StartseiteReiseführerSpanienPraktische Infos A–Z
🇪🇸
Praktisch · Kapitel 14

Praktische Infos A–Z

Spanien Reiseführer

Übersicht|
PraktischKapitel 14: Praktische Infos A–Z
Praktisch · Kapitel 14

Praktische Infos A–Z

Alles Wichtige für deinen Spanien-Urlaub auf einen Blick — alphabetisch sortiert, von ärztlicher Versorgung bis Zoll. Ausdrucken, abspeichern, mitnehmen.

Ärztliche Versorgung

Spanien hat ein hervorragendes öffentliches Gesundheitssystem — in internationalen Rankings regelmäßig unter den Top 10. Die Lebenserwartung (83,5 Jahre) ist eine der höchsten der Welt.

Für EU-Bürger

Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) — auf der Rückseite deiner deutschen Gesundheitskarte — hast du Anspruch auf medizinische Versorgung in öffentlichen Einrichtungen zu den gleichen Bedingungen wie Spanier. Das bedeutet: Notaufnahme (Urgencias) kostenlos, Arztbesuche im Centro de Salud (Gesundheitszentrum) kostenlos, Medikamente mit Zuzahlung.

Wo hin im Krankheitsfall?

  • Centro de Salud: Die öffentliche Arztpraxis — für leichte Erkrankungen. Wartezeiten können lang sein (2–4 Stunden). Ohne Termin (sin cita) geht es zur Akutsprechstunde
  • Urgencias (Notaufnahme): In jedem öffentlichen Krankenhaus (Hospital). Für ernste Fälle. Wartezeiten bei nicht lebensbedrohlichen Fällen oft 4–8 Stunden
  • Privatärzte & Privatkliniken: Schnellere Behandlung, aber kostenpflichtig (Arztbesuch 50–100 €, Facharzt 80–150 €). In touristischen Gebieten gibt es deutschsprachige Ärzte — Hotelrezeptionen haben Listen
  • Apotheken (Farmacias): Erkennbar am grünen Kreuz. Apotheker in Spanien dürfen mehr beraten und verkaufen als in Deutschland — viele rezeptpflichtige Medikamente (Antibiotika ausgenommen) bekommt man hier ohne Rezept. Nachts und am Wochenende: Farmacia de Guardia (Notapotheke, Aushang an jeder Apotheke)

Tipp

Fotografiere deine EHIC-Karte und wichtige Medikamentenverpackungen (mit Wirkstoffnamen) vor der Reise. Im Notfall spart das wertvolle Zeit. Eine Auslandskrankenversicherung (ab 10 €/Jahr) übernimmt den Rücktransport — die EHIC nicht!

Banken & Geld

Spanien nutzt den Euro (€) seit 2002 — kein Geldwechseln nötig für Reisende aus der Eurozone.

Bargeld vs. Karte

Spanien ist zunehmend kartenfreundlich. Kreditkarten (Visa, Mastercard) werden fast überall akzeptiert — auch für Kleinstbeträge in Bars und Bäckereien. Kontaktlos bezahlen (tarjeta contactless) ist Standard. Aber: Kleine Dorfbars, Marktverkäufer, Chiringuitos (Strandbuden) und Parkuhren brauchen oft noch Bargeld.

Geld abheben

  • Geldautomaten (Cajeros): Überall verfügbar, auch in kleinen Dörfern. Die meisten spanischen Banken berechnen keine Gebühr am Automaten — außer Euronet (die leuchtend blauen Automaten an Touristenorten, die 3–5 € Gebühr kassieren). Vermeide sie!
  • DKB, ING, N26, Revolut: Diese Karten ermöglichen kostenloses Abheben im Euroraum
  • Bei der Frage „In Euro oder Landeswährung abbuchen?" immer „Landeswährung" (also Euro) wählen — sonst zahlt man einen schlechteren Kurs (Dynamic Currency Conversion)

Banken & Öffnungszeiten

Spanische Banken öffnen in der Regel Mo–Fr 8:30–14:00 Uhr, manche Filialen auch Do 17–19:30 Uhr. Im Sommer oft nur bis 13:00 Uhr. Filialen werden rapide abgebaut — in ländlichen Gebieten gibt es oft nur noch einen Geldautomaten.

