Serra de Tramuntana
Tramuntana entdecken
Die Serra de Tramuntana erstreckt sich von Andratx im Südwesten bis zum Cap de Formentor im Nordosten — über 90 Kilometer Gebirge, das steil ins Mittelmeer abfällt. Der höchste Gipfel ist der Puig Major (1.445 m, militärisches Sperrgebiet), der höchste besteigbare der Puig de Massanella (1.365 m). Dazwischen: terrassierte Olivenhaine, die seit über 800 Jahren bewirtschaftet werden, Steineichenwälder, spektakuläre Schluchten und Dörfer, die aussehen, als hätte sich seit dem 16. Jahrhundert nichts verändert.
Was macht die Tramuntana besonders? Es ist die Kombination aus Natur und Kultur, die ihr den UNESCO-Status eingebracht hat. Die Terrassen, Bewässerungssysteme und Trockensteinmauern sind ein einzigartiges Beispiel für die Transformation einer Berglandschaft durch den Menschen — und trotzdem wirkt alles harmonisch, nie zerstört.
Die besten Basen in der Tramuntana
- Sóller: Die größte Stadt der Tramuntana (13.000 Einwohner), mit guter Infrastruktur, Restaurants, Hotels und dem historischen Zug nach Palma. Ideal für Familien und Wanderer.
- Valldemossa: Das romantischste Dorf, perfekt für Paare. Kleiner, ruhiger, aber auch weniger Auswahl bei Unterkünften und Restaurants. 20 Min. von Palma.
- Pollença: Am Nordostende der Tramuntana, hervorragende Wanderbasis (Puig de Maria, Boquer-Tal), lebendige Kleinstadt mit Sonntagsmarkt. Nahe zu den Stränden der Nordküste.
- Deià: Luxuriös und teuer, aber wunderschön. Ideal für Kunstliebhaber und Gourmets mit dem nötigen Budget.
Fortbewegung
Ein Mietwagen ist fast unverzichtbar — die Busverbindungen existieren, aber die Frequenz ist gering (1–3 Busse pro Tag auf manchen Strecken). Die Straße MA-10, die sich von Andratx bis Pollença durch die Berge windet, ist eine der schönsten Panoramastraßen Europas, aber auch eng, kurvenreich und im Sommer stark befahren. Vorsicht vor Radfahrergruppen!
Tipp
Die Tramuntana ist im Frühling (März–Mai) und Herbst (Sept.–Nov.) am schönsten: angenehme Wandertemperaturen, Mandelblüte im Februar/März, weniger Touristen. Im Hochsommer (Juli/August) wird es zum Wandern zu heiß (35°C+), die Dörfer sind überlaufen, und Parkplätze Mangelware.
Valldemossa★★★
Valldemossa ist möglicherweise das schönste Dorf Mallorcas — und das sagen nicht nur die Reiseführer, sondern auch die Mallorquiner selbst. Das Bergdorf (rund 2.000 Einwohner) schmiegt sich auf 400 Metern Höhe an einen Hang der Tramuntana und bietet ein Bilderbuch-Ensemble aus Steinhäusern, Kopfsteinpflaster, Blumentöpfen und der Silhouette der Kartause.
★★★ Real Cartuja de Valldemossa
Die ehemalige Kartäuserkloster (14. Jahrhundert) ist der Hauptgrund für den Besuch — nicht wegen der Architektur allein, sondern wegen seiner berühmtesten Wintergäste: Im Winter 1838/39 verbrachten der polnische Komponist Frédéric Chopin und die französische Schriftstellerin George Sand hier drei Monate. Chopin komponierte Teile seiner Préludes und der Ballade Nr. 2 in seiner Klosterzelle — ein Pleyel-Klavier aus der Zeit ist ausgestellt. George Sand schrieb ihr (ziemlich gehässiges) Buch „Ein Winter auf Mallorca" über den Aufenthalt.
Die Besichtigung umfasst: die Mönchszellen (mit Chopins Klavier und Sand-Memorabilia), den Kreuzgang, die Apotheke (17. Jh., mit original Arzneikrügen), den Palast von König Sancho und die Kirche mit Fresken.
