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Regionen · Kapitel 4

Bern

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RegionenKapitel 4: Bern
Regionen · Kapitel 4

Bern

Die Bundeshauptstadt der Schweiz ist kein Regierungsmoloch, sondern eine der charmantesten Kleinstädte Europas. Die mittelalterliche Altstadt auf der Aare-Halbinsel gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, die 6 Kilometer langen Lauben (gedeckte Arkaden) bilden eine der längsten Einkaufsmeilen Europas, und im Sommer springt ganz Bern in den türkisfarbenen Fluss. Eine Stadt, die Macht mit Gemütlichkeit verbindet.

UNESCO-Altstadt & Lauben★★★

Münster: Di–Sa 10–17 Uhr
Münster-Turm 5 CHF, Einsteinhaus 6 CHF

Die Berner Altstadt ist seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe — und eines der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbilder Europas. Das Geheimnis: Nach einem verheerenden Brand 1405 wurde die gesamte Stadt in Sandstein wiederaufgebaut, und seitdem hat sich am Grundriss praktisch nichts verändert.

★★★ Die Lauben (Arkaden)

Das Markenzeichen Berns: 6 Kilometer gedeckte Arkadengänge auf beiden Seiten der Hauptgassen — die längste Einkaufspromenade Europas. Unter den Lauben reihen sich Boutiquen, Cafés, Antiquariate und die berühmten Keller-Läden (tiefe Gewölbe unter den Häusern, einst Lager, heute Geschäfte und Bars) aneinander. Bei Regen bleibt man trocken, bei Sonne genießt man den Schatten — eine geniale mittelalterliche Erfindung.

★★★ Bundeshaus

Das Parlament der Schweiz thront am südlichen Rand der Altstadt mit einer atemberaubenden Terrasse über der Aare und dem Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau bei klarem Wetter. Die kostenlose Führung durch das Bundeshaus (auf Deutsch, Französisch, Italienisch) ist faszinierend: Du erfährst, wie direkte Demokratie funktioniert und darfst in den Ratssälen sitzen, in denen die Schweizer Geschichte geschrieben wird.

Bundesplatz 3. Führungen gratis, Voranmeldung unter parlament.ch nötig. Mo–Sa während Sessionen eingeschränkt. Bundesplatz: Im Sommer 26 Wasserfontänen (Kinder lieben es!), im Winter Eislaufbahn.

★★ Kramgasse & Einsteins Wohnung

Die Kramgasse ist Berns Prachtstraße: Barocke Zunfthäuser, Brunnen (11 historische Figurenbrunnen in der Altstadt!) und die Einsteinhaus an der Nr. 49. Hier entwickelte Albert Einstein 1905 seine spezielle Relativitätstheorie — das Jahr, das die Physik revolutionierte. Die kleine Wohnung im 2. Stock ist heute ein Museum.

Kramgasse 49. 6 CHF. Di–Fr 10–17 Uhr, Sa 10–16 Uhr. Geschlossen Dez–Jan.

★★ Berner Münster

Die größte spätgotische Kirche der Schweiz (Baubeginn 1421, Turm erst 1893 fertiggestellt!). Der 100 Meter hohe Turm bietet nach 344 Stufen den besten Panoramablick der Stadt — über die Altstadt, die Aare und bei Föhn bis zu den Berner Alpen. Das Hauptportal mit 234 Figuren des Jüngsten Gerichts ist ein Meisterwerk spätgotischer Bildhauerkunst.

Münsterplatz. Kirche frei, Turm 5 CHF. Di–Sa 10–17 Uhr (Sommer bis 18 Uhr), So 11:30–17 Uhr.

Tipp

Die 11 historischen Figurenbrunnen (16. Jahrhundert) in der Altstadt sind ein Spaziergang für sich: Vom Kindlifresserbrunnen (der einen Kinderfresser zeigt — seine Bedeutung ist bis heute umstritten) bis zum Gerechtigkeitsbrunnen. Eine Brunnen-Tour durch die Hauptgassen dauert 40 Minuten und ist kostenlos.

Zytglogge & Käfigturm★★★

Außen frei, Turmführung 20 CHF

Der Zytglogge (Zeitglockenturm) ist Berns ikonischstes Wahrzeichen — und eines der ältesten Uhrenwerke der Welt.