Tipp

Nimm immer etwas Bargeld mit (50–100 €), besonders wenn du aufs Land fährst. In Andalusiens weißen Dörfern oder auf den kleinen Balearen-Inseln kann der nächste Geldautomat weit weg sein.

Einkaufen

Einkaufen in Spanien folgt eigenen Regeln — geprägt von der Siesta, dem Sonntag als Ruhetag und einer Vorliebe für spezialisierte Geschäfte statt Supermärkte.

Supermärkte

  • Mercadona: Spaniens größte Supermarktkette — günstig, gut sortiert, eigene Marke „Hacendado" mit überraschend guter Qualität. In jeder Stadt
  • Lidl & Aldi: Wie in Deutschland, etwas anderes Sortiment. Gut für Basics
  • Carrefour: Große Hypermärkte am Stadtrand plus kleine Express-Filialen in Zentren
  • El Corte Inglés: Das Kaufhaus Spaniens — Supermarkt im Untergeschoss mit exzellenter Feinkost-Abteilung (Club del Gourmet). Teurer, aber beste Qualität. In jeder Großstadt

Markthallen (Mercados)

Spaniens Markthallen sind kulinarische Kathedralen. Frischer Fisch, Ibérico-Schinken, Oliven, Käse, Obst — alles von bester Qualität. Die schönsten:

  • Mercado de San Miguel (Madrid) — Gourmet-Markt in wunderschöner Eisenkonstruktion. Touristisch, aber fantastisch zum Probieren
  • Mercat de la Boqueria (Barcelona, an den Ramblas) — der bekannteste, morgens am authentischsten
  • Mercado de la Ribera (Bilbao) — Europas größte überdachte Markthalle
  • Mercado Central (Valencia) — Jugendstil-Bau mit 1.200 Ständen
  • Mercado de Triana (Sevilla) — weniger touristisch als der Mercado de la Encarnación, authentischer

Typische Mitbringsel

  • Jamón ibérico (vakuumverpackt), Manchego-Käse, Olivenöl aus Jaén (beste Qualität weltweit)
  • Pimentón de la Vera (geräuchertes Paprikapulver aus Extremadura)
  • Azulejos (handbemalte Kacheln), Keramik aus Talavera oder Granada
  • Lederwaren aus Ubrique (Cádiz) — hier produzieren viele Luxusmarken
  • Espadrilles (Originale aus dem Baskenland oder Katalonien)

Feiertage

Spanien hat 14 offizielle Feiertage pro Jahr — 9 nationale und 5 regionale (jede Comunidad Autónoma wählt ihre eigenen). Dazu kommen lokale Feiertage jeder Stadt. Es kann passieren, dass in Valencia Feiertag ist, in Madrid aber nicht — und umgekehrt.

Nationale Feiertage

DatumFeiertagHinweis
1. JanuarAño Nuevo (Neujahr)Alles geschlossen. Um Mitternacht isst man 12 Weintrauben — eine pro Glockenschlag
6. JanuarDía de Reyes (Heilige Drei Könige)Der wichtigere „Weihnachtstag" — Kinder bekommen Geschenke. Am Vorabend (5. Jan.) große Umzüge (Cabalgata de Reyes)
VariabelViernes Santo (Karfreitag)Höhepunkt der Semana Santa
1. MaiDía del Trabajo (Tag der Arbeit)Demonstrationen in den Großstädten
15. AugustAsunción de la Virgen (Mariä Himmelfahrt)Mitten in den Sommerferien, viele Lokale geschlossen
12. OktoberFiesta Nacional (Nationalfeiertag / Día de la Hispanidad)Militärparade in Madrid. Zunehmend kontrovers wegen kolonialer Vergangenheit
1. NovemberTodos los Santos (Allerheiligen)Friedhofsbesuche, Buñuelos de Viento (Windbeutel)
6. DezemberDía de la Constitución (Verfassungstag)Zusammen mit dem 8.12. oft „Puente" (Brückentag)
8. DezemberInmaculada Concepción (Unbefleckte Empfängnis)Beginn der Weihnachtsbeleuchtung
25. DezemberNavidad (Weihnachten)Familienfest, alles geschlossen