Eintritt: 9,50 € (Erwachsene), Kinder 4 €. April–Sept.: Mo–Sa 10–18 Uhr. Okt.–März: Mo–Sa 9:30–15 Uhr.
Durch das Dorf spazieren
Valldemossas Gassen sind ein Gedicht: Jedes Haus schmückt seinen Eingang mit Blumentöpfen und einer Keramikfliese der heiligen Catalina Tomàs — der einzigen Heiligen Mallorcas, die 1531 hier geboren wurde. Die Gassen rund um die Klosterkirche sind am schönsten, besonders die Carrer de la Rectoria und die Carrer de la Rosa.
Coca de Patata
Valldemossa hat eine eigene Spezialität: die Coca de Patata — ein weiches, leicht süßliches Kartoffelgebäck, das es nur hier gibt. Traditionell wird es mit einem Glas Mandelmilch genossen. Die besten Bäckereien: Ca'n Molinas (Carrer de la Blanquerna, 15) und Panadería Valldemossa. Unbedingt probieren — es klingt seltsam, schmeckt aber himmlisch.
Tipp
Kommen Sie früh morgens (vor 10 Uhr) oder am späten Nachmittag (ab 16 Uhr). Zwischen 11 und 15 Uhr fluten Reisebusse das kleine Dorf, und der Zauber geht in der Masse unter. Noch besser: Übernachten Sie in Valldemossa und erleben Sie das Dorf, wenn die Tagesausflügler weg sind.
Deià★★★
Deià (sprich: „Dejá") ist Mallorcas Künstlerdorf — ein winziger Ort (rund 700 Einwohner), der wie ein Adlernest an einem Steilhang über dem Meer klebt. Seit den 1920er Jahren zieht Deià Künstler, Schriftsteller und Aussteiger an, und bis heute hat es sich eine besondere Aura bewahrt: teuer, elitär, aber unwiderstehlich schön.
Robert Graves & die Künstlerkolonie
Der britische Dichter und Romancier Robert Graves („Ich, Claudius") lebte von 1929 bis zu seinem Tod 1985 in Deià — mit einer Unterbrechung während des Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs. Sein Haus Ca N'Alluny ist heute ein Museum, das fast unverändert erhalten ist: Schreibtisch, Bibliothek, Garten mit Blick auf die Berge. Sein Grab liegt auf dem Friedhof der Dorfkirche — schlicht, mit einer einfachen Inschrift.
Ca N'Alluny: Mo–Fr 10–17 Uhr (April–Okt.), Mo–Fr 9–14 Uhr (Nov.–März). Eintritt 7 €.
In Graves' Fußstapfen kamen viele weitere: Anaïs Nin, Ava Gardner, Peter Ustinov und in jüngerer Zeit Andrew Lloyd Webber und der Schauspieler Michael Douglas (der ein Anwesen bei Valldemossa besitzt). Deià wurde zum Synonym für kreatives Exil im Mittelmeer.
★★★ Cala Deià
Die Bucht von Deià ist einer der schönsten Badeorte Mallorcas — und einer der beschwerlichsten: Ein steiler, felsiger Pfad (20 Min. zu Fuß vom Dorf, kein Kinderwagen möglich!) führt hinunter zu einer kleinen Kiesbucht, eingerahmt von Klippen. Das Wasser ist kristallklar, die Atmosphäre magisch. Zwei Fischrestaurants (Ca's Patró March, Sa Caleta) direkt an der Bucht servieren frischen Fisch mit Meerblick — reservieren Sie! An Wochenenden im Sommer ist die Bucht voll.
Essen & Übernachten
Deià ist teuer — das sei klar gesagt. Das legendäre Hotel La Residencia (Belmond-Gruppe) zählt zu den exklusivsten Häusern Mallorcas (ab 500 €/Nacht). Aber auch die einfacheren Optionen liegen bei 120–200 €/Nacht. Restaurants:
- Es Racó d'es Teix: 1 Michelin-Stern, mallorquinisch-mediterran, Menü ab 80 €. Terrasse mit Blick ins Tal.
