🇵🇹
Regionen · Kapitel 4

Algarve

Portugal Reiseführer

Übersicht|
RegionenKapitel 4: Algarve
Regionen · Kapitel 4

Algarve

Die Algarve ist Portugals Sonnendeck — eine 200 Kilometer lange Küste im äußersten Süden Europas, an der dramatische Sandsteinklippen auf türkisfarbenes Wasser treffen, versteckte Buchten nur per Boot erreichbar sind und über 300 Sonnentage im Jahr die Regel sind. Doch die Algarve ist weit mehr als ein Strandparadies: Hinter der Küste erstreckt sich ein Hinterland aus Korkeichen-Wäldern, weißen Bergdörfern und einer kulinarischen Tradition, die zu den besten Portugals gehört. Von der wilden Westküste bei Sagres, wo Europa endet und der Atlantik tobt, bis zu den stillen Lagunen der Ria Formosa bei Faro — die Algarve bietet für jeden Reisetyp das Richtige.

Faro & Ria Formosa★★

Faro, Algarve

Faro ist das Tor zur Algarve — und eine der am meisten unterschätzten Städte Portugals. Die meisten Touristen rasen vom Flughafen direkt an die Strände, ohne der Hauptstadt der Region einen Blick zu schenken. Ein Fehler: Faros Cidade Velha (Altstadt), umgeben von mittelalterlichen Mauern aus der maurischen Zeit, ist ein stilles Juwel mit kopfsteingepflasterten Gassen, barocken Kirchen und einer Atmosphäre, die an das Lissabon vor dem Touristenboom erinnert.

Der Eingang zur Altstadt durch den Arco da Vila (18. Jahrhundert, mit einem Storchennest auf dem Turm — Faro ist berühmt für seine Störche) führt direkt zum Largo da Sé, dem stillen Platz vor der Kathedrale. Die Sé de Faro (Eintritt 3,50€) ist ein architektonischer Flickenteppich aus Gotik, Renaissance und Barock — ein Ergebnis der zahlreichen Erdbeben, die die Stadt im Laufe der Jahrhunderte zerstörten. Vom Kirchturm hat man den besten Überblick über die Altstadt und die Ria Formosa.

Die Igreja do Carmo (Eintritt 3€) am Rand der Altstadt beherbergt eine makabre Attraktion: die Capela dos Ossos (Knochenkapelle), deren Wände und Decke komplett mit den Schädeln und Knochen von über 1.200 Mönchen verkleidet sind — ein barockes Memento Mori, das an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern soll. Ähnlich wie in Évora, aber intimer und weniger überlaufen.

Das wahre Highlight Faros liegt vor der Stadt: die Ria Formosa, ein 60 km langes System aus Lagunen, Sandbänken, Salzwiesen und vorgelagerten Barriereinseln — eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas und Heimat von über 200 Vogelarten, darunter Flamingos, Stelzenläufer und der seltene Purpurreiher. Bootstouren ab dem Hafen von Faro (ab 25€, 2-4 Stunden) fahren zu den vorgelagerten Inseln, auf denen menschenleere Sandstrände warten: Die Ilha Deserta (Barreta) ist, wie der Name sagt, fast verlassen — nur ein Restaurant und Kilometer weißer Sand. Die Ilha de Faro ist bequemer erreichbar (Bus 16 vom Flughafen, 15 Min.) und hat eine lebhafte Strandbar-Szene.

Kulinarisch ist Faro ein Geheimtipp: Am Mercado Municipal (Largo Dr. Francisco Sá Carneiro) kaufen Einheimische frischen Fisch, Obst und Käse — die kleine Bar im Inneren serviert den frischesten Fisch der Stadt als Mittagsmenü (Prato do Dia ab 8€). Abends empfiehlt sich das Faz Gostos (Rua do Castelo 13, in der Altstadt) für kreative Algarve-Küche in einem restaurierten Altstadthaus (Hauptgerichte 16-22€).

Tipp

Faro ist der ideale Ausgangspunkt für die Ria Formosa. Miete ein Kajak bei Lands (ab 20€/2 Std.) und paddle durch die Kanäle der Lagune — mit etwas Glück siehst du Flamingos, Seepferdchen (die Ria Formosa hat eine der größten Populationen weltweit) und Delfine.

