Kefalonia★★★
Kefalonia ist die größte der Ionischen Inseln (781 km²) und vielleicht die vielseitigste. Hier gibt es alles: einen der schönsten Strände der Welt (Myrtos), eine magische unterirdische Höhle (Melissani), das besterhaltene venezianische Dorf der Ionischen Inseln (Fiskardo) und eine wilde Berglandschaft mit dem höchsten Gipfel aller Ionischen Inseln — dem Mount Ainos (1.628 m), der letzte Standort der endemischen Kefalonia-Tanne.
Das Erdbeben von 1953 zerstörte nahezu jedes Gebäude auf der Insel — nur Fiskardo im Norden blieb verschont. Der Wiederaufbau fiel zweckmäßig aus, und Kefalonia ist architektonisch weniger reizvoll als Korfu. Aber die Natur entschädigt für alles: dramatische Klippen, leuchtend türkise Buchten, Pinienwälder, Olivenhaine und ein Licht, das Fotografen in Ekstase versetzt.
Der Film "Captain Corelli's Mandoline" (2001, mit Nicolas Cage und Penélope Cruz) wurde auf Kefalonia gedreht und machte die Insel international bekannt. Die Insel ist genauso schön wie im Film — nur authentischer, weil die Filmmacher die Kulissen danach wieder abgebaut haben.
Plane 5–7 Tage ein. Mietwagen ist quasi Pflicht — die Insel ist groß, die Sehenswürdigkeiten weit verstreut, und die Bergstraßen (besonders zum Myrtos-Viewpoint) sind kurvenreich und spektakulär.
💡 Tipp
Captain Corelli's Mandoline wurde hier gedreht — Kefalonia ist genauso schön wie im Film, nur authentischer.
Myrtos Beach★★★
Myrtos Beach taucht in praktisch jeder "Schönste Strände der Welt"-Liste auf — und nach dem ersten Blick vom Aussichtspunkt verstehst du warum. Eine weite, sichelförmige Bucht, eingerahmt von 300 Meter hohen Kalksteinklippen, weißer Kieselstrand, und Wasser in einem so intensiven Türkis, dass es surreal wirkt. Der Kontrast zwischen dem weißen Strand, dem türkisen Meer und den grau-beigen Klippen ist schlicht atemberaubend.
Die Anfahrt erfolgt über eine steile, serpentinenreiche Straße von oben — der Aussichtspunkt auf halber Strecke bietet DAS Panoramafoto und ist einer der meistfotografierten Orte Griechenlands. Unten am Strand gibt es im Sommer einen kleinen Kiosk mit Getränken und Sonnenschirm-Verleih (Liegestuhl-Set: 10€). Ansonsten: nichts. Kein Schatten, kein Restaurant.
Wichtig: Der Strand besteht aus weißen Kieseln (nicht Sand!), das Wasser wird schnell tief, und es kann eine starke Strömung geben — bei Wind eher nicht schwimmen gehen. Badeschuhe sind sinnvoll. Nachmittags liegt der Strand teilweise im Klippenschatten, also morgens kommen (ab 9 Uhr).
Anfahrt: Zwischen Argostoli und Fiskardo an der Westküstenstraße. Von Argostoli ca. 30 km (45 Min., kurvenreich). Parkplatz oben an der Straße (kostenlos), von dort Serpentinen hinunter zum Strand (mit dem Auto oder zu Fuß, 15 Min.).
💡 Tipp
Der Aussichtspunkt über Myrtos ist morgens am besten (Sonne im Osten beleuchtet den Strand). Zum Baden besser unter der Woche kommen — am Wochenende und im August ist der Strand voll. Unbedingt genug Wasser mitnehmen!
Melissani-Höhle★★
Die Melissani-Höhle ist einer dieser Orte, die man sehen muss, um sie zu glauben. Eine unterirdische Höhle mit einem See, dessen Decke vor Jahrtausenden teilweise eingestürzt ist — und durch dieses Loch in der Decke fällt Sonnenlicht direkt auf das kristallklare Wasser darunter. Das Ergebnis: ein unwirkliches, tiefblaues Leuchten, das den gesamten Höhlenraum in Farbe taucht. Wenn die Mittagssonne direkt durch die Deckenöffnung scheint (ca. 12–14 Uhr), ist der Effekt am spektakulärsten.
Der See ist bis zu 40 Meter tief und wird von unterirdischen Quellen gespeist, die Meerwasser mit Süßwasser mischen — eine geologische Kuriosität, die Wissenschaftler jahrzehntelang beschäftigte. Die Höhle wurde 1951 von dem Speläologen Giannis Petrocheilos wiederentdeckt (die antiken Griechen kannten sie bereits — man fand Nymphen-Figurinen und Pan-Skulpturen).
Der Besuch erfolgt per geführter Ruderboottour (ca. 15 Minuten). Der Bootsführer erklärt die Geologie und hält für Fotos an. Kitschig? Ein bisschen. Magisch? Absolut.
Eintritt: 7€ (Erwachsene), 4€ (Kinder). Mai–Oktober: 9–19 Uhr. Am besten zwischen 12 und 14 Uhr kommen, wenn das Sonnenlicht am intensivsten ist. Im Juli/August Wartezeiten von 20–40 Minuten möglich — früh kommen oder spät am Nachmittag.
Drogarati-Höhle
Nur 4 km von der Melissani-Höhle entfernt liegt Drogarati — eine trockene Tropfsteinhöhle mit 150 Millionen Jahre alten Stalaktiten und Stalagmiten, die vor etwa 300 Jahren durch ein Erdbeben freigelegt wurde. Die Hauptkammer ("Saal der Pracht") ist 65 Meter lang und hat eine so beeindruckende natürliche Akustik, dass hier tatsächlich Konzerte stattfinden — Maria Callas soll einst hier gesungen haben.