Wichtige regionale Feiertage

  • 19. März: San José (Valencia) — Höhepunkt der Fallas
  • 23. April: Día de San Jorge / Sant Jordi (Aragón/Katalonien) — Bücher- und Rosentag in Barcelona
  • 2. Mai: Comunidad de Madrid — Gedenktag des Aufstands gegen Napoleon 1808
  • 24. Juni: San Juan — Mittsommernacht mit Strandfeuern, besonders an der Mittelmeerküste
  • 25. Juli: Santiago Apóstol (Galicien) — Jakobstag in Santiago de Compostela
  • 11. September: Diada (Katalonien) — Nationalfeiertag, oft mit Unabhängigkeitsdemonstrationen

Tipp

Wenn ein Feiertag auf Dienstag oder Donnerstag fällt, machen Spanier oft einen „Puente" (Brücke) — den Montag bzw. Freitag nehmen sie frei. Hotels und Ferienwohnungen sind dann ausgebucht, Preise steigen. Plane um Puente-Wochenenden herum!

Frauen allein unterwegs

Spanien ist eines der sichersten Länder Europas für alleinreisende Frauen. Die Gleichstellung der Geschlechter hat seit der Demokratisierung enorme Fortschritte gemacht — Spanien war eines der ersten Länder mit einem Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt (2004) und hat ein progressives Gleichstellungsministerium.

Sicherheit

  • Alleine auszugehen, auch nachts, ist in den meisten Städten normal und sicher. Spanierinnen gehen regelmäßig allein oder in Gruppen aus
  • Belebte Altstädte, Strandpromenaden und Ausgehviertel sind bis spät in die Nacht bevölkert — die späte Essenskultur sorgt dafür, dass Straßen selten menschenleer sind
  • Machismo existiert noch, besonders bei älteren Generationen und im ländlichen Süden, äußert sich aber eher in (nervigen) Kommentaren (Piropos) als in aggressivem Verhalten
  • In Clubs und Bars gelten die gleichen Vorsichtsregeln wie überall: Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen, Freundinnen Bescheid sagen

Praktische Tipps

  • Alleine in Restaurants essen ist in Spanien völlig normal — niemand schaut komisch
  • Unterkünfte in zentralen Lagen buchen — gut beleuchtete Gegenden mit Nachtleben
  • Die App „AlertCops" (offizielle Polizei-App) ermöglicht im Notfall direkten Kontakt zur Polizei mit GPS-Standort
  • Notruf 112 (europaweit, mehrsprachig)

Internet & SIM-Karte

Für EU-Bürger ist die Situation seit 2017 denkbar einfach: EU-Roaming bedeutet, dass du dein deutsches Datenvolumen in Spanien ohne Aufpreis nutzt — telefonieren, SMS und Daten wie zuhause.

Für Nicht-EU-Reisende

Wer eine spanische Prepaid-SIM braucht:

  • Lycamobile: Günstigster Anbieter, SIM-Karten in Kiosken und bei Locutorios (Telefonläden) erhältlich. 10 GB für ca. 10 €
  • Orange Holidays: Speziell für Touristen — 20 GB + 120 Minuten EU-weit für 20 €, in Orange-Shops
  • Vodafone/Movistar: Größere Anbieter mit besserem Netz in ländlichen Gebieten
  • eSIM (Airalo, Holafly): Vorab online kaufen und aktivieren — kein physischer SIM-Wechsel nötig

Wichtig: Beim Kauf einer SIM-Karte wird in Spanien ein Ausweis (Reisepass oder Personalausweis) verlangt.