- Sa Vinya: Tapas und Wein, deutlich günstiger (15–25 €), auf der Hauptstraße.
- Ca's Patró March: Fischrestaurant direkt an der Cala Deià. Legendär. Reservierung! 25–40 €.
Tipp
Der Wanderweg von Deià nach Sóller entlang der Küste (11 km, 4 Stunden) ist eine der schönsten Küstenwanderungen Mallorcas. Moderate Schwierigkeit, fantastische Ausblicke, und am Ende wartet die Straßenbahn nach Port de Sóller als Belohnung.
Sóller & Port de Sóller
Sóller ist die heimliche Hauptstadt der Tramuntana — ein lebendiges Städtchen (13.000 Einwohner) in einem fruchtbaren Tal, umgeben von Orangenhainen und über 1.000 Meter hohen Bergen. Während Valldemossa und Deià vor allem schön aussehen, hat Sóller tatsächlich städtisches Leben: Märkte, Geschäfte, Schulen, eine aktive Lokalszene.
★★★ Der historische Zug (Tren de Sóller)
Das Highlight der Anreise IST die Anreise: Seit 1912 verbindet ein historischer Holzwaggon-Zug Palma mit Sóller — durch die Tramuntana, über ein Viadukt, durch 13 Tunnel. Die einstündige Fahrt ist eine Zeitreise und eine der schönsten Bahnstrecken Europas.
Abfahrt Palma (Estació Intermodal, Plaça d'Espanya): täglich 10:10, 10:50, 12:15, 13:30, 15:10 Uhr (Zeiten variieren saisonal). Einfache Fahrt: 25 €, hin und zurück: 32 €. TIPP: Links setzen für die besten Ausblicke!
Plaça de la Constitució
Der zentrale Platz von Sóller ist ein wunderbares Ensemble: die neogotische Pfarrkirche Sant Bartomeu (Fassade von Joan Rubió, einem Gaudí-Schüler), die Banco de Sóller (ebenfalls Modernisme-Stil) und ringsum Cafés mit Terrassensitzplätzen unter Platanen. Samstags findet hier ein beliebter Wochenmarkt statt.
Die Straßenbahn nach Port de Sóller
Noch ein historisches Verkehrsmittel: Die Tranvía de Sóller rattert seit 1913 auf 5 km Gleisen durch die Orangenhaine vom Stadtzentrum hinunter zum Hafen von Port de Sóller. Die offenen Holzwagen sind ein Erlebnis für sich.
Alle 30 Min. ab Plaça de Sóller. Einfache Fahrt: 10 €. Dauer: 20 Min.
Port de Sóller
Der natürliche Hafenort in einer fast kreisrunden Bucht ist das perfekte Pendant zum Bergstädtchen oben: ein kleiner Sandstrand, die Hafenpromenade mit Restaurants und Cafés, Bootstouren entlang der Küste (nach Sa Calobra!). Port de Sóller ist touristischer als Sóller selbst, aber hat seinen Charme, besonders abends, wenn die Tagestouristen weg sind und die Lichter sich im Hafenbecken spiegeln.
Orangenhaine & Eis
Das Sóller-Tal ist berühmt für seine Orangen — die Sorten „Canoneta" und „Navel" werden seit dem 19. Jahrhundert angebaut und machten Sóller einst reich. Im Frühling duftet das ganze Tal nach Orangenblüten. Heute werden die Orangen zu Marmelade, Likör, Saft und dem berühmten Orangeneis verarbeitet. Das beste Eis: Fet a Sóller (mehrere Standorte im Ort und am Hafen).
Tipp
Die perfekte Sóller-Kombination: Morgens mit dem historischen Zug von Palma nach Sóller (1h), Plaça erkunden und Orangeneis essen, mit der Tram nach Port de Sóller (20 Min.), Mittagessen am Hafen, nachmittags Boot nach Sa Calobra (1h, ab 15 €) oder zurück mit dem Zug. Ein fantastischer Tagesausflug!