Die Höhle ist weniger spektakulär als Melissani, aber ein guter Stopp auf dem Weg. Der Abstieg über 128 Stufen führt in eine andere Welt: konstant 18°C, tropfende Stalaktiten, bizarre Formationen. Dauer: ca. 20–30 Minuten.
5€. Mai–Oktober: 9–17 Uhr. Kombiticket mit Melissani: 10€ (spart 2€).
Fiskardo★★
Fiskardo ist das Juwel Kefalonias und das einzige Dorf der Ionischen Inseln, das das Erdbeben von 1953 nahezu unversehrt überstand. Während der Rest der Insel in Trümmern lag und zweckmäßig wieder aufgebaut wurde, blieben Fiskardos venezianische Steinhäuser in ihren warmen Ocker- und Terracotta-Tönen stehen.
Das Ergebnis: ein malerischer Hafenort, der aussieht wie ein griechisches Bilderbuch. Pastellfarbene Häuser säumen einen hufeisenförmigen Naturhafen voller Segelboote und Fischerboote. Elegante Tavernen am Kai, Boutiquen in den Gassen, Zypressen auf den Hügeln dahinter. Fiskardo ist der mondänste Ort Kefalonias — hier ankern im Sommer die Yachten, und die Restaurantpreise liegen 30% über dem Inseldurchschnitt.
Trotzdem lohnt Fiskardo unbedingt. Nimm dir einen halben Tag: Bummel durch den Hafen, Kaffee in einer der Waterfront-Cafés, Schwimmen an der Foki-Bucht (1 km südlich, kristallklar, unter Zypressen, einer der schönsten Badeplätze der Insel), und dann Mittagessen am Wasser.
Von Fiskardo fahren Fähren nach Ithaka (Frikes, 1 Std.) und Lefkada (Vasiliki, 1,5 Std.) — ideal fürs Inselhopping.
Am besten morgens oder spät nachmittags besuchen — mittags wird es im Sommer voll mit Tagesgästen. Restaurant-Tipp: "Tassia" am Hafen (geführt von der Kochbuch-Autorin Tassia Dendrinou, €€, Fisch).
Assos★★
Assos liegt an der Westküste auf einer schmalen Landenge, die das Festland mit einer bewaldeten Halbinsel verbindet, auf der eine mächtige venezianische Festung (1593) thront. Das Dorf selbst besteht aus kaum mehr als 100 Häusern in Pastell, einem winzigen Hafen, drei Tavernen und einem Kieselstrand. Es ist unfassbar fotogen — der Blick von der Küstenstraße hinunter auf das Dorf, die Halbinsel und die Festung gehört zu den ikonischsten Bildern Kefalonias.
Der Aufstieg zur Festung dauert ca. 20 Minuten (steil, festes Schuhwerk) und belohnt mit einem 360°-Panorama. Die Festungsruinen sind weitläufig — Venezianer bauten hier eine komplette Stadt mit Kirchen, Kasernen und einem Krankenhaus. Heute ist alles von Wildblumen und Pinien überwuchert. Eintritt frei.
Assos ist am schönsten außerhalb der Saison (Mai/Juni, September/Oktober) oder spät nachmittags, wenn die Tagestouristen weg sind und das Dorf wieder den Einheimischen gehört.
Argostoli
Argostoli (13.000 Einwohner) ist Kefalonias Hauptstadt und kein typischer Touristenort, sondern eine lebendige griechische Kleinstadt mit einem Rhythmus, der sich nicht um Besucher dreht. Nach dem Erdbeben 1953 komplett neu aufgebaut, fehlt ihr der alte Charme — aber sie hat etwas Besseres: Authentizität.
De-Bosset-Brücke
Die älteste Steinbrücke über eine Meeresbucht (1813, britische Kolonialzeit) verbindet Argostoli mit dem gegenüberliegenden Ufer der Lagune. 689 Meter lang, flankiert von einem Obelisken. Morgens joggen Einheimische darüber, abends ist sie beleuchtet.
★ Schildkröten im Hafen!
Das überraschendste Erlebnis Argostolis: Im Fischerhafen schwimmen fast immer Caretta-Caretta-Schildkröten direkt an der Kaimauer. Sie kommen, weil die Fischer ihre Beifänge ins Wasser werfen. Morgens zwischen 7 und 10 Uhr ist die beste Zeit — manchmal sind 5–10 Tiere gleichzeitig da. Einfach an die Kaimauer stellen und ins Wasser schauen. Gratis und besser als jede organisierte "Turtle Tour".
Markthalle (Agora)
Die überdachte Markthalle am Platz ist der Ort für lokale Produkte: Kefalonia-Honig (der berühmte Thymian-Honig), Robola-Wein (autochthone Rebsorte, nur auf Kefalonia), Kräuter, lokaler Käse. Morgens am lebendigsten.
Koutavos-Lagune
Die geschützte Lagune südlich der Brücke ist ein kleines Naturparadies: Flamingos und Reiher im Winter, Schildkröten im Sommer, und ein hübscher Uferweg zum Spazieren oder Joggen.
Restaurant-Tipp: "Casa Grec" am Hafen (€€, griechisch-mediterrane Fusionsküche, bester Robola-Wein der Stadt) oder "Ladokolla" (€, Street-Food-Style, Souvlaki und Gyros direkt am Platz).