Moderne Demokratie (1961–heute)
Nach Trujillos Tod begann eine turbulente Übergangszeit. 1962 wurde Juan Bosch in der ersten freien Wahl Präsident — ein Intellektueller und Demokrat, der nach nur sieben Monaten vom Militär gestürzt wurde. 1965 intervenierten die USA mit 42.000 Soldaten (Operation Power Pack), um eine „zweite Kuba-Revolution" zu verhindern — ein Trauma, das in der dominikanischen Erinnerung noch heute präsent ist.
Von 1966 bis 1996 dominierten zwei politische Figuren das Land: Joaquín Balaguer (konservativ, sehbehindert, autoritär — er war Trujillos letzter Marionettenpräsident und regierte selbst 22 Jahre in verschiedenen Perioden) und Juan Bosch bzw. sein Schüler Leonel Fernández. Erst ab den 2000er Jahren stabilisierte sich die Demokratie wirklich.
Wirtschaftlicher Aufschwung
Seit den 1990er Jahren hat sich die Dominikanische Republik zur größten Volkswirtschaft der Karibik und Zentralamerikas entwickelt. Der Motor: Tourismus (Punta Cana wurde ab den 1980ern systematisch entwickelt), Freihandelszonen (Textil, Tabak, Medizintechnik), Überweisungen der dominikanischen Diaspora in den USA (über 2 Millionen Dominikaner leben in den USA, besonders in New York) und Bergbau (Gold, Nickel).
Trotz des Wachstums bleibt die soziale Ungleichheit enorm: Während in Punta Cana Luxusresorts florieren, leben in den Bateyes (ehemaligen Zuckerrohr-Arbeitersiedlungen) Haitianer und Dominikaner in bitterer Armut. Die Kluft zwischen dem touristischen und dem realen Land ist in der Dominikanischen Republik besonders drastisch.
Das Verhältnis zu Haiti
Die Beziehung zum westlichen Nachbarn bleibt das sensibelste Thema des Landes. Geschätzt 500.000–1.000.000 Haitianer leben in der Dominikanischen Republik, viele ohne Papiere und unter prekären Bedingungen. Ein umstrittenes Urteil des Verfassungsgerichts von 2013 entzog Zehntausenden in der Dominikanischen Republik geborenen Kindern haitianischer Eltern rückwirkend die Staatsangehörigkeit — eine Entscheidung, die international als rassistisch kritisiert wurde. Das Thema ist hochpolitisch und emotional geladen.