WLAN

Fast alle Hotels, Hostels und Ferienwohnungen bieten kostenloses WLAN. Cafés und Restaurants in Städten ebenfalls — einfach nach dem Passwort fragen (¿Cuál es la contraseña del wifi?). Bibliotheken (Bibliotecas) bieten kostenloses WLAN und Ruhe zum Arbeiten.

Mobilfunkabdeckung

Die Netzabdeckung ist in Städten und an der Küste exzellent (4G/5G). In den Bergen (Pyrenäen, Picos de Europa, Sierra Nevada) und im dünn besiedelten Landesinneren gibt es Funklöcher — besonders abseits der Hauptstraßen.

Klima & beste Reisezeit

Spanien hat nicht ein Klima, sondern mindestens fünf — von atlantisch-feucht im Norden über kontinental-extrem in der Mitte bis subtropisch auf den Kanaren.

Klimazonen

  • Nordspanien (Galicien, Asturien, Kantabrien, Baskenland): Atlantisches Klima — mild, feucht, 1.200–2.000 mm Regen/Jahr. Sommer 20–25°C, Winter 8–12°C. Ähnlich wie Irland oder Bretagne. Beste Reisezeit: Juni bis September
  • Zentralspanien (Madrid, Kastilien): Kontinentalklima — extreme Gegensätze. Sommer glühend heiß (35–42°C in Madrid), Winter kalt (0–8°C, Frost möglich). „Neun Monate Winter und drei Monate Hölle", sagen die Madrileños. Beste Reisezeit: April/Mai und September/Oktober
  • Mittelmeerküste (Barcelona bis Almería): Mediterranes Klima — heiße, trockene Sommer (28–35°C), milde Winter (10–16°C). 300+ Sonnentage. Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober (Badewasser noch warm, Massen weg)
  • Südspanien (Andalusien): Heißestes Klima Europas — Córdoba und Sevilla erreichen im Juli/August regelmäßig 45°C. Sightseeing im Hochsommer ist eine Tortur. Beste Reisezeit: März bis Mai und Oktober/November
  • Kanarische Inseln: Subtropisches Klima — ganzjährig 20–28°C, im Winter wärmer als der Süden Spaniens. Nordseiten der Inseln feuchter (Passatwolken), Südseiten trocken und sonnig. Ideal: ganzjährig, besonders November bis März als Winterflucht

Wann wohin?

MonatEmpfehlung
Jan–FebKanaren (Wärme), Sierra Nevada (Ski), Karneval (Teneriffa, Cádiz)
Mär–AprAndalusien (Mandelblüte, Semana Santa), Valencia (Fallas), ganz Spanien angenehm
Mai–JunIdealzeit für fast alles — warm, noch nicht überlaufen, lange Tage
Jul–AugNordspanien & Balearen (Süden zu heiß!), Hochsaison überall, Preise am höchsten
Sep–OktMittelmeer (warmes Meer, weniger Touristen), Weinlese in Rioja, milderes Andalusien
Nov–DezKanaren, Südandalusien (mild), Weihnachtsmärkte in den Städten

Achtung

Im Hochsommer (Juli/August) sind Temperaturen über 40°C in Zentralspanien und Andalusien keine Seltenheit. Hitzetode sind ein reales Risiko. Mittagssonne meiden, viel trinken, Sonnenschutz tragen. Sightseeing auf frühen Morgen und Abend verlegen.

LGBTQ+ Reisen

Spanien ist eines der LGBTQ+-freundlichsten Länder der Welt — und das ist keine Übertreibung. 2005 legalisierte Spanien als drittes Land weltweit die gleichgeschlechtliche Ehe (vor Deutschland, vor Frankreich, vor den USA). Die gesellschaftliche Akzeptanz ist hoch: Über 85% der Bevölkerung befürworten Homosexualität — einer der höchsten Werte weltweit.

