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Regionen · Kapitel 4

Madrid & Kastilien

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RegionenKapitel 4: Madrid & Kastilien
Regionen · Kapitel 4

Madrid & Kastilien

Spaniens royale Hauptstadt. Madrid ist laut, leidenschaftlich und lebt nachts auf — eine Stadt, die sich nicht um Touristen schert, weil sie zu beschäftigt ist, das Leben zu genießen. Hier gibt es drei Weltklasse-Museen in Gehweite, den größten Königspalast Europas, die besten Tapas-Gassen des Landes und ein Nachtleben, das erst endet, wenn die Churrerías morgens um sechs wieder aufmachen.

Museo del Prado★★★

Calle de Ruiz de Alarcón 23, 28014 Madrid
Mo–Sa 10:00–20:00 Uhr, So & Feiertage 10:00–19:00 Uhr. 25. Dez., 1. Jan. & 1. Mai geschlossen.
15 € (online), Audioguide 6 €. Freier Eintritt: Mo–Sa 18:00–20:00, So 17:00–19:00. Unter 18 immer frei.

Der Prado gehört zu den drei bedeutendsten Kunstmuseen der Welt — gleichauf mit dem Louvre und der Eremitage. Was ihn einzigartig macht: Die Sammlung ist keine zufällige Anhäufung, sondern das Ergebnis von 500 Jahren königlicher Sammelleidenschaft. Jedes Werk wurde bewusst ausgewählt, von Monarchen, die leidenschaftliche Kunstkenner waren. Das Resultat ist eine unübertroffene Dichte an Meisterwerken.

Die absoluten Höhepunkte

  • Diego Velázquez: Las Meninas (1656) — Das berühmteste Gemälde Spaniens und eines der rätselhaftesten der Kunstgeschichte. Velázquez malt sich selbst beim Malen der Infantin Margarita, während das Königspaar im Spiegel im Hintergrund erscheint. Wer schaut wen an? Ein Bild, das man stundenlang studieren kann.
  • Francisco de Goya: Die Erschießung der Aufständischen (3. Mai 1808) — Ein Schrei gegen die Gewalt, der seine Kraft über 200 Jahre bewahrt hat. Und gleich daneben: die Pinturas Negras (Schwarze Gemälde) — Goyas verstörende Spätwerke, darunter „Saturn verschlingt seinen Sohn". Alptraumhaft und genial.
  • Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste (1490–1510) — Das dreiteilige Meisterwerk zeigt Paradies, irdische Lüste und Hölle in surrealer Detailflut. Spaniens Könige waren besessen von Bosch — der Prado besitzt die größte Sammlung seiner Werke weltweit.
  • Weitere Schwergewichte: El Greco (Die Dreifaltigkeit, Der Edelmann mit der Hand auf der Brust), Tizian (Karl V. zu Pferde), Rubens (Die drei Grazien), Raffael, Dürer, Caravaggio.

Der Prado ist riesig — über 8.000 Gemälde, von denen etwa 1.300 ausgestellt sind. Plan: Mindestens 3 Stunden, besser einen halben Tag. Fokussiere dich auf Velázquez (Saal 12), Goya (Säle 64–67 + Schwarze Gemälde Saal 67) und Bosch (Saal 56A).

Tipp

Montag bis Samstag 18:00–20:00 Uhr und Sonntag/Feiertag 17:00–19:00 Uhr ist der Eintritt frei! Komme 15 Min. vorher — die Schlange bildet sich schnell. Alternativ: Ticket online buchen (15 €) und morgens um 10:00 Uhr kommen, wenn die Säle noch leer sind. Der Audioguide (6 €) ist exzellent und lohnt sich.

Retiro-Park★★★

Parque del Buen Retiro, 28009 Madrid
April–Sept.: 6:00–0:00 Uhr. Okt.–März: 6:00–22:00 Uhr.
Eintritt frei. Ruderboote 6 €/45 Min.

Der Parque del Buen Retiro ist Madrids grüne Seele — 125 Hektar mitten in der Stadt, seit 2021 gemeinsam mit dem Paseo del Prado UNESCO-Welterbe. Ursprünglich im 17. Jahrhundert als königlicher Lustgarten angelegt, wurde der Park 1868 für die Öffentlichkeit geöffnet und ist seitdem der Ort, an dem die Madrileños Sonne tanken, joggen, rudern, lesen, küssen und den Sonntag mit der Familie verbringen.

