Die Levadas — Ingenieurskunst seit 500 Jahren
Die Levadas sind nicht nur Wanderwege — sie sind ein Meisterwerk der Wasserbaukunst, das Madeiras Überleben und Wohlstand seit dem 16. Jahrhundert sichert. Das Problem: Madeiras Nordseite bekommt reichlich Regen (bis zu 3.000 mm/Jahr), die Südseite, wo die meisten Menschen leben und die Landwirtschaft stattfindet, ist relativ trocken (unter 600 mm/Jahr).
Die Lösung: Ein Netzwerk aus offenen Kanälen (Levadas), die das Regenwasser und das Schmelzwasser der Berge vom Norden über die Berge auf die Südseite transportieren. Die ersten Levadas wurden im 16. Jahrhundert von Sklaven und Maurerarbeitern gebaut — unter unvorstellbar gefährlichen Bedingungen: Die Kanäle mussten in steile Felswände gehauen, durch Tunnel getrieben und über Schluchten geleitet werden. Viele Arbeiter kamen dabei ums Leben.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das System massiv ausgebaut — einige Levadas sind über 100 Kilometer lang und durchqueren dabei Dutzende Tunnel und Aquädukte. Heute umfasst das Netzwerk über 2.500 Kilometer und versorgt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Wasserkraftwerke mit Energie. Die Levadeiros (Kanalwärter) pflegen das System bis heute — sie laufen regelmäßig die gesamte Strecke ab, um Blockaden zu entfernen und Schäden zu reparieren.
Dass die Levada-Wanderwege heute Madeiras größte Touristenattraktion sind, ist ein glücklicher Nebeneffekt: Die schmalen Wartungspfade entlang der Kanäle wurden nie als Wanderwege geplant — sie existieren, damit die Levadeiros ihre Arbeit tun können. Heute sind sie eine der einzigartigsten Wandererfahrungen der Welt.