Die offene Atmosphäre

Gleichgeschlechtliche Paare, die händchenhaltend durch Madrid, Barcelona oder Sitges laufen, sind ein völlig normaler Anblick. Niemand dreht sich um. Spanien hat eine der lebendigsten LGBTQ+-Szenen Europas:

  • Madrid: Das Viertel Chueca ist das LGBTQ+-Zentrum Spaniens — Bars, Clubs, Restaurants, Boutiquen, alles regenbogenbeflaggt. Der Madrid Pride (Orgullo) Anfang Juli ist mit über 2 Millionen Teilnehmern eine der größten Pride-Paraden der Welt
  • Barcelona: Das Eixample-Viertel (scherzhaft „Gayxample") ist das Zentrum. Der Circuit Festival (August) zieht 70.000 Besucher an
  • Sitges: Kleiner Badeort südlich von Barcelona, seit Jahrzehnten internationaler LGBTQ+-Hotspot. Karneval in Sitges ist legendär
  • Gran Canaria (Maspalomas/Playa del Inglés): Ganzjähriges LGBTQ+-Reiseziel mit eigenen Hotels, Stränden und Nachtleben
  • Ibiza: Tolerant und queer-freundlich seit den 1970ern

Rechtliche Situation

Gleichgeschlechtliche Ehe, Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare und Antidiskriminierungsgesetze — alles gesetzlich verankert. Seit 2023 gibt es ein progressives Trans-Gesetz, das die Geschlechtsanpassung ohne ärztliche Diagnose ermöglicht. Spanien liegt im ILGA-Europe Rainbow Index regelmäßig in den Top 10.

Tipp

Wer den Madrid Pride erleben will: Hotels in Chueca und Umgebung Monate im Voraus buchen! Die Parade am Samstag ist riesig, aber das gesamte Wochenende ist ein Fest — Konzerte, Straßenfeste, ausgelassene Stimmung in der ganzen Stadt.

Medien

Spaniens Medienlandschaft ist vielfältig, politisch und leidenschaftlich — Zeitungen sind offen parteiisch, TV-Debatten laut und Fußball allgegenwärtig.

Zeitungen

  • El País: Größte Tageszeitung, Mitte-links. Ausgezeichnete englische Online-Ausgabe (english.elpais.com)
  • El Mundo: Zweitgrößte, Mitte-rechts. Investigativ stark
  • La Vanguardia: Kataloniens wichtigste Zeitung (Katalanisch und Kastilisch)
  • ABC: Konservativ-monarchistisch, älteste Tageszeitung
  • 20 Minutos: Kostenlose Pendlerzeitung, überall in U-Bahnen

Fernsehen

Spanisches TV ist laut, bunt und für Deutschsprachige gewöhnungsbedürftig. Die Hauptnachrichten (Telediario) laufen um 15 und 21 Uhr auf TVE1. Fußball dominiert die Sportkanäle. Talk-Shows (Tertulias) sind politische Schlachtfelder — Gäste reden gleichzeitig und schreien sich an.

Für Deutschsprachige

An der Costa del Sol und auf Mallorca gibt es deutschsprachige Medien: Mallorca Zeitung, Costa del Sol Nachrichten, Mallorca Magazin. Für Neuigkeiten in englischer Sprache: The Local Spain, Sur in English.

Notfälle

Spanien hat ein gut funktionierendes Notrufsystem. Die wichtigste Nummer:

Notrufnummern

  • 112: Allgemeiner Notruf (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) — europaweit, mehrsprachig (Englisch, Französisch, Deutsch). Immer die erste Wahl!
  • 091: Policía Nacional (Kriminalpolizei, Diebstahl, Überfall)
  • 092: Policía Local (städtische Polizei, Verkehr, lokale Angelegenheiten)
  • 062: Guardia Civil (ländliche Gebiete, Autobahnen, Küstenwache)
  • 061: Rettungsdienst (Ambulancia)

Polizei — wer ist zuständig?