Die Highlights

  • Estanque Grande — Der große See mit dem Denkmal für Alfonso XII. Ruderboote mieten (6 € für 45 Min.) und über den See gleiten — ein Klassiker.
  • Palacio de Cristal ★★★ — Der gläserne Palast (1887, inspiriert vom Crystal Palace in London) am Ufer eines kleinen Sees ist eines der schönsten Gebäude Madrids. Kostenlose Wechselausstellungen des Museo Reina Sofía im Inneren. Bei Sonnenlicht magisch.
  • Palacio de Velázquez — Weiterer Ausstellungsraum des Reina Sofía, umgeben von Gärten. Kostenlos.
  • Rosaleda (Rosengarten) — Über 4.000 Rosensträucher, am schönsten im Mai/Juni.
  • Paseo de las Estatuas — Die Promenade mit Statuen spanischer Monarchen, ursprünglich für den Königspalast geschaffen, aber zu schwer für das Dach.
  • El Ángel Caído — Die weltweit einzige öffentliche Statue, die Luzifer (den gefallenen Engel) darstellt. Steht bezeichnenderweise auf exakt 666 Metern über dem Meeresspiegel.

Tipp

Am Wochenende ist der Retiro voller Straßenkünstler, Wahrsager und Puppenspieler — besonders rund um den Estanque Grande. Sonntags um 12:00 Uhr treten oft Musiker an der Bandstand-Bühne auf. Kombiniere den Retiro mit dem Prado: Museum morgens, Park nachmittags — sie liegen direkt nebeneinander.

Plaza Mayor & Altstadt★★★

Plaza Mayor, 28012 Madrid

Madrids Plaza Mayor ist der grandioseste Platz der Stadt — ein geschlossenes Rechteck aus dreigeschossigen Arkaden-Gebäuden mit 237 Balkonen, erbaut 1617–1619 unter Philipp III. (dessen Reiterstatue in der Mitte steht). Hier fanden Stierkämpfe, Hinrichtungen, Krönungen und Karnevalsfeste statt. Heute ist die Plaza Mayor vor allem atmosphärisch: Straßenkünstler, Briefmarkenmarkt am Sonntag, Weihnachtsmarkt im Dezember.

Die Restaurants unter den Arkaden sind touristisch und überteuert — Bocadillo de Calamares (Tintenfischring-Brötchen, Madrids berühmtestes Streetfood) gibt es besser und billiger bei La Campana oder El Brillante in einer Seitengasse.

Rund um die Plaza Mayor

  • Mercado de San Miguel ★★ — Die gusseiserne Markthalle (1916) neben der Plaza Mayor wurde zur Gourmet-Passage umgebaut: Austern, Ibérico-Schinken, Wein, Tapas. Hübsch, aber teuer und touristisch (Tapa 4–8 €). Trotzdem einen Besuch wert, vor allem abends.
  • Calle de Cuchilleros — Die älteste Straße Madrids führt steil bergab von der Plaza Mayor. Hier liegt das Sobrino de Botín — laut Guinness-Buch das älteste Restaurant der Welt (seit 1725). Spanferkel und Lamm aus dem Holzofen. Hauptgericht 22–35 €. Reservierung Pflicht.
  • La Latina & Cava Baja ★★★ — Nur wenige Schritte südlich der Plaza Mayor beginnt Madrids beste Tapas-Meile. Die Cava Baja ist eine Gasse voller Tabernas, Bodegas und Weinbars — hier hüpft man abends von Lokal zu Lokal. Sonntags verwandelt sich La Latina beim Rastro (Flohmarkt, 9:00–15:00 Uhr) in ein einziges Volksfest.

Tipp

Die Cava Baja und das Viertel La Latina sind donnerstags bis samstags ab 20:30 Uhr am lebendigsten. Beginne bei Txirimiri (baskische Pintxos), dann weiter zu Juana la Loca (legendäre Tortilla), dann Casa Lucas (kreative Tapas). Drei Tapas und ein Getränk pro Bar, dann weiter — so machen es die Madrileños.

Königspalast (Palacio Real)★★★

Calle de Bailén s/n, 28071 Madrid
April–Sept.: Mo–Sa 10:00–19:00 Uhr, So 10:00–16:00 Uhr. Okt.–März: Mo–Sa 10:00–18:00, So 10:00–16:00.
12 € (Palast), 14 € (Palast + Küche oder Waffensammlung). Audioguide 4 €. EU-Bürger teils frei (s. Tipp).

