Käse & Wein
Pecorino — Der König der Käse
Pecorino Sardo DOP ist Sardiniens wichtigstes Milchprodukt — die Insel hat mehr Schafe als Menschen (ca. 3 Millionen Schafe auf 1,6 Millionen Einwohner). Der Käse reicht vom milden, jungen Pecorino Dolce (2–3 Monate gereift, weich und cremig) bis zum kräftigen Pecorino Maturo (6–12 Monate, hart und würzig, perfekt zu Honig und Birnen). Daneben gibt es Casu Marzu — den berüchtigten „Madenkäse", in dem lebende Fliegenlarven für die Fermentation sorgen. Offiziell verboten (EU-Hygienevorschriften), aber in der Barbagia diskret erhältlich und für die Sarden eine Delikatesse. Probieren auf eigene Gefahr.
Wein — Die Traube der Hundertjährigen
Sardische Weine sind Italiens bestgehütetes Geheimnis — die Rebsorten sind einzigartig, die Qualität hervorragend und die Preise (noch) erschwinglich:
- Cannonau di Sardegna DOC — Der Rotwein der Blue Zone: kräftig, vollmundig, mit Noten von reifen Kirschen, Kräutern und Leder. Cannonau hat den höchsten Polyphenol-Gehalt aller Rotweine weltweit — der wissenschaftliche Erklärungsversuch für die Langlebigkeit der sardischen Bergbewohner. Die besten aus Oliena, Jerzu und Mamoiada.
- Vermentino di Gallura DOCG — Sardiniens einziger DOCG-Wein: ein frischer, mineralischer Weißwein mit Aromen von Zitrus, weißen Blüten und Mandeln. Perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten. Die besten aus Tempio Pausania und Arzachena.
- Carignano del Sulcis DOC — Dunkler, erdiger Rotwein aus dem Südwesten, oft von über 100 Jahre alten, unveredelten Reben. Kräftig, komplex und unterschätzt.
- Vernaccia di Oristano DOC — Bernsteinfarbener, oxidativer Weißwein, gereift unter einem Hefefilm (Flor), ähnlich Sherry. Einzigartig und faszinierend.
Digestivi
Mirto ist der sardische Nationallikör — hergestellt aus den Beeren (Mirto Rosso, dunkelrot) oder Blättern (Mirto Bianco, klar) der wilden Myrte, die überall in der Macchia wächst. Eiskalt nach dem Essen serviert, ist Mirto der perfekte Abschluss eines sardischen Mahls. Filu 'e Ferru ist Sardiniens Grappa — ein klarer, kräftiger Tresterbrand (40–50%), benannt nach dem Eisendraht, mit dem die Sarden ihre illegalen Destillationsgefäße im Boden markierten.