  • Policía Nacional: In Städten über 30.000 Einwohner. Zuständig für Diebstahl, Pass-/Ausweisfragen, Strafanzeigen (Denuncia). Spricht manchmal etwas Englisch
  • Guardia Civil: Auf dem Land, an Autobahnen und Küsten. Erkennbar an den olivgrünen Uniformen. Professionell, manchmal etwas streng
  • Policía Local / Municipal: Städtische Polizei für Verkehr und lokale Ordnung
  • Mossos d'Esquadra (Katalonien) und Ertzaintza (Baskenland): Regionale Polizeikräfte, die die Policía Nacional in diesen Regionen weitgehend ersetzen

Bei Diebstahl

Eine Denuncia (Anzeige) bei der Policía Nacional erstatten — nötig für die Versicherung. In Touristenstädten gibt es spezielle „SATE"-Büros (Servicio de Atención al Turista Extranjero) mit mehrsprachigem Personal. Online-Anzeige möglich unter denuncias.policia.es

Achtung

Bei Passverlust sofort eine Denuncia erstatten und die deutsche Botschaft in Madrid (Tel: +34 91 557 90 00) oder das Konsulat in Barcelona kontaktieren. Mit der Denuncia und einem Passfoto stellt das Konsulat einen Notreiseausweis aus.

Öffnungszeiten

Spanische Öffnungszeiten folgen dem geteilten Tagesrhythmus — die Siesta ist real, und wer mittags einkaufen will, steht oft vor verschlossenen Türen.

Typische Öffnungszeiten

ArtVormittagSiestaNachmittag
Kleine Geschäfte10:00–14:00Geschlossen17:00–20:30
Supermärkte9:00–21:30 (durchgehend, manche bis 22:00)
Einkaufszentren10:00–22:00 (durchgehend, auch sonntags)
Banken8:30–14:00Geschlossen (manche Do nachmittags)
Post (Correos)8:30–14:30Geschlossen (Hauptpost durchgehend)
Apotheken9:30–14:00Geschlossen17:00–20:30
Museen10:00–20:00 (Mo oft geschlossen)
Restaurants13:30–16:00Geschlossen20:30–23:30

Besonderheiten

  • Sonntag: Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Supermärkte (außer Mercadona) oft auch. Bäckereien morgens geöffnet. In Touristenzonen gelten Ausnahmen
  • August: Viele kleine Geschäfte und Restaurants schließen für 2–4 Wochen (besonders in Madrid, wo die Hitze unerträglich ist). Schilder „Cerrado por vacaciones" (Wegen Urlaub geschlossen) sind allgegenwärtig
  • Großstädte vs. Dörfer: In Barcelona und Madrid verschwindet die Siesta-Pause zunehmend. In kleinen Städten und im Süden ist sie heilig — zwischen 14 und 17 Uhr ist alles tot

Tipp

Plane Besorgungen auf den Vormittag (10–13 Uhr) oder den späten Nachmittag (17–20 Uhr). Mittags einkaufen zu wollen endet in geschlossenen Türen und Frustration — nutze die Zeit wie die Spanier: essen, ausruhen, leben.

Post

Correos ist Spaniens staatliche Post — zuverlässig, aber nicht die schnellste. Briefkästen sind gelb.

Postkarten & Briefe

  • Postkarte/Brief nach Deutschland: 1,65 € (Standard, bis 20g). Laufzeit: 5–10 Werktage (manchmal länger)
  • Briefmarken (Sellos): In Postämtern und Tabakläden (Estancos, erkennbar am braunen „T"-Schild)
  • Online frankieren: Die Correos-App ermöglicht digitale Frankierung

Pakete

Für Pakete nach Deutschland ist Correos günstig (ab ca. 15 € für 2 kg), aber langsam (7–14 Tage). Schneller: DHL Express, UPS oder FedEx — aber deutlich teurer. GLS und DPD haben ebenfalls Niederlassungen in Spanien.