Der Palacio Real ist mit über 3.400 Räumen der größte Königspalast Europas — größer als Versailles und Buckingham Palace. Erbaut 1738–1764 an der Stelle des abgebrannten mittelalterlichen Alcázar, ist der Palast ein Manifest der Bourbonen-Macht: italienischer Barock außen, Rokoko und Neoklassik innen, mit einer Pracht, die sprachlos macht.

Besichtigt werden können etwa 50 der 3.400 Räume, darunter:

  • Thronsaal (Salón del Trono) — Deckenfresko von Tiepolo, venezianische Spiegel, Rokoko in Perfektion.
  • Bankettsaal (Comedor de Gala) — 400 Gäste passen an die Tafel. Die Tiepolo-Deckengemälde sind atemberaubend.
  • Stradivari-Saal — Fünf Streichinstrumente von Antonio Stradivari, noch immer spielbar.
  • Königliche Apotheke — Hunderte von Keramikgefäßen aus dem 18. Jahrhundert. Kurios und faszinierend.
  • Waffensammlung (Real Armería) — Eine der bedeutendsten der Welt: Rüstungen von Karl V. und Philipp II., Turnierausrüstungen und Prunkwaffen.

Der Palast wird für offizielle Staatsakte genutzt, die Königsfamilie wohnt im deutlich bescheideneren Palacio de la Zarzuela außerhalb der Stadt. Bei Staatsempfängen ist der Palast geschlossen — vorher die Website prüfen.

Die Jardines de Sabatini (nördlich) und die weitläufigen Campo del Moro-Gärten (westlich, Eingang über die Cuesta de la Vega) sind kostenlos und bieten den besten Blick auf die Palastfassade.

Tipp

Montag bis Donnerstag 16:00–18:00 Uhr (Okt.–März) bzw. 17:00–19:00 Uhr (April–Sept.) ist der Eintritt für EU-Bürger frei! Ausweis mitbringen. Sonst: Online-Ticket buchen, um die Schlange zu umgehen. Die Wachablösung findet mittwochs und samstags um 11:00 Uhr statt (nicht im Juli, Aug., bei Regen oder Staatsbesuchen).

Puerta del Sol & Gran Vía★★

Puerta del Sol, 28013 Madrid

Die Puerta del Sol ist Madrids Nabel — der Platz, an dem alle Straßen zusammenlaufen (buchstäblich: der Kilómetro Cero, der Nullpunkt aller spanischen Nationalstraßen, ist in den Bürgersteig eingelassen). Hier steht die Statue des Oso y el Madroño (Bär und Erdbeerbaum), Madrids Wappentier. Und hier versammeln sich an Silvester Zehntausende, um bei jedem der zwölf Glockenschläge eine Traube zu essen — wer alle zwölf schafft, hat Glück im neuen Jahr.

Der Platz selbst ist keine Schönheit (er wurde 2022 komplett umgestaltet und autofrei gemacht), aber er ist das energetische Zentrum der Stadt. Von hier aus strahlt alles ab.

Gran Vía ★★

Madrids Prachtboulevard (1910–1929) zieht sich 1,3 km vom Osten zum Westen durch die Stadt — eine Parade aus Belle-Époque-Fassaden, Kinos, Musical-Theatern und Flagship-Stores. Die schönsten Gebäude:

  • Edificio Metrópolis — Die ikonische Eckkuppel mit der geflügelten Victoria ist Madrids meistfotografiertes Gebäude.
  • Edificio Telefónica — Spaniens erstes Hochhaus (1929, 89 m). Im Bürgerkrieg Artillerie-Zielscheibe, weil es als Aussichtsturm diente.
  • Edificio Capitol (Schweppes-Gebäude) — Art-Déco-Juwel mit der berühmten Neonreklame. Nachts am schönsten.

Am westlichen Ende der Gran Vía liegt die Plaza de España mit dem Cervantes-Denkmal (Don Quijote und Sancho Panza) und dem kürzlich renovierten Park — ein angenehmer Ruhepol nach dem Trubel.

Tagesausflug: Toledo★★★

Zug Madrid–Toledo: ab 13 € (33 Min.). Toledo-Pulsera-Turística (Kombi-Ticket 7 Sehenswürdigkeiten): 10 €.

Toledo — die „Stadt der drei Kulturen" — thront auf einem Granitfelsen über dem Fluss Tajo und ist einer der beeindruckendsten Orte Spaniens. Hier lebten Christen, Juden und Muslime jahrhundertelang zusammen und hinterließen eine Stadt, die wie ein offenes Geschichtsbuch wirkt: gotische Kathedralen neben Synagogen neben Moscheen, dazu El Grecos Meisterwerke und verwinkelte Gassen, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert haben. Seit 1986 UNESCO-Welterbe.

