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Kunst & Azulejos · Abschnitt 1/5

Azulejos — Die Kunst der Kacheln

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Azulejos — Die Kunst der Kacheln

Azulejos sind Portugals markantester visueller Beitrag zur Weltkultur. Diese bemalten, glasierten Keramikfliesen schmücken Kirchen, Paläste, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen, Hausfassaden, Brunnen und Treppen — sie sind allgegenwärtig und machen jede portugiesische Stadt zu einem Freiluftmuseum.

Der Name „Azulejo" kommt nicht vom portugiesischen „azul" (blau), wie oft angenommen, sondern vom arabischen „az-zulaij" (polierter Stein). Die Mauren brachten die Technik im 15. Jahrhundert nach Portugal, wo sie sich zu einer eigenständigen Kunstform entwickelte, die ihresgleichen sucht.

Die Entwicklung über die Jahrhunderte

  • 15.–16. Jahrhundert: Geometrische, polychrome Muster nach maurischem Vorbild. Prachtvoll zu sehen im Palácio Nacional de Sintra
  • 17. Jahrhundert: Einfluss der niederländischen Delfter Fliesen — die typischen blau-weißen Motive entstehen. Biblische Szenen, historische Schlachten und Alltagsszenen werden auf riesige Kachelbilder übertragen
  • 18. Jahrhundert: Barocke Überschwänglichkeit — ganze Kircheninnenräume werden mit Azulejos verkleidet. Die Igreja de São Lourenço in Almancil (Algarve) ist ein Meisterwerk dieser Epoche
  • 19. Jahrhundert: Fabrikproduktion macht Azulejos erschwinglich — erstmals werden Hausfassaden vollständig damit verkleidet, besonders in Porto und Lissabon
  • 20.–21. Jahrhundert: Zeitgenössische Künstler wie Maria Keil (Lissabonner U-Bahn-Stationen) und Joana Vasconcelos interpretieren die Tradition neu

Die schönsten Azulejo-Orte

Das Museu Nacional do Azulejo in Lissabon (im ehemaligen Kloster Madre de Deus) bietet den besten Überblick — von den Anfängen bis zur Gegenwart. Highlight ist ein 23 Meter langes Panorama Lissabons vor dem Erdbeben von 1755. Der Bahnhof São Bento in Porto (über 20.000 Kacheln, die die portugiesische Geschichte erzählen) ist ein weiteres Muss. Die Kapelle Capela das Almas in Porto und die Fassade der Igreja do Carmo sind ebenfalls spektakulär.

Ein ernstes Problem ist der Azulejo-Diebstahl: Historische Kacheln werden von Fassaden gestohlen und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Portugal hat deshalb strenge Gesetze zum Schutz von Azulejos erlassen und ein Katalogisierungsprojekt gestartet (SOS Azulejo).

💡 Tipp

In der Fábrica Sant'Anna in Lissabon (seit 1741) und der Fábrica de Cerâmica Viúva Lamego kann man Azulejos beim Entstehen zusehen und handbemalte Kacheln als Souvenir kaufen. Ein einzelnes handbemaltes Azulejo kostet ab ca. 15 €.

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