Sicherheit

Spanien ist ein sicheres Reiseland — Gewaltkriminalität gegen Touristen ist extrem selten. Das einzige relevante Risiko: Taschendiebstahl. Und der ist in bestimmten Hotspots eine regelrechte Industrie.

Taschendiebstahl — die Hotspots

  • Barcelona: Europas Hauptstadt der Taschendiebe. Besonders gefährlich: Las Ramblas, Plaça Catalunya, Metro (Linie 3 zum Hafen!), Sagrada Família-Umgebung, Strand (Barceloneta). Professionelle Banden arbeiten mit Ablenkungsmanövern
  • Madrid: Puerta del Sol, Gran Vía, Rastro-Flohmarkt (sonntags), Metro in der Rush Hour
  • Sevilla: Kathedrale, Barrio Santa Cruz, Feria-Gelände
  • Mietwagen: Aufbrüche auf Parkplätzen an Sehenswürdigkeiten (besonders Costa del Sol, Barcelona). Nichts Sichtbares im Auto lassen — auch keinen leeren Rucksack

Schutzmaßnahmen

  • Wertsachen im Hotelsafe lassen. Nur mitnehmen, was du brauchst
  • Rucksack vor dem Körper tragen, besonders in Metro und Menschenmengen
  • Handtasche mit Reißverschluss, quer über den Körper
  • Handy nicht aus der Gesäßtasche ragen lassen
  • Am Restauranttisch die Tasche nicht über die Stuhllehne hängen — auf den Schoß oder um das Stuhlbein wickeln
  • Am Strand: Wertsachen nie unbeaufsichtigt lassen, wasserdichte Handyhülle zum Schwimmen mitnehmen

Andere Risiken

  • Betrügereien: „Blumenfrauen" (drücken dir eine Blume in die Hand und fordern Geld), „Unterschriftensammler" (Ablenkung für Komplizen), falsche Polizisten (die echte zeigen immer einen Ausweis)
  • Verkehr: Spanier fahren zügig, aber nicht aggressiv. Auf Landstraßen überholen Einheimische an unübersichtlichen Stellen — defensiv fahren. Die Promillegrenze liegt bei 0,5‰ (0,3‰ für Fahranfänger)
  • Meer: An der Atlantikküste starke Strömungen (Corrientes) und hohe Wellen. Nur an bewachten Stränden schwimmen. Flaggen beachten: Rot = Baden verboten, Gelb = Vorsicht, Grün = sicher

Achtung

Barcelona hat ein echtes Taschendiebstahl-Problem. Sei besonders in der Metro und auf Las Ramblas auf der Hut. Professionelle Banden arbeiten in Teams — einer lenkt ab, der andere greift zu. Wenn jemand dich „aus Versehen" anrempelt oder dir etwas zeigen will: sofort die Taschen prüfen!

Strom

Spanien nutzt 230 V Wechselstrom, 50 Hz — identisch mit Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Steckdosen sind Typ C (Eurostecker) und Typ F (Schuko). Reisende aus dem DACH-Raum benötigen keinen Adapter.

Reisende aus UK, USA oder Australien brauchen einen Adapter (Typ C/F), erhältlich in Flughafenshops, Baumärkten (Leroy Merlin, Bricomart) und bei El Corte Inglés.

Tipps

  • In älteren Ferienwohnungen und auf Campingplätzen können Steckdosen locker sitzen — ein Mehrfachstecker mit kurzem Kabel hilft
  • Powerbank mitnehmen für lange Sightseeing-Tage in der Hitze (Akkus entladen sich bei Hitze schneller)
  • USB-Ladestationen in neueren Zügen (AVE), Flughäfen und vielen Cafés verfügbar

Trinkgeld

Trinkgeld (propina) ist in Spanien üblich, aber nicht verpflichtend — und deutlich entspannter als in den USA. Spanier geben weniger Trinkgeld als Deutsche, und niemand wird beleidigt, wenn es ausfällt.