Die Highlights

  • Kathedrale von Toledo ★★★ — Eine der größten und reichsten gotischen Kathedralen der Welt (1226–1493). Die Sakristei beherbergt Werke von El Greco, Goya, Tizian und Caravaggio — ein Museum in der Kirche. Der Transparente (barockes Altarwerk mit Lichtschacht) ist spektakulär. Eintritt 12,50 €.
  • Alcázar — Die Festung auf dem höchsten Punkt der Stadt beherbergt das Armee-Museum. Beeindruckender Bau, Panoramablick von der Terrasse. Eintritt 5 €.
  • Synagoge del Tránsito ★★ — Die schönste erhaltene Synagoge Spaniens (1356) beherbergt das Sephardische Museum über die Geschichte der Juden in Spanien. Mudéjar-Dekor von betörender Schönheit. Eintritt 3 €.
  • Monasterio de San Juan de los Reyes ★★ — Franziskanerkloster (1477) mit einem der schönsten Kreuzgänge Spaniens. Außen hängen noch die Ketten der von den Christen befreiten Gefangenen aus der Reconquista.
  • Iglesia de Santo Tomé — Hier hängt El Grecos Meisterwerk „Das Begräbnis des Grafen von Orgaz" (1586) — allein dafür lohnt der Tagesausflug. 3 €.

Praktisch

Anreise: Zug ab Madrid-Atocha, 33 Minuten, ab 13 €. Züge halbstündlich. Am Bahnhof Toledo Bus 5 in die Altstadt oder 20 Min. zu Fuß bergauf. Tipp: Die Mirador del Valle auf der anderen Flussseite bietet den klassischen Panoramablick — den El Greco für seine berühmte Stadtansicht malte. Per Bus 71 oder zu Fuß (30 Min.).

Tipp

Komme früh (erster Zug 8:20 Uhr) und plane den ganzen Tag ein — Toledo hat mehr zu bieten als die meisten Reiseführer verraten. Mittags: Carcamusa (Schweinefleisch-Eintopf, Toledos Traditionsgericht) in einer der Tavernen nahe der Plaza Zocodover. Und: Kaufe Marzipan bei Santo Tomé (seit 1856) — Toledo ist die Marzipan-Hauptstadt Spaniens.

Tagesausflug: Segovia★★

AVE Madrid–Segovia: ab 12 € (27 Min.). Bus: ab 9 € (1h 15 Min.).

Segovia verzaubert mit drei Superlativen: dem am besten erhaltenen römischen Aquädukt der Welt, einer majestätischen Kathedrale und dem Alcázar, der Walt Disney als Vorlage für das Dornröschen-Schloss diente. Die kleine Stadt (55.000 Einwohner) auf einem Felsplateau zwischen zwei Flüssen wirkt wie aus einem Märchenbuch und ist der perfekte Tagesausflug von Madrid.

Die Highlights

  • Acueducto Romano ★★★ — 28 Meter hoch, 813 Meter lang, 167 Bögen — und das Ganze ohne einen Tropfen Mörtel. Die 20.400 Granitblöcke halten allein durch ihr Eigengewicht und präzise Steinmetzarbeit zusammen. Erbaut im 1.–2. Jahrhundert n. Chr., transportierte das Aquädukt Wasser aus den Bergen 17 km weit in die Stadt. Bis 1973 war es noch in Betrieb! Von der Plaza del Azoguejo am Fuß des Aquädukts wirkt es am imposantesten.
  • Alcázar de Segovia ★★★ — Die Burg auf dem Felssporn über dem Zusammenfluss von Eresma und Clamores ist ein Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur. Schlanke Türmchen, Spitzdächer, eine Zugbrücke — das Schloss, das jedes Kind malen würde. Innen: der Thronsaal mit Mudéjar-Decke und der Saal der Könige mit 52 Königsporträts. Aufstieg auf den Torre de Juan II (152 Stufen) für den besten Blick auf die kastilische Hochebene. Eintritt 9 €, mit Turm 12 €.
  • Kathedrale von Segovia ★★ — Die „Dame der Kathedralen" (1525–1577) ist die letzte große gotische Kathedrale Spaniens und eine der elegantesten. Harmonische Proportionen, luftige Höhe. Eintritt 4 €.