Fornalutx★★
Fornalutx trägt offiziell den Titel „Spaniens schönstes Dorf" — und beim ersten Blick versteht man warum. Das winzige Bergdorf (rund 700 Einwohner) liegt 3 km oberhalb von Sóller und ist ein nahezu perfektes Ensemble aus honigfarbenen Steinhäusern, roten Ziegeldächern, blühenden Bougainvillea-Ranken und dem dramatischen Hintergrund des Puig Major.
Fornalutx ist kein Ort für Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn — es IST die Sehenswürdigkeit. Man spaziert durch die steilen, gewundenen Gassen (festes Schuhwerk empfohlen, die Kopfsteinpflaster sind glatt!), vorbei an Steintreppen, durch Bögen, über kleine Plätze mit Brunnen. Die Plaça d'Espanya ist das Zentrum: eine Kirche, ein paar Cafés, ein Brunnen, Berge ringsum.
Was es gibt: Drei bis vier Restaurants (das Ca'n Antuna bietet mallorquinische Küche mit Panoramaterrasse, €€), ein paar Ferienwohnungen, einen kleinen Laden, absolute Ruhe. Fornalutx ist ideal als Spaziergang am Morgen oder Nachmittag in Kombination mit Sóller — zu Fuß erreicht man das Dorf in ca. 45 Minuten auf einem Wanderweg durch die Orangenhaine (der Weg ist ausgeschildert, moderate Steigung).
Ehrlich gesagt: Im Hochsommer (Juli/August) strömen Reisebusse durch das Dorf, und der Charme leidet. In der Nebensaison oder am frühen Morgen hat Fornalutx dagegen etwas fast Unwirkliches — als wäre die Zeit stehen geblieben.
Tipp
Der Wanderweg Sóller → Fornalutx → Biniaraix (und zurück nach Sóller) ist eine perfekte Halbtageswanderung: 8 km, 2,5–3 Stunden, moderate Schwierigkeit, durch Orangenhaine und Oliventerrassen mit Bergblick. Start am Plaça de Sóller.
Wanderungen in der Tramuntana
Die Serra de Tramuntana ist Mallorcas Wanderparadies Nr. 1 — hunderte Kilometer markierter Wege durch eine spektakuläre Berglandschaft. Von der gemütlichen Dorfwanderung bis zur anspruchsvollen Gipfeltour ist alles dabei. Hier die Top-Routen im Überblick:
★★★ GR 221 — Ruta de Pedra en Sec (Trockensteinroute)
Mallorcas großer Fernwanderweg durchquert die gesamte Tramuntana von Port d'Andratx im Südwesten bis Pollença im Nordosten. Die komplette Route ist ca. 150 km lang und in 8 Etappen aufgeteilt, mit Refugis (Berghütten) als Übernachtungsmöglichkeiten. Nicht alle Etappen sind gleich gut markiert — die mittleren Abschnitte (Esporles → Deià → Sóller → Lluc) sind am besten ausgeschildert.
Gesamt: 150 km, 8 Etappen, 6–8 Tage. Schwierigkeit: mittel bis schwer. Refugis: 15–25 €/Nacht (online vorbuchen über ibanat.caib.es!). Beste Zeit: Okt.–Mai.
★★★ Torrent de Pareis
Die spektakulärste Schlucht Mallorcas — ein 3 km langer Canyon mit bis zu 200 Meter hohen Felswänden, der in der Bucht von Sa Calobra mündet. Die Durchquerung ist ein unvergessliches Erlebnis, aber KEIN Spaziergang: Man klettert über Felsbrocken, quetscht sich durch enge Passagen und muss bei einigen Abschnitten die Hände benutzen.
Start: Escorca (Parkplatz an der MA-10). Dauer: 4–5 Stunden. Distanz: 6,5 km. Schwierigkeit: SCHWER. Höhenunterschied: 600 m Abstieg.
★★★ Puig de Massanella (1.365 m)
Der höchste besteigbare Gipfel Mallorcas (der Puig Major ist militärisches Sperrgebiet). Die Aussicht vom Gipfel ist überwältigend: an klaren Tagen sieht man Menorca! Die Standardroute startet bei Lluc.
Start: Kloster Lluc (Parkplatz). Dauer: 5–6 Stunden (hin und zurück). Distanz: 14 km. Schwierigkeit: mittel-schwer. Höhenunterschied: 750 m.
★★ Barranc de Biniaraix
Eine der schönsten und zugänglichsten Wanderungen der Tramuntana. Der gepflasterte Pilgerweg (ein alter Kopfsteinpflaster-Weg!) führt durch die Schlucht von Biniaraix mit 2.000 Steinstufen, terrassierten Olivenhainen und spektakulären Bergpanoramen. Start im Dörfchen Biniaraix oberhalb von Sóller.
Start: Biniaraix (Dorfplatz). Dauer: 3–4 Stunden (Rundweg). Distanz: 8 km. Schwierigkeit: mittel. Höhenunterschied: 500 m.
★★ Boquer-Tal (bei Pollença)
Eine einfache, kurze Wanderung, ideal für Familien und Einsteiger. Durch ein trockenes Tal mit freilaufenden Ziegen zur versteckten Cala Boquer (Kieselstrand, kristallklares Wasser). Start am Ende der Straße hinter dem Pine Walk in Port de Pollença.
Start: Port de Pollença (Ende Bóquer-Straße). Dauer: 1,5–2 Stunden (hin und zurück). Distanz: 5 km. Schwierigkeit: leicht-mittel. Höhenunterschied: 100 m.
★ Puig de Maria (bei Pollença)
Kurzer, steiler Aufstieg zum Kloster auf dem Gipfel (320 m) mit 360°-Panorama über die Bucht von Pollença, Alcúdia und die Tramuntana. Das Kloster bietet einfache Übernachtung (Refugi) und ein kleines Restaurant.
Start: Pollença (ausgeschildert ab dem Ortszentrum). Dauer: 1 Stunde (Aufstieg). Distanz: 3 km (einfach). Schwierigkeit: mittel (steil, aber kurz). Höhenunterschied: 250 m.
Tipp
Die Refugis (Berghütten) des GR 221 sind einfach, aber charmant — Mehrbettzimmer, Gemeinschaftsküche, manchmal warmes Essen. Unbedingt vorab reservieren (ibanat.caib.es), besonders im Frühling und Herbst. Decke/Schlafsack mitbringen!
Achtung
Der Torrent de Pareis ist NUR von Juni bis September begehbar und NUR bei trockenem Wetter. Nach Regen kann der Canyon innerhalb von Minuten geflutet werden — Lebensgefahr! Gehen Sie diese Route NIE allein und NIE ohne festes Schuhwerk, ausreichend Wasser (mind. 2 Liter) und Sonnenschutz. Informieren Sie sich vorab beim Informationszentrum in Escorca über die aktuellen Bedingungen.
Klöster & Aussichtspunkte
Die Tramuntana ist gespickt mit Klöstern auf Berggipfeln und Aussichtspunkten (Miradors), die einem den Atem rauben. Drei der besten:
★★★ Kloster Lluc (Santuari de Lluc)
Mallorcas wichtigster Wallfahrtsort, versteckt in einem Bergtal auf 525 m Höhe. Seit dem 13. Jahrhundert pilgern Mallorquiner hierher zur „Schwarzen Madonna" (La Moreneta), einer dunklen Steinfigur der Jungfrau Maria. Das Kloster ist ein weitläufiger Komplex mit Basilika (barock, beeindruckender Altar), einem Museum (archäologische Funde, religiöse Kunst), einem Botanischen Garten mit endemischen Pflanzen und einem Restaurant.
Besonders stimmungsvoll: Der Knabenchor „Els Blauets" (die „Blauen", nach der Farbe ihrer Kutten) singt täglich außer samstags um 11:15 Uhr in der Basilika — einer der ältesten Knabenchöre Europas, seit dem 15. Jahrhundert.
Lluc bietet auch einfache Übernachtung in ehemaligen Mönchszellen (ab 35 €/Nacht für ein Doppelzimmer) — spartanisch, aber ruhig und atmosphärisch.
Eintritt Kloster: frei. Museum: 4 €. Parkplatz vorhanden. Restaurant mit mallorquinischer Küche (€). Bus 330 ab Inca.
★★★ Straße nach Sa Calobra (MA-2141)
Die berühmteste Straße Mallorcas: 12 km, 800 Höhenmeter, 26 Haarnadelkurven — darunter der legendäre „Krawattenknoten" (Nus de sa Corbata), eine 270°-Schleife, bei der die Straße sich unter sich selbst hindurchwindet. Die Fahrt ist ein Erlebnis für sich — nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Hunderten von Rennradfahrern, die hier täglich den Aufstieg bewältigen.
Unten wartet die kleine Bucht von Sa Calobra und ein 200 m langer Tunnel, der zur Mündung des Torrent de Pareis führt — einer der dramatischsten Küstenlandschaften Mallorcas.
★★ Mirador de ses Barques
Der beste Aussichtspunkt über Port de Sóller: Von einer Terrasse auf 400 m Höhe blickt man hinunter auf die sichelförmige Bucht, den Hafen und das offene Meer. Das gleichnamige Restaurant (€€) serviert Pa amb Oli (Brot mit Olivenöl und Tomaten), Paella und mallorquinische Klassiker mit diesem unfassbaren Panorama. Liegt an der MA-10 zwischen Sóller und dem Kloster Lluc.
Koordinaten: 39.7918, 2.7710. Parkplätze direkt an der Straße. Restaurant täglich geöffnet.
★★ Mirador Ricardo Roca
An der MA-10 zwischen Andratx und Estellencs, auf der südwestlichen Seite der Tramuntana. Der Aussichtspunkt (mit Restaurant/Bar) bietet einen atemberaubenden Blick die steile Küste hinunter und auf die Insel Sa Dragonera am Horizont. Besonders bei Sonnenuntergang spektakulär — die Felsen leuchten golden und rot.
Koordinaten: 39.6448, 2.4536. Bar/Restaurant mit Terrasse, günstige Preise (Kaffee, Bier, Snacks).
★ Mirador de ses Ànimes (Torre del Verger)
Ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert auf einer Felsklippe bei Banyalbufar — einer der am meisten fotografierten Punkte Mallorcas. Von hier überblickt man die gesamte Westküste mit ihren terrassierten Weinbergen, die bis ans Meer reichen. Der Turm selbst ist begehbar (kostenlos).
Koordinaten: 39.6835, 2.5090. Kleine Parkbucht direkt an der MA-10.
Tipp
Die Straße nach Sa Calobra (MA-2141) ist ein Erlebnis — aber auch ein Albtraum, wenn Reisebusse entgegenkommen. Am besten früh morgens (vor 10 Uhr) oder alternativ per Boot von Port de Sóller aus (1h, ab 15 € einfach). Die Bootsfahrt entlang der Steilküste ist selbst ein Highlight.
Essen in der Tramuntana
Die Küche der Tramuntana ist Bergküche im besten Sinne — herzhaft, saisonal, verwurzelt. Hier oben isst man anders als an der Küste: statt Fisch und Meeresfrüchte stehen Lamm, Schwein, Olivenöl, Mandeln, Orangen und Wildkräuter im Mittelpunkt. Die Portionen sind großzügig, die Rezepte oft jahrhundertealt.
Typische Gerichte
- Frito Mallorquín: Innereien (Leber, Lunge) mit Kartoffeln, Paprika und Fenchel in Olivenöl gebraten. Klingt gewöhnungsbedürftig, schmeckt fantastisch — das Nationalgericht der Insel.
- Tumbet: Geschichteter Gemüseauflauf aus Kartoffeln, Auberginen, Paprika und Tomatensauce. Vegetarisch und köstlich.
- Lomo con Col: Schweinelende in Kohlblätter gewickelt — winterliches Wohlfühlessen.
- Sopes Mallorquines: Keine Suppe, sondern ein dicker Gemüseeintopf mit dünnen Brotscheiben, die die Flüssigkeit aufsaugen. Bäuerlich und sättigend.
- Pa amb Oli: Mallorcas Nationalbrot — rustikales Brot, eingerieben mit Tomate und beträufelt mit bestem Olivenöl. Dazu Serrano-Schinken, Käse oder Sobrassada.
- Cordero al horno: Langsam im Holzofen gegartes Lamm — die Spezialität der Bergdörfer.
Olivenöl aus der Tramuntana
Das Olivenöl der Serra de Tramuntana hat eine geschützte Ursprungsbezeichnung (D.O. Oli de Mallorca) und gehört zu den besten Spaniens. Die knorrigen, teils 1.000 Jahre alten Olivenbäume prägen das Landschaftsbild. In Sóller, Fornalutx und Valldemossa kann man Olivenöl-Verkostungen machen und Flaschen direkt beim Erzeuger kaufen (ab 8 € für 500 ml).
Restaurant-Empfehlungen
€ Budget
Sa Cova · Sóller, Plaça de la Constitució — Direkt am Hauptplatz, bodenständige mallorquinische Küche, Pa amb Oli in vielen Variationen. Perfekt nach der Zugfahrt. 8–15 €.
Restaurant Lluc · Kloster Lluc — Überraschend gutes Restaurant im Klosterkomplex. Mallorquinische Hausmannskost, Menú del día für 13 €. Große Terrasse.
€€ Mittelklasse
Ca'n Antuna · Fornalutx, Carrer Arbona Colom, 8 — Mallorquinische Bergküche mit Panoramaterrasse über dem Tal. Lamm, Tumbet, selbstgemachte Desserts. 18–28 €.
Es Turo · Deià, Carretera de Valldemossa — Einheimischen-Treff abseits der Touristenpfade. Gegrilltes Fleisch, lokales Gemüse, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für Deià-Verhältnisse. 15–25 €.
Bens d'Avall · Sóller/Deià (an der MA-10) — Spektakuläre Lage auf einer Klippe über dem Meer. Mediterrane Küche, Fisch und Fleisch. Reservierung nötig. 25–40 €.
€€€ Gehoben
Es Racó d'es Teix · Deià, Carrer de Sa Vinya Vella, 6 — 1 Michelin-Stern. Der aus Deutschland stammende Koch Josef Sauerschell interpretiert mallorquinische Traditionsrezepte auf Sterneniveau. Degustationsmenü ab 80 €. Terrasse mit Blick über die Tramuntana.
Es Fum · Costa d'en Blanes (am Rand der Tramuntana) — 1 Michelin-Stern im St. Regis Mardavall Resort. Mediterran-asiatische Fusion, Meerblick. Menü ab 120 €.
Orangenprodukte aus Sóller
Die Orangen von Sóller sind nicht nur zum Essen da — sie werden zu einer ganzen Produktpalette verarbeitet:
- Zumo de naranja: Frisch gepresster Orangensaft in jedem Café (ab 3 €)
- Mermelada de naranja: Orangenmarmelade (ideal als Mitbringsel, ab 4 €)
- Àngel d'Or: Orangenlikör aus Sóller, süß und intensiv (ab 10 € die Flasche)
- Orangeneis: Bei Fet a Sóller — das beste Eis des Tals
- Orangenblütenhonig: Aus den Bienenstöcken zwischen den Hainen
Tipp
In den Bergdörfern essen die Einheimischen spät — Mittagessen ab 13:30 Uhr, Abendessen ab 20:30 Uhr. Wer um 12 Uhr oder 19 Uhr kommt, sitzt oft allein (oder das Restaurant hat noch gar nicht offen). In der Nebensaison (Nov.–Feb.) haben viele Restaurants nur am Wochenende geöffnet — vorher anrufen!
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