Richtwerte

SituationÜblich
Café / Bar (an der Theke)Kupfermünzen liegen lassen (10–50 Cent)
Restaurant (Mittagessen)1–2 € oder Kleingeld aufrunden
Restaurant (Abendessen)5–10% der Rechnung. Bei sehr gutem Service bis 10%
TaxiAufrunden (z.B. 8,60 € → 9 €) oder 1 € extra
Hotel (Zimmermädchen)1–2 € pro Tag, am Ende des Aufenthalts
Gepäckträger1 € pro Koffer
Tourguide5–10 € pro Person bei ganztägiger Führung
Friseur1–3 € oder Aufrunden

Wichtig zu wissen

  • Trinkgeld wird bar gegeben, auch wenn du mit Karte zahlst. Am besten Münzen auf dem Tisch liegen lassen
  • Die Rechnung enthält bereits Service und Mehrwertsteuer (IVA) — der Preis auf der Karte ist der Endpreis
  • In Tapas-Bars an der Theke ist Trinkgeld minimal — Kleingeld in die Tasse am Tresen werfen
  • Spanier lassen das Trinkgeld auf dem Tisch liegen (nie direkt in die Hand drücken)

Zoll & Einfuhrbestimmungen

Innerhalb der EU (und Spanien ist Mitglied seit 1986) gibt es keine Zollkontrollen für den persönlichen Bedarf. Du kannst also unbegrenzt Jamón Ibérico und Rioja nach Deutschland mitnehmen — solange es für den Eigenverbrauch ist.

Innerhalb der EU — Richtwerte für den „Eigenbedarf"

  • Tabak: 800 Zigaretten, 200 Zigarren, 1 kg Tabak
  • Alkohol: 10 Liter Spirituosen, 20 Liter Likörwein (Sherry!), 90 Liter Wein, 110 Liter Bier
  • Bei Überschreitung muss man nachweisen, dass es für den persönlichen Gebrauch ist (Hochzeit, Feier etc.)

Von außerhalb der EU (Kanaren!)

Achtung: Die Kanarischen Inseln gehören zwar zu Spanien und zur EU, haben aber einen Sonderstatus (keine EU-Mehrwertsteuer, stattdessen IGIC von 7%). Bei der Einreise von den Kanaren auf das spanische Festland oder nach Deutschland gelten daher die Nicht-EU-Freigrenzen:

  • 200 Zigaretten oder 50 Zigarren
  • 1 Liter Spirituosen über 22% oder 2 Liter unter 22%
  • 4 Liter Wein, 16 Liter Bier
  • Waren bis 430 € Wert (Flugreise) bzw. 300 € (Landweg/Schiff)

Verbote & Einschränkungen

  • Lebensmittel: Innerhalb der EU keine Beschränkungen. Käse, Schinken, Olivenöl — alles erlaubt
  • Artenschutz: Keine Korallen, Muscheln, Schneckenhäuser, Tierpräparate oder Pflanzen aus Naturschutzgebieten
  • Medikamente: Persönlicher Bedarf für die Reisedauer, bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ärztliche Bescheinigung (am besten auf Englisch) mitführen
  • Kulturgüter: Antiquitäten und Kunstwerke über 50 Jahre benötigen eine Ausfuhrgenehmigung des spanischen Kulturministeriums

Tipp

Auf den Kanaren sind Tabak, Alkohol und Parfüm wegen der niedrigeren Steuern deutlich günstiger als auf dem Festland. Aber Vorsicht: Bei der Rückreise auf das Festland gelten die Nicht-EU-Freigrenzen!

War dieses Kapitel hilfreich?