★★★ Zytglogge

Der markante Turm an der Kramgasse stammt aus dem 13. Jahrhundert und beherbergt seit 1530 ein astronomisches Uhrwerk, das zu jeder vollen Stunde eine Figurenparade aufführt: Ein goldener Hahn kräht, Bären tanzen, ein Narr schlägt die Glocken, und Chronos dreht seine Sanduhr. Klingt kitschig? Ist es — und trotzdem versammeln sich täglich Hunderte vor dem Turm, um das Spektakel zu beobachten. Das Schauspiel beginnt 4 Minuten vor der vollen Stunde — früh genug da sein!

Eine Führung durch das Innere des Turms zeigt das mittelalterliche Räderwerk aus nächster Nähe — ein Meisterwerk der Mechanik. Besonders spannend: Einstein lebte gegenüber (Kramgasse 49) und soll die Uhr beim Nachdenken über die Zeit beobachtet haben.

Kramgasse. Außenansicht frei. Turmführung 20 CHF (Voranmeldung bei Bern Welcome). April–Oktober, mehrmals wöchentlich.

★ Käfigturm

Der zweite mittelalterliche Turm der Hauptgasse diente einst als Gefängnis (daher der Name). Heute beherbergt er das Polit-Forum Bern — Ausstellungen zur Schweizer Politik und Demokratie. Eintritt frei. Oben eine kleine Aussichtsplattform.

Bärenpark & Rosengarten★★

Beides frei zugänglich

Der Bär ist das Wappentier Berns — der Name der Stadt leitet sich angeblich von einem Bären ab, den Stadtgründer Berchtold V. von Zähringen 1191 erlegte. Seit über 500 Jahren hält Bern Bären — heute artgerecht im modernen Bärenpark.

★★ BärenPark

Der BärenPark am Aare-Ufer (eröffnet 2009) ist ein moderner, 6.000 m² großer Lebensraum für die Berner Bären. Die Braunbären leben in einer naturnahen Anlage, die sich vom Flussufer den Hang hinaufzieht. Ein erhöhter Spazierweg bietet Einblick in das Gehege. Die Bären können selbst entscheiden, ob sie sich zeigen — das ist artgerecht, bedeutet aber, dass sie sich manchmal verstecken.

Grosser Muristalden 6. Frei zugänglich, rund um die Uhr. Am aktivsten morgens und abends.

★★★ Rosengarten

Der schönste Aussichtspunkt Berns: Der Rosengarten auf dem Hügel über dem BärenPark bietet einen Panoramablick über die gesamte Altstadt, die Aare-Schleife und das Münster. Im Sommer blühen 220 Rosenarten, 200 Iris-Sorten und 28 Rhododendren. Das Café-Restaurant im Park hat eine Traumterrasse. Eintritt frei. Der perfekte Ort für den Sonnenuntergang.

Alter Aargauerstalden 31b. Park frei, täglich. Restaurant April–Oktober.

Tipp

Der Rosengarten ist Berns Fotospot Nummer 1 — aber gehe nicht nur tagsüber hin. Bei Sonnenuntergang taucht das Licht die Altstadt in warmes Gold, und die Spiegelung im Aare-Wasser ist magisch. Nimm Brot und Käse mit und picknicke auf der Wiese.

Aare schwimmen — Berns Sommerritual★★★

Marzilibad frei, Wickelfisch ab 15 CHF

Im Sommer wird die Aare zum sozialen Mittelpunkt Berns: Tausende lassen sich im türkisgrünen Gletscherwasser durch die Stadt treiben. Aare schwimmen ist kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung — und das Schweizer Sommererlebnis schlechthin.

★★★ Aareschwimmen

Die Strecke: Einstieg beim Marzilibad oder oberhalb beim Schwellenmätteli, Ausstieg beim Marzili oder Lorraine. Die Strömung trägt dich mit 5–8 km/h — du treibst gemütlich an der Altstadt vorbei, vorbei am Bundeshaus und unter historischen Brücken hindurch. Die Wassertemperatur erreicht im Juli/August 18–22 °C (Vorsicht: Gletscherwasser, immer kalt genug für einen Schock!).

Wichtige Regeln

  • Nur für gute Schwimmer! Die Strömung ist stark und kann tückisch sein. Nie allein schwimmen.
  • Wasserdichter Beutel (Wickelfisch) für Kleidung und Wertsachen — an der Aare gibt es Verkaufsstellen und im Marzilibad (ab 15 CHF).
  • Nie vom Bundeshaus-Seite einsteigen — dort sind gefährliche Strudel bei der Schwelle.
  • Ausstiegsleiter nicht verpassen — die Strömung trägt dich schneller als gedacht.

★★ Marzilibad

Berns beliebtestes Freibad, direkt an der Aare unter dem Bundeshaus. Eintritt frei! Pools, Liegewiese, Restaurant, Volleyball — und der Einstiegspunkt fürs Aareschwimmen. Im Sommer das soziale Zentrum der Stadt. Sonnige Lage bis zum Abend.

Marzilistrasse 29. Eintritt frei. Mai–September, 9–20 Uhr (bei schönem Wetter bis 21 Uhr).

★ Schwellenmätteli

Gastro-Komplex direkt an der Aare-Schwelle: Restaurant, Bar und Lounge auf Terrassen über dem Wasser. Bei Sonnenuntergang mit einem Spritzer in der Hand das Wasser rauschen hören — einer der atmosphärischsten Orte Berns.

Achtung

Die Aare ist kein harmloses Planschbecken: Die Strömung ist stark (bis 10 km/h), das Wasser kalt (selten über 22 °C), und es gibt gefährliche Strudel an Wehren und Brückenpfeilern. Informiere dich beim Marzilibad über die aktuellen Bedingungen. Kinder nur unter ständiger Aufsicht und mit Schwimmweste!

Gurten — Berns Hausberg★★

Gurtenbahn 12 CHF retour

Der Gurten (858 m) ist Berns Naherholungsgebiet und Hausberg — ein sanfter Hügel südlich der Stadt, der in 5 Minuten per Standseilbahn erreichbar ist. Oben: ein 360°-Panorama, Wanderwege, ein Spielpark und im Juli das legendäre Gurtenfestival.

★★ Gurten-Panorama

Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Aussichtsturm bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau — die gesamte Berner Alpenkette in einem Bild. Die Wiesen auf dem Gipfel laden zum Picknicken ein, Kinder toben auf dem riesigen Spielplatz, und das Restaurant serviert Schweizer Küche mit Aussicht.

Gurtenbahn: 12 CHF retour (Erwachsene), im Swiss Travel Pass 50 % Rabatt. Ab Wabern (Tram 9 ab Bern Bahnhof, 12 Min.). Bahn fährt alle 10 Min. Oben: Restaurant, Spielplatz, Minigolf.

★ Gurtenfestival

Mitte Juli verwandelt sich der Gurten vier Tage lang in Berns größtes Open-Air-Festival: Internationale Acts, Schweizer Bands, Food-Stände und eine einmalige Atmosphäre auf dem Hügel über der Stadt. Tagesticket ab 79 CHF. Frühzeitig buchen — oft ausverkauft.

Tagesausflug: Emmental★★

Schaukäserei 8 CHF

Eine halbe Stunde östlich von Bern beginnt das Emmental — das Tal, das dem berühmtesten Käse der Welt seinen Namen gab. Sanfte grüne Hügel, prächtige Bauernhöfe mit charakteristischen Walmdächern, Kühe mit Glocken und die Schaukäserei, in der du den echten Emmentaler probieren kannst.

★★ Emmentaler Schaukäserei

In Affoltern im Emmental kannst du live zuschauen, wie der berühmte Emmentaler AOP hergestellt wird: 1.200 Liter Milch für einen einzigen 100-kg-Laib, gereift in riesigen Kellern. Die Degustation (verschiedene Reifestufen von mild bis würzig) ist ein Muss. Im Shop: Käse direkt ab Produktion — günstiger als irgendwo sonst.

Schaukäsereistrasse 6, Affoltern i.E. 8 CHF (Führung + Degustation). Täglich 9–18 Uhr (Nov–März bis 17 Uhr). Käseherstellung: täglich 9–12 Uhr.

★ Emmentaler Bauernhöfe

Die großen Emmentaler Bauernhöfe mit ihren weit heruntergezogenen Dächern gehören zu den eindrucksvollsten Profanbauten der Schweiz. Manche bieten Übernachtungen (Schlafen im Stroh ab 35 CHF/Person mit Frühstück). Die Landschaft ist ideal für gemütliche Radtouren — kaum Steigungen, viel Grün, überall Kühe.

Anreise

Bern → Affoltern im Emmental: 35 Minuten mit der S-Bahn (S4). Mietwagen ist komfortabler für die Erkundung des ganzen Tals. Die Straßen sind ruhig und landschaftlich reizvoll.

Tipp

Das Emmental lässt sich perfekt mit dem Fahrrad erkunden: Am Bahnhof Burgdorf ein E-Bike mieten (ab 35 CHF/Tag), durch die Hügel zur Schaukäserei radeln, unterwegs beim Bauernhof Milch und Kuchen kaufen, und abends mit dem Zug zurück nach Bern. Ein perfekter Genuss-Tag.

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