Antike: Karthago & Rom
Tunesiens Geschichte beginnt mit einem der dramatischsten Konflikte der Antike: dem Kampf zwischen Karthago und Rom um die Vorherrschaft im Mittelmeer.
Karthago: Die Seemacht (814–146 v. Chr.)
814 v. Chr. gründete der Sage nach die phönizische Prinzessin Dido (Elissa) die Stadt Karthago — „Qart Hadasht" (Neue Stadt) — auf einem Hügel über dem Golf von Tunis. Was als Handelskolonie begann, entwickelte sich zur mächtigsten Stadt des westlichen Mittelmeers. Karthago kontrollierte ein Handelsimperium von Spanien bis Libyen, besaß die größte Flotte der antiken Welt und war berühmt für seinen Reichtum.
Die Punischen Kriege (264–146 v. Chr.) gegen Rom gehören zu den blutigsten Konflikten der Antike:
- 1. Punischer Krieg (264–241 v. Chr.): Karthago verliert Sizilien und Sardinien an Rom.
- 2. Punischer Krieg (218–201 v. Chr.): Hannibal Barkas überquert mit 37 Elefanten die Alpen und besiegt die Römer in mehreren Schlachten (Cannae, 216 v. Chr. — Roms schwerste Niederlage). Dennoch kann er Rom nicht erobern und verliert den Krieg.
- 3. Punischer Krieg (149–146 v. Chr.): Rom zerstört Karthago vollständig. Die Stadt wird dem Erdboden gleichgemacht, die Bevölkerung versklavt. „Carthago delenda est" (Karthago muss zerstört werden) — der Satz des Senators Cato wurde Realität.
Römisches Tunesien (146 v. Chr. – 439 n. Chr.)
Ausgerechnet die Römer bauten Karthago wieder auf: Unter Kaiser Augustus wurde es zur drittgrößten Stadt des Imperiums (nach Rom und Alexandria) und zur Hauptstadt der Provinz Africa — der Kornkammer Roms. Tunesien erlebte eine Blütezeit: Prächtige Städte wie Dougga, Bulla Regia, Sbeitla und Thysdrus (El Jem) entstanden, durchzogen von Straßen, Aquädukten und Thermen.
Die römischen Mosaike, die heute im Bardo-Museum und in El Jem zu bewundern sind, zeugen vom ungeheuren Reichtum dieser Epoche. Tunesien war eines der wohlhabendsten Gebiete des Römischen Reiches.