Neutralität, Rotes Kreuz & Bankgeheimnis
Die bewaffnete Neutralität ist der Kern der Schweizer Identität — und kein pazifistisches Ideal, sondern eine pragmatische Strategie. Seit dem Wiener Kongress 1815 hat die Schweiz an keinem Krieg mehr teilgenommen — aber sie hat sich stets verteidigungsbereit gehalten: Bis vor wenigen Jahren war jeder Schweizer Mann zum Militärdienst verpflichtet, und Armeewaffen wurden zu Hause aufbewahrt.
Das Rote Kreuz
1863 gründete der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant nach dem Erlebnis der blutigen Schlacht von Solferino (1859) das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) — die bedeutendste humanitäre Organisation der Welt. Das Rote Kreuz (umgekehrte Schweizer Flagge) hat seinen Sitz bis heute in Genf. Dunant erhielt 1901 den ersten Friedensnobelpreis.
Genf als Diplomatie-Hauptstadt
Genf beherbergt den europäischen Sitz der UNO, die WHO, das IKRK, die WTO, CERN (den Teilchenbeschleuniger, in dem das Internet erfunden wurde!) und über 200 internationale Organisationen. Die Genfer Konventionen sind die Grundlage des humanitären Völkerrechts. Dazu kommen Davos (Weltwirtschaftsforum), Basel (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) und Zürich als Finanzplatz.
Das Bankgeheimnis
Das Schweizer Bankgeheimnis (1934 per Gesetz verankert) machte die Schweiz zum bevorzugten Ort für Vermögensverwaltung — aber auch zum Zufluchtsort für fragwürdige Gelder. Seit dem automatischen Informationsaustausch (2017) ist das klassische Bankgeheimnis für Ausländer de facto abgeschafft. Die Schweiz bleibt aber einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt.
Direkte Demokratie
Die Schweiz hat die am weitesten entwickelte direkte Demokratie der Welt: Bürger können per Volksinitiative (100.000 Unterschriften) Verfassungsänderungen erzwingen und per Referendum (50.000 Unterschriften) Parlamentsbeschlüsse kippen. Es wird vier Mal pro Jahr über mehrere Vorlagen abgestimmt — über alles, vom Kampfjet-Kauf bis zum Grundeinkommen. Dieses System ist langsam, aber erstaunlich stabil.