Kairouan
★★★ Kairouan — Die viertheiligste Stadt des Islam
Kairouan ist eine der bedeutendsten Städte der islamischen Welt. Gegründet 670 n. Chr. vom arabischen Feldherrn Oqba ibn Nafi als Militärlager, entwickelte sich die Stadt zur ersten islamischen Hauptstadt des Maghreb und zum geistigen Zentrum Nordafrikas. In der islamischen Tradition gilt: Sieben Pilgerfahrten nach Kairouan entsprechen einer nach Mekka.
Heute ist Kairouan (ca. 120.000 Einwohner) eine UNESCO-Welterbestadt, die ihre historische Authentizität bewahrt hat. Die Medina ist weniger touristisch als Tunis oder Sousse, dafür umso stimmungsvoller. Kairouan liegt 60 km landeinwärts von Sousse — ein Halbtagesausflug ab der Küste oder ein lohnender Zwischenstopp auf dem Weg nach Süden.
★★★ Große Moschee von Kairouan (Oqba-Moschee)
Die älteste Moschee Nordafrikas und eine der bedeutendsten der islamischen Welt. Gegründet 670, in ihrer heutigen Form aus dem 9. Jahrhundert (Aghlabiden). Der gewaltige Innenhof (135×80 Meter) ist von Kolonnaden umgeben, deren Säulen aus dem ganzen Mittelmeerraum zusammengetragen wurden — jede ist anders. Das 31,5 Meter hohe Minarett ist der älteste erhaltene Minarettturm der islamischen Welt.
Nicht-Muslime dürfen den Innenhof und die Kolonnaden besichtigen, aber nicht den Gebetssaal betreten. Durch die Tür ist ein Blick auf den Wald aus antiken Säulen und die geschnitzte Gebetsnische (Mihrab) möglich — beide gelten als Meisterwerke der islamischen Kunst.
Nördlich der Medina. 12 TND (Kombiticket für alle Monumente). Täglich außer Fr 8:00–14:00, Sa–Do 8:00–18:00. Angemessene Kleidung Pflicht, Tücher werden am Eingang verliehen.
★★ Aghlabiden-Becken (Bassins des Aghlabides)
Diese monumentalen Wasserreservoirs aus dem 9. Jahrhundert sind ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Zwei kreisrunde Becken (das größere hat 128 Meter Durchmesser!) wurden gebaut, um die Stadt mit Wasser aus den 36 km entfernten Bergen zu versorgen. Ein raffiniertes Filtersystem mit Absetzpools reinigte das Wasser. Die Anlage zeigt eindrucksvoll, wie fortschrittlich die islamische Zivilisation im Mittelalter war.
Nördlich der Moschee. Im Kombiticket enthalten. Täglich 8:00–18:00.
★★ Sidi-Sahab-Moschee (Barbier-Moschee)
Die prächtigste Moschee Kairouans beherbergt das Grab von Abu Zama al-Balawi, einem Gefährten des Propheten Mohammed, der angeblich drei Barthaare des Propheten bei sich trug — daher der Name „Barbier-Moschee". Die Innenräume mit ihren Zellige-Kacheln (geometrische Keramik-Mosaike), geschnitzten Stuckdecken und bemalten Holzdecken sind atemberaubend. Einer der schönsten sakralen Räume Nordafrikas.
Westlich der Medina. Kostenloser Eintritt. Täglich 8:00–18:00. Schuhe ausziehen.
★★ Medina von Kairouan
Die Medina ist kompakter und ruhiger als die von Tunis oder Sousse. Hier kaufen Einheimische ein, Touristen sind selten. Besonders sehenswert:
- Bir Barouta: Ein historischer Brunnen im Zentrum der Medina, angetrieben von einem Kamel, das im Kreis geht. Der Legende nach ist das Wasser mit dem Zamzam-Brunnen in Mekka verbunden.
- Teppich-Händler: Kairouan ist Tunesiens Teppich-Hauptstadt. Die handgeknüpften Teppiche (Kairouan-Teppiche) sind landesweit berühmt. In den Werkstätten der Medina kann man den Weberinnen bei der Arbeit zusehen.
- Makroud: Das berühmte Gebäck aus Kairouan — Grießteig gefüllt mit Dattelmark und in Honig getaucht. Jede Bäckerei hat ihr eigenes Rezept, und Kairouaner behaupten, dass nur ihr Makroud das echte ist.
💡 Tipp
Kairouan ist am stimmungsvollsten während des Mouled (Geburtstag des Propheten) — dann pilgern Tausende in die heilige Stadt, die Moscheen erstrahlen in Lichtern, und überall wird Makroud verteilt. Datum variiert (islamischer Kalender).