Lagos & Ponta da Piedade★★★

Lagos, Algarve

Lagos ist das Herz der westlichen Algarve — und die Stadt, die bei Reisenden die größte Begeisterung auslöst. Die Kombination aus historischer Altstadt (komplett von Stadtmauern umgeben), spektakulären Stränden direkt vor der Haustür, einem lebhaften Nachtleben und einer entspannten Surfer-Atmosphäre macht Lagos zum perfekten Algarve-Basecamp. Hier treffen Backpacker auf Familien, Surfer auf Kulturreisende und Rentner auf digitale Nomaden.

Die Altstadt von Lagos ist ein Labyrinth aus engen Gassen mit weißen Häusern, Azulejo-Fassaden und kleinen Plätzen, die zum Verweilen einladen. Am Praça Infante Dom Henrique steht die Statue Heinrichs des Seefahrers, der im 15. Jahrhundert von Lagos aus die portugiesischen Entdeckungsreisen startete. Die Igreja de Santo António (Eintritt 3€, inkl. Museu Municipal) ist innen komplett mit vergoldetem Holzschnitzwerk überzogen — ein Barockexzess, der in seiner Opulenz sprachlos macht. Ein dunkles Kapitel der Geschichte zeigt der Mercado de Escravos (Sklavenmarkt, Eintritt 3€) am Praça da República — der erste Sklavenmarkt Europas (1444), heute ein kleines Museum zur Erinnerung.

Die Strände von Lagos gehören zu den schönsten Europas. Die Praia Dona Ana — umrahmt von goldenen Klippen mit Grotten und Felsbögen — wurde mehrfach als einer der besten Strände der Welt ausgezeichnet. Die benachbarte Praia do Camilo ist über eine steile Holztreppe (ca. 200 Stufen) erreichbar und wirkt wie ein privater Strand zwischen den Felsen. Beide sind in der Hochsaison (Juli/August) voll — wer Ruhe sucht, geht zur Meia Praia, einem 4 km langen Sandstrand östlich der Stadt, oder zur wilden Praia da Luz (7 km westlich).

Das absolute Highlight ist die Ponta da Piedade, eine Felsformation 3 km südlich von Lagos, die zu den spektakulärsten Küstenlandschaften Europas gehört. Goldene Sandsteinklippen, natürliche Felstore, versteckte Grotten, türkisblaues Wasser — die Landschaft wirkt unwirklich, wie aus einem Fantasy-Film. Von oben (kostenlos, über einen Fußweg vom Leuchtturm) hat man einen atemberaubenden Blick; noch besser ist eine Bootstour (ab 20€, 1 Stunde) ab dem Hafen von Lagos, die in die Grotten hineinfährt und Schwimmstopps in versteckten Buchten einlegt. Am besten am Morgen, wenn das Licht die Felsen golden erstrahlen lässt.

Das Nachtleben in Lagos ist das lebendigste der Algarve — dank der großen Backpacker-Community. Die Rua da Barreira und Rua 25 de Abril sind gesäumt von Bars: Das Three Monkeys (Live-Musik, günstige Cocktails ab 5€), das Nah Nah Bah (Rooftop-Bar mit Sunset-Vibes) und das Whyte's (Dachterrasse mit Meerblick) sind die Klassiker. Die Nacht beginnt gegen 22 Uhr und endet selten vor 4 Uhr.

Tipp

Miete dir ein Kajak oder SUP-Board am Strand (ab 15€/Stunde) und paddle selbst zur Ponta da Piedade — du kommst in Grotten, die für die Touristenboote zu eng sind. Am besten frühmorgens, wenn das Wasser spiegelglatt ist. Schwimmschuhe mitnehmen, die Felsen sind scharf.

Albufeira

Albufeira, Algarve

Albufeira ist das touristische Epizentrum der Algarve — und polarisiert. Die Stadt hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite steht die charmante Altstadt (Cidade Velha) mit ihren weißen Häusern, engen Gassen und dem dramatischen Stadtstrand Praia dos Pescadores, eingerahmt von goldenen Klippen. Auf der anderen Seite die berüchtigte „Strip" (Avenida Sá Carneiro) — eine Partymeile aus Neonreklamen, britischen Pubs, Karaoke-Bars und All-inclusive-Tourismus, die an den Ballermann auf Mallorca erinnert.

Wer die Party sucht, ist hier richtig: Die Strip ist von Juni bis September ein einziges Open-Air-Festival, dominiert von britischen und irischen Urlaubern. Die Drinks sind günstig (Cocktail-Pitcher ab 10€, Bier 2€), die Musik laut und die Stimmung enthemmt. Wer das explizit nicht sucht, sollte in der Altstadt bleiben und die Strip meiden — hier gibt es ausgezeichnete Restaurants, ruhige Bars und einen der schönsten Stadtstrände der Algarve.

Das kulinarische Albufeira abseits der Strip ist überraschend gut. Das O Marinheiro (Rua da Liberdade, Altstadt) serviert seit über 30 Jahren fangfrischen Fisch vom Grill — bestell die Dourada grelhada (gegrillte Goldbrasse, ab 14€) oder den Arroz de Marisco (Meeresfrüchte-Reis für 2 Pers., 32€). Wer frische Austern liebt: Das Evaristo am Strand (Praia do Evaristo, 3 km westlich) serviert sie für 12€ das halbe Dutzend, direkt am Wasser, mit den Füßen im Sand.

Die schönsten Strände liegen östlich und westlich der Stadt, nicht am Stadtstrand. Die Praia de São Rafael (3 km westlich) hat dramatische Felsformationen und kristallklares Wasser — ideal zum Schnorcheln. Die Praia da Falésia (10 km östlich) ist einer der eindrucksvollsten Strände der Algarve: 6 km roter Sandsteinklippen, die sich in einen goldenen Strand ergießen. Frühmorgens, wenn die aufgehende Sonne die Klippen zum Leuchten bringt, ist der Anblick atemberaubend. Der Abstieg vom Klippenrand zum Strand dauert 5-10 Minuten über Holztreppen.

Albufeira eignet sich als Basis für Familien — die Infrastruktur (Supermärkte, Restaurants, Apotheken, Autovermietungen) ist die beste der Algarve, und die Strände haben Rettungsschwimmer und Strandbars. Der Zoomarine (10 km nördlich, Eintritt ab 29€) ist ein Meerespark mit Delfin-Shows, Wasserrutschen und Aquarien — bei Kindern beliebt, aber die ethische Diskussion um Delfin-Shows im Hinterkopf behalten.

Tipp

Die „Altstadt-Falle": Viele Restaurants in der Fußgängerzone locken mit Schleppern und billigen Menüs — die Qualität ist oft mäßig. Die besseren Restaurants liegen in den Seitengassen. Als Faustregel: Wenn draußen ein Schlepper steht und das Menü auf Deutsch/Englisch angeschrieben ist, weitergehen.

Sagres & Cabo de São Vicente★★★

Sagres, Algarve

Sagres liegt am äußersten Südwesten Europas — und fühlt sich auch so an. Hier, wo die Algarve-Küste nach Westen umbiegt und der Atlantik in voller Wucht auf die Klippen trifft, endet Europa und beginnt das offene Meer. Die Römer nannten es Promontorium Sacrum (Heiliges Vorgebirge) und glaubten, hier beobachte man, wie die Sonne zischend im Ozean versinkt. Diese raue, windgepeitschte Landschaft hat nichts mit dem Postkarten-Image der Algarve zu tun — und genau das macht sie so besonders.

Die Fortaleza de Sagres (Eintritt 3€) thront auf einer schmalen Landzunge, die 40 Meter über dem Meer in den Atlantik ragt. Die Festung ist mit Heinrich dem Seefahrer verbunden, der hier im 15. Jahrhundert angeblich seine legendäre Navegationsschule betrieben haben soll — allerdings ist diese Geschichte historisch umstritten. Sicher ist, dass die Festung ein strategisch bedeutsamer Ort war und der mysteriöse Rosa dos Ventos (Windrose) — ein 43 Meter breiter, in den Boden eingelassener Steinkreis aus dem 14. oder 15. Jahrhundert — bis heute Rätsel aufgibt: Sonnenuhr, Kompass, religiöses Symbol? Niemand weiß es genau.

Sechs Kilometer weiter westlich erreicht man das Cabo de São Vicente — den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlands. Der Leuchtturm (einer der leistungsstärksten Europas, 95 km Sichtweite) steht auf 75 Meter hohen Klippen, unter denen der Atlantik tobt. Die Energie dieses Ortes ist überwältigend: Der Wind pfeift, die Gischt sprüht, und der Blick reicht bis ins Unendliche. Bei Sonnenuntergang versammeln sich hier Dutzende Menschen, um das Spektakel zu beobachten — wenn die Sonne als roter Ball im Atlantik versinkt, ist die Stimmung fast andächtig.

Sagres ist auch das Surf-Mekka der Algarve. Die Praia do Tonel (direkt unterhalb der Festung) hat konstante Wellen und ist ideal für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Praia do Beliche (zwischen Sagres und dem Cabo) liegt in einer geschützten Bucht mit türkisem Wasser und weniger Wind. Surfschulen wie die Sagres Natura Surf Camp bieten Anfängerkurse ab 40€ (2,5 Stunden, inkl. Ausrüstung). Die Westküste nördlich von Sagres (Praia da Arrifana, Praia do Amado) hat die besten Wellen Portugals nach Peniche — aber die Strömungen sind stark, nur für erfahrene Surfer.

Sagres ist kein Ort für Luxus oder Nachtleben — es ist ein Ort für Natur, Stille und Abenteuer. Das Dorf selbst hat ein paar gute Restaurants (das A Tasca in der Rua de São Vicente serviert den besten gegrillten Fisch der Region, Hauptgerichte 12-18€), einen kleinen Supermarkt und eine Handvoll Bars, in denen Surfer bei Sonnenuntergang ihr Bier trinken. Die Unterkunft ist günstig: Hostels ab 20€/Nacht, einfache Pensionen ab 45€.

Achtung

Am Cabo de São Vicente und an der Festung von Sagres gibt es keine Absperrungen an den Klippen! Der Wind kann böig sein und die Felsen sind glatt. Halte mindestens 2 Meter Abstand zum Rand, besonders mit Kindern. Jedes Jahr passieren Unfälle.

Benagil-Höhle & Bootstouren★★★

Praia de Benagil, Lagoa, Algarve

Die Benagil-Höhle (Algar de Benagil) ist die meistfotografierte Sehenswürdigkeit der Algarve — und eine der spektakulärsten Naturformationen Europas. Eine riesige Meereshöhle aus goldenem Sandstein, deren Decke teilweise eingestürzt ist und ein kreisrundes „Auge" freigelegt hat, durch das Sonnenlicht auf den kleinen Sandstrand im Inneren fällt. Das Ergebnis sieht aus wie eine natürliche Kathedrale, in der das Meer den Altar bildet.

Die Höhle liegt an der Küste zwischen Lagoa und Carvoeiro und ist nur vom Wasser aus zugänglich. Es gibt drei Möglichkeiten: Per Bootstour (ab 25€, 1-2 Stunden, ab dem Strand von Benagil oder dem Hafen von Portimão — die Boote fahren in die Höhle hinein, man kann aber nicht aussteigen), per Kajak oder SUP (ab 30€ geführte Tour, 2 Stunden — man kann auf dem kleinen Strand in der Höhle anlanden und aussteigen, das beste Erlebnis) oder schwimmend ab dem Strand von Benagil (ca. 200 Meter, nur bei ruhiger See und für geübte Schwimmer — die Strömung kann tückisch sein).

Die beste Zeit für einen Besuch ist der Vormittag (10-12 Uhr), wenn das Sonnenlicht direkt durch die Deckenöffnung fällt und den Innenraum in goldenes Licht taucht. Am Nachmittag liegt die Höhle im Schatten. In der Hochsaison (Juli/August) ist die Höhle überlaufen — Dutzende Boote gleichzeitig, Hunderte Schwimmer. Komm im Mai, Juni oder September für ein ruhigeres Erlebnis.

Die Küste rund um Benagil bietet noch mehr: Die gesamte Strecke zwischen Marinha und Benagil (ca. 5 km Klippenwanderung, 1,5 Std.) gehört zu den schönsten Küstenwanderungen der Algarve. Die Praia da Marinha — ein Strand eingerahmt von dramatischen Doppelbögen aus Kalkstein — wurde von der UNESCO als einer der 100 schönsten Strände der Welt ausgezeichnet. Der Zugang ist über eine steile Treppe (200 Stufen) vom Klippenrand aus möglich.

Für eine umfassendere Erfahrung bieten zahlreiche Anbieter Küsten-Bootstouren an (ab Portimão, Lagos oder Albufeira), die nicht nur Benagil, sondern die gesamte Küste mit ihren Dutzenden Grotten, Felstoren und versteckten Buchten abfahren. Eine 2-3-stündige Tour kostet 35-50€ und ist jeden Cent wert — besonders die Touren mit Schwimmstopps in abgelegenen Buchten, die vom Land aus nicht erreichbar sind.

Tipp

Kajak-Touren zur Benagil-Höhle sind das intensivste Erlebnis — man paddelt entlang der Klippen, fährt durch kleine Grotten und landet direkt auf dem Strand in der Höhle. Buche mindestens 2-3 Tage im Voraus, die Plätze sind begrenzt. Anbieter: Taruga Tours, Benagil Cave Tours. Schwimmschuhe und wasserdichte Handyhülle nicht vergessen!

Tavira★★

Tavira, Algarve

Tavira ist die schönste Stadt der Algarve — und die am wenigsten touristische. Während Lagos und Albufeira von Strandtouristen dominiert werden, hat Tavira sich seinen authentisch portugiesischen Charakter bewahrt. Die Stadt am Fluss Gilão, 30 km östlich von Faro, verzaubert mit über 30 Kirchen (mehr als jede andere Stadt der Algarve), eleganten Renaissance- und Barockfassaden, einer römischen Brücke und einer Atmosphäre, die an die Zeit vor dem Massentourismus erinnert.

Die Ponte Romana (Römerbrücke) über den Gilão ist Taviras Postkartenmotiv — obwohl der heutige Bau aus dem 17. Jahrhundert stammt (die römischen Fundamente liegen darunter). Von hier hat man den schönsten Blick auf die Altstadt mit ihren weißen Häusern, den charakteristischen Walmdächern (telhados de tesoura) und den unzähligen Kirchentürmen. Am Flussufer sitzen Einheimische in den Cafés und beobachten das gemächliche Treiben.

Die Altstadt erstreckt sich beiderseits des Flusses und ist kompakt genug, um alles zu Fuß zu erkunden. Auf dem Hügel über der Stadt steht die Castelo de Tavira (kostenlos), eine maurische Burg mit einem wunderschönen Garten und Panoramablick. Die Igreja de Santa Maria do Castelo (13. Jh.) direkt daneben wurde über einer Moschee errichtet und enthält die Gräber der sieben christlichen Ritter, die bei der Rückeroberung der Stadt 1242 fielen. Im Núcleo Islâmico (Eintritt 2€) in der Altstadt sind faszinierende Funde aus der maurischen Periode ausgestellt — die Algarve war über 500 Jahre lang unter islamischer Herrschaft.

Taviras Strand — die Ilha de Tavira — ist eine vorgelagerte Sandinsel in der Ria Formosa und gehört zu den schönsten Stränden der Algarve. Die Insel ist per Fähre erreichbar (ab dem Fähranleger Quatro Águas, 2 km östlich der Altstadt, 2€ hin und zurück, alle 15 Min. im Sommer) und bietet kilometerlangen, feinen Sandstrand, der nach Westen hin immer menschenleerer wird. Am östlichen Ende gibt es Strandbars und Restaurants; wer 15 Minuten Richtung Westen wandert, hat den Strand fast für sich allein.

Kulinarisch ist Tavira eine Perle. Das Restaurante Ponto de Encontro (Praça Dr. António Padinha) serviert den besten Thunfisch der Algarve — Tavira war jahrhundertelang das Zentrum des portugiesischen Thunfischfangs mit der traditionellen armação (Netz-Falle). Probiere den Atum de cebolada (Thunfisch mit Zwiebelsoße, 15€) oder die Cataplana de marisco (Meeresfrüchte aus dem Kupfertopf, für 2 Pers. 35€). Für Budget-Essen: Die Tasca do Zé (Rua João Vaz Corte Real) bietet Tagesmenüs ab 8,50€ mit Suppe, Hauptgericht und Kaffee.

Tipp

Tavira ist der perfekte Ausgangspunkt für die östliche Ria Formosa. Die Fähre zur Ilha de Tavira fährt ab Quatro Águas — fahre mit dem Fahrrad dorthin (Tavira hat einen guten Radverleih am Bahnhof, 10€/Tag) und nimm das Rad mit auf die Fähre. So kannst du die gesamte Insel erkunden.

Silves★★

Silves, Algarve
Burg: 9:00-20:00 (Sommer), 9:00-17:30 (Winter)
Burg 2,80€, Museum 2,10€, Kombiticket 3,90€

Silves ist die vergessene Hauptstadt der Algarve — und einer der faszinierendsten Orte abseits der Küste. Im 11. und 12. Jahrhundert war Xelb, wie die Araber die Stadt nannten, die Hauptstadt des maurischen Algarve und rivalisierten mit Lissabon an Größe und Bedeutung. Arabische Dichter priesen die Stadt als „das Bagdad des Westens" — mit 30.000 Einwohnern, Universitäten, Dichterakademien und einem florierenden Handel. Heute ist Silves ein verschlafenes Landstädtchen mit 11.000 Einwohnern — aber die Überreste der maurischen Pracht sind überall spürbar.

Das Castelo de Silves (Eintritt 2,80€) ist die besterhaltene maurische Burg der Algarve — und eine der eindrucksvollsten Portugals. Die roten Sandsteinmauern (aus dem 8.-13. Jahrhundert) erheben sich majestätisch über der Stadt und bilden einen scharfen Kontrast zum Weiß der Häuser darunter. Im Inneren kann man auf den Mauern entlanggehen (Vorsicht: keine Geländer an manchen Stellen), die unterirdische Zisterne aus der maurischen Zeit besichtigen und den Blick über das Hinterland der Algarve mit seinen Orangenhainen und Korkeichenwäldern genießen.

Direkt unterhalb der Burg steht die Sé de Silves (Kathedrale, Eintritt frei), eine gotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die über einer Moschee errichtet wurde. Im Inneren sind Überreste der Kreuzrittergräber erhalten — Silves wurde 1189 von Kreuzfahrern und portugiesischen Truppen nach einer brutalen Belagerung erobert. Vor der Kathedrale steht eine Skulptur des arabischen Dichters Al-Mutamid, des letzten Königs von Sevilla, der aus Silves stammte und als einer der größten Poeten des islamischen Spanien gilt.

Das Museu Municipal de Arqueologia (Eintritt 2,10€) dokumentiert die Stadtgeschichte von der Steinzeit über die Römer und Mauren bis zur Neuzeit. Das Highlight ist ein 18 Meter tiefer arabischer Brunnen aus dem 12. Jahrhundert, um den das Museum herum gebaut wurde — man kann die spiralförmige Treppe hinabsteigen und die Ingenieurskunst der Almohaden-Dynastie bewundern.

Silves ist auch ein kulinarisches Erlebnis: Die Stadt liegt im Herzen der Orangen-Region der Algarve, und im Januar/Februar duften die Haine betörend. Jeden August findet das Festival da Cerveja (Bierfestival) statt und verwandelt die Burg in eine riesige Open-Air-Party. Für ein Mittagessen empfiehlt sich das Café Inglês (unterhalb der Burg, Terrasse mit Burgblick) mit kreativer portugiesischer Küche (Hauptgerichte 14-20€) oder die bodenständige Churrasqueira Valdemar am Fluss mit Grillhähnchen (Frango da Guia, halbes Huhn ab 7€).

Tipp

Silves lässt sich perfekt mit einem Ausflug ins Hinterland kombinieren. Fahre von Silves auf der N124 nach Monchique — die Straße schlängelt sich durch Korkeichenwälder (achte auf die geschälten Stämme!) zur Serra de Monchique. Von Fóia (902 m), dem höchsten Punkt der Algarve, überblickt man bei klarem Wetter die gesamte Südküste.

Strände der Algarve — Übersicht★★★

Die Algarve hat über 150 Strände auf 200 km Küste — und die Auswahl kann überwältigend sein. Die Küste lässt sich grob in drei Zonen einteilen: die Sotavento (Ost-Algarve, Faro bis Vila Real de Santo António) mit flachen Sandstränden und warmen Lagunen, die Barlavento (Zentral- und West-Algarve, Lagos bis Albufeira) mit den berühmten Klippenstrände und Grotten, und die Costa Vicentina (Westküste, Sagres bis Aljezur) mit wilden Surfstränden und unberührter Natur.

Die 10 schönsten Strände der Algarve:

  • Praia da Marinha (Lagoa) — Kalkstein-Doppelbögen, türkises Wasser, UNESCO-gelistet. Steil, aber der Abstieg lohnt. Der Klassiker.
  • Praia de Benagil (Lagoa) — Kleiner Strand neben der berühmten Höhle. Ausgangspunkt für Kajak-Touren.
  • Praia Dona Ana (Lagos) — Goldene Klippen, Grotten, fußläufig von Lagos. Perfekt, aber im Sommer überfüllt.
  • Praia do Camilo (Lagos) — 200 Stufen hinab in ein Felsenparadies. Intim und fotogen.
  • Praia da Falésia (Albufeira) — 6 km roter Sandsteinklippen. Endlos, dramatisch, Platz für alle.
  • Praia de São Rafael (Albufeira) — Felsformationen, klares Wasser, ideal zum Schnorcheln.
  • Praia da Ilha de Tavira (Tavira) — Inselstrand in der Ria Formosa, per Fähre erreichbar. Ruhig und naturbelassen.
  • Praia do Barril (Tavira) — Zugang über eine Miniatureisenbahn durch die Salzwiesen. Ankerfriedhof als Fotomotiv.
  • Praia da Arrifana (Aljezur) — Wilder Surfstrand an der Westküste mit Burgmauer-Ruine auf der Klippe.
  • Praia do Amado (Carrapateira) — Konstant gute Wellen, Surfschule, Naturpark-Feeling. Der beste Surfstrand der Algarve.

Wassertemperatur: Das Atlantikwasser an der Algarve ist kühler als viele erwarten: Im Sommer (Juli-September) erreicht es 20-23°C an der Südküste und nur 17-19°C an der Westküste. Das reicht für die meisten zum Schwimmen, aber wer warmes Badewasser erwartet, wird enttäuscht. Die Ria Formosa (Lagunen bei Faro/Tavira) ist deutlich wärmer — bis 26°C im August.

Sicherheit: Die Algarve-Strände haben ein Flaggensystem: Grün (sicher), Gelb (Vorsicht, starke Strömung), Rot (Schwimmen verboten), Kariert (Strand zeitweise unbewacht). Besonders an der Westküste gibt es gefährliche Unterströmungen (rip currents) — auch bei ruhig aussehender See. Schwimme niemals an unbewachten Stränden mit roter Flagge, und wenn du in eine Strömung gerätst: nicht dagegen anschwimmen, sondern parallel zum Strand schwimmen, bis du aus der Strömung bist.

Ausrüstung: Die Algarve-Strände haben oft keine natürlichen Schattenspender. Sonnenschirm und -liege kosten an bewirtschafteten Stränden 10-15€/Tag für ein Set. Eigene Ausrüstung mitnehmen spart auf Dauer erheblich. Wasserschuhe sind an Felsenstränden empfehlenswert — die Kalksteinfelsen haben scharfe Kanten, und Seeigel kommen in den Felspools vor.

Tipp

Die schönsten Strände sind im Juli und August überfüllt. Der September ist die beste Bademonatszeit: Das Wasser hat seine maximale Temperatur erreicht, die Touristenmassen sind weg, die Preise fallen, und die Sonne scheint noch verlässlich. Auch Juni ist hervorragend — etwas kühleres Wasser (19-21°C), aber deutlich weniger Menschen.

War dieses Kapitel hilfreich?