Essen

Segovia ist berühmt für sein Cochinillo Asado (Spanferkel aus dem Holzofen) — so zart, dass es traditionell mit dem Tellerrand zerteilt wird. Die besten Adressen: Mesón de Cándido (seit 1786, Institution, 25 €), José María (Einheimischen-Favorit, 22 €). Reservierung am Wochenende Pflicht.

Praktisch

Anreise: AVE-Hochgeschwindigkeitszug ab Madrid-Chamartín, nur 27 Minuten, ab 12 €. Der Bahnhof (Segovia-Guiomar) liegt 5 km außerhalb — Bus 11 ins Zentrum (2 €, 15 Min.). Alternative: Direktbus ab Madrid Moncloa (La Sepulvedana), 1h 15 Min., ab 9 €, hält im Zentrum.

Tipp

Der Bus ab Moncloa ist die bequemere Option — er hält direkt am Aquädukt im Zentrum, während der schnellere AVE-Zug einen Shuttle ins Stadtzentrum erfordert. Plane Segovia und Toledo nicht am selben Tag — jede Stadt verdient einen vollen Tag. Wer im Winter kommt: Segovia auf 1.000 m Höhe kann bitterkalt sein — warme Jacke einpacken!

Essen & Nachtleben (Tapas-Gassen)

Madrid ist Spaniens kulinarische Hauptstadt — nicht weil die Madrilenen eine eigene Regionalkuche hätten, sondern weil hier alle Küchen Spaniens zusammenkommen: baskische Pintxos, andalusischer Fisch, galicischer Oktopus, katalanische Kreationen, asturischer Käse. Dazu eine Tapas-Kultur, die zum Besten gehört, was das Land zu bieten hat.

Tapas-Viertel

  • La Latina / Cava Baja ★★★ — Die Tapas-Meile schlechthin. Dutzende Bars auf 300 Metern. Top-Adressen: Txirimiri (baskische Pintxos, 2–4 €/Stück), Juana la Loca (die berühmteste Tortilla Madrids, mit karamellisiertem Ei und Zwiebel, 14 €), Casa Lucas (kreative Tapas, 6–12 €), El Tempranillo (über 200 Weine, herzhafte Tapas).
  • Malasaña — Hipster-Viertel mit Craft-Beer-Bars, Brunch-Cafés und internationaler Küche rund um die Plaza del Dos de Mayo. Probiere La Musa (moderne Tapas, 8–14 €) oder Bodega de la Ardosa (Vermouth vom Fass seit 1892, Tortilla legendär).
  • Chueca — LGBTQ+-Viertel mit einigen der besten Restaurants der Stadt: Mercado de San Antón (Gourmet-Markt auf 3 Etagen, Dachterrasse), Yakitoro by Chicote (spanisch-japanische Fusion von Sternekoch Alberto Chicote).

Klassiker

€ Budget:

  • Casa Toni · Calle de la Cruz 14 — Seit 1959 die besten Patatas Bravas Madrids. Knusprig, scharf, perfekt. 4 €. Keine Umstände, pures Madrid.
  • El Brillante · Plaza del Emperador Carlos V 8 — Bocadillo de Calamares (Tintenfischring-Brötchen), Madrids Streetfood Nr. 1. Am Tresen neben den Taxifahrern essen. 4,50 €.
  • Casa Labra · Calle de Tetuán 12 — Seit 1860 Kabeljau-Kroketten und frittierten Bacalao am Tresen. Hier wurde 1879 die Sozialistische Partei PSOE gegründet. 2 Kroketten für 1,70 €.

€€ Mittelklasse:

  • Lateral · Paseo de la Castellana 89 — Elegante Tapas in modernem Ambiente. Tatar, Kroketten, Braseada. 8–16 €.
  • Sobrino de Botín · Calle de Cuchilleros 17 — Das älteste Restaurant der Welt (seit 1725). Spanferkel und Lamm aus dem originalen Holzofen. Hemingway aß hier sein letztes Abendessen in „The Sun Also Rises". 22–35 €.

€€€ Gehoben:

  • DiverXO · Calle de Padre Damián 23 — 3 Michelin-Sterne, Dabiz Muñoz, extravagantestes Restaurant Spaniens. Degustationsmenü ab 250 €. Avantgardistisch, verrückt, genial.
  • Smoked Room · Calle del Barquillo 11 — 2 Michelin-Sterne. Fleisch-Tempel mit eigenem Smoker. Degustationsmenü ab 165 €.

