungen — und unterstützt den Erhalt der norwegischen Bergwelt.
Rondane Nationalpark★★
Rondane war 1962 Norwegens erster Nationalpark — und ist bis heute einer der schönsten. Sanfter als Jotunheimen, mit weiten Hochebenen, moosbedeckten Flächen, wilden Rentierherden und zehn Gipfeln über 2.000 Meter. Die Landschaft erinnert an Tolkiens Mittelerde — kein Wunder, dass Peer Gynt hier seine Abenteuer erlebte (Henrik Ibsen ließ sich von Rondane inspirieren).
Wanderungen
- Rondvassbu: Der Ausgangspunkt für die meisten Wanderungen. Schöne DNT-Hütte am Rondvatnet-See. Von hier aus: Storronden (2.138 m, 4–5 Stunden), Rondeslottet (2.178 m, 6–7 Stunden) oder die Rundtour über mehrere Gipfel.
- Peer Gynt-Weg: Mehrtägige Wanderung durch die Landschaft, die Ibsen zu seinem berühmtesten Werk inspirierte. DNT-Hütten am Weg.
Wilde Rentiere
Rondane beherbergt eine der letzten wilden Rentierherden Europas (ca. 2.000–3.000 Tiere). Im Herbst (September–Oktober) ist die Chance am größten, sie zu sehen — große Herden ziehen über die Hochebenen. Bitte Abstand halten (mindestens 200 Meter) und nicht stören.
Telemark★★
Die Telemark ist die Wiege des modernen Skifahrens — in Morgedal erfand Sondre Norheim im 19. Jahrhundert den Telemark-Schwung, hier fanden 1868 die ersten organisierten Skirennen statt. Aber die Region bietet weit mehr als Skigeschichte:
Highlights
- Telemarkkanal: Ein technisches Meisterwerk aus dem 19. Jahrhundert: 18 Schleusen überwinden 72 Höhenmeter auf 105 Kilometern zwischen Skien und Dalen. Die historischen Schleusen werden noch heute von Hand bedient. Die Fahrt mit dem Kanalboot (MS Victoria von 1882 oder MS Henrik Ibsen) dauert 8–10 Stunden und ist eine Zeitreise. Tagesticket ab 650 NOK (57 €).
- Rjukan & Vemork: Hier steht das ehemalige Schwerwasserwerk, das im Zweiten Weltkrieg von norwegischen Widerstandskämpfern sabotiert wurde (Operation Gunnerside) — eine der mutigsten Operationen des Krieges, verfilmt als „The Heroes of Telemark" und als Netflix-Serie „Kampen om Tungtvannet". Das Norwegische Industriearbeitermuseum in Vemork erzählt die Geschichte fesselnd. Rjukan selbst liegt in einem so tiefen Tal, dass die Sonne im Winter nicht hineinscheint — 2013 wurden Spiegel installiert, die Sonnenlicht auf den Marktplatz reflektieren.
- Gaustatoppen (1.883 m): Der schönste Aussichtsberg Südnorwegens — bei klarer Sicht sieht man angeblich ein Sechstel der Landesfläche Norwegens. Im Berginneren: die Gaustabanen, eine geheime NATO-Standseilbahn aus dem Kalten Krieg, 1.040 Höhenmeter in 15 Minuten. Heute öffentlich zugänglich.
- Heddal Stabkirche: Die größte erhaltene Stabkirche Norwegens (um 1250). Drei Schiffe, Drachenköpfe, Rosettenornamente — ein Meisterwerk mittelalterlicher Holzbaukunst. 120 NOK (10 €).
Tipp
Kombination Rjukan + Gaustatoppen + Heddal Stabkirche ergibt einen perfekten 2–3-Tages-Trip. Die Fahrt auf dem Telemarkkanal mit den historischen Dampfschiffen ist eines der entspanntesten Erlebnisse Norwegens — Bücher mitnehmen und die grüne Landschaft genießen.
Rallarvegen — Norwegens schönste Radtour★★★
Der Rallarvegen (Rallarvegen/Navvies' Road) ist ein ehemaliger Bauweg der Bergensbahn und heute Norwegens berühmteste Radroute: 82 Kilometer von Haugastøl (auf der Hardangervidda, 988 m) über Finse (1.222 m — Norwegens höchstgelegener Bahnhof, bekannt als Drehort von Star Wars: Das Imperium schlägt zurück) hinunter nach Flåm am Aurlandsfjord.
Die Strecke
- Haugastøl nach Finse (27 km): Flach über die karge Hochebene, vorbei an Seen und Gletschern. Arktische Vegetation, weite Sicht, Gegenwind möglich.
- Finse nach Myrdal (17 km): Der schönste und wildeste Abschnitt. Am Hardangerjøkulen-Gletscher vorbei, durch Tunnel und über Brücken. Schneefelder bis in den Juli.
- Myrdal nach Flåm (38 km): Die spektakuläre Abfahrt: Von 866 m auf Meereshöhe, vorbei am Kjosfossen-Wasserfall (den man sonst nur aus der Flåmsbana kennt), durch grüne Täler bis zum Fjord. 21 Haarnadelkurven!
Praktisches
- Saison: Mitte Juli bis Mitte September (vorher oft Schnee auf der Hochebene)
- Dauer: 1–2 Tage (sportlich an einem Tag, entspannt mit Übernachtung in Finse)
- Fahrrad-Verleih: In Haugastøl und Finse (ab 400 NOK / 36 € pro Tag). Buche im Voraus!
- Rücktransport: Ab Flåm mit der Flåmsbana nach Myrdal, dann mit der Bergensbanen zurück nach Haugastøl oder weiter nach Bergen/Oslo
Tipp
Der Rallarvegen ist auch für weniger sportliche Radfahrer machbar — der Abschnitt Myrdal nach Flåm (38 km) geht fast nur bergab und ist in 3–4 Stunden zu schaffen. Fahrrad am Bahnhof Myrdal leihen, nach Flåm radeln, mit der Flåmsbana zurück. Perfekter Halbtagesausflug!
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