Nachtleben

Madrid hat das wildeste Nachtleben Europas. Hier geht man um 22:00 Uhr zum Abendessen, um Mitternacht in die Bar, um 2:00 Uhr in den Club und um 6:00 Uhr auf Churros con Chocolate bei der Chocolatería San Ginés (seit 1894, 24h geöffnet, 4,20 € für Churros + heiße Schokolade). Die wichtigsten Viertel:

  • Malasaña — Indie, Rock, alternativ. Bars: Tupperware, La Vía Láctea. Clubs: Ocho y Medio (Indie-Electro).
  • Chueca — LGBTQ+-Szene und darüber hinaus. Bars: Museo Chicote (legendäre Cocktailbar seit 1931), Macera (Eigeninfusionen).
  • Huertas / Barrio de las Letras — Mainstream, Salsa, internationale Crowd. Bars entlang der Calle de las Huertas.
  • Clubs — Teatro Kapital (7 Floors!), Mondo Disko (Electro), Siroco (Live-Musik), Sala Sol (Rock/Punk).

Tipp

In Madrid bekommst du in vielen Bars eine kostenlose Tapa zu jedem Getränk — besonders in La Latina und rund um die Calle de la Cava Baja. Bestelle eine Caña (kleines Bier, 1,50–2,50 €) und bekomme Oliven, Patatas oder eine Mini-Tortilla dazu. Und: Sonntags ist der Rastro-Flohmarkt in La Latina Pflicht (9:00–15:00 Uhr) — danach Tapas in der Cava Baja.

Stadtrundgang

Madrid Altstadt — Sol bis Palacio

3–4 Stunden 4 km

Vom pulsierenden Herzen der Stadt durch mittelalterliche Gassen, über Madrids grandiosesten Platz und durch die besten Tapas-Gassen bis zum Königspalast. Dieser Spaziergang verbindet Habsburger-Architektur, Volkstümliches und royale Pracht — das perfekte Madrid-Einführungsprogramm.

1

Puerta del Sol

Start am Kilómetro Cero, dem geografischen Mittelpunkt Spaniens. Foto mit dem Bär und dem Erdbeerbaum (Madrids Wappen). Den frisch renovierten, autofreien Platz überblicken und die Energie der Stadt aufsaugen.

10 Min.
2

Plaza Mayor

Durch die Calle Mayor zum großartigsten Platz Madrids. Unter den Arkaden flanieren, die 237 Balkone zählen, die Fresken der Casa de la Panadería bestaunen. Wer mag: Bocadillo de Calamares bei La Campana in einer Seitengasse (4 €).

20 Min.
3

Mercado de San Miguel

Die gusseiserne Gourmet-Markthalle direkt neben der Plaza Mayor betreten. Ein Glas Vermouth (3 €), ein paar Gildas (baskische Pintxos mit Sardelle, Olive, Peperoni, 3 €) und weiter.

20 Min.
4

Cava Baja (La Latina)

Durch die Calle de Cuchilleros bergab (älteste Straße Madrids, vorbei am Sobrino de Botín) ins Tapas-Viertel La Latina. Die Cava Baja entlangschlendern — hier reiht sich Bar an Bar. Mittags ruhig, abends explodiert die Gasse.

20 Min.
5

Basílica de San Francisco el Grande

Weiter südlich zur unterschätzten Basilika mit der viertgrößten Kirchenkuppel der Welt (33 m Durchmesser). Gemälde von Goya und Zurbarán. Eintritt 5 €. Die meisten Touristen verpassen sie — ein ruhiger Kontrapunkt zum Trubel.

20 Min.
6

Catedral de la Almudena

Madrids Kathedrale (erst 1993 fertiggestellt!) liegt direkt gegenüber dem Königspalast. Die neugotische Fassade ist umstritten, aber das Innere überrascht mit modernen Deckenfresken in kräftigen Farben. Eintritt frei (Spende erbeten).

15 Min.
7

Palacio Real & Plaza de Oriente

Finale am größten Königspalast Europas. Die Fassade vom Park aus bewundern (oder reingehen — 12 €, 1,5 h einplanen). Dann zur Plaza de Oriente: Habsburger-Gärten, die Reiterstatue Philipps IV. und als Belohnung ein Drink im eleganten Café de Oriente mit Palastblick.

30 Min.
8

Jardines de Sabatini — Sonnenuntergang

Die neoklassizistischen Gärten nördlich des Palasts sind der perfekte Abschluss. Geometrisch geschnittene Hecken, Springbrunnen, und bei klarem Himmel ein goldener Sonnenuntergang über den Guadarrama-Bergen. Kostenlos